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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-12-29 · 52 (29.12.1899) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
52 (29.12.1899)
Date
1899-12-29
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 52 Seite 997 Br. Dwch's Wochenschrift. Eisenstein 5 fl., Dr. S. Funk 5 fl., Dr. Schreiber (Wien) 5 fl., Director Werner 7-50 fl., Israel Werner 5 fl, Kais. Rath Wilhelm (Wien) 5 fl., L. Prager (Brünn) 5 fl., Dr. M. Hirsch (Muglitz) 5 fl.. L. Weiß (Brünn) 5 fl., I. Werner (Wien) 5 fl.. G. Ticho 6 fl., E. Ungar 5 fl., H. Walt 5 fl., L Schwarz. 5 fl., D Ascher (Oppatowitz) 3 fl., C. Springer 3 fl., M. Breda (Brünn) 3 fl., Nathan Ultmann 3 fl., St Bauer 3 fl, E Werner 3 fl., I. Saffer (Brünn) 3 fl-, I. Munk 2 fl., E. Beck (Wien) 2 fl., I. Brod 2 fl., C. Deutsch 2 fl , B. Häusler 2 fl., D. Werner 2 fl., S. Frisch (Kunstadt) 2 fl., Ph. Baß (Brünn) 2-50 fl., P. Lasus (Proßnitz) -i fl., Elise Fleischer (Wien) 2 fl., Julie Polaczek (Wien) 2 fl., I. Ticho 1 fl., S. Zobl 1 fl., Bernhard Schneider (Wien) 1 fl. Feuilleton. Michael. Erzählung von S. Koh n, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) In den Nachmittagsstunden jenes denkwürdigen Tages, an welchem Graf Zeno seinem Oheim das Erste- und Letztemal seine Reverenz bezeigen wollte, gelangte Golzinger's Brief in Hornek's Hände. Wie wir schon erwähnt haben, hatten sich der Baron und die Baronin in Folge der gemeinschaftlichen Beleidigung einander genähert. Das unterwürfige Benehmen Golzinger's hob sich gegen die „bübische Erzflegelei", wie sich die Baronin kraftvoll aber nicht unrichtig ausdrückte, des Grafen Zeno, äußerst reizvoll ab. Die Hornek's hatten, seit sie die Ehe miteinander geschlossen, von des Barons Verwandten nichts als Kränkungen und Verdruß erfahren, jetzt aber war der letzte verhängnißvolle Tropfen, der den Eimer zum Ueberlaufen bringt, hinzugetreten, und sie beschlossen, ihren adeligen Verwandten zu Trotz, sich den bürgerlichen zu nähern, und namentlich und ganz besonders Lorenz in Gnaden aufzunehmen; ja die Baronin schlug vor, den jungen, nach der Schilderung ihres Schwagers, so liebenswürdigen Neffen in ihr Haus aufzunehmen und ihn dort für seinen künftigen Beruf vorzubereiten. Bürgermeister Golzinger sah durch das umgehend einlaufende Antwortschreiben seines Schwagers seine kühnsten Erwartungen überflügelt. Daß er schon beim ersten Anlauf so viel erreichen würde, hatte er nicht gehofft. Major Hornek schrieb ihm, daß es ihn herzlich freue, daß er seinen Sohn dem Militärstande zuwende. Es sei dies der einzige, bei dem es „ein tüchtiger Kerl" in dieser Zeit zu etwas bringen könne, und wenn ihm die sackerment'sche „Gicht," die er sich in „dem verfluchten" Türkenkriege geholt, nicht das Weiterdienen unmöglich gemacht hätte, wäre er selbst gewiß noch „ein großes Thier" geworden, uud führte zum Beweise dafür an, daß seine früheren College» jetzt schon Generäle seien. — Er wolle sich recht gerne seines Pathen, des Lorenz, annehmen und dafür Sorge tragen, daß er es beim Militär vorwärts bringe. Er glaube, daß es sich empfehlen würde, den dreizehnjährigen Burschen! nach und nach an militärisches Wesen zu gewöhnen, und da lömtie sein eigenes Haus die beste Schule hierzu abgeben. Er —' der Major nämlich — habe jetzt gar nichts zu thun, und daher Zeit sich mit „der Dressur" des jungen Burschen zu befassen, dem vor Allem „sein bürgerliches Wesen" abgeschliffen werden müssen Die Baronin, die ja Lorenzen's leibliche Tante sei, würde für „Futter und Montur" sorgen. Wenn es also dem Herrn Schwager und der Frau Schwägerin (so verwandtschaftlich herablassend hatte sich Baron Hornek bisher noch' nie ausgedrückt) recht sei, sollten sie seinen „lreben Neffen und Pathen" sauber zusammenpacken und zu ihm nach Wien senden, wo er freundlich empfangen werden würde. Golzinger hatte vorerst noch den Widerstand seiner Frau zu besiegen, die sich nur schwer von dem einzigen Kinde trennen wollte; aber sie vermochte endlich doch die großen Vortheile, welche hieraus für Lorenz entstünden, zu würdigen, und Golzinger schrieb einen von rührenden Dankesausbrüchen überströ- . menden Brief an den Baron, in welchem er und sein Sohn des Herrn Schwagers und der gnädigen Frau Schwägerin „gnädiges Anbot", mit „erschüttertem Herzen und unterthänigem Danke" annahmen, und seine Frau und er, „das Theuerste auf Erden, das ihnen der liebe Gott geschenkt, d?n würdigsten Händen ruhig anvertrauen wollen". Aus der schwungvollen