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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-03-09 · 10 (9.3.1900) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
10 (9.3.1900)
Date
1900-03-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 188 Nr. 10 Dr. BLoch's WochenjÄzrtft. Uebersetzung gemeint, so sei dieser Ausrede der Glauben zu versagen, denn von dieser Unterscheidung habe er in seinem Vortrage nichts erwähnt. Zudem aber sei für das Volk, welches eine andere Uebersetzung als die lutherische nicht kenne, diese Uebersetzung immer identisch mit dem Alten Testament, so daß auch der Angeklagte beides nur identificiren konnte. Dieses Alte Testament bilde nach Aussage des Sachverständigen die Grundlage der Offenbarung auch für die noch jetzt bestehende jüdische Religionsgemeinde. Wenn der Angeklagte nun den hier gegebenenen Gottesbegriff in der Weise beurtheilt habe, wie es tatsächlich geschah, so seien derartige Aeußerungen als Beschimpfungen des Gottesbegriffs des Alten Testamentes anzusehen, d. h. als Aeußerungen, die den Zweck verfolgten, diesen dogmatischen Gottesbegriff herabzuwücdigen und der Verachtung anheimzugeben. Zu dieser Aufsaffung sehe sich der Gerichtshof umsomehr gedrängt, als der Angeklagte bereits wiederholt derartige Vorträge gehalten und wiederholt wegen Religionsvergehen vorbestraft sei. Mit Rücksicht auf diese Vorstrafen, durch die sich der Angeklagte nicht habe warnen laffen, habe der Gerichtshof — wobei andererseits auch der eigenartigen, aber bezüglich der Form der Darlegung nicht zu billigenden Auffassungsweise des Angeklagten Rechnung getragen worden sei — drei Monate Gefängniß für eine angemessene Sühne gehalten. — Während der Urtheilsverkündung ereignete sich noch ein Zwischenfall. Anstatt, wie üblich, stehend sein Urtheil entgegen zu nehmen, hatte der Angeklagte sich hingesetzt und sich Notizen zu machen begonnen. Der Vorsitzende unterbrach die Verkündung und untersagte dem Angeklagten das Nachschreiben, worauf dieser in großer Erregung und mit Gewalt den Bleistift aus die Erde schleuderte. Am Schluffe der ganzen Verhandlung wurde er deshalb auf Antrag des Staatsanwalts vom Gerichtshöfe wegen Ungebühr vor Gericht zu einer sofort zu vollstreckenden Haftstrafe von 24 Stunden verurtheilt, worauf sogleich seine Abführung ins Gefängniß erfolgte. Brüssel. (Ein K l o st e r als W ü st l i n g s h e rber ge.) Bon dort wird gemeldet: Im Jahre 1898 wurde ein Klosterbruder Namens Amadeus Kerdenvalt vor dem Geschwornengericht des französischen Departements In dre-et- Loire wegen mehrerer schweren Sittlichkeitsverbrechen, die er an kleinen Kindern begangen hatte, zu einer längeren Kerkerstrafe verurtheilt. Der Pfaffe entzog sich aber der Vollstreckung des llrtheils durch die Flucht. Ec kehrte dem Vaterlande den Rücken und wendete sich nach Belgien. Nachdem er dort einige Zeit herumvagabundirt hatte, trat er in ein Kloster ein, wo er auf liebevolles Verständniß für seine kleinen Schwächen rechnen konnte. Die Insassen des Klosters waren nämlich durch ihre freie Auffassung des sechsten Gebotes im ganzen Lande bekannt; einige von ihnen waren sogar in sensationelle Scandalproceffe verwickelt gewesen. Kerdenvalt befand sich also sehr wohl, wenigsten im Anfang. Nach einiger Zeit scheint er jedoch des zuchtlosen Klosterlebens überdrüssig geworden zu sein, denn er verließ seine Brüder und bewarb sich um eine Anstellung bei der — Polizei. Diese Unbesonnenheit sollte ihm theuer zu stehen kommen, denn er wurde von einem Polizeibeamten in T o u rn a i erkannt und verhaftet. Paris. Vor einigen Tagen hatte Rochefort einen neuen jüdischen Verräther entdeckt. Ein höherer Beamter im Marineministerium, der den Namen Jude Philipp führt, sollte an die Engländer allerlei Geheimnisse, welche sich auf den Burenkrieg beziehen, verkauft haben. Man kann sich denken, daß die antisemitische Preffe eine Person mit so verfänglichem Namen nur als Juden betrachten konnte. Dem entsprechend begann sofort ein Kesseltreiben der gesammten nationalistischen judenfeindlichen Zeitungen gegen den „jüdischen Verräther", „den zweiten Drehfus". Diesmal waren unsere Haffer gründlich auf dem Holzwege, denn schon wenige Tage später muß die „Libre Parole" eingestehen, daß diesmal der Verräther ein guter Katholik ist, echter Franzose und nicht einmal jüdischer Abstammung war. Wer dies Gesindel kennt, wird nicht überrascht sein, zu erfahren, daß seit dieser Mittheilung die gesammte Nationalisten-Preffe die Hetze gegen viele eingestellt hat. Einen Katholiken wegen Verraths zu verfolgen, bietet natürlich für die Zwecke dieser Menschen wenig Nutzen. Mit dem zweiten Dreyfus war es also nichts.