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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-01-19 · 3 (19.1.1900) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
3 (19.1.1900)
Date
1900-01-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 3 Dr. Bloch’s Ichr-im» XVII. Centrslorgan für die gefammken Interessen des Iudenkhums. «- — ----- TSt. ft. Vofisxsrrsffen-Amr Clearingverkehr j Nr. 810.976. : Ardaction und Kdministrsrion: Wien II., Ankere VuaarlenUr. Ja. Telephon -Wr. 14.847 %—==- — —» Wien, 19. Jänner 1900. Erscheint jeden Freitag. -- Brief-Adresse: Wien. II.. Untere Augartenstraße La. Telegramm-Adresse: Bloch'? Wochenschrift, Wien. S— -■ -Ä Bezugspreis für SeKrrrrich: jj -Halbjährig 8 Kronen j| Einzelexemplare 50 Heller, j Für's.Nustand:! Halbjährig 10 Kronen, j Ganzjährig 20 » iÄn; eigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller.?£ —- -- : Inhalt. Leitartikel: Mädchenerziehung im modernen Amerika and im alten Jildenthnm. — Galizien. — Tie Jndenemancipation in Frankreich. — V o m Jahrmarkt des Lebens: Indische Soldaten. Goethe iiber die Inden. — Einiges über die künstlerische nnd technische Ausfiihrnng der Haggadah von Serajevo. — Die Inden in Afrika. — E o r r e s p o n d e n z e n : Ans der Sitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde. Oesterreichisch - israel. Union. Wien, Nikolsburg, Wischau, Ung.-.vradisch, Prag, Turöcz-S.zt. Märton» Berlin, Basel, Paris, London, Ntalmö, Beyrouth — Vermischtes: Wien, Leitonnschl, Jechniv, Prag, Bodenbach a. E., Kojetein, Nikolsbnrg, Nunburg, Radnitz, Napagedl, Meran, Budapest, Strasznir;, Neu-Sandez, Saaz, Lemberg, Bielitz, Berlin, Breslau, Bukarest, Stockholm, Paris, Jerusalem, Buluwayo. — Feuilleton: Reiseerlebnisse in Galizien. — Michael. — Literatur. — Eingesendet. — Briefkasten. — Inserate. Mädchenerziehung im modernen Amerika und im alten Iudrnthume. Wir haben letzthin die Aehnlichkeit nachgewiesen zwischen der Erziehung, welche die jungen Männer in Amerika genießen und jener, welche Alt-Israel seinen Knaben zutheil werden ließ. Selbstständigkeit und Verantwortung sind die gemeinsamen Züge in der Erziehung des amerikanischen Millionärsohues und des alt-jüdischen Hausirerkindes; beide werden damit vertraut, daß sie als „Kinder der Pflicht" für ihre eigenen Thaten und Unterlassungen die Folgen zu tragen haben werden, und auch der religiöse Geist der Erziehung ist im modernen Amerika geblieben, wie er im alten Israel selbstverständlich war. So kann ein jüdischer Vater für die Erziehung seines Sohnes im Grunde nichts Besseres thun, als ihn über das große Wasser hinausschicken und ein bischen Amerikaner werden lassen. Er wird dort lernen, alles mit modernster Technik und ohne jede schonende Rücksicht auf das liebe Ich und seine Bequemlichkeit anzufassen, und wird ein smart bnsinsss man werden statt des schneidigen Gigerls von Europa. Genau das Gegentheil allerdings kann man von dem Verhältniß zwischen amerikanischer und alt-jüdischer Mädchenerziehung sagen. Die Amerikaner freilich wissen ja, was sie wollen. Dasselbe Mädchen, welches heute im Hause eines millionenreichen Nabobs aufwächst, kann durch eine Deroute der Börse, durch die Operationen eines allmächtigen Trust oder durch eine Geschäftskrise von heute auf morgen die Tochter eines armen, vielleicht selbst eines gemiedenen Mannes sein. Sie muß auf eigenen Beinen stehen lernen, denn im schlimmsten Falle muß sie gefaßt sein, dem Manne ihres Herzens in den Westen hinaus zu folgen, dort in Sturm und Wind und Einöde dem Boden abzuringen, was er nur zu spenden vermag und auch den Angriffen rauher Männer Trotz zu bieten. Darum will der Amerikaner dieselbe Selbstständigkeit wie für die Knaben. Die 7jährige Amerikanerin führt auf Reisen ihr eigenes Koffercheu mit sich und packt es unter ihrer Verantwortung, nichts zu vergessen, ordentlich ein und ordentlich wieder aus. Im Hotel bestellt sich die Kleine chre Mahlzeit, sie weiß zu wählen. Aelter geworden, kann sie selbst kutschiren. Sie versteht mit Revolver und Peitsche umzug eheu; sie lernt rechtzeitig, auch den kecksten Mann in Respeet zu erhalten. Mit Knaben zusammen besuchen die Mädchen alle Schulen bis zur Universität hinauf; empfängt die Tochter den Besuch eines jungen Mannes, so verläßt die Mutter discret das Zimmer; das Gegentheil würde sich ungefähr so ausnehmen, wie wenn sie in der alten Welt bei den Besuchen gegenwärtig bleiben wollte, die ihr erwachsener Sohn empfängt. Ist ein junger Mann in einem Hanse vorgestellt, so kann er auch mit der Tochter des Hauses ins Theater gehen; man sieht nichts Uebles darin, wenn er sie nachher ins Restaurant begleitet, und er stellt sie in später Nacht wieder zum Hausthore ihrer Eltern zurück. Wäre das bei uns möglich V Auch weite Reisen über Land ohne Begleitung tritt die Amerikanerin an, ohne daß ihr Jemand einen Vorwurf daraus machen würde. Dieselbe Freiheit nimmt sie bei der Eheschließung in Anspruch. Man kennt die Seene, welche sich in einem amerikanischen Milieu abspielt, wie ein junges Mädchen nach Hause kommt und die Eltern fragt, wie ihnen der Name Abrahams gefalle. In Amerika gefällt dieser Name und ähnliche noch immer ganz ausgezeichnet, und da dir Eltern dies bejahen, so erklärt die junge Dame, daß sie eben fortan so heißen werde, weil sie gerade einen jungen Mann dieses Namens geheiratet habe- Diese Perspective ist es freilich, welche dm jungen Männern in Amerika eine ganz unglaubliche Reserve gibt. Während hier der Jüngling in Liebessachen der Zudringliche zu sein pflegt, ist er in Amerika der Zurückhaltende. Er weiß ja nicht, ob nicht hinter irgend einem Schirm im Gemache seiner Angebeteten schon der Bruder versteckt ist, der die etwaige Mvmentphotographie eines ersten Kusses aufzunehmeu hat, damit mau auf Einhaltung des Eheversprecheus oder ausgiebige Entschädigung klagen könnte. Ein junger Mann bereitet seine Braut mit

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