Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 10 (9.3.1900)
- Date
- 1900-03-09
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 190 Nr. 10 Dr. Blocks MochenfchrM» Frau Julie Klagsbrunn. Executiv-Comite : Herr Emanuel Grünwold, Herr Alexander Wald, Herr Adolf Grünwald, Herr Josef Glaser, Herr Dr. Jac. König, Herr Ignaz Wodicka, Herr Dr. Julius Tauber. Herr Hermann Grünwald jun., Herr Ignaz Klagsbrunn. Damen-Comite die Fräulein: Johanna Berger, Malvine Drucker, Irma Epler, Helene Glaser, Henriette Hirsch, Anna Kreißler, Gisela Löwy, Helene Max, Therese Schnabl, Selma Sinay, Elsa Stein, Elsa Berger, Bertha Drucker, Karoline Glaser, Irma Hirsch, Rosa Hahn, Valerie Löwy, Irene Markus, Fanni Pragan, Jda Sinay, Cäcilie Schwarz, Paula Winkler. Salzburg. Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Jacob Dobrinsky in Salzburg wurde von der k. k. deutschen Carl Ferdinands- Universität zu Prag zum Doctor der Philosophie promovirt. Prag. (Leichenbegängniß.) Herr MUDr. Josef R o b i t s ch e k wurde unter überaus zahlreicher Betheiligung von Trauergästen aus allen Schichten der Bevölkerung zu Grabe getragen. Der Trauersalon, in welchem die Leiche aufgebahrt lag, konnte die Bielen, welche gekommen waren, dem Dahingeschiedenen die letzte Ehre zu erweisen, kaum faffen. Kränze sah man keine, denn diese hatte sich der Verblichene letztwillig verbeten. Die Trauerfeierlichkeit war überhaupt einfach, vielleicht gerade deshalb sehr würdig. Der Prediger des neuen israelitischen Tempels, Herr Dr. Fischer, hielt die Gedächtnißrede. Unter den Trauergästen bemerkte man den Oberrabbiner Dr. E h r e n f e l d, die Rabbiner Dr. Kisch und Dr. Deutsch, die Rabbiner aller Vororte, Abordnungen zahlreicher humanitärer und gemeinnütziger Vereine, der Verwaltungsrath und die Direction der Brüxer Kohlenbergbaugesellschaft, Vertreter der Finanzwelt, Großindustrielle, Großkaufleute, Aerzte, Advocaten, u. s. w. Der imposante Leichenzug bewegte sich nach dem neuen israelitischen Friedhofe in Straschitz, wo die Beisetzung zur ewigen Ruhe erfolgte. Königliche Weinberge, den 5. März 1900. Euer Ehrwürden! In Ihrer geehrten Zeitung lese ich, laut Zuschrift eines Pfarrers, daß vor 40 Jahren in der Stadt Weinberge kein Jude gewohnt hat. Sie bemerken, daß damals die Weinberge noch nicht existirten. Ich kann aus alter Bekanntschaft von Brüx aus nicht umhin, Ihnen zu melden, daßvor 40 Jahren in Weinberge, damals Schüttelsdorf genannt, welches einen Meierhof bildete, nur der eine Insasse, G. Kaufmann, ein Jude, Meierhofpächter, dort viele Jahre gewohnt hat. Hochachtend Friedrich Klei n. Pteloue. Am 4. d. M. feierte Herr Samuel Humburger im Kreise seiner zahlreichen Familienangehörigen das Fest seines 70. Geburtstages. Herrn H u m b u r g e r, der lange Jahre Cultusvorsteher war, und sich stets als Freund und Förderer aller gemeinnützigen und wohlthätigeu Unternehmungen bewiesen, wurden aus Anlaß dieses seltenen Festes aus Nah und Fern Glückwünsche und Sympathiekundgebungen zu Theil. — Aus der Fülle erwähnen wir nur ein Telegramm des kaiserl. Rathes Heinrich K l i n g e r, des Präsidenten der Wiener Cultusgemeinde. Herr Humburger beging den Festtag in voller Körper- und Geistesfrische im Vereine mit seiner würdigen und beliebten Gattin. Damboritz. Wie alljährlich, veranstalteten auch heuer Damen und Herren der besseren Kreise, aus Anlaß des Pnrim-Festes einen Theaterabend, der wohl zu den gelungensten gerechnet werden kann und zwar war das Reinerträgniß, das eine beträchtliche Höhe erzielte, zu Gunsten unserer Ortsarmen bestimmt. Der Vorstellung wohnten, Dank dem Wohlthätigkeitsacte, Einheimische sowie auch fremde Gäste in überreichlicher Zahl bei, was auch zum Theile der getroffenen Wahl dreier guter Einacter zu verdanken war. Gegeben wurden: „Das erste Mittagessen", „Recept gegen Schwiegermütter", das aber bei unserem hieroäigen Publikum nicht den gehofften Erfolg erzielte und zum Schluffe „Der Lügner und sein Sohn". Der Umsicht und dem Regietalente des Herrn Siegfried Sachs war es zu verdanken, daß die angeführten Stücke das gewünschte flott von statten gehen errangen. Die Hauptrollen boten ihm, wie im Vorjahre, wieder Gelegenheit, alle Reize und Trics seines durchdachten Humors und alle glänzende Trümpfe seiner wie aus der Pistole eines Kunstschützen getroffenen Witze auszuspielen, denen in seinen „Humoristischen Vorträgen" wahre Lachorkane folgten, die nur mühsam ein Ende nehmen wollten. Nur