Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 17 (1900)
- Issue
- 6 (9.2.1900)
- Date
- 1900-02-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 110 Vr. Vloch's Wochenschrist. Nr. 6 des Verblichenen als Wohlthäters, als treuen Anhängers seines Glaubens und als Patrioten gedachte. Unter Trauergesängen wurde dann der Sarg gehoben und zur Familiengruft getragen, wo die Beisetzung zur ewigen Ruhe erfolgte. Preßburg. (Eine neue humanitäre A nst a I t.) In Preßburg wurde zum Andenken an unsere unvergeßliche Königin eine Anstalt ins Leben gerufen, welche den Zweck hat, israelitische Krankenpfleger und Krankenpflegerinnen auszubilden, die — ähnlich dem Orden der Barmherzigen Schwestern und Diaconissinnen — dem edlen Berufe obliegen sollen, ihre kranken Mitmenschen zu pflegen. Unter reger Theilnahme der israelitischen Mitbürger wurde nun die constituirende Sitzung der Anstalt gehalten und der Directionsausschuß gewählt. Zum Präsidenten wurde Primararzt Dr. Jacob Fischer, zum Vice-Präsidenten Advocat Dr. Wilhelm L ö w i n g e r, zum Schriftführer (provisorisch) Friedrich D u s ch i n s k y, zum Cassier Leopold N e u m a n n, zum Controlor Sigmund Herzog gewählt. Directionsmitglieder sind die Herren Siegfried B u n z l, Sigmund F i s ch e r, Dr. Samuel Fischer, Lazar G st e t t n e r, Sigmund I a l o v e tz, David N a ß, Josef Schwimmer; Vertreter der Chewra-Kadischa der israelitischen Cultusgemeinde ist David Kann. Der Directions-Ausschuß hat seine erste Sitzung gehalten und bereits seine Thätigkeit ausgenommen. Es wäre zu wünschen, daß dieser humanen, in unserem Vaterlande einzig dastehenden Institution jene Unterstützung zutheil werde, welche es ermöglicht, daß sie schon bald ihre Wirksamkeit entfalten könne. Es ergeht hiemit an jeden Menschenfreund die Bitte, durch wohlthätige Spenden oder durch Jahresbeiträge die Ziele dieser Anstalt fördern zu wollen. Die erwähnten Herren nehmen jede Spende bereitwilligst entgegen. Tabor. Die hiesige Talmud - Thora - Schule wird im laufenden Schuljahre von 55 Schulkindern, gegen 44 im Vorjahre. besucht. Diese starke Frequenz ist zum Theile eine Folge der Humanität der Cultusgemeinde-Repräsentanz, die durch Befreiung vom Schulgelde Kindern Minderbemittelter den Besuch der Anstatt ermöglicht. Ihre Fürsorge für dieselbe bekundete die Repräsentanz kürzlich unter anderem auch durch Anschaffung der vom israelitischen Landeslehrer-Verein in Böhmen herausgegebenen Kohn'schen Lesemaschine. — Zum Schulaufseher wurde dieser Tage von der Repräsentanz das Mitglied derselben, Herr Hugo Mendl, Sohn nach dem seligen Herrn Alois Mendl, der durch lange Jahre als Präses die hiesige Gemeinde vorzüglich leitete und zum Aufblühen derselben wesentlich beigetragen hat, designirt. — Bereits von mehreren Cultusgemeinden Böhmens ist anher das Ansuchen um Mittheilung der Organisation der hiesigen Talmud'Thora-Schule gestellt worden, erfreulich, ein Beweis, daß diese Gemeinden ihre israelitischen Kinder nicht auf die magere Kost eines wöchentlich zweistündigen Unterrichtes setzen, sondern für eine intensive Pflege des Hebräischen Sorge tragen wollen. Vrrovrlüa (Slavonien). Am 28. v. M. fand die ordentliche Generalversammlung der hiesigen israelittschen Cultusgemeinde statt. Der gewesene Präses, Herr Jakob Weißmann, der dieses Ehrenamt sachlich und unparteiisch versehen hat, bedauerte sehr, seine Ehrenstelle niederlegen zu müssen, da er in kürzester Zeit nach Essegg zu übersiedeln gedenke. Die Generalversammlung dankte dem abtretenden Präses für seine Verdienste, die er sich um die Hebung unserer Gemeindeinteressen erworben hat und wählte Herrn Felix Deutsch, Kaufmann und Grundbesitzer in Birovitica, der ein wahres Verwaltungstalent ist, einstimmig zum Präses unserer Cultusgemeinde. Es wurde dann der Vorstandsbeschluß, den Jahresgehalt des Rabbiners entsprechend zu erhöhen von der Generalversammlung einstimmig und mit stürmischer Begeisterung ohne jede Debatte angenommen. Zum Schluffe richtete Herr Rabbiner Dr. Kaufmann einige Worte an die Versammlung und meinte, daß, wenn die Männer, welche an der Spitze unserer Cultusgemeinde stehen, mü derselben Ausdauer und Unverdroffenheit an dem Wohle der Gemeinde arbeiten werden, mit der sie gerade in letzterer Zeit an ihrer Hebung thätig waren, so wird die Viroviticaer israelitische Cultusgemeinde als wahre Mustergemeinde Israels dastehen. Lemberg, 2. Februar. Hiesige Blätter berichten aus Krakau: Vor einigen Wochen ist die 14jährige Tochter des Banquiers Israel A r a t e n, Michaeline, aus dem Hause ihrer Ettern verschwunden. Diese erfuhren, daß ihre Tochter von einem Dienstmädchen und einer unbekannten Frau mittelst Wagen ins Felicianeriunenkloster geführt wurde und erwirtten durch Jnterventton der Polizei, daß