Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 11 (16.3.1900)
- Date
- 1900-03-16
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 208 Dr. BLoch's Wochenfchrifk. Nr. 11 wären gewiß schon im Besitze eines den Verhältnissen angemessenen Gotteshauses. Aber leider bedingt es die Lage von Constantinopel als Zwischenstation zwischen Südrußland und Rumänien einerseits und Palästina, Egypten und Marseille andererseits, daß wir im Allgemeinen schon seit Menschengedenken, ganz besonders aber seit der ungünstigen Wendung in Rußland und Rumänien in den Achtziger-Jahren von unseren elenden und in diesen ungastlichen Ländern ihres alten Heims beraubten Glaubensgenossen derartig überlaufen wurden, daß wir alle aufzubringenden Mittel für deren Unterstützung verwenden mußten. Denn obgleich in Constantinopel eine unverhältnißmäßig zahlreichere sephardische Gemeinde existirt, die eine größere Anzahl von wohlhabenden, auch reichen Mitgliedern zählt, so sind es doch wegen der von jener Seite beobachteten kühlen Zurückhaltung immer wieder wir Aschkenasim gewesen, denen es mit zwingender Nothwendigkeit oblag, unseren bedrängten Glaubensgenoffen, sei es mit Unterstützung für ihren Aufenthalt in Constantinopel oder für ihre Weiterreise zu Hilfe zu kommen. Sind es schon an und für sich meistens arme und aller Mittel beraubte Familien, die ihre Zuflucht in erster Linie in unserer Stadt suchen, oder mit unserer Unterstützung weiter befördert werden wollen, so hat besonders der Umstand, daß diese Durchzügler ihre kranken und schwachen Familienmitglieder, die eine Weiterreise nicht unternehmen können, in unserer Gemeinde absetzen, dazu beigetragen, uns eine Menge von Kranken und Attersschwachen aus den genannten Ländern aufzubürden, für deren Unterhalt wir in der einen oder andern Weise zu sorgen haben, ohne daß wir im Stande sind, uns derselben jemals zu entledigen. So ist es nun gekommen, daß wir nur ausschließlich um der Armenpflege zu genügen, uns die höchsten directen und indirecten Steuern auferlegen mußten, ohne jemals hiervon etwas für unsere Synagogenbedürfnifle oder gar für einen Tenipelbau entbehren zu können. Unter diesen Umständen glauben wir eine gewisse Berechtigung zu haben, uns in Verfolg des genannten Zweckes an unsere Glaubensgenoflen von außerhalb zu wenden und um ihren Beistand anzusuchen, umsomehr, da es sich hier neben dem eigentlichen Tempelbau auch um ein mit demselben auf gleichem Terrain zu errichtenden Asyl für anhangslose altersschwache Menschen handelt, die sich zum größten Theil aus hier zurückgebliebenen Flüchtlingen aus Rußland und Rumänien zusammensetzen. Ein namhaftes Legat eines unserer verewigten Gemeindemttglieder setzt uns in die Lage, den Bau anzufangen. An der Hand dieses kleinen Fonds und im festen Vertrauen auf den sich immer bewährenden Gemeinsinn unserer Glaubensgenosse», haben wir, so weit dies überhaupt noch nöthig war, sozusagen die Reste unseres alten Tempels, die mit jedem Tage einzustürzen drohten, niedergeriffen, und gehen nun daran, den Grundstein zum Ne»' bau zu legen. Dieses Geld dürfte kaum für den Bau über das Fundament hinaus reichen. Es ist daher doppelt wünschenswerth, daß unser Gesuch recht schnelle Berücksichtigung findet, damit wir nicht in die Lage versetzt werdn, mitten im Bau stehen bleiben zu müssen, und andererseits das Gotteshaus für die großen Feiertage fertiggestellt, und das Asyl zur richtigen Zeit seiner Bestimmung übergeben werde. Bi8 dat qui cito dat soll sich auch hier bewähren. Wir bitten darum die edlen Spender unter unseren Glaubensgenossen sowohl als auch aus anderen Kreisen, ihre Thätigkeit für unseren Zweck recht bald zu entfalten und diesen Aufruf nebst Sammelliste in ihrer Mitte circuliren und den Ertrag uns möglichst schnell zukommen zu laffen. Gelder können sowohl an das k. k. österr. ungar. General- Consulat hier, als auch an den Unterzeichneten Präsidenten und an die einzelnen Mitglieder der Baucommission adressirt werden. Alle einlaufenden Beträge werden in mehreren Zeitungen quittirt werden. Constantinopel, im Jänner 1900. Dr. D. Hoffmann, Präsident. S. Springer, Secretär. Die Baucommisiion: Isidor Baumgarten, Jacques Braunstein, Nathan