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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-03-23 · 12 (23.3.1900) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
12 (23.3.1900)
Date
1900-03-23
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 12 Dr. Bloches Wochrnfchrifi. Seite 227 8373,73 Mark. Vorsitzende des Stifts, welches durch den Tod des Fräulein Franziska Lüpschütz einen schweren Verlust erlitten hat, sind Waisenhausdirector Dr. Strelitz und Frau Julie Neumann. Aus Bayern. (Eine antisemitische Heldent h a t) hat der Districtsrath von Eggenfelden vollbracht. Die bündlerische „Niederbayerische Bundeszeitung" berichtet darüber: „Am letzten Freitag war in Eggenfelden Districtsraths-Ausschußwahl. Diese Gelegenheit benutzte Districtsrath Bürgermeister Aigner von dort, um einen Antrag einzubringen, daß dem Distrikscassierer P i ch l m e i e r seine Stelle zu kündigen sei, falls er den Pachtvertrag mit dem „Juden Heller" uach Ablauf desselben wieder erneuern sollte. Dieser Antrag wurde von den anwesenden 80 Districtsräthen, die zu neun Zehntel aus Landwirthen sich zufammensetzen, nahezu einstimmig zum Beschlusie erhoben. Cassierer P i ch l m e i e r erklärte sodann, daß er auf seinen ^Posten, welcher ihm ein jährliches Einkommen von 9 bis 10.000 Mark sichere, nicht Verzicht leisten und den „Juden" aus dem Hause schaffen werde, er wolle dem Districte doch lieber noch 3 Jahre dienen, um das dann 25 Jahre gethan zu haben." Der Districtsrath Eggenfelden hat mit dieser Vergewaltigung seine Befugnisse entschieden überschritten, selbst wenn auf gesetzlichem Wege gegen seinen Beschluß nichts auszurichten wäre. Im Uebrigen sollte man glauben, ein Districtsrath hätte höhere Aufgaben zu erfüllen, als in Antisemitismus zu machen und einen Act unerhörter Unduldsamkeit zu begehen. Paris. (Sensationeller Sieg jüdischer Arbeit.) Aus der französischen Hauptstadt theilt man uns die hochinteressante Neuigkeit mit, daß die Direction des weltberühmten „Institut Pasteur" beschlossen hat, fortab den Kranken und Reconvalescenten dortselbst nur Palästina-Karmel- Weine zu verabreichen, da sich die Direction durch eingehende chemische Analysen überzeugt hat, daß diese Producte, vollkommen echt, von vorzüglicher Qualität sind. Bedenkt man, daß diese Weine und Cognac auf den jüdischen Colonien im heiligen Lande ausschließlich von Juden producirt werden, so kann man diesen Beschluß des „Institut Pasteur" als einen großen Sieg jüdischer Tüchtigkeit und Gewissenhaftigkeit bezeichnen. Capitän Dreyfus, Emile Zola, Oberst Picquart und Reinach haben an die Senatscommission Proteste gegen die Amnestievorlage gerichtet. Dreyfus' Brief ist aus Carpentras datirt und lautet: Die Amnestievorlage beraubt mich der Möglichkeit, vor dem Caffationshofe eine Revision der ungerechten Verurtheilung, die mich aufs neue traf, zu verlangen, beraubt mich somit meiner theuersten Hoffnung, in legaler Weise meine Unschuld proclamirt zu sehen, diese Unschuld, welche so evident ist, daß die Regierung es als eine Ehrenpflicht erachtete, das Urtheil vom 8. September nicht zum Vollzüge bringen zu lassen. Ich habe keinerlei Begnadigung verlangt. Das Recht des Unschuldigen ist nicht Milde, sondern Gerechtigkeit. Die Freiheit war mir darum theuer, weil mir durch sie gestattet war. leichter die Gutmachung des fürchterlichen Rechtsirrthums, dessen Opfer ich war, anzustreben. Welches Rechtsmittel zur Erlangung der Revision bleibt mir, wenn die Amnestie votirt wird? Ich protestire gegen diese Maßnahme, die mich dem Unrechte gegenüber entwaffnet. Niemand wünscht eifriger als ich eine Beruhigung der Gemüther und das Ende der schrecklichen Leidenschaften, deren erstes Opfer ich gewesen, aber die Justiz allein nur kann diese Beruhigung schaffen. Die Amnestie trifft mich im Herzen, sie kommt nur den Verbrechern zn statten, welche die Richter getäuscht haben oder wissentlich einen Unschuldigen mittelst Fälschungen verurtheilen ließen, und mich in den Abgrund stürzten. Diese Amnestie käme dem General Mercier zu statten, dem Haupturheber des Justizverbrechens von 1894, der durch eine Ironie des Schicksals berufen sein wird, als Senator zu seinem Vortheile abzustimmen. Ich bitte den Senat inständigst, mir mein Recht auf Wahrheit und Gerechtigkeit zu belassen. Gez. Alfred Dreyfus. Emile Zola schreibt: „Ich protestire aus allen Kräften gegen die Amnestie; ich wünsche abgeurtheilt zu werden. Es ist unmöglich, daß man den Lauf der Justiz unterbricht, indem man mich