Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 11 (16.3.1900)
- Date
- 1900-03-16
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 11 Dr. Vloch's Wochenschrift. Seite 211 findet er den General, der ihn mit einem Schwall von Schimpfworten empfängt, in der leidenschaftlichsten Aufregung. Der Dieb war ein Schwestersohn des Generals, seine Mutter hatte einen russischen Fürsten geheiratet, und der junge, russische Fürst befand sich bei seinem Oheim zu Besuch. Der General, ein Graf, warf dem Juwelier vor, er hätte seinen Neffen, den Sohn seiner Lieblingsschwester, ohne Grund als Dieb bezeichnet und behandelt. Der Juwelier, in peinlichster Verlegenheit, entschließt sich endlich zu seiner Entschuldigung, die volle Wahrheit zu sagen, darüber aber gerieth der General förmlich in Raserei und ließ den unglücklichen, unschuldigen Mann trotz seines energischen Protestes, der allerdings schließlich in demülhiges Flehen überging, auf eine Bank niederlegen und dreißig Stockschläge aufzählen. „Der angesehene Bürger, der sich der allgemeinen Achtung erfreut, verfiel vor Schrecken, Kränkung, Schande, wohl auch in Folge der körperlichen Mißhandlungen in eine schwere Krankheit. Der Sohn des Juweliers, ein Brünner Advocat, fuhr sofort nach Wien und nahm beim Kaiser Audienz, um bei diesem direct seine Klage gegen den General anzubringen. Der Monarch ließ die Sache streng untersuchen. Es stellte sich heraus, der junge Ruffe hatte, wie die Polizeibehörde berichtete, mehrere Diebstähle begangen, allein, wo dies rechtzeitig entdeckt worden, waren die entwendeten Gegenstände in Natura zurückgestellt oder noch weit über ihren Werth bezahlt worden, so daß die Intervention der Polizei nicht früher in Anspruch genommen wurde, auch hatten die Verwandten des jungen Fürsten behauptet, er wäre von der Kleptomanie, der Sucht sich fremdes Eigenthum, daß einen besonderen Reiz für ihn besitze, anzueignen, befallen. Der junge, russische Fürst war, als das Ergebniß der Untersuchung bekannt wurde, längst in sein Vaterland zurückgekehrt, der General verfiel in kaiserliche Ungnade, allein das vermag nicht zu verhindern, daß der wackere Bürger, wenn er nicht seiner Krankheit erliegen und sterben sollte, einem unheilbarem Siechthum verfalle, daß die Erinnerung an die unschuldigerweise erlitte Beschimpfung den Rest seines Lebens verbittern wird .... Bei ruhigem Bedenken", fuhr Brack nach kurzer Pause fort, „wirst Du die Zweckmäßigkeit meines Planes bezüglich Sara's anerkennen müssen. So lange sie hier gleichzeitig mit Lorenz Golzinger weilt, würde ich keine ruhige Minute verleben. Bei Deinem ausgebildeten Rechtsgefühl und Deinem feurigen Temperamente ist ein in seinen Folgen unberechenbarer Zusammenstoß mit Lorenz zu befürchten. Sara's Abwesenheit kann uns keinen Nachtheil bringen. Die Reisekosten und die Entbehrung, die wir uns durch die Trennung von Sara auferlegen, dürfen unter den obwaltenden Umständen nicht in Betracht gezogen werden." Eine kurze Zeit saß Michael schweigend, nachdenklich vor sich hinblickend; endlich sprach er: „Lieber Vater, Du bist der K.ügere, der Erfahrenere ... ich muß Dir recht geben. Wohin willst Du sie schicken? Wann soll sie abreisen? Wer wird sie begleiten, wir können Dich, lieber Vater, doch nicht allein lassen!" „Das Alles habe ich, so gut es eben anging, geordnet. Wenn man nach reiflichrr Erwägung etwas beschlossen, soll man mit der Ausführung nicht zögern, und es trifft sich eben eine passende Gelegenheit. Gestern während Deiner Abwesenheit war der fürstlich Lichtenstein'sche Branntweinhauspächter in Neuhof, Reb Rüben Weiß, bei uns im Laden. Er hat seine Tochter mit einem jungen Manne aus Boskowitz verlobt, und beabsichtigt Sonntag Früh mit Frau und Tochter hinzufahren, um seine Mechutouim '") zu besuchen und seiner Tochter Gelegenheit zu geben, die Personen und Verhältnisse in ihrer zukünftigen Heimat kennen zu lernen. Ich habe ihn gebeten, unsere Sara mit nach Boskowitz zu nehmen, wozu er sich auch sofort bereit erklärte. Ich habe auch schon gestern den Brief, den ich Sara an unfern Geschäftsfreund Reb Koppel Zallstein in Boskowitz mitgeben will, geschrieben. Ich theile ihm mit, daß wichtige Gründe mich veranlassen, ihn zu bitten, meiner Tochter einige Zeit Gastfreundschaft zu gewähren. Auch habe ich auf morgen Abend, nach Mozo Schabbos^) den alten Fuhrwerker Nikolauer mit seinem Einspänner vor unser Haus bestellt, und Du wirst Sara 2) Eltern, Geschwister und sonstige Verwandte des Bräutigams *) Ausgang des Sabbaths. nach