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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-01-12 · 2 (12.1.1900) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
2 (12.1.1900)
Date
1900-01-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Zahrg««, XVII. 1 *1*2 Dr. Blocfi’s Centralorgan für die gefammken Interessen des *=-- —X S. ft. Postspa rra ffen-Amr TlraringverKrhr Nr. 610.976.! AeLsction und Administrsiion Kirn 11., Untere Burwrfenlir. 1?«. Telephon - Nr. 14.847 Wien, 12. Zsnner 1900. Erscheint jeden Freitag. --4»« - Brief-Adresse: Wien, II.. Untere Augartenstrafie In. Telegramm-Adresse: Blocks Wochenschrift» Wien. Judrnthums. -=* j Sezugspreis für Seltrrreich: Halbjährig 8 Kronen > Einzelexemplar,: 50 Heller, i Mr's Ausland:;j| Halbjährig 10 Kronen. j j ' Ganzjährig 20 » i Anzeigen: Lie 4mal gespaltene s Penlzeile 24 Heller. f ^--- Inhalt. Für unsere Leser. — Leitartikel: Rückblick und Ausblick. — Zur Abwehr. — Antisemitismus und monarchische Gesinnung. — Religionswechsel. — Noch ein Wort zum Religionswechsel. — Das „Ferienheim" im eigenen Besitz. — V o m Jahrmarkt des Lebens: Die Bluthetzer von Nachod. Zur Schächthetze. Die Schuhmacher und die Lederpreise. Das Aufsichtsrecht staatlicher Behörden über Eultusgemeinden. — Einiges über die künstlerische und technische Ausführung der Haggadah von Serajevo. — Correspondenzen: Oeffentliche Plenarsitzung der israelitischen Cultusgemeinde vom 7 Jänner 1900. Wien, Holleschau, Pres;- burg, Budapest, Prag, Krakau, Berlin, Köln, London, Bukarest. - Vermischtes: Wien, Soborten, Baden, Gaya, Hohenali, Pisek, Wigstadtl, Deutschbrod, Sambor, Aus Bielitz, Olmütz, Troppau, Straßnitz, Budapest. — Feuilleton: Reiseerlebnisse in Galizien. — Michael. — Briefkasten. — Inserate. Für unsere Leser! Die galizifitze Frage interessirt heute lebhafter denn je alle Kreise des Judenthums und wird täglich dringender. Es freut uns deswegen, daß es uns möglich ist, aus der Feder des bekannten Secretärs der Baron Hirschscheu Schulstiftung, des Schriftstellers Dr. M. Friedländer eine Schilderung seiner Beobachtungen in Galizien als Beiträge zu diesem actuelleu Thema im Feuilletontheile dieses Blattes den geschätzten Lesern bieten zu können. Die .AedaeLisn der „Oeffer Woche.", Rückblick und Ausblick Ob wir das Jahr 1900 als das letzte des 19. Jahrhundertes, oder als das erste des 20. ansehen, immerhin ist der Zeitpunkt ein solcher, daß es gerechtfertigt erscheint, einen Blick in die Vergangenheit zu thnn, inwieweit die Menschheit vorwärts geschritten auf dem Gebiete der Menschlichkeit, zu schauen, was das Jahrhundert speciell uns gebracht hat, ob es unsere Erwartungen erfüllt, unsere Hoffnungen enttäuscht hat, wie sich unsere Lage jetzt im Vergleich zur früheren gestaltet und daraus dann Schlüsse zu ziehen, was uns wohl die Zukunft bringen könnte. Die Gegenwart, so trostlos sie sich stellenweise gestalten mag, ist doch nur eine Phase in der Entwicklungsperiode und wenngleich die Opfer, die sie uns auferlegt, schwere, für viele so unerträgliche sind, daß sie denselben durch einen Glaubenswechsel sich zu entziehen suchen, so gibt uns doch der Blick in die Geschichte den Trost, daß diese Phasen stets nur vorübergehende waren und vielmehr noch, daß sie in immer kürzeren Fristen verliefen, um einer neuen, besseren Epoche zu weichen. In der Natur wie im Leben vollzieht sich die Entwicklung nicht in stets gleich bleibenden, aufsteigenden Linien, sondern in Wellencurven, so daß auf eine hochaufragende Erhebung stets ein mehr oder minder tiefer Rückfall folgt. Der Generation, die in die letztere Phase gelangt, wird allerdings eine große Ausopferungs- und Entsagungsfähigkeit zugemuthet. Allein da halten wir es mit Darwin: Die Besten überdauern den Kampf und bewähren sich als die Kraftvollen, aus denen wieder neue gediegenere Generationen hervorgehen. Wir versagen dem Schwächeren das Mitleid nicht, aber wir lassen uns auch vom Mitleid nicht entmannen, vom Schmerz nicht überwältigen, sondern streben dem Ziele zu, das nur in der Versöhnung der Menschen ohne Unterschied des Bekenntnisses, der Nationalität, der Stände aus Basis reiner Moral beruhen kann. ,2 ' Wir dürfen nicht undankbar sein So trüb sich auch die Gegenwart gestaltet, gegen die Zeit zu Anfang dieses Jahrhunderts ist doch ein riesiger Fortschritt errungen worden, und wenn auch eine mit den Thieren an Rohheit und Gewaltthätigkeit wetteifernde Horde uns jeden schritt Bodens streitig machen will, den wir auf culturellem und politischem und socialem Gebiete eingenommen haben, so können sie uns doch nicht mehr verdrängen, nicht blos weil mir mit unzerstörbarer Zähigkeit daran sesthalten, sondern mehr noch, weil die civilisirte Welt den Aufgaben der Menschheit näher getreten ist und der Gedanke des Völkerfriedens tiefere Wurzeln gefaßt hat, als daß er von den Wütherichen aus den Herzen der Menschen gerissen werden könnte. Das Ende des vorigen Jahrhunderts hat die Ideen der Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, zum Gemeingut aller Völker gemacht. Vorher hatten die Philosophen des 18. Jahrhunderts diese Ideen in Wort und Schrift verfochten, und zu Beginn des 18. Jahrhunderts hatte der Freimaurer-Weltenbund diesen Gedanken zur Grundlage seiner Vereinigung gemacht, der doch nichts anderes in sich schließt, als die Durchführung der Lehre „und es wird ein Herr und eine Heerde sein!"

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