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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-02-09 · 6 (9.2.1900) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
6 (9.2.1900)
Date
1900-02-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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6 Jahrs«,- XVII. 8 Dr. Bloch’s Centralorgan für die gesammten Interessen des Judentums. '! K. ft. P ofl sparrsssrn-Amr ^Clraringvrrkehr Nr. 610.976 Nedaction und Kdminikraiion: Wien XI.t Untere Bimarfruitr. Ja. Telephon - Nr. 14.847 -X Wien, 9. Februar 1900. «V« Erscheint jeden Freitag. -«Js>—-1- - Brief-Adresse. Wien. II.. Untere Augartenstraße Ls« Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. Se;ugspreis für Seüerreich > Halvjäyri.z 8 Kroncn Einzelexemplare 50 Heller. Für'« Ausland- Halbjährig IO Kronen. Ganzjährig 20 . Anzeigen: Lie 4mal gespalten Perttzeile 24 Heller. Inhalt. Leitartikel: Das neueste Ministerprogramm. — Der Kohlenstrike und die Interessen der Judenschaft. — Aus dem czechischjüdischen Lager. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Entwurf eines Steuerregnlativ für die israelitische Eultusgemeinde in Wien. Zur Warnung unserer Glaubensgenossen. Der Vorstand der israelitischen Union. Mord ans religiösem Fanatismus. Die Blntlüge im ungarischen Abgeordnetenhanse. — „Unkenntniß über Galizien." — Hebräische Melodien. — Korrespondenzen: Aus der Plenar-Sitzung des Cultusvorstandes vom -1. Februar 1900. Wien, Budapest, Preßburg, Tabor, Birovitica, Lemberg. Czernoivltz, Karlsbad, Breslau, Stuttgart, Berlin. — Vermischtes: Wien, Proßnitz, Pilsen, Franzensbad, Troppau, Krakau, Budapest. — Feuilleton: Reiseerlebnisse in Galizien. — Michael. — Literatur. Briefkasten. — Inserate. Das neueste Ministerprogramm, t Nicht nur Gründe, auch Programme sind billig wie Brombeeren. Wie sollte es für einen im Dienst erfahrenen, mit den politischen Verhältnissen vertrauten, sprach- und formgewandten Mann mit Schwierigkeiten verbunden sein, ein den Bedürfnissen angepaßtes Schriftstück zu verfassen, in welchem mit mehr oder weniger Bestimmtheit, mit mehr oder weniger Aufrichtigkeit, mit mehr oder weniger diplomatischer Kunstfertigkeit ein Schema aufgestellt wird, nach welchem jedes Ministerium gut oder weniger gut regieren kann, je nachdem es die Zeitumstände oder die Parteien ihm erlauben? Es kann ein Minister bei seinem Amtsantritt sich sehr stark in die Brust werfen und auf seine Kraft noch so nachdrücklich pochen und ehe ein Jahr um ist, oft in noch kürzerer Zeit, entpuppt sich der angebliche Riese als armseliger Schwächling und manches Ministerium ist mit einem nichtssagenden Programm hervorgetreten, das dann, weil eine kräftig führende Hand das Steuerruder inne hatte, eine ganz energische Thätigkeit entfaltete. Nicht was ein Ministerium verspricht, ist das entscheidende Merkmal seines Wesens, sondern was es thut und wie es sich zu seiner Aufgabe stellt. Von vorneherein haben wir also zu Minister- Programmen im Allgemeinen wenig Vertrauen. Was ist nicht alles von Schmerling bis heute von den leitenden Ministern versprochen worden! Wenn wir jedoch die innere Geschichte unseres Verfassungslebens perlustriren, müssen wir wohl bekennen, daß schon mit dem Jahre 1868 eigenlich die freisinnige Gesetzgebung ihr Ende erreicht hat. Noch einige sociale Neuerungen sind den Ministern abgerungen worden, der Rest aber ist ausgefüllt mit nutzlosen Kümpfen, die schließlich nicht nur das Parlament, sondern das Staatswesen selbst bedrohten. Und doch haben sich auch seither alle Ministerien mit schönen Programmen an die Oeffentlichkeit gewandt. Das jetzige Ministerium hat sich sogar mit zwei Programmen eingeführt, einem Regierungs- und einem Verwaltungsprogramme. Fast möchte man sagen, zu viel des Guten. z»Es war auch von einem so feinfühligen und hochgebildeten ^/Manne, wie es der jetzige Ministerpräsident ist, nichts Anderes zu erwarten, als daß er seinen Regierungs- und Verwaltungsgrundsätzen eine solche Fassung geben werde, daß an dem positiven Inhalte derselben gerechterweise Niemand etwas würde aussetzen können. „Beilegung des nationalen Streites", „Zusammenfassung aller Kräfte zum Gedeihen des Staates", „aufrichtige, ehrliche Verständigung", „feste unparteiische vom rascheren Pulse der Zeit belebte Verwaltung", „Förderung aller auf die Hebung und Erweiterung der Production gerichteten Bestrebungen", — wer vermöchte nicht mit dem innigsten Wunsche für das Gelingen dieser Absichten der Regierung die Thätigkeit des neuen Cabinetes begleiten, wer würde nicht der Bitte um vertrauensvolle Unterstützung seitens aller Elasten der Bevölkerung die Erfüllung angedeihen lassen, w nn es ihm nicht um Interessen eigener Act zu thun ist, die in directem Widerspruche zu den Staatsinteresseu stehen? Nur wer ein verfassungsmäßiges Leben in Oesterreich überhaupt nicht will, wer die Zwietracht zu schüren bestrebt ist, um an dem Feuer, welches das Staatsgebäude bedroht, seine eigenen Kastanien zu braten, wer die Völker nicht will zur Ruhe kommen lassen und unbekümmert um das wirthschaftliche Zurückbleiben Oesterreichs im Wettkampfe der Staaten an der Vertheilung von Welten, den kleinlichsten localen und vermeintlich staatsrechtlichen Fragen den Vorrang einräumt vor den Angelegenheiten, mit welchen die Existenz des Staates im Zusammenhang steht — wird sich den Bestrebungen widersetzen, die als Ziel der Regierung in ihrem Programme bezeichnet werden Wir gehören zu diesen Störefrieden nicht. Wir stehen für ein mächtiges, ausblühendes, freisinniges Oesterreich ein und werden gewiß jedes ehrliche Streben, das sich diese Ausgabe zur Pflicht macht, nachdrücklichst unterstützen. Auch mit den Verwaltungsgrundsätzeu der neuen Regierung müssen wir uns einverstanden erklären. Wir verlangen uns nichts Besseres, als daß „die staatlichen Behörden die b e st e h e n d e n G e s e tz e st r e n g st e n s beobachte n", daß sie sich ausschließlich von sachlichen Erwägungen II

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