wünschenswerth wäre, daß Herr Sachs sein Lampenfieber abgegeben hätte, das er mit seiner Partnerin Fräulein Bertha Zaitschek, die uns ebenfalls aus dem Vorjahre bekannt ist, theilte Bei ihr kamen ganz einfache Passagen und Ligaturen technisch nicht einwandfrei heraus; im klebrigen fanden die ihr angemessenen Rollen in ihr eine befriedigende Interpretin. Der anderen mitwirkenden Herren und Damen will ich nicht näher gedenken und genügt es, wenn ich feststelle, daß sie zu Aller Zufriedenheit ihr Bestes boten, und konnte man im Augenblicke vollauf zufrieden sein. Aber Ars longa, vita brevis! Allen Mitivirkenden sei im Namen der Humanität öffentlicher Dank gezollt. Jglau. In der am 19. Februar d. I. abgehaltenen Repräsentanz-Sitzung der israelitischen Cultusgemeinde wurde dem hiesigen Obercantor Herrn David Weiß in Anerkennung und Würdigung seiner vollkommen befriedigenden Amtsthätigkeit noch vor Ablauf des Probejahres das Definitiv um mit Stimmeneinhelligkeit verliehen. Zurawno. Am 2. März verschied plötzlich Herr Jacob Rosenmann, Vater des Floridsdorfer Bezirksrabbiners Herrn Dr. M. Rosenmann. Der Verstorbene erfreute sich vermöge der sprichwörtlichen Ehrenhaftigkeit und Lauterkei t seines Charakters der allgemeinen Beliebtheit und Hochachtung bei Jud und Christ. Mehr als zwanzig Jahre vertrat er die Städte Zurawno, Choderov und Rozdol in der Bezirksvertretung.; jahrelang bekleidete er die Würde eines Cultusvorstehers und bis zu seiner Erkrankung hatte er inne das Vertrauensamt eines Curators der bedeutenden Kesslerischen Stiftungen. Mit seinem Tode verliert Zurawno ein stets opferfreudiges Mitglied und wohl den letzten Bürger einer Zeit, da Zurawno zu den angesehensten Gemeinden Galiziens zählen dürfte. Das Leichenbegängniß fand Samstag den 4. d. M. statt. Carlsruhe, 23. Februar. Herr Landgerichtsrath Dr. S t e in ist zum Oberlandesgerichtsrath ernannt worden. Berlin, 25. Februar. Herr Dr. I. Traube, Privat* docent an der technischen Hochschule, ist zum Professor ernannt worden. London. (Auszeichnung für den Ehief -Rabbi.) Der Chief-Rabbi von England Dr. Adler ist zum Mitglied des Athenäumclub gewählt worden. Der Athenäumclub ist -eine Gesellschaft von Gelehrten und berühmten Männern, die vor sechsundsechzig Jahren begründet und ungefähr dem Pariser Institut äe France an die Seite zn stellen ist. Dr. Adler ist auf Grund eines Paragraphen gewählt, der „die alljährliche Präsentation einer gewissen Anzahl Personen von besonderer Auszeichnung in Wissenschaft, Literatur und Kunst" gestattet; er war von dem Bischof von London zur Wahl vorgeschlagen worden. Riga. Bei der am 3. (15.) Februar a. c. stattgehabten Neuwahl des Synagogenvorstandes wurden mit großer Majorität gewählt die Herren: L. Schloßberg, L. Salomonsohn und S. Eliasberg. Blümchen'« Purim. Eine Erzählung von Jda Oppenheim. Die Märzsonne lachte in die Gasse und unter ihren hellgelben Strahlen schmolz der letzte Schnee. Ein lauer Wind wehte über die kahlen Felder und brachte frischen Erdgeruch durch die geöffneten Thüren in die Wohnungen des Ghettos, in dem heute es besonders lebhaft und heiter zuging. Die Kinder spielten vor den Thüren und trieben allerhand Possen, riefen durch' die geöffneten Fenster Scherzworte den eifrig beschäftigten Frauen und Mädchen zu, holten sich Süßigkeiten uud Früchte und naschten nach Herzenslust. Schaaren von Andächtigen wanderten zum kleinen Tempel, der hellerleuchtet am Ende der Gaffe stand, um die Megills zu hören. Inzwischen wurde es in den Wohnungen licht und hell; verhüllte Gestalten in seltsam phantastischen Aufputz huschten über die Straße. Man hörte eifriges Reden, Lachen und Kichern, Scherzworte flogen ab und zu hinüber und herüber, es schien, als hätten die geplagten, gedrückten Juden all ihre Sorgen und ihr Herzeleid vergessen. Purimstimmung herrschte überall. Ein Lachen und Jubeln, helle Augen, frohe Herzen, Hoffnung uud Sonnenschein. Gegenüber dem großen, stattlichen Hause des ältesten und reichsten Mannes der Gaffe, des gelehrten und kundigen David Diamant, befand sich ein kleines är-nliches Hüttchen. An dem mit Blei eingefaßten Fensterchen stand ein junges, blühendes Mädchen von ungefähr 17 Jahren. Lange brauue Zöpfe fielen schwer den Rücken hinab; ihre kleinen Hände, denen man harte Arbeit ansah, umfaßten das Fensterkreuz, ihre großen, dunklen Augen blickten durch Theänenschleier sehnend in die Fern«». Trübe Gedanken waren es, die das arme Mädchen quälten, Erinneruu-