Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 12 (23.3.1900)
- Date
- 1900-03-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Ur. 12 Dr. Bloch’s - . , 4 Zahrjlimr XTD. Centralorgan für die gefmmnken Interessen des Iudenthmns. Wien, 23. Mär; 1900. Erscheint jeden Freitag. -—»fr-——(•—- Brief-Adresse: Wien, II.. Untere Augartenstraße Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. *■ =n | 23. ft. Postsparcalsen-Smr "Clrarin gvrrkehr I Nr. 810.976.! Redaktion und Kdminiltrsrion: ' Wien II., Ankere Rnaarkenlkr. ln. Telophon-Nr. 14,847 k.* W _ - - j Sexngsprri» für Srkterrrich:! Halbjährig S ökronen. I Einzelexemplare 50 Heller! Dir'» Awolaud: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 » Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. j m —* Inhalt. Leitartikel: Boeren-Sympathien. — Ueber die Massenauswandernng der rumänischen Juden. — Die Stellung der Rabbiner in Preußen. — Centennarfeier für Josef Ritter v. Wertheimer. — Vom I ahrmarkt des Lebens: Eine sociale Pflicht. Verfall der parlamentarischen Sitte durch die antisemitischen Hetzer. „Die Bedeutung des Polnaer Verbrechens für den Ritual-Aberglauben". Burengeneral Lucus Mayer. Dichter sind Propheten! Eine kalendarische Bemerkung. Aus der arischen Gesellschaft. Weiskirchner eontra Kareis. — Correspondenzen: Aus der Plenar-Sitzung des Cultusvorstandes vom 18 März. Oesterreichisch- Jsraelitische Union. Wien, Brünn, Lemberg, Preßburg, Bielitz, Budapest, Leipzig, Berlin, Aus Bayern, Paris, Rom, Petersburg. — Vermischtes: Wien, Marienbad, Radnitz, Göding, Teplitz, Budapest, Prerau, Hamburg. — Feuilleton: Michael. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Voeren-Sympathien. Seit Monaten wüthet in Südafrika zwischen der englischen und holländischen Race ein blutiger Krieg, dessen Ende vorläufig kaum absehbar. Wir maßen uns nicht an, zu entscheiden, auf wessen Seite in diesem Streite das Recht sein mag, wir sehen auch, daß sich alle Mächte der Einmischung in den schwebenden Kampf enthalten, und selbst die Vermittlung, zu der sie angerufen wurden, entschieden ablehnen. Aber gleichzeitig beobachten wir, daß die Sympathien der Völker sich nicht in gleicher Richtung bewegen, und wir halten es für sehr lehrreich, den Spuren dieser Gefühlsäußerungen nachzugehen. Auf den ersten Blick schon fällt uns auf, daß in allen Staaten, wo das sogenannte nationalistische Element vorwaltet oder nach Geltung ringt, sich die Stimmung den Boeren zuneigt. Die Erklärung ist leicht gegeben. Es steckt eben auch in den Boeren ein stark nationalistischer Zug. Sie sind exclusiv in der Behandlung anderer Volksstämme, wenig duldsam gegen Andersgläubige, rücksichtslos in der Wahl ihrer Mittel zur Aufrechthaltung ihrer Vorrechte, abweisend gegen die Zuerkennung der Gleichberechtigung; zudem sind sie die richtigen Agrarier, welche Handel und Industrie geriugschätzen und hochmuthsvolle Aristokraten, die mit Verachtung auf die anderen Völker herabblicken. Daß einem solchen Volke alle Elemente Sympathien zuwenden, welche den einen oder anderen Zug mit ihnen gemein haben, kann uns nicht verwundern. Es ist demnach gar nicht überraschend, daß Antisemiten und Deutschnationale, französische Chauvins und russische Autokraten für die Boeren schwärmen und ihnen Waffensieg wünschen. Anderseits sehen wir, daß die Völker, die nach Freiheit ringen, das Menschenrecht achten, die Gleichberechtigung anerkennen nnd üben, wie die Italiener und selbst die Griechen ihre Sympathien jenem Staate zuwenden, welcher der erste und lange Zeit der einzige war, der die Scheidewände niederriß, die Vorurtheile und falscher Wahn aufgerichtet hatten, die persönliche Freiheit durch die glorreichste Gesetzgebung der lladsas eorpus-Acte sicherstellte, allen Versuchungen widerstehend dem freien Handel Thür und Thore öffnete, der Industrie die glänzendste Entwicklung gab, der freien Forschung eine Stätte bot, allüberall für die Befreiung der Unterdrückten eintrat, ein Asyl war für alle Verfolgten, in unerschrockener Weise vor die mächtigsten Herrscher hintrat, um sie zur Menschlichkeit gegen ihre Unterthanen zu mahnen, seine Hand in großmüthigster Weise öffnete, wenn es galt, Nothleidende zu unterstützen und überall, wo sich seine Macht entfaltete, der Civilisation und Freiheit freie Bahn schuf. Man muß sich diese Charakteristik der Engländer vor Augen halten, wenn man sich die Frage vorlegt, wohin mit Recht sich die Sympathien zu wenden haben. Und namentlich von unserem Standpunkte aus haben wir wahrlich keine Ursache, uns für die Boeren zu erwärmen, wohl aber alle Ursache, in den Engländern, auch in Südafrika, die Vorkämpfer der Civilisation zu erkennen. „Sage mir mit wem Du umgehst und ich sage Dir wer Du bist." Man kann dies Sprichwort mit Fug und Recht auf die beiden Streitparteien in Südafrika anwenden. Von einigen Individualitäten abgesehen, welche durch eine gewisse Sentimentalität geleitet sich den Boeren zuwenden, sehen wir alles, was an reactionärem Gesindel oder an für baare klingende Argumente zugänglichen Elementen in Europa vor-