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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1900-01-05 · 1 (5.1.1900) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
17 (1900)
Issue
1 (5.1.1900)
Date
1900-01-05
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 1 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 17 Die Trauungsfunction haben Sr. Ehrttlurden der Herr Rabbiner aus Weißkirchen und Obercantor Schwarz aus Wal.-Meseritsch vollzogen. Nachod. (Verlobung.) Vorige Woche fand hier im engsten Familienkreise die Verlobung des Fräulein Olga Kafka mit dem Schuhwaarenfabrikanten Herrn Emil G l a ß aus Proßnitz statt. Fräulein Kafka ist die Tochter des bekannten Industriellen Herrn Leopold Kafka, Mitgliedes der städtischen Gemeinde-Repräsentanz und des Cultusrathes, der sich allgemeiner Werthschätzung und Sympathien erfreut, die anläßlich der Feier des Familienfestes aus allen Bevölkerungskreisen zum lebhaften Ausdrucke gelangten. Troststau. Am 26. December fand unter dem Vorsitze des verdienstvollen Präsidenten Vorstehers des hiesigen „jüdischliterarischen Vereins" Herrn Dr. Eibuschitz die Generalversammlung statt, an welcher der Obman einen mit Beifall ausgenommen Rechenschaftsbericht erstattete, aus welchem hervorging, daß der Verein in sehr geordneten Verhältnissen sich befindet und seine Aufgaben nach Thunlichkeit erfüllt habe. Da die Herren Dr. Eibuschitz und Herr H. Kulka erklärt haben, eine Wiederwahl in den Vorstand entschieden ablehnen zu müssen, so wurden an deren Stellen: Herr Dr. Singer zum Obmann, die Herren Dr. Oppenheimer, Victor Kulka zu dessen Stellvertretern und Herr Obercantor S i n g e r m a n n als Schriftführer des Vereins gewählt. Außerdem wurden die beiden Herren Dr. Eibuschitz und H. Kulka, mit Rücksicht auf die großen Verdienste, die diese beiden Herren sich seit Bestand des Vereines um denselben erworben, zu Ehrenmitgliedern ernannt. Ferner wurde beschlossen, zu der am 15. Jänner in Wien stattfindenden Versammlung behufs Einigung der gesammten Judenschaft, zwei Delegirte u. zw. Herrn Victor Kulka und S. C i e r e r zu entsenden. T r o p p a u, 27. December 1899. Obercantor Singer mann. Czernowitz Der hiesige Eultusrath, Herr Adolf K o t t l a r, gehört seit dem Bestände der hierortlgen freiwilligen Feuerwehr diesem Verbände an und wurde infolge seiner besonderen Geschicklichkeit und Pflichttreue von seinen Kameraden durch die Wahl zum Feuerwehr- Comandanten ausgezeichnet, welches mühvolle Ehrenamt Herr Kottlar durch eine Reihe von Jahren bekleidet. Vor fünf Jahren, als die hiesige freiwillige Feuerwehr das fünfundzwanzigjährige Jubiläum ihres Bestandes feierte, erhielt Herr Kottlar das Czernowitzer Bürgerrecht. Nun wurde diesem Manne, der so manchen Braud hier mitgemacht und schon so oft sein Leben für das Gut seiner Mitbürger eingesetzt, eine besonders ehrende Auszeichnung zutheil. Ueber Allerhöchste Entschließung Sr. Majestät unseres Kaisers vom 2 t. November l. I. wurde Herr Adolf Kottlar durch Verleihung des goldenen Verdien st kreuzes ausgezeichnet. Aus diesem Anlasse gratulirten Herrn Kottlar nicht nur seine Verbandsmitglieder, Freunde und Bekannte, sondern auch Vertreter verschiedener Körperschaften und Vereine sprachen bei ihm vor, um ihm die aufrichtigsten Glückwünsche namens dieser Vereinigungen zn überbringen. Uns allen gereicht es zur Ehre und Freude, daß ein Mitglied der jüdischen Cultusgemeinde-Vertretung dieser Ehre und Auszeichnung theilhaftig wurde. Brzesko. Dank der Bemühungen der Herrn A. Lieber und Wolf Blum gelang es, unseren Armen Brennmaterial im Werthe von 500 Kronen zu verabfolgen, und dadurch die durch den strengen Winter hervorgerufene harte Noth wenigstens etwas zu mildern. Es wäre jedoch wünschenswerth, wenn die Vertheilung nach den individuellen Bedürfnissen vorgenommen worden wäre. Groß-Beeskerek. Ober-Rabbiner Dr. M. Klein wurde bei der am 28. December v. I. stattgefundenen städtischen Repräsentantenwahl mit sämmtlichen abgegebenen Stimmen zum Stadtrepräsentanten auf sechs Jahre wiedergewählt. Straßburg im Elsaß. Am 31. December v. I. fand hier eine Wahl der Synagogen-Berwaltungscommission statt. Bon einem eigens dazu gebildeten Wahlcomits, bestehend aus Elsässern und Altdeutschen, sind zwölf Candidaten vorgeschlagen worden, die alle mit großer Stimmenzahl gewählt wurdeu. Es sind dies die Gemeindemitglieder: Marc. Blum, Isaak Homm el, Jacques Hirsch, Hippolyte K o h n, Josef Feist, Sylvian Kraemer, Abr. Oppenheimer, Adolf Netter, Isaak S ch u h l, Fernand S ch w a r tz, Fernand Weil! und Gustav Weil. Die neugewählten Commissionsmitglieder werden, wie es im Wahlaufrufe hieß, bestrebt sein, den Frieden und die Eintracht in der Gemeinde zu erhalten, für ein gutes Finanzwesen zu sorgen, sowie