Ihnen von den Felicianerinen eine Zusammenkunft mit ihrer Tochter in Anwesenheit eines Geistlichen, eines Polizeicommissärs und eines Arztes gewährt wurde. Vor der Zusammenkunft jedoch verständigte die Oberin des Klosters, Mutter Marie Rosalia, die Polizeidirection, daß Michaeline A r a t e n das Kloster bereits verlassen und sich unbekannt wohin begeben habe. Die Eltern wandten sich telegraphisch an die Minister Dr. v. Koerber und P i e n t a k um Hilfe. Der Vertreter der Familie Araten gibt an, daß das Mädchen erst 13 Jahre alt war und daß die Eltern nach dem Verschwinden derselben im Wege der Polizeidirection erfuhren, die Tochter sei angeblich von einem Regimentsarzte verführt worden und habe sich dann ins Kloster begeben, um ihren Glauben zu wechseln. Es erregt Aufsehen, daß sich Michaeline Araten aus dem Kloster unbemerkt entfernen konnte. Czernowih. (Von der israelitischen Cultusgemeinde.) Kürzlich fand eine Sitzung des Cultusrathes in Angelegenheit des Oeffentlichkeitsrechtes des israelitischen Spitals statt. Wie wir seinerzeit gemeldet, hat der Stadtmagistrat beim Cultusvorstande angeregt, derselbe möge dahin wirken, daß das israelitische Spital das Oeffentlichkeitsrecht erhalte, wodurch einestheils der Belagraum, bis nun ca. 17 Betten, ein viel größerer würde, andererseits die Curkosten durch die politischen Behörden eindringlich wären. Ueber diese Anregung berief der Cultusrath eine Enquete von Experten zusammen, bestehend aus den Herren Doctoren Philippowicz, Röhmer, Lazarus, Schönbaum, Flinker, Luttinger und Schärf, die sich sämmtlich für die Erwirkung des Oeffentlichkeitsrechtes aussprachen. Daraufhin beschloß der Cultusvorstand im Principe die Geneigtheit auszusprechen, das Öeffentlichkeitsrecht anzustreben, jedoch nur unter der Bedingung, daß der confeffionelle Charakter des Spitals im Sinne der Verfügung des Stifters desselben, M. Zucker, gewahrt bleibe. In der gestrigen Sitzung des Cultusrathes wurde beschlossen, den Cultusvorstand zu ermächtigen, an den Magistrat dahin zu berichten, daß die Geneigtheit bestehe, das Oeffentlichkeitsrecht des Spitals zu erwirken unter der Modalität, daß nur israelitische Kranke in das Spital ausgenommen werden. Selbstredend wird eine entsprechende Umgestaltung des Spitals, so besonders die Herstellung eines Operativnssaales ins Auge gefaßt. Es ist mit Sicherheit zu erwarten, daß, wenn das israelitische Spital das Oeffentlichkeitsrecht erhält, auch die hervorragendsten Aerzte unserer Landes- Krankenanstalt ihre Dienste demselben widmen werden. — In derselben Sitzung wurde die Trennung der Casse von der Buchhaltung beschlossen und die diesbezüglichen Directiven dem Cultusvorstande gegeben. Karlsbad. Von dortselbst wird berichtet: Im Herbste 1898 gründeten die hiesigen israelitischen Kaufleute einen israelitischen Humanitätsverein „Die Eintracht", welcher die Hebung des Wohlthätigkeitssinnes verfolgt, gleichzeitig aber die Förderung der Eintracht durch gesellige Zusammenkünfte beabsichtigt. Dieser Verein, als dessen Obmann Herr JUDr. Alfred Samel, Advocat, fungirt, trat am 28. d. M. zum ersten Male mit einem großen Unterhaltungsabend vor die Oeffentlichkeit. Derselbe fand im Curhause unter Mitwirkung der Curcapelle, welche Meister Labitzky persönlich dirigirte, statt, und nicht nur an 500 israelitische Besucher, sondern zahlreiche andere Personen und Badegäste unterhielten sich auf das Angenehmste, wie denn auch alle Besucher das Fest als ein vollkommen gelungenes bezeichnen. Das Karlsbader Tagblatt, welches vom Hofbuchhändler Hans Feller herausgegeben wird, schreibt Folgendes: Den Abend eröffnete die Curcapelle mit dem Vortrage der Ouvertüre „Semiramide" von Rossini. Darauf folgte das Gesangsduett „D'Frosch- Mierl", das von Fräulein Selma Reichl, Tochter des Restaurateurs Ernst Reichl, und Herrn Max Straschitz zur vollsten Anerkennung des gesammten Publikums durchgeführt wurde. Die Lachmuskeln ließ das komische Quartett für vier Frauenstimmen „Die neuen Herrschaften" in angestrengte Thätigkeit treten; in den reichen, diese Nummer lohnenden Beifall theilten sich die Damen: Fräulein Wilma Reichl, Tochter des Herrn Ernst Reichl, Elsa Grünbaum, Tochter des Fleischhauermeisters Adolf Grünbaum, Gisela Gartenzaun, Tochter des Restaurationsbesitzers Jakob Gartenzaun und Nelly Teinowitz, Tochter des Cantors Josef Teinowitz, Herr Adolf Kohn trat uns als „Nullfranzl" entgegen, über seine Darbietung leuchtete ein warmer sonnniger, zu Gemüthe sprechender Humor, auch ihm wurden volle Ehren zu Theil. Das humoristische Duett „Die Verlobung in der Dachstube" (Fräulein Selma Reichl und Herr Karl L. Katz), schloß sich würdig dem Vorangegangenen an und die Ausführenden können stolz auf ihren wirklich redlich verdienten Erfolg sein.