*)-— *) Die gesammte deutsche antisemitische Presse hat natürlich die Nachricht nachgedruckt, daß Philipp Jude sei, sich aber wohl gehütet, anzugeben, daß sich nach dem Eingeständniß ihrer Kollegen herausgestellt hat, daß der Verräther nicht Jude, sondern Katholik ist. Das ist immer wieder dieselbe Taktik, erst lügen und dann, wenn die Lüge sich nicht aufrecht erhalten läßt, die Wahrheit todtschweigen. Paris. Nachdem mit dem verstorbenen Präfecten Hendle der letzte jüdische Präfect in Frankreich verschwunden ist, hat die Regierung wieder einen jüdischen Unterpräfecten ernannt, M. Beaucaire, der diesen Posten in Arles erhalten hat. — Zum Ritter der Ehrenlegion ist Dr. Marmorek, Director des Instituts Pasteur ernannt worden. — Bei Eröffnung der hinterlassenen Papiere des verstorbenen Präfecten Hendle fand sich nur ein kurzer Brief vor, mit einer Summe von 200 Francs. Der äußerst charakteristische Brief lautet: „ -ch bitte meine Kinder um Verzeihung wenn ich ihnen kein Vermögen hinterlassen kann. Ich habe immer geglaubt verpflichtet zu sein, das Geld, welches mir der Staat für meine Dienste Pchlt, im Interesse der Republik wieder zu verausgaben". So hat ein Mitglied jenes Stammes gedacht und gehandelt, dem man immer besondere Geldgier vorwirft. Vermischtes. Wien. (T r a u u n g.) Sonntag den 11. d. M. findet ^2 Uhr Nachmittags im isr. Tempel II. Tempelgasse 3 die Trauung des Herrn Dr. Julius Max Bach, Rabbiner an der isr. Cultusgemeinde zu Wien mit Fräulein Adele Fuchs, Tochter des Herrn Rabbinatssecretärs und Schriftstellers Rudolf Fuchs statt. Wien. (Trauung.) Sonntag den 11. März d. I. findet im isr. Tempel in Mariahilf, 12 Uhr Mittags die Trauung des Fräulein Nelly Ruzicka, Tochter des kais. Rathes Adolf Ruzicka, mit Herrn Eugen Baß aus Pilsen statt. Wien. Sonntag, am 18. März, 4 Uhr Nachmittag findet zu Krakau, Hotel Royal die Trauung von Fräulein Ernestine Klein, Tochter des Herrn Moriz Klein in Wien mit Herrn Adolf Libmann, Bureauchef der Galizischen Bank statt. Wien. Dem Besitzer der Wasserheilanstalt in Vöslau- Gainfarn Dr. Theodor F r i e d m a n n ist der Titel eines kaiserlichen Rathes verlieben worden. Wien. (O b e r b a u r a t.h T a u s s i g.) Der Hafenbandirector der Donauregulirungs-Commission, Oberbaurath Sigmund T a u s s i g, eine wegen seiner Verdienste auf sachlichem, wie auf humanitärem Gebiete gleich hochverehrte Persönlichkeit, feiert am 11. d. seinen sechzigsten Geburtstag, aus welchem Anlaß der Jubilar Gegenstand herzlicher' Ovationen werden wird. Wien. (Zum Leichenbegängniß des Oberintendanten Franz G re u z i n g e r.) Gegenüber unserem Berichte über das Leichenbegängniß des verstorbenen Oberintendanten in der letzten Nummer der „Oesterr. Wochenschrift" constatiren wir gerne, daß unser Berichterstatter Herr E. B. unrichtig informirt war, wenn er die Abwesenheit eines Vertreters der isr. Cultusvorstandes bemängelt hat. Vielmehr haben an dem Leichenbegängniß ein Mitglied des isr. Cultusvorstandes u. zw. Herr Cultusvorsteher Eman. Hoffmann und zwei Vorstandsmitglieder der Chewra Kadischa theilgenommen und sich als solche auch den Hinterbliebenen des verstorbenen Oberintendanten condolirend vorgestellt. Wien. (Kundmachung.) Freitag, den 9. März a. c. Abends und Samstag, den 10. März a. c. Früh wird Herr Markus Friedrich Obercantor in Essek im Leopoldstädter Tempel Probevorträge halten. Beginn des Gottesdienstes: Freitag Abends um 6 Uhr und Samstag Früh um 8 Uhr. Wien. (Jüdisches Museum). Herr IsakD. Pick in Wien, welcher die Sammlung des Museums wiederholt in munificenter Weise bereichert hat, spendete diesem neuerlich eine Reihe von Kunstblättern, Kupferstichen und Schabkunstblättern nach Schopin, H. Vernet und anderen französischen. Malern, Darstellungen nach der heiligen Schrift enthaltend. Die prächtigen und wohl erhaltenen Abdrücke gelangen nebst den Aquarellen von Professor Schauer am kommenden Samstag, 11 bis 1 Uhr Mittags, in den Räumen des Museums, I. R a t hh a u s st r a ß e 13, Hochparterre zur Ausstellung. Wien. (E x c u r s i o n.) Der Verein zur Hebung der Gewerbe ladet durch seinen Präsidenten Herrn S. B r o d für Montag den 12. d. M., um 3 Uhr Nachmittags, zur corporativen Besichtigung erstens des neuen k. k. Telephonhauses, IX., Berggasse 35, dessen Einrichtungen als die neuesten und besten der Erde bezeichnet werden; zweitens des Gewerbe-Förderungs-Dienstes des k. k. Handelsministeriums und der großen

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