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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-03-16 · 11 (16.3.1900) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
11 (16.3.1900)
Date
1900-03-16
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 210 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 11 Budlchest, (Eine glänzende Trauung) fand im isr. Tempel in der Tabakgaffe statt. Herr Nikolaus Beer, Prokurist der Firma Adam Adler's Söhne, führte die Tochter des auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit bekannten hauptstädtischen Bürgers D. H. Spitzer, Olga Sp itzer zum Traualtar. Der Trauung wohnte ein zahlreiches distinguirtes Publicum bei. in besten Reihen anwesend waren: die Abgeordneten Berthold Weiß. Dr. Moriz Mezei, Dr. Max Falk, Dr. Armin N e u m a n n, Lazar Samuel, ferner die Professoren Dr. Goldzieher, Stefan Kisfaludi-Lipthay, Franz Nagy, Curialrichter Neuberger, der Vorstand der isr. Religionsgemeinde und des Heiligen Vereines, des Rabbinenseminars u. v. A. Rabbiner Dr. K o h n richtete an das Brautpaar eine schwungvolle Ansprache, in welcher er die Verdienste des Vaters der Braut um die Gemeinde und das Armenwesen würdigte. Der verstärkte Tempelchor trug eine vom Obercantor Professor Lazarus componirte schöne Hymne vor. Budapest. (Todesfall.) Am 6. d. M., Nachmittags 3 Uhr, fand hier unter großem militärischen Gepränge das Leichenbegängniß des k. k. Oberstabsarztes I. Elaste i. R., Doctor Salomon Lederer, Ritter des Franz Josef-Ordens, Inhaber der Tiroler Tapferkeitsmedaille und mehrerer militärischer Auszeichnungen. statt. Nachdem die Trauerceremonie vorüber war, wurde der Sarg auf den nach jüdischem Ritus einfachen Trauerwagen gehoben und der Zug setzte sich in Bewegung. Den Conduct commandirte der Oberst des 38. Infanterie-Regimentes, diesem folgte die Musikcapelle, worauf der von den Dienern der Chevra Kadischa geführte und von Soldaten flankirte Leichenwagen folgte. Mehrere Generäle und viele Officiere, angesehene Bürger, sowie die Brüder und Verwandten des Dahingeschiedenen, gaben ihm das letzte Geleite. Den Zug schloß ein Bataillon des Infanterie-Regimentes ab. Dr. Salomon Lederer, gebürtig aus Nezdaschow in Böhmen, trat im Jahre 1861 als Oberarzt in die k. u. k. Armee ein und hat stets zu allen Zeiten, im Knege und im Frieden, mit aller Aufopferung in seiner Stellung gewirkt. Im Feldzugsjahre 1866 wurde sein Verhalten vor dem Feinde von seinem damaligen Commandanten in ergreifender Weise in Gegenwart der versammelten Truppen bekannt gegeben und ihm der Dank im allerhöchsten Dienst; ausgesprochen. Er war der erste Militärarzt, der im Jahr 1868 den Tyermometer für Körpertemperaturmessungen in der Armee einführte und darüber referirte. Er wurde im Jahre 1872 zur Leitung des Typhus-Spitales nach Wien berufen, hat dort die Kaltwasserbehandlung eingeführt, wofür ihm die belobende Anerkennung des Reichs-Kriegsministeriums mittelst eines Rescriptes ausgesprochen wurde. Bei jedem Garuijonswechsel wurde seitens des Commandos in verschiedenen Formen und im Tagesbefehle sein Wirken in der vorzüglichsten Weise dankbarst anerkannt. Raab. Der Raab- und Raabszigeter israel. Franenverein mit seiner unermüdlichen und edelherzigen Präsidentin Frau Johanna Herzl-Keppich an der Spitze veranstaltete in den glänzend decorirten Räumen des hiesigen Lloyd-Gebäudes einen ebenso vornehmen als erfolgreichen Rosa-Domino-Ball, welcher seinen erhöhten Reiz dem Umstande verdankte, daß er hierorts überh mpt zum erstenmal arrangirt wurde. Ein elegantes Publicum, aumuthsvolle Dominos, die sich später als reizende Damen und hübsche Fräulein entpuppten, füllten die Räume. Ein echtes Carnevalsleben! Die große Schaar der geheimnißvollen Dominos schwebten scherzend einher, durch ihre Launen und Trics überall Frohsinn und Wonne erregend und die Herren der Schöpfung in Versuchung bringend. Auch einige Herren- Dominos trugen zur Störung der Alltags-Ordnung und Ruhe bei. Die glückliche Idee eines solchen Abends resultirte die Freude der Armen, die wie alljährlich, nun auch diesmal dem.herannahenden Purim und Paffah getrost entgegensehen können. Essegg. Jeden Samstag um 4% Uhr Nachmittags findet im hiesigen Tempel für die Mittelschuljugend ein Gottesdienst statt. Die Knaben versammeln sich vor der anberaumten Zeit in der israelitischen Volksschule, von wo dieselben unter Aufsicht eines jüdischen Mittelschulprofessors in stattlicher Zahl (bei 150) paarweise zum Tempel gehen. In größter Ordnung werden die bestimmten Plätze eingenommen und in lautloser Stille und Andacht das Minchagebet angehört. Angeregt durch diese schöne Ordnung hat sich Herr Obercantor Friedrach