Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 10 (9.3.1900)
- Date
- 1900-03-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 10 Dr. Bloch’s Iahrz«»- XVII. Centrslorgsn für die gefmnmten Interessen des *=_ E« '] L. ft. Pofifpsrrsffrn-Smr "Clrarinsverketzr Nr. 610.976. Nedsrlion und ALminillrsiion: Wien H., Untere VuaarkrnNr. la. Telephon - Nr. 14.847 Wien, 9. ffiäi'i 1900. Erscheint jeden Freitag. -► -4- - Brief-Adresse: Wien, II., Untere Augartenstraße la. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. Judenthums. M_ =* SrrugsprriM für Sektrrrrich: |j Halbjährig S Kronen! Einzelexemplare 50 Heller. j Mr's Mailand: Halbjährig 10 Kronen.! Ganzjährig 20 » Anzeigen: -Oie 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. * * Inhalt. Leitartikel: Josef R. v. Wertheimer. — Delibab. — Antisemitische Korruption. — Die Verjudung der Franenklöster. — Assirnilation und Antisemitismus in Palästina. - Arischer Wucher in judenreinen Zeiten. - Vom Jahrmarkt des Lebens: Das Herrenhaus jund der Fall Araten. Zur Blutlüge. Ende einer Ritualmordgeschichte. Zur Steuerreform der Eultusgemeinde. Sabbathfeier in Salonik. sEine jüdische Arbeiterstadt im Süden Rußlands. — Correspondenzen: Verband zur Unterstützung von Wöchnerinnen^ und "Gründung einer Krankenpflegerinnenschule. Wien, Lemberg, Reichenberg. Prag, Troppau. Berlin, Breslau, Brüssel, Paris. - Vermischtes: Wien, Floridsdorf, Prag, Königliche Weinberge, Pkeloue. Damboritz, Jglau, Salzburg, Zurawno, Karlsruhe, Berlin, London, Riga. — Feuilleton: Blümchen's Purim. - Michael. — Literatur.' Briefkasten. — Inserate. Josef R. v- Werkheimer. Ein Wort der Erinnerung. (Zur Säcularfeier des Geburtstages.) „Er war ein Mensch, das heißt ein Kämpfer sein." Diese Worte, welche den Grabstein des Mannes schmücken, charakterisiren ihn auf das Vortrefflichste. Er war ein Mens ch, er konnte, wie kaum ein Anderer, von sich sagen, daß ihm sein ganzes langes Leben hindurch nichts Menschliches fremd blieb, und darum hieß es kämpfen bis zum letzten Athemzng. Er hatte begabtere, geistvollere, aber keine großherzigere Mitkämpfer, und darin lag der Grund, daß er Größeres nnd Bleibenderes als diese geschaffen. Er war ein Mensch, und das war die Bedeutung des Mannes, er war ein Mensch und darum ein Kämpfer, ein Kämpfer für die unmündigen Kleinen und unmündigen Großen, für die Unterdrückten und Verfolgten, und wo fand er Unmündigere, wo mehr Unterdrückte und Verfolgte als jene die seines Stammes? Und darum galt der Kampf seines Lebens für seine Stammesgenoffen, die er mit der ganzen Gluth seiner edlen Seele liebte und die er zu sich emporzuheben bemüht war. Dabei war er niemals, sozusagen, ein Stockjude, das hatte schon die Erziehung im väterlichen Hause, welches der freiesten religiösen Richtung huldigte, verhindert. Hören wir ihn selbst hierüber sprechen. In seiner letzten Schrift: „Gesinnungstüchtigkeit des jüdischen Stammes", welche er als Sechsundachtzigjähriger ein Jahr vor seinem Tode, seine „merklich sinkende Kraft zusammennehmend", an seine Glaubensgenossen richtete, da ihm schon „das erste Eisenbahngeläute seit einiger Zeit sehr vernehmlich in die Ohren klingt", erzählte er, wie es gekommen, daß er ein Kämpfer für seine Glaubensgenoffen, „diese tief gedrückte, viel verlästerte, viel verspottete Menschenclaffe" geworden. „Zunächst", so lauten seine Worte, „entzündete sich diese Hinneigung — an das Judenthum— an Vaters Wort und Beispiel. Dieser, weniger streng in Beobachtung des Ritual- und Ceremonialgesetzes, zeigte sich bei jeder sich darbietenden Gelegenheit von innigster Theilnahme an den Handlungen und Geschicken seiner Glaubensgenossen durchglüht. Soweit nun die Faffungskcaft des Knaben es zuließ, wurden ihm hierin Mittheilungen gemacht, womit sich auch das Anhalten' zu den vorzüglichsten Geboten mit den väterlichen Erklärungen derselben verband. Hiezu kam die ziemlich früh begonnene Anleitung zum Berständniß des hebräischen Textes der Bibel, wobei die dem empfänglichen zarten Gemüthe besonders zusagenden Erzählungen und Lehren einen bleibenden, ja bis zur kindlichen Schwärmerei gesteigerten Eindruck zurückließen. Ganz besonders aber trugen die im Charakter des Vaters scharf ausgeprägten Züge der Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit und edlen Humanität dazu bei, in Jahren größerer Reife die Rechtszustände der Juden von solchem Standpunkte aus zu beleuchten. Lefsing's „Nathan der Weise", der immer wieder und wieder von Vater und Kindern gelesen und commentirt wurde, dieses Evangelium der Humanität, vertrat die Stelle einer Hauspostille, sobald der Knabe einigermaßen zum Berständniß derselben herangereift war." Dieses fein geläuterte, von geistiger Schwungkraft getragene Judenthum hat er aus dem väterlichen Hause ins Leben mitgenommen und blieb ihm treu und stritt und litt für dasselbe bis zum Ende seines Lebens. Dieses Judenthum — so glaubte er unerschütterlich — werde ewig leben, unverwelkt bis ans Ende der Tage blühen und die Mission, zu der es auserkoren, erMen, wofern sich nur geistige Führer in Israel finden werden. Und er schied aus dem Leben mit der beseligenden Ueberzeugung, daß solche immer vorhanden sein werden. „Und damit", so lauten seine diesbezüglichen Abschiedsworte, „und damit gelange ich zu dem Resume, daß das Judenthum in seiner geläuterten Auffassung keineswegs einen abgestorbenen Zweig am Lebensbaum bildet, ja, daß es nicht nur gleich den andern Confeffion zur Erzeugung schöner Blüthen und köstlicher Früchte, sondern auch zu noch besonderer Mission auserkoren ist, die mit Nichten bisher zur Erfüllung gebracht wurde. Wofern fich nur zehn Gerechte in Sodom und Gomorrha vorgefunden hätten, wären diese Städte vom Untergange verschont geblieben. Wohlan, ich hege die unerschütterliche Zuversicht, daß sich in Israel für und für mehr als zehn Gerechte vorfinden werden, welche den lebenskr ästigen Stamm vor dem Untergang bewahren werden." Wohl ihm, daß er diese Ueberzeugung über das Grab hinaus mitgenommen! Und wie lautet sein letztes Wort, sein Abschiedsgruß? Man höre und beherzige ihn: „Wechselnd weicht die Civilisation der Barbarei, aber ein dauernder Rückfall in den alten Schlamm ist nicht mehr denkbar. Sv — ich lebe und sterbe der Ueberzeugung — wird die Aera