Neuhof zu Reb Rüben Weiß begleiten. Der Weg ist kurz. Zn Wagen werdet Ihr denselben wohl in anderthalb Stunden zurücklegen. Du fährst sofort zurück, und Sara, die in Neuhof übernachtet, reist im jirze haschem 4) Sonntag mit der Familie Weiß nach Boskow tz. Ich hoffe, Sara wird mit Gottes Hilfe bald zurückkehren. Wie Schneider Tuschet von seinem Sohne, dem Dragoner, gehört, sprechen die Offeriere immer davon, daß es nun bald gegen den Feind gehen, sie bald Marschbefehl erhalten werden. Doch ich höre Sara kommen, brechen wir ab. Ich werde, um ihre Nachtruhe nicht zu stören, sie erst morgen davon in Kenntniß setzen, daß wir beschlossen, sie auf kurze Zeit nach Bosko vitz zu schicken. Sara ist ein kluges Mädchen, sie wird unfern Entschluß billigen." (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. L. Kulka, Jägerndorf: Der Vater Josef Wertheimer's hieß Salomon Wertheimer, geb. 1757, hatte sich 1780 mit der Thronbesteigung des unvergeßlichen Kaiser Josef aus Mannheim in Wien niedergelassen. Ein Ahne desselben war der sehr berühmte Laudesrabbiner und Hoffactor Samson W e r t h e i m e r, der drei Kaisern erhebliche Dienste leistete, durch Wissen und Reichthum hervorragte nnd in seinem Testamente ddto 1. September 1724 namhafte Summen zu Wohlfahrtsstiftungen legirte. F. Steiner. Wir haben Ihr Schreiben der Museumsleitung zugetheilt. Moriz Braun in Netschetin: Wenden Sie sich an das Curatorium des jüdischen Museums in Wien I. Rathhausstraße Ist. L. in K. Deutschland hat 5 jüd. Großgemeinden: Berlin (86.159, mit dem Vororten 92.000 Juden), Frankfurt a M. (20.060), Breslau (18 419). Hamburg (.7,308), Köln (fast 10.000). Die 10 Mittelgemeinden sind: München (78uo), Nü nberg (6000), Posen (5810), Leipzig (1672), Mannheim (4798), Mainz (4200), Hannover (4151), Königsberg (4076), Benthen (3026), Fürth (3010). Auf diese 15 Gemeinden entfällt mehr als 7? der jüd. Gesammtbevölkerung Deutschlands. — Die Juden Badens bilden 1* *5 "/0 der Bevölkerung. In der Laudivirthschaft sind sie mit 0-1 in der Industrie mit 06, im Beamtenberuf mit 1*1, im Handel mit 8.6 betheiligt. Beruflos sind 3-3 °/n bei den Männern» 2-9 bei den Frauen. Von 1000 badischen Inden widmen sich 7 der Landwirthschast, 25 dem Beamtenbernf, 68 der Industrie, 250 dem Handel, während 85 ohne Beruf sind. — 1898 wunderten 27 086 Inden in Amerika ein. 15 429 kamen ans Rußland, 9921 aus Oesterreich-Ungarn. Abonnent in Prag: Adresse des Vereines, Wien IX. Grüne . Thorgasse 26. F. I. Wer von unseren Lesern ist in der Lage, einen verläßlichen jüd. Rechtsanwalt in Berdiczew (Rußland) zu empfehlen? Jos. Pollak, Prag. 12» 18: „Wir bitten um Antwort." A. H. q. Der bekannte Ausspruch wurde schon zuvor von einem jüdischen Gelehrten gemacht: „Der Antisemitismus ist für die Juden ein Unglück, für die Christen eine Schmach." Es ist aber nur begreiflich, daß sich in diesem Gedanken viele begegneten. M. A. Voltaire war ein Spötter, dem nichts heilig war, er war auch ans die Juden nicht gut zu sprechen, aber Sie thun ihm mit diesen Ausfällen Unrecht. Er schrieb ja auch in allein Ernste: „Wenn Gott nicht existirte, man müßte ihn erfinden, aber die ganze Natur ruft uns zu. daß er ist." GH. M. Ein österreichischer Minister sagte einmal: „Sage mir doch Niemand; „Ich bin ein guter Mensch! Ich bin ein ehrlicher Kerl!" Ich glaub's doch nur dem, der es nicht sagt." i. Se. Excellenz der Minister W i t t e k machte in der That als er das Amt eines Ministerpräsidenten antrat, seinen ersten Besuch dem — Dr. Lueger. Es ist nun billig, daß er von dlesem so außerordentlich gelobt wird. Justus. Was kümmern sich diese antisemitischen Hetzbolde um Kunst, Sie fragen einfach nach dem Taufschein des Künstlers.' Notizen Anglo-Oesterreichische Bank. Die XXXVI. ordentlich G e n e r a l v e r s a m m l u n g der Actionäre der Anglo-Oesterreichi schen Bank findet am 2 April 1900 um 6 Uhr Abends im Saale des österreichischen Ingenieur- und Architekteuvereines (I., Eschenbachgasse Nr. 9) statt. Gegenstände der Verhandlung: 1. Jahresbericht des Generalrathes. 2 Bericht der Censoren über den Rechnungsabschluß des Jahres 1899 und Beschlußfassung hierüber. 3 Beschlußfassung über die Verwendung des Reingewinnes pro 1899. 4. Wahl von drei Mitgliedern des Generalrathes infolge Ablaufes der Functionsdauer. Laut Artikel 30 der Statuten berechtigen 25 Actien zu einer Stimme. Die stimmberechtigten Herren Actionäre werden eingeladen, ihre Actien sammt den nichtfälligen Coupons bis inclusive 26. März d. I. in 4) So Gott will.