den Religionsunterricht zu regeln und zu heben, um wahre und gute Israeliten zu erziehen. Möge die Commission in Zukunft halten, was sie vor der Wahl versprochen hat. Michael. E^ählung von S. K o h n, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Der Kalligraph war noch der harmloseste von Lorenzen's Lehrern, der beschäftigte ihn nur während der Lection. die er ihm dreimal der Woche ertheilte, und da hatte Lorenz nichts anderes zu thun, als die Buchstaben nach der Vorschrift, die er ihm vorlegte, so gut oder so schlecht als er eben konnte oder auch nur wollte, nachzumalen. Der Schreiblehrer, der vom Major gut honorirt wurde, hielt es auch nicht für zweckmäßig, sich in seiner Unterweisung zu übereilen, lobte seinen Zögling über alle Maßen und belästigte ihn in keiner Weise. Dagegen stellte der Franzose mehr Ansprüche, die Lorenz unbillig erschienen und denen nachzukommen ihm im Traume nicht einfiel. Der zudringliche Mensch verlangte, daß Lorenz Declinationen, Conjugationen, Worte auswendig lerne, schriftliche Aufgaben, Uebersetzungen mache, lauter Dinge, zu denen er nicht die mindeste Lust verspürte und es mußte nun ein Mittel ersonnen werden, sich den lästigen Menschen vom Halse zu schaffen. Er hatte von seiner Mutter gehört, daß ihre ältere Schwester Mathilde, so hieß die Baronin, in ihrem elterlichen Hanse in ihrer Jugend von ihrer Gouvernante auch im Französischen unterrichtet worden war, allerdings, ohne in der That etwas. Rechtes gelernt zu haben. Auf die schrankenlose Eitelkeit seiner Tante bauend, bat er diese mit schmeichlerischen Worten, ihm die große Liebe zu erweisen, ihn im Französischen, das sie, wie seine Mutter versichere, perfect spreche, selbst zu unterrichten. Unter ihrer Leitung werde er viel eifriger und mi besserem Erfolge als bei dem alten, langweiligen Franzosen lernen, der keine Methode besitze und ihn mit ganz überflüssigen Dingen plage. „Die gnädige Tante" war Närrin genug, sich von den plumpen Schmeicheleien ihres Neffen beirren und bethören zu lassen, und erklärte dem unangenehm überraschten Sprachlehrer, der wußte, daß sie auch nicht den einfachsten, französischen Satz zu construiren vermöge: sie würde den Unterricht Lorenzen's selbst übernehmen. Da „die gnädige Frau Tante" selbst gar nichts wußte, konnte sie selbstredend auch nichts unterrichten. Sie las mit ihrem Schüler die ersten leichten Aufgaben aus einer altersgrauen Krammaire, aus welcher sie in ihrer Jugend hätte lernen sollen, aber nichts gelernt hatte; dann sprach die Baronin ihrem ungelehrigen Schüler einige ihr geläufigen Allerweltsphrasen vor, und als in einigen wenigen LeGpnen ihr äußerst spärliches Wissen bis auf den letzten Tropfen versiegt war, brach sie diese, unter dem Vorwände, sie sei vorläufig von den Haushaltungsgeschäften zu sehr in Anspruch genommen, ab, und verschob deren Wiederbeginn all ealeuckas Araeeas. Bon diesem ersten Erfolge aufgemuntert, machte Lorenz ein nicht minder gelungenes Experiment in nahezu gleicher Weise. Er bat nämlich auch den Onkel, da er ein so tüchtiger Mathematiker sei (Lorenz wählte, wenn er etwas von ihm erlangen wollte, die glänzendsten Bezeichnungen) möge er „die Gnade haben" ihn selbst im Rechnen zu unterrichten. Er habe, das sei schon in seinem ganzen Wesen erkennbar, eine viel bessere Methode als sein Lehrer und er — Lorenz nämlich — würde die Sache bei seiner Unterweisung viel besser auffassen. Der Major griff mit Vergnügen zu. Er war noch immer durch das „nichtswürdige" Podogra an den „vermaledeiten" Lehnsessel gefesselt, und hatte außer zu essen, zu trinken und zu schlafen, eigentlich gar nichts Vernünftiges zu thun, und da er wohl die Rekruten im Reiten, Fechten, Schießen und Exeerciren unterwiesen, sonst aber, so lange er diesem irdischen Jammerthale als Weltbürger angehörte, noch kein menschliches Wesen im wissenschaftlichen Gegenständen unterrichtet hatte, erschien ihm dies als eine reizvolle Abwechslung und der eitle Mann, dem plötzlich ein ihm bislang selbst vollkommen unbekanntes Talent angeschmeichelt worden war, wollte versuchsweise sein Genie, das, wie er glaubte, als Kriegsmann lange nicht zur vollen Entwicklung aufgerollt worden war, als Rechenlehrer leuchten lassen. — Baron Hornek hatte nicht nur nie etwas gelehrt, sondern auch sein volles Leben lang nichts Rechtes gelehrt, und da ihm pädagogisches Talent nicht als Wiegengeschenk beschert worden war, mußte er bald inne werden, daß sein Können weit hinter seinem Wollen zurückstehe. Er wußte sich nicht anders zu helfen, als daß er, wie er sich ausdrückte, „die Sache am richtigen Zipfel anfaßte, daß er praktisch vorging" und nur solche Rechenexempel wählte, wie sie ihm als Escadroncommandanten vorgekommen waren.

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