Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 52 (29.12.1899)
- Date
- 1899-12-29
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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kr. 52 Dr. Vloch's Wochenschrift. Seite 999 stellte ich mir nicht vor, daß Du so ... O, ich Wahnsinniger! Ich zweifelte . . . ich hatte sogar zu glauben aufgehört . . . Fast hätten uns mein Stolz und Deine Reinheit um unser ganzes Glück gebracht! Gesegnet sei der Augenblick, da ich Deiner Spur folgte!" „Gesegnet sei jeder Augenblick, der Dich mir näher bringt!" Dann begann er bittenden Tones: „Steh' auf und komm' in die Helle. Du bist in Schatten gehüllt und nur undeutlich sehe ich Deine Gestalt. Ist es das Mondlicht, das Dich so bleich und verändert erscheinen läßt? Niemals, niemals mehr, werde ich verschwinden, damit meine Blume nicht welke. So lange schon sah ich Dich nicht und lauschte nicht Deinem Gesänge. Deine Lieder aber sind Schwingen, die mich über mich selber erheben, eine krystallklare Quelle, in der mein Herz besser wurde und meine Seele gesundete. Vielleichst singst Du etwas? Meine Lieblingsmelodren, denkst Du sie? So singe!" „Gut!" erwiderte sie: „Ein Meer von Klängen fühle ich in mir. Sie sollen mir helfen, Gott zu danken, daß er Dich mir wiedergegeben, Dir, daß Du nicht verschwunden bist!" Und die Brust von einer Fluth von Tönen geschwellt, erhob sie sich und trat, von Mondstrahlen, Resedaduft und ihrer glücklichen Liebe umwoben, Hand in Hand mit ihm, an das offenstehende Fenster. Das durchsichtigklare strahlende Himmelsgewölbe schaute auf auf zwei glückselig lächelnde Menschenkinder hinab. Plötzlich vernahm sie unmittelbar über ihrem Haupte eine ranhe, laute und doch heiser klingende Stimme: „Soll ich vielleicht den Samovar hereinbringen?" Voll Schreck den Kopf emporhebend, erblickte sie Gitel, die in einen kurzen Rock und eine zerissene Jacke gekleidet, das Ende ihres dichten schwarzen Zopfes in der Hand hielt. „Vielleicht soll ich den Samovar hereinbringen?" wiederholte das Mädchen. Mit wachsendem, fast an Wahnsinn grenzenden Schrecken rief die Fremde: „Ich will nicht! ich danke! ich brauche nichts!" Das Mädchen verließ das Zimmer. (Schluß folgt). Literatur. Den finsteren Mächten des Wahns und der Verblendung, welche allenthalben gegen Juden und Judenthum wachgerufen werden, vermag nur die belebende Kraft der Erinnerung an Israels Vergangenheit erfolgreich entgegenzuwirken. Der Hinweis auf die Lauterkeit unseres erhabenen Lehrinhaltes und auf die Ruhmeshalle unserer Geistesheroen muß uns selbst inmitten der Sturmflnth des Haffes, Kraft und Festigkeit, Muth und Ausdauer verleihen. Wie aber ein solcher Hinweis im praktischen Leben täglich ernenert, insbesondere wie die Heranwachsende Generation mit den schönsten Sinnsprücheu aus Bibel und Talmud vertraut gemacht und für die unvergänglichen Geiftesschätze der jüdischen Literatur angeregt werden kann, zeigt uns Rabbiner Dr. Heppner's jüd. liter. Abreißkalendier für 1900 (5660/61). (Verlagsbuchhandlung Israel Tuch in Koschmn, Provinz Posen.) Neben dem bürgerlichen Datum hat jedes Blatt die Tagbezeichnung des jüdischen Kalenders mit den einschlägigen Bestimmungen des Rituals, eine interessante Notiz aus dem Bereiche der jüdischen Geschichte und endlich einen sinnreichen Kernspruch aus Bibel und Talmud oder eine Blüthenlese aus dem jüdischen Schriftthume des Mittelalters in poetischer Uebertragung. „Die Männer, welche in unerschütterlicher Glaubenstreue für die Rechte der Juden gerungen und in erwärmender Begeisterung für Glaubens- und Gewissensfreiheit gestritten, welche mit nachhaltigem Erfolge das Judenthum nach außen vertreten und für seinen inneren Ausbau Ersprießliches geleistet, welche sich hervorgethan haben als Pfleger des jüdischen Geistes und bahnbrechend waren auf den verschiedenen Gebieten der Wissenschaft", treten aus dem Hintergründe der Vergangenheit hervor und ihr Lebensbild wird vom Verfasser in anerkennenswerther Meisterschaft in kurzen knappen Zügen treffend gezeichnet So enthält fast jedes Blatt des Abreißkalenders den Gedenktag einer hervorragenden Persönlichkeit des Judenthums. Mit aufrichtiger Freude begrüßen wir dieses neue literarische Unternehmen, welches vorzüglich geeignet erscheint, in Schule und Haus belehrend zu wirken,. das Interesse für die jüdische Geschichte und Literatur in den weitesten Volksschichten anzuregen und das schlummernde Gefühl der Anhänglichkeit an das Judenthum wachzurufen, den Glaubensmuth zu befestigen und zu fördern, die Ueberzeugungstreue zu bewahren und zu bewähren. Roti; 