der lobenswerthen Mühe unterzogen und mit seltener Ausdauer einen Schülerchor ausgebildet, der nun vereint mit dem schon bestehenden Damenchor beim Jugendgottesdienste mitwirkt. Daß nun dieser unter Leitung des Herrn Cantor Kischitzki stehende gemischte Chor wesentlich zur Feierlichkeit und Hebung der Andacht beiträgt, ist mehr als selbstverständlich uud so hat auch das selbstlose Wirken des Herrn Obercanter Friedrach allgemeine Anerkennung gefunden. Es wäre nur noch wünschenswerth, daß sich auch die Spitzen der Gemeinde eifriger an diesem Gottesdienste betheiligen würden, um auch durch ihr Beispiel die Jugend in der Ausführung gottgefälliger Werke -zu unterstützen und — es ist in der heutigen Zeit leider sehr nothtvendig — zum Ausharren und Festhalten an unserer altehrwürdigen Religion anzueifern. „Spectator." Feuilleton. Michael. Erzählung von S. K o h n, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung. „Du bist ein sehr kluger Mensch," sprach Brack zu seinem Pflegesohn, „aber Dir fehlt die Erfahrung des Alters. Ein Zusammenstoß zwischen Dir und Lorenz könnte schlimme Folgen haben. Ec ist bei jedem Streite Dir bei Weitem überlegen. Während er Dich nahezu straflos thätlich insultiren kann, würdest Du für jedes Wort, zu dem gerechter Unwille Dich, dem kaiserlichen Officier gegenüber, Hinreißen könnte, zu schwerer Verantwortung und Strafe gezogen werden. — Vielleicht will er Dich zu einem Streite reizen. Ec ist Officier und sein Vater Bürgermeister und Polizei-Chef der Stadt. Wie leicht kann dieser nicht bei einem ausbrechenden Zanke einen Vorwand finden, Dich einige Wochen ins Gefängniß zu werfen, dann wäre mein Kind, Deine Pflegeschwester, Deine Verlobte, einem brutalen Gewaltacte gegenüber schutzlos. Ich bin ein Krüppel, ich vermöchte sie beim besten Willen nicht zu schützen." „Lieber Vater", erwiderte Michael, „daß ein so vernünftiger Mann solche unbegründete Besorgnisse aussprechen kann! Du denkst an die bösen Tage Deiner eigenen Jugend, an Mädchenraub : an jene Zeit, wo Trenk's Panduren Frauen und Mädchen, die ihnen gefielen, gewaltsam wegführten und der verdienten Strafe entgingen. Die Zeiten haben sich, Gott sei Dank, geändert, wir Bekenner des mosaischen Glaubens leben zwar noch immer unter hartem Drucke — und auch dieser hat sich schon etwas vermindert — aber doch unter geordneten Verhältnissen. Was Du andeutest, gewaltsame Entführung wird in der Gegenwart kein Mensch wagen, er würde, und wäre er noch so hochgestellt, einer strengen Strafe nicht entgehen." „Daran zweifle ich auch nicht," erwiderte Brack, „aber wenn ein Unglück einträfe, wäre uns damit geholfen, wenn der Urheber desselben zu strenger Verantwortung gezogen würde? Ich habe es schon gesagt, wir haben Lorenz schon als Knaben von der schlechtesten Seite kennen gelernt. Nun hat mir Schneider Tuschek heute im tiefsten Vertrauen Dinge von ihm erzählt, die mich überzeugen, daß der nichtsnutzige Junge ein nichtsnutziger Mensch geworden ist. Tufchek's Sohn, Martin, der bei den Dragonern dient, ist schon seit längerer Zeit Lorenz Hornek-Golzinger als Diener zugetheilt und ist dadurch gegen seinen Willen Mitwisser seiner zahllosen, schlechten Streiche geworden. Schneider Tuschek fürchtet, daß wenn diese herauskommen, auch sein Sohn zur Verantwortung gezogen werden wird, einer harten Strafe verfallen könnte. Von Lorenz Golzinger ist das Aergste zu befürchten, und wie ich schon gesagt habe, auch die schwerste Strafe vermag ein Verbrechen nicht ungeschehen zu machen. Der Leinwandhändler Reb Jizchak Beran, der diese Woche vom Brunner Markt gekommen ist, hat mir gestern, als wir zusammen von Mairiw *) gingen, eine sonderbare Geschichte erzählt, die sich vor einiger Zeit in Brünn zugetragen, dort großes Aufsehen erregte und einen Beweis für meine Behauptung ergibt. „Ein angesehener Brünner Juwelier hatte einen elegant gekleideten jungen Mann, der sich in seinem Laden Schmuckgegenstände zur Auswahl vorlegen ließ, dabei betroffen, als er einen kostbaren Ring in seine Tasche verschwinden ließ. Der junge Mensch wollte weder den Ring freiwillig herausgeben, noch sich einer Untersuchung unterziehen; so daß der Juwelier gezwungen war, um Polizeileute zu schicken. Nun warf der junge Mann den Ring auf die Erde und lief aus dem Laden. Der Juwelier, froh wieder in den Besitz seines Eigenthums gelangt zu sein, verzichtet darauf, den Dieb zu verfolgen. Tags darauf wird er zu einem General berufen, und er erscheint auch pünktlich zu der ihm bestimmten Stunde, in der Hoffnung, einen Auftrag auf Schmuckgegenstände zu erhalten. Aber zu seinem Schrecken ') Vom Abendgebete.

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