in die gewöhnliche Redeweise übergehend, schloß er mit der Mittheilung, er würde in 14 Tagen, bis wohin Lorenz' Equipirung (damit er dem hohen Range seines Oheims und Gönners entsprechend auftreten könnte) fertig sein würde, mit diesem nach Wien reisen und persönlich seine Aufwartung machen. Als Golzinger mit Lorenz in Wien bei Schwager und Schwägerin eintraf, bewies sich der pfiffige Bursche, der schon früher von seinen Eltern präparirt und instruirt worden war, so demüthig und zärtlich, daß ihm der Baron vergnügt auf die Schillter klopfte und die Baronin ihm Haar und Wange streichelte. Golzinger's Andeutung, daß er mit Vergnügen bereit sei, alle für sein Kind gemachten Auslagen zu ersetzen, wurde von der Baronin mit einer majestätischen Handbewegung zur ückgewiesen, und der Major erklärte, zu Golzinger's höchster Befriedigung jeden solchen Versuch als ^eintz Haupteselei und eine directe Beleidigung!" Auf diese Weise war Lorenz Golzinger in das Haus seines Oheims gelangt. Vater und Mutter hatten ihm eingeschärft, Alles aufzubieten, sich die Neigung seines Onkels und seiner Tante zu erringen und zu erhalten, Alles zu thun, was sie wünschten, sich ihnen ganz zu unterordnen, und ihm deutlich auseinandergesetzt, daß er für den Zwang, den er sich auferlegen müsse, in der Zukunft überreich entschädigt werden würde. Lorenz Golzinger war ein nichtsnutziger, aber ein durchtriebener Junge, der die Sachlage richtig aufzufassen, und wenn es Noth that, sich zu verstellen vermochte. Ec wußte sich rasch in die neuen Verhältnisse hineinzuleben und die Schwächen seiner Pflegeeltern zu erkennen und gehörig auszunützen. Er heuchelte ihnen Liebe nnd Zärtlichkeit, die er nicht für sie empfand und eine Ehrerbietung, die er für sie nicht zu fühlen vermochte. Er küßte dem Baron und der Baronin bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit die Hand; er sprach die Baronin „gnädigste Frau Tante" an, und wenn er sie im anstoßenden Zimmer wußte, sprach er laut in den zärtlichsten und gewähltesten Ausdrücken von ihnen. Schon in den ersten Tagen seiner Anwesenheit ließ er sich recht geschickt von der Baronin dabei überraschen, als er deren Pastellbild inbrünstig küßte, was diese ihrem Gatten gegenüber zu der Aeußerung veranlaßte: ein so herziges, liebes Kind', wie ihr Schwesterfohn, sei ihr ihr Lebenlang nicht vorgekommen!" Lorenz suchte sich seinen Pflegeeltern in eigenthümlicher Art nützlich zu machen. Wce die meisten schlechten Menschen nach sich urtheilenv und daher Andere mißtrauend, hatte er sich im Hause seines Onkels, in der schon im Vaterhause geübten, zuweilen sehr nutzbringenden Kunst des Spionirens sehr vervollkommnet und konnte schöne Resultate aufweisen. Ein langjähriger Diener des Majors und ein älteres Stubenmädchen der Baronin, die ihm auch ihrem Aeußeren nach mißfiel, schienen ihm seinen Einfluß im Hause schmälern zu können, und schon nach wenigen Tagen seiner Anwesenheit hatte er mit scheinheiliger Miene und der Bitte ihn nicht zu verrathen, dem Major mit-- getheilt, daß der Diener Franz fleißig den theuern, türkischen Tabak seines Herrn mitrauche, das Stubenmädchen, dem die Schlüssel der Speisekammer anvertraut waren, die von ihr gehegte Meinung nicht verdiene; und die beiden Domestiken wurden entlassen. Was Lorenzen's Beschäftigung im Hause seines Oheims betraf, war diese eine eigenthümliche. Major Baron Hornek war nicht weniger unwiffend als sein Neffe. Es war damals, vor nahezu hundert Jahren, eben ganz anders als in der Gegenwart. Während jetzt jeder Officier in der Armee eines civilsirten Staates ein gebildeter Mann ist, und in Folge der Armeeorganisation auch sein muß, waren die meisten Officiere jener Zeit Menschen von äußerst geringen! Wlssen. — Es erschien allerdings unangänglich, einen dreizehnjährigen Burschen ganz ohne jeden weiteren Unterricht zu lassen, aber Lorenz wurde von demselben nicht sehr belästigt. Man ließ ihn, um ihu nicht ganz müßig gehen zu laffen, im Französischen unterrichten, hielt ihm, um seine Schrift zu verbessern, einen Kalligraphen, nahm ihm endlich auch einen Rechenlehrer, weil der Major, der sich früher als Escadronscommandant mit dem Rechnungswesen beschäftigen mußte und daher im Rechnen einen gewiffen Grad von Fertigkeit erlangt hatte, bei einer Gelegenheit gesunden hatte, daß Lorenz in dieser Disciplin „auffallend" zurück sei. Allein der schlaue Lorenz, der wie wir wissen, kein Freund geistiger Anstrengungen und des Lernens war, wußte bald seine Lage in ftir ihn erfreