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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-01-12 · 2 (12.1.1900) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
2 (12.1.1900)
Date
1900-01-12
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. Z Dr. Bloch'sZWochrnfchrift. Seite 37 geisterter Anhänger des Judenthums und ein Wohlthäter der Armee, die er ohne Unterschied der Confession unterstützte. Er war lange Jahre Vorsteher des Spitals, das er auch mitgegründet hatte, und widmete alle Muße gemeinnützigen Unternehmungen. Das imposante Leichenbegängniß, an dem sich die Spitzen der Behörden betheiligten, bewies das große Ansehen des Entschlafenen. Aus Bielitz wird uns geschrieben: Es dürfte Ihre Leser vielleicht interessiren, daß der neueste Stern der Wiener Hofoper einem einfachen jüdischen Cantor seine Entdeckung verdankt. Fräulein Selma Kurz, die reizende Künstlerin, die sich die Sympathien der Wiener im Sturme ersang, entstammt nämlich einer geachteten Bielitzer Familie und der Bielitzer Cantor, Herr Ignaz G o l d m a n n, selbst ein brillanter und gediegener Sänger, war es, der zuerst die reichen Stimmmittel der jungen Dame bemerkte, indem er ihr den ersten Unterricht ertheilte und später alles that, um die Aufmerksamkeit maßgebender Kreise auf die Begabung seiner Schülerin zu lenken. Es verdient rühmend hervorgehoben zu werden, daß Herr Ignaz G o l d m a n n sich ganz selbstlos in den Dienst der guten Sache gestellt und sich nur damit begnügt hat, im Interesse der Kunst thätig zu sein. Olmüh. (E i n D a n k b a r e r). Unter diesem Schlagworte schreibt das „Mähr. Tagbl." : Am zweiten Weihnachtsfeiertage gingen zwei hiesige Malzfabrikanten den Weg aus der Stadt „zur Spitz." Als sie unweit des Spitzwirthshauses angelangt waren, sahen sie, daß mehrere Leute einen Mann umstanden, der wie leblos auf dem Schnee lag. Sie veraulaßten sofort die Uebertragung des Bewußtlosen in das Gasthaus, nahmen dort ein Zimmer auf, in welches der Bewußtlose gebracht wurde, der nach längerem Bemühen erst wieder sein Bewußtsein erlangte. Die beiden Herren entfernten sich hierauf, nachdem sie die Kosten für das Zimmer gezahlt hatten. Der Gerettete, der inzwischen sich noch immer von den Wirkungen des offenbar zu reichlich genossenen Alkohols nicht erholt hatte, stattete den sich Entfernenden seinen Dank dadurch ab, daß er ihnen nachrief: Die Juden hätten ihn umbringen wollen. Troppau. Am 25. d. M. feiert die hierortige Cultusgemeinde ihren 50jährigen Bestand und findet aus diesem Anlasse an dem genannten Tage früh 9 Uhr ein Festgottesdienst im Tempel statt. Slraßnih. Bei der jüngst vorgenommenen Wahl für den Ausschuß der Cultusgemeinde wurden die Herren Dr. I. Deutsch, Dr. I. R o b i t s ch e k, Salomon Morgenstern, Isidor Winter, Moriz Haberfeld, Wilhelm Kohn-Glück, Jacob Rebenwurzel, Leopold Mandler u. Adolf Müller zu Ausschußmitgliedern gewählt. Budapest. (Rabbiner-Installation). Am 2. d. fand die Jnstallirung des neuen Rabbiners Armin Heinrich in Zala-Lövö im Beisein des Altofner Oberrabbiners statt, bei welcher Gelegenheit beide Prediger schwungvolle patriotische Reden hielten. Reiseerlebnisse in Galizien. L Wenn man noch vor Kurzem die etwa 200 Kilometer lange Route von Kolomea nach Tarnopol via Zaleszczyki zu bereisen verurtheilt war, so mußte dieses zu Wagen geschehen, da die Bahn hier noch nicht gebaut war. Es war dieses ein ebenso anstrengendes als ein entbehrungsreiches Reisen. Auf genießbare Küche, auf ein halbwegs einladendes Bett mußte von vornherein verzichtet werden. Da hieß es: lasciate ogni speranza voi ch’entrate. Wohin man immer zur späten Nachtstunde mit vom ewigen Rütteln verrenkten und schlotterigen Gliedern verschlagen wurde, da mußte man wohl oder übel einkehren, nicht sowohl um Erholung zu finden, als vielmehr, um den ermüdeten Pferden, die jeden weiteren Dienst versagten, einige Stunden zum Ausruhen zu gewähren. Ich habe in jener eisenbahnlosen Zeit wiederholt diese strapazenreiche Reise gemacht*), aber niemals so viel Ungemach erlitten, als auf der Fahrt, von der ich jetzt erzählen will. Ich hatte mir auf dieser Reise die Aufgabe gestellt, die kleinen zwischen Kolomea' und Tarnopol nach der russischen Seite *) Anfangs in Mission der „Ist. Allianz", später in derjenigen der Baron Hirsch-Stiftung. hin gelegenen, von Juden stark bevölkerten und von der Cultur noch nicht berührten Städte, in denen die Kinder wie die Wilden aufwuchsen und tagsüber in ganzen Rudeln auf den Straßen, allen Unfug treibend, herumlungerten, wieder einmal aufzusuchen um ihnen die Wohlthat der Schule zu predigen. Ich hatte dieses des Oefteren schon auf früheren Reisen versucht, fand aber nur taube Ohren. Doch die Roth lehrt nicht nur beten, sondern auch Nützliches lernen, was die galizischen Juden zu ihrem schweren Verhängniß bisher so ziemlich unterlassen hatten. Und die Noth hat in dem letzten Jahrzehnt so rapid um sich gegriffen, die jüdischen Händler, Propinationspächter u. s. w.wurden während dieses Zeitraumes mit solcher Zielbewußtheit Schritt für Schritt aus allen ihren Positionen gedrängt, daß schließlich selbst die blödesten Augen geöffnet, die lähmende Macht des finsteren, die Massen so lange beherrschenden Fanatismus endlich gebrochen werden mußte. Hatte man mich in früheren Jahren, wo es noch was zu beißen gab, nicht anhören wollen, mußte ich da nicht selten neben dem Schaden noch den Spott übermüthiger Finsterlinge über mich ergehen lassen, so begann jetzt der Haufe über die Köpfe ihrer blinden Führer hinweg mir näher zu treten, gedrängt vom unbarmherzigen Hunger und eines Besseren belehrt durch die Erfolge, welche inzwischen die an anderen galizischen Orten errichteten Schulen aufzuweisen hatten. — Doch zu meiner Erzählung. Es war in der zweiten Hälfte des Monats November. Das Wetter war herrlich, die schönsten SepUmbertage konnten nicht prächtiger sein. Solche Tage erleichtern und beschleunigen das Reisen in Galizien ungemein. Sie gestatten die Benützung der sogenannten polnischen Wege, welche. Felder und Wiesen durchquerend, weite Strecken abkürzen nnd Ortschaften leicht zugänglich machen, die sonst von jedem Verkehr fast abgeschnitten wären. Wehe jedoch dem Reisenden, der auf einem weih sich hinziehenden „polnischen Wege" von starken Regengüssen überrascht wird, der Wagen versinkt ihm bis über die Deichsel in den Koth und kann oft stundenlang nicht von der Stelle. Ich habe einmal auf einem „polnischen Weg", von einem Unwetter überrascht, drei volle Stunden gebraucht, um nur auf die kaum einen halben Kilometer entfernte Kaiserstraße zu gelangen. Es war das hinter dem Städtchen Jezierzany im Angesicht des nach Jagielnica sich hindehnenden Waldes, also ungefähr in derselben Gegend, in der ich mich abermals befinde und in der mir abermals Aehnliches und noch weit Schlimmeres widerfahren sollte. Ich war bereits vier Tage hintereinander zu Wagen gereist und kam um die Mittagszeit im schönsten Wetter von der Welt in T.... an. Nichts ließ einen nahen Umschlag des Wetters ahnen und ich beschloß, hier kurz meine Geschäfte zu besorgen uud dann die Gunst des Wetters auszunützen, um noch heute nach dem in 2 bis 3 Stunden auf „polnischem Wege" erreichbaren Städtchen K. zu gelangen, wo mich für den kommenden Tag Arbeit in Hülle und Fülle erwarten sollte. Ich ließ meinen bisherigen Kutscher, welcher in den letzten vier Tagen das Menschenmögliche geleistet, heimwärts ziehen und mir den Kutscher Jossel kommen, den einzigen Fuhrwerker im Städtchen, der ein paar gute Pferde und eine halbwegs brauchbare Kutsche besaß, und der mich immer, so oh ich in diese Gegend kam, zur größten Zufriedenheit bediente. Ich muß gestehen, daß ich für den braven Jossel ein faible hatte. Er war ein naturwüchsiger Bursche, und obgleich kaum dreißig Jahre alt, wohlbestallter Vater von sechs allezeit hungrigen Kindern. Ungeachtet dessen war er strts bei humorvoller Laune, die sich unwillMrlich auf die Insassen seines Gefährtes übertrug. Sein stark gebräuntes, von dichtem Bart umrahmtes Gesicht zeigte schöne, ausgeprägte männliche Züge. Aus dem struppigen Kopfe blitzten zwei pechschwarze Augen, die viel Treuherzigkeit verriethen, und wenn er, bergauf fahrend, neben dem Wagen einherging, wußte er so kurzweilige, schnurrige Geschichten zu erzählen, von Land und Leuten soviel Interessantes und Jnstruirendes mitzutheilen, daß man in eine behagliche Stimmung gerieth und über sein naiv-raffinirtes Geplauder leicht die sonst zum Sterben langweilige Wegstrecke überwand. Für mich besonders waren die Informationen, welche mir Jossel auf unseren Fahrten über örtliche Verhältnisse und maßgebende Personen gab, von Werth und förderten meine Sache außerordentlich, denn sie lehrten mich die Leute, auf die ich bei Errichtung einer Schule in jener Gegend angewiesen sein sollte, gründlich kennen noch bevor ich mit ihnen in persönliche Berührung gekommen war. Die Verhandlungen gingen dann rascher von statten. ü

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