8 gegen 33334. Zahlen beweisen, sagt das Sprichwort. Auf die große Wohlthätigkeitslotterie des Poliklinischen Vereines angewendet, lautet die Erklärung: In den sechs Ziehungen dieser Lotterie gelangen sechs Haupttreffer im Gesammtwerth von 200.000 Kronen zur Verlosung. Jedes Los spielt in sämmtlichen Ziehungen mit, und es beträgt der Preis eines Loses eine Krone. Man riskirt somit bei jeder Ziehmig etwa 8 Kreuzer und erkauft sich die Möglichkeit, 33334 Kronen zu gewinnen. Wohl der günstigste Spielplan, der jemals ersonnen worden ist. Lose sind in allen üblichen Verkaufsstellen erhältlich. Briefkasten. PH. Türkei und B. Katz in Deyrouth. Derlei Schreiben sind direkt an den Adressaten zu senden und nicht durch Vermittlung der Oeffentlichkeit H. D. Der berühmte Goetheforscher B e r n a y s stammt aus einer alten gelehrten Rabbinerfamilie. Jsaac Bernays war anfangs des Jahrhuudertes Oberrabbiner in Hamburg. B. L— g. Wie man über einen vorenthaltenen Titel, sich mit Geist lustig macht, das hat der geniale französische Satiriker Piron gezeigt. Er bestimmte, daß auf seinen Grabstein die Inschrift angebracht werde: Hier ruht Piron, der nichts war, „nicht einmal ein Akademiker". Justus. Die antisemitischen Blätter, welche die Worte Sr. Majestät über die empörenden antisemitischen „Rohheiten" unterschlugen, haben nur conseguent gehandelt, als sie auch den Hirtenbrief des ungarischen Bischofs unterdrückten, der die Blutbeschuldigung verdammt. W. B. Maimonides hat in Bezug auf Gott jedes positive Prädicat als ungenau, als antropomorphistisch erklärt. Die Sprache der Menschen ist eben nicht fähig, anderen als menschlichen Begriffen Ausdruck zu verleihen. A. B—g. Ein Bürgermeister der sich nicht entblödet, in einer und derselben Rede zu sagen, daß er gerecht vorgehe, aber die jüdischen Beamten principiell nicht avanciren lasse, muß mit einem anderen Maßstabe gemessen werden. Victor H. Das ist keine Denunciation. Mechaniker Schneider verkündet es ja 'selbst mit cynischer Dreistigkeit, daß er seinen Beruf in Ritualmord-Affairen erblicke. - I. V. Der Satz befindet sich in S p i n o z a's Ethik und lautet in genauer deutscher Uebersetzung: „Mit Recht leugnen alle, die über das göttliche Wesen nachgedacht, das Gott körperlich sei ... . Aber sie wollen auch mit anderen Gründen zeigen, daß sie die körperliche oder ausgedehnte Substanz gänzlich von der göttlichen Natur ausschließen und dennoch behaupten sie, daß sie von Gott geschaffen sei. Vermöge welcher göttlichen Fähigkeit aber sie habe geschaffen werden können, das wissen sie durchaus nicht, was deutlich zeigt, daß sie ihre eigenen Worte nicht verstehen." G—g. Das hat schon Larochfoucauld gesagt: „Man macht sich niemals durch die Eigenschaften, welche man besitzt, so lächerlich, als durch jene, welche man zu besitzen sich stellt." H. W—g. Warten Sie ab. Man weiß ja noch nicht, was Dr. Lueger von dem Ministerpräsidenten W i t t e ck zu hören bekam. K. W» Vor allem die Wahrheit. Wir finden nämlich das Wort des Franzosen Vanvenargues für richtig, welcher sagte: „Es gibt vielleicht keine Wahrheit, welche nicht für einen dunklen Geist der Stein des Anstoßes ist." i. b. Wenn es dem Dr Lueger ernst mit den Versicherungen wäre, die er im Gemeinderathe in der Schlußsitzung des alten Jahres zum Besten gab, würde er von seinen Gegnern gelobt und von seinen Parteigenossen erschlagen werden. Ggo. Lassen Sie sich doch von diesen heuchlerischen Kuiffen nicht täuschen. Das „Deutsche Volksblatt", welches fast gar keine Originalarbeiten und auch geringe Telegramm-Kosten hat, wird auch weiterhin so theuer fein als die reichhaltigen liberalen Blätter. Historicus. Aus verschiedenen historischen Bemerkungen namentlich im Suetonius ist es bekannt, daß Eäsar eine große Vorliebe für die Juden hatte, welche von ihnen durch treue Anhänglichkeit erwidert wurde. I. W. Eine Charakteristerik Zunz's ist in einem Briefe enthalten, den Abraham Geiger an I. Derenburg im Jahre 1899 richtete. Da heißt es: „Man kennt Zunz aus seinen Schriften nicht genug, nicht einmal seine Gelehrsamkeit, noch weniger aber seinen Ernst für ein kräftiges, religiöses Leben und wahre Wissenschaft im Judenthum. Er ist nicht, wie es oft scheinen könnte, ein Kleinigkeitskrämer, ihm ist vielmehr das Kleine wichtig, als das Große erklärend und er findet in jedem Einzelnen den Reflex der ganzen Entwicklungsstufe." W. I. Sokratessagte, die höchste Stufe des Wissens sei, sein Nichtwissen einzusehen. I. Brennholz in G. Wenden Sie sich an Herrn L. Smolensky, IX., d'Orsaygasse 7 in Wien. L. A. Lasten. Leider nicht.