Darr, Hermann David, I. R. Friedmann, Leon Goldstein, Wolf Grünberg, Adolf Hefter, Friedrich Hufferl, Jacques Reisfeld, Leon Rosenthal, Pkpi Rosenthal, Jacob Schapirer und Abr. Trel. Vermischtes. Wien. (Regierungsrath Dr. Schlag.) Der durch seine hervorragende Rechtskenntniß und seine philanthropische Wirksamkeit in den weitesten Kreisen bekannte Ministeralsecretär im Eisenbahnministerium Herr Dr. Julius Schlag ist zum Archivdirector er st er Classe in dem genannten Ministerium ernannt worden. Gleichzeitig ist ihm, wie die „Wiener Zeitung" meldet, vom Kaiser der Titel und Charakter eines Regierungsrathes verliehen worden. Wien. (S P e n d e.) Bon Herrn Josef Stein in Prag sind uns 5 fl. für einen wohlthätigen Zweck zugemittelt worden. Wien. (K u n d m a ch u n g.) Freitag, den 16. März a. c. Abends uud Samstag, den 17. März a. c. Fl üh, wird Herr Jacob Schleifer, Obercantor in Floridsdorf im Leopoldstädter Tempel Probevorträge halten. Beginn des Gottesdienstes: Freitag Abends um 6 Uhr 15 Min. uud Samstag Früh um 8 Uhr. Wien. Herr Otto Z e i ß l, technischer Disponent der Nachoder Baumwollspinnerrei, hat sich mit Fräulein Rosa Kelsen, Tochter des Herrn S. Kelsen, verlobt. — Herr Dr. Max H i t s ch m a n n hat sich mit Fräulein Helene Cohn, Tochter des Herrn Martm Cohn, verlobt. Wien. (Trauung.) Sonntag am 18. März l. I. */,3 Uhr Nachmittags findet im Tempel I. Seitenstettengasse die Trauung des Fräuleins Regine Kohn mit dem langjährigen Administrator unseres Blattes, Herrn Max Schwager statt. Wien. (O e st e r r. - i s r. U n i o n). Samstag den 17. März 1900, Abends l1/^ Uhr findet im Restaurant Guth II. Stefaniestraße 6, I. Stock eine Vereinsversammlung statt. Tages-Ordnung: 1. Mittheilungen des Vorstandes über die Abwehrthätigkeit. 2. Vortrag Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. A. Kisch aus Prag über: „Die Prager Judenstadt zu Beginn des siebzehnten Jahrhunderts. 3. Anträge und Interpellationen. Der Vorstand. Wien. (All gemeiner österreichischer Frauenverein.) Im Einvernehmen mit der Ethischen Gesellschaft veranstaltet der allgemeine österreichische Frauenverein Samstag, den 17. März 1900 um ^8 Uhr Abends im großen Sitzungssaale des Gemeindehauses. IX., Währingerstraße 43, einen Vortragsabend, an welchem Frau Henriette Weiß über „Eine sociale Pflicht" (Gründung von Heilstätten), sprechen wird. In Anbetracht der Bedeutung und Wichtigkeit des Themas ist eine zahlreiche Betheiligung von Mitgliedern und Gästen erwünscht. Wien. Am Sonntag, den 11. d. M. fand im Leopoldstädter Tempel die Trauung Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. I. M. B a ch mit Fräulein Adele Fuchs, Tochter des Rabbinatssecretärs und pädagogischen Schriftstellers Rudolf Fuchs, fiait. Die Trauung vollzog der ehrwürdige Amtscollege des Bräutigams, Oberrabbiner Dr. Schmie dl, der sich in seiner formvollendeten Ansprache auf den Vers der Megilla: „Bei den Jehudim war Licht, Freude und Ehre" bezog. In geistreicher Weise interpretirend, fand der Redner Gelegenheit, sowohl der Verdienste des Brautvaters um das jüdische Schulwesen, als auch der durch Begabung und Charakter errungenen Stellung des Bräutigams Erwähnung zu thun. Den cantoralen Theil der Trauung vollzog mit gewohnter Meisterschaft der I. Cantor, Herr Moriz Blatt, der die Feier mit einem herrlich vorgetragenen Ma-towu einleitete. Unter den Anwesenden bemerkten wir: Herrn Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n und Frau, die Präsidenten der israelitischen Cultusgemeinde Dr. Alfred Stern uitb Dr. Gustav Kohn, die Cultusvorsteher Dr. Marcus Spitzer, Edler von Mieses, Director Simon, Dr. Alfred Berger und R o s n e r, die Bethausvorstände Jacob Moor, Teltscher, Jaiteles und W a s s e r v o g e l, den Präsidenten des Curatoriums der israelitisch-theologischen Lehranstal Moritz Karpeles, Moritz Edler von K u f f n e r und Frau, Rector Schwarz, die Professoren F r i e d m a n n und Dr. B ü ch l e r, Universitätsprofessor Dr. D. H. M ü l l e r, den Vorsteher der Chewra Kadischa Adolf R o s e n b a u m, die Jnspectoren Dr. Langfelder und K a n i tz, kaiserl. Rath Dr. Kohn, den Chefarzt der Rettungsgesellschast kaiserl. Rath Dr. Charas, kaiserl.