unter dem Schlage einer Contumaz-Verurtheilung, gegen die ich Einwand erhob, läßt. Ich bitte die Commission, mich einzuvernehmen, nachdem sie die Regierung einvernommen haben wird." Oberst Picquart erklärt in seinem Protest: „Die Amnestievorlage würde mich in zweifacher Weise treffen, denn sie würde mich von einem Vergehen amnestiren, das ich nicht begangen, und würde mich gewissermaßen mit dem General Mercier und seinen Complicen zusammenfaffen." Picquart wünscht, wie schließlich auch Reinach, von der Senatscommission vernommen zu werden. Rom. Ueber Jsaac Arton, deffen sterbliche Ueberreste in Asti ruhen, wird geschrieben: Arton hat auch viel Gutes für Asti gethan, wo er im Kreise seiner Familie stets, wenn er Rom-müde war, zu weilen pflegte. Die Stadt hat beschlossen, ihm ein Grabdenkmal zu errichten, uud da der Botschafter in Wien, Graf Nigra, der gleichfalls einst Secretär Cavonr's gewesen, dem Entschlafenen besonders nahestand, so wendete sich der Sindaco an den Grafen mit der Bitte, das Epitaph für das projectirte Grabmal abzufaffen. Graf Nigra hat dem Ansuchen des Sindaco bereitwillig Folge gegeben und eine Inschrift verfaßt, die in deutscher Übersetzung ungefähr folgendermaßen lautet: „Jsacco Arton, geboren in Asti, gestorben in Rom.Senator des Königreiches, Freund und Secretär des Grafen Cavour, über den er denkwürdige Blätter geschrieben — ein Rathgeber, auf den in der Epoche der Einigung Italiens die hervorragendsten Staatsmänner, welche die Schicksale des Landes lenkten, zu hören pflegten. Er widmete seinen erlesenen Geist und seine treue Arbeit seinen Königen, Italien, dem geliebten Geburtsorte Asti. Er hinterließ Zeitgenossen und Nachkommen ein Beispiel dessen, wie man sich öffentlich und privat mit Auszeichnung bethätigt. Er gab das Beispiel eines mühereichen Daseins, eines Mannes von Herz, eines unbefleckten Charakters und einer Bescheidenheit, die auf der Höhe seiner Verdienste war. — Die Stadt Asti decretirte dieses Denkmal zur Erinnerung an den edlen Mitbürger." U'- ^Petersburg. Der „Woschod" hat einen Special-Berichterstatter nach Befsarabien gesandt, um die Verhältnisse der dortigen jüdischen Colonien zu studieren. Bekanntlich leidet Befsarabien in Folge der Mißernte unter schrecklicher Noth. Freilich hat die Regierung viel aufgewendet, um den dortigen Bauern zu Hilfe zu kommen, doch haben die jüdischen Ackerbauer bisher noch nichts erhalten. Der Berichterstatter schildert die Verhältnisse geradezu gräßlich. Im Bezirk von Akkermann sind 185 jüdische Familien mit 1100 Seelen dem Hungerstode preisgegen. Um ihnen wirklich zu helfen, sind 17.000 Rubel nöthig, während nur 4000 zur Verfügung stehen, welche der Fleischsteuercasse entnommen werden. Im Bezirk von Biranschi darben 110 Familien mit 590 Seelen; für die wären 8000 Rubel und für die Hungrrnden im Bezirk Tartarum (104 Familien mjt 560 Seelen) noch fernere 7000 Rnbel erforderlich. Da die Localbehörden, die Semstwos, zur Milderung des Nothstandes nichts thun, hat sich der Gouverneur telegraphisch an den Minister des Innern um die Ermächtigung gewendet, aus der Fleischsteuercafse weitere 10.000 Rubel für die hungernden jüdischen Familien zu entnehmen. Die Antwort lautete erfreulicherweise bejahend, und der allerschlimmsten Noth wird so, allerdings nur für eine Spanne Zeit, abgeholfen sein. Vermischtes. Wien. (Kundmachung.) Freitag den 23. März d. I. Abends und Samstag den 24. M ä r z d. I. F r ü h wird Herr Eugen Dawisohn, Obercantor in Teplitz, im Leopoldstädter Tempel Probevorträge halten. Beginn des Gottesdienstes: Freitag Abends um 6 Uhr 30 Minuten, Samstag Früh um 8 Uhr. Wien. Dr. Samuel Rosenzweig, Zögling des Wiener Rabbinerseminars, wurde am 18. d. M. zum Rabbiner in Kojetein gewählt. Wien. (G r u n d st e i n l e g u n g.) Letzten Dienstag fand in der Brigittenau die Grundsteinlegung für den neuen Tempelbau statt, der nach den Plänen und unter der Leitung des Architekten I. Gärtner vom Stadtbaumeister Ad. A m b o r ausgeführt wird. Der Obmann des Tempelbauvereines, Herr E l t b o g e n, hielt vor dem Gottesdienste eine Ansprache an die zur Feier Erschienenen. Herr Rabbiner Doctor Templer weihte sodann den Grundstein ein. Seine Rede übte auf die Versammlung einen sichtlichen Eindruck. Mit der Absingung der Bolkshymne war die schöne Feier zu Ende. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag den 25. März d. I., 3'/. Uhr Nachmitags, findet im israelitischen Tempel, I., Seiten-

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