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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-01-19 · 3 (19.1.1900) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
3 (19.1.1900)
Date
1900-01-19
Page
– (sequence 14)
Language
German
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-ff Seite 54 Dr. Bloch's Wochenschrift. 'Jir 3 wohl warnte der Erstere die Geschwornen eindringlich davor, sich durch das Bekenntniß der beiden Studenten in ihrem Urtheil beeinflußen zu lasten. Religiöse Erwägungen hätten mit diesem Proceß absolut nichts zu thun, und ein Katholik, der seine eigene Kirche entweiht, verdient eine noch härtere Strafe. In einer Zeit, wo die Leidenschaften gegen die Juden so erregt seien, dürfe man an der Stätte des Rechts keine Waffe.daraus schmieden, um die Juden zu verurtheilen, ehe ihre Schuld nicht vollständig klar sei. Die Jury erkannte trotzdem beide Angeklagte für schuldig, billigte Wertheimer mildernde Umstände zu, versagte sie jedoch Benhaim. Im letzten Augenblick spielte sich noch eine dramaüsche Scene ab. Aus die Frage des Präsidenten, ob sie noch etwas zu bemerken hätten, erhob sich Benhaim von seinem Sitz und rief aus: „Ich habe gesagt, daß ich unschuldig bin, und betheuere immer uud immer wieder meine Unschuld, und ich schwöre (indem er auf das Crucifix zeigte) bei diesem gekreuzigten Juden, daß ich die Wahrheit sage." Gleichwohl verurtheilte der Gerichtshof Benhaim zu fünf Jahren Zuchthaus. Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß die Jury sofort nach der Verkündigung des Urtheilsspruchs ein Gnadengesuch für die Verurtheilten einreichte. So weit unser Bericht. Wir haben nur wenig hinzuzufügen. Jeder wird daraus erkennen, daß der algerische Student ein sehr excentrischer Jüngling ist. Ob er aber das Verbrechen begangen, dessen man ihn beschuldigt, läßt sich aus der Ferne nicht beurtheilen. Indessen erklären auch die Berichterstatter judenfeindlicher Blätter, daß aus seinen Beiheuerungen ein Ton der Wahrheit herausklang, der das Auditorium tief erregte. Schließlich fragen die „Archives Jsraelites" mtt Recht, in welchem Berhältniß dieses Erkenntniß zu den Urtheilen stehe, die gegen die Plünderer der Synagogen von Mostaganem, von Bab-el-Qued sowie gegen Diejenigen gefällt wurden, welche dort die Thorarollen zerrissen und das Pergament Mr. Drumont zu türkischenHausschuhen offerirt haben! London. Rev. Herm. Gollancz ist von der hiesigen Universität zum Doctor der Literatur ernannt und hierdurch mit der höchsten Ehrung, welche einem Literaten in England zu theil werden kann, ausgezeichnet worden. Er dankt dieselbe seinen Leistungen auf dem Gebiete der orientalischen Sprachwissenschaften, namentlich des Assyrischen und Samaritanischen. — In der jüdischen Colonie Margoschiflik auf Cypern sind an Stelle der nach Europa zurückgekehrten Colonisten sechs Familien aus Palästina, darunter vier Schüler der Ackerbauschule Mikweh Israel, neu angesiedelt worden, deren Fleiß und Sachkenntnis einen sehr günsttgen Einfluß auf die alten Colonisten ausüben. Ihrem Beispiele folgend, arbeiten sie, statt früher sechs Stunden des Tages, jetzt von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang auf dem Felde, und die heilsamen Folgen stellen sich schon jetzt ein. Die Ernte steht sehr gut und verspricht, wenn der Spätregen rechtzeitig und reichlich niedergeht, vorzüglich zu werden. Durch die Reinigung aller Bewäfferungscanäle und die Anlegung neuer ist das berieselungs fähige Land wesentlich vergrößert worden, wodurch bei ben hiesigen klimatischen Verhältnisten der ertragfähige Boden außerordentlich gesteigert wurde. Der Gesundheitszustand der Colonisten ist in diesem Jahre ein ausgezeichneter. London. Auch heute ist wieder von Verlusten der jüdischen Soldaten in Südafrika zu berichten. Bei Kimberley fiel Sergeant Charles Frielich von der Diamond Fields Horse, im Lazareth zu Ladysmith starb der Seesoldat Benjamin Blumson von dem Schiff Terrible und im Lazareth zu Pietermaritzburg der Gemeine A. Franks von den King Royal Rifles Corps. Als Gefangene werden aus Blömfontein gemeldet: Landsberg, I. Human und Mon. Leo von der Cape Policy, C. G. Berg von der Diamond Fields Horse. Unter den Freiwilligen, die in der letzten Woche in die für die Front bestimmten Freiwilligencorps eingereiht sind, macht das „Jewish Chronicle" namhaft: 15 Gemeine, 1 Corporal, 1 Sergeant und 1 Lieutenant. Daß die Juden in reichstem Maße zu den Ausrüstungsfonds dieser Freiwilligentruppen beisteuern, erscheint fast unnöthig zu sagen. Juterestant ist dagegen, daß jetzt auch die Namen von jüdischen Seeleuten bekannt werden, die auf der englischen Kriegsmarine dienen. Außer dem oben genannten Blumson vom Terrible nennt das „I. C." Alfred James Davis vom Cäsar, Howard Davis vom Monarch. Damit ist auch das antisemitische Märchen widerlegt, als sei den Juden der Dienst in der englischen Kriegsmarine verwehrt. Malmö. Die hiesige jüdische Gemeinde feierte kürzlich die Amtseinführung ihres Rabbiners Herrn Dr. Josef Wohlstein. Nach dem Mincha-Gebete, welches von Herrn Cantor Großmann- Kopenhagen vorgetragen wurde, richtete der erste Vorsteher herzliche Worte der Begrüßung an den Herrn Rabbiner, worauf Letzterer die Kanzel betrat, um unter Zugrundelegung von ll. B. M. 3, 15 die Grundsätze, nach denen er seines Amtes zu walten entschlossen sei, in meisterhafter Rede darzulegen und mit dem Gebete für den erlauchten, wahrhaft duldsamen Schwedenkönig zu schließen. Nach dem Vortrage des Psalms 111 vollzog auf Einladung der Gemeinde Herr Rabbiner Dr. Goitein- Kopenhagen in stimmungsvoller Ansprache, welche er mit den Worten: „Suchet die Wahrheit, suchet den Frieden" die Amtseinführung. Das Maariw-Gebet beendete die erhebende Feier, an welche sich ein Festesten im Hause des ersten Vorstehers anschloß. Beyrouth. (Zur Cypernfrage.) Wie in Europa so ist auch im fernen Osten die Lage unserer Glaubensgenossen keine sehr beneidenswerthe. Wie im Bereiche Lueger's so wird der Jude als solcher auch im Heimatslande H a m a n's, in Persien, unterdrückt und von jedem Erwerbe verdrängt. Er kann sein Auskommen nicht mehr finden und, mehr der Roth als dem eigenen Willen gehorchend, greift er zum Wanderstabe. Ist im ja doch schon ohnedies als. Jude der ewige Wandertrieb angeboren! . Doch, wohin gehen? Welchen Weg einschlagen? Nach dem Norden? Da sind ihm, als „Ebreu". die Thore Rußlands verrammelt; nach Westen? In das culturtragende — antisemitenverseuchte Europa verirrt sich nur selten ein mittelloser, existenzsuchender, persischer Jude; nach Süden? Da verbietet es ihm die Thora, je nach Mizraim zurückzukehren. Doch der Jude braucht nicht lange nach seiner neuen Heimat zu suchen; er glaubt, sie wäre ihm bereits geschaffen, — Palästina! Ohne sich viel zu bedenken, rafft er Hab und Gut zusammen, schnürt das Bündel, und auf gehts ins gelobte Land der Urahnen — nach Zion! Von der Hoffnung beseelt, bald auf dem Boden der Väter zu leben, scheint ihm die Reisedauer, rund um Arabien herum, eine Ewigkeit zu währen und seine heiße Sensucht macht sich in bitteren Thränen über das traurige Los seines Volkes im Allgemeinen und über das seinige im Besondern, Luft. Und während er nun dem Schicksale seiner Glaubensbrüder in Persien entronnen zu sein glaubt,' indem er sich seinem angestrebten Ziele — Palästina, nahe wähnt, sollte er sich jedoch nur zu bald in seinen Hoffnungen getäuscht und alle seine Luftschlösser in Nichts zerrinnen sehen. — Beim Verlassen der ihm so sehr verleideten persischen Heimat konnte er an die Nothwendigkeit eines schriftlichen Reis'passes nicht gedacht haben und außer Lage, sich durch einen solchen zu legitimiren, weiß er alle an ihn, 'in der ihm unverständlichen orientalischen Sprache gerichteten Fragen nur mit „Jehudah" zu beantworten, nicht ahnend, daß dies Jehudah, womit er sich die Thore Zions selbst verrammelt, seitens der türkischen Grenzpolizei dem Juden gegenüber mehr als Uriasbrief wie als Reiselegitimation genommen wird. — „Jallah, jallah" (fort von hier), donnert es ihm beim Betreten der Grenze seiner elterlichen Heimat entgegen, und mehr gestoßen als gegangen, gelangt er -nun wieder aufs Verdeck des Schiffes zurück, das er soeben hoffnungserfüllt verließ. Seine Mittel sind jedoch zu Ende, und auch das Schiff kann ihn infolgedessen nicht weiter beherbergen. „Das Meer steht dir frei", grinst ihm der in seinen Aussichten auf „Bakschisch" sich getäuscht sehende, rohe Araber höhnend entgegen. Am Verdeck dieses Schiffes befanden sich jedoch unter anderen auch mehrere Engländer, die an dem traurigen Schicksale dieses armen, in Elend gestürzten Juden den größten Antheil zu nehmen schien. Durch einen, der persischen Sprache mächtigen Matrosen ließen sie ihm Trost zusprechen und beschloßen, ihm die Mittel zu verschaffen, um auffreien, gast- und menschenfreundlichen englischen Boden zu gelangen. Dies fiel ihnen nicht schwer und sie gingen nun auch bald daran, ihr Vorhaben zu verwirklichen, denn — in nächster Nähe liegt ja Cypern! Und sie mögen nun auch Recht haben, diese humanen, vom Antisemitengist zum theil freien Engländer. Unsere gegenwärtige einzige, sichere Zufluchtsstätte können wir nirgends bester als in Cypern finden. Abgesehen davon, daß hier der Boden, das Klima und der Erwerb, die denkbarst günstigsten sind, läßt uns die englische Regierung jedweden Schutz angedeihen und gewährt hier den jüdischen Colonisten, die sich vorläufig blos in Margot ansiedelten, alle möglichen Begünstigungen. Mit den benachbarten Griechen leben die wenigen jüdischen Einwohner dieser noch jungen Colonie in denkbarst bestem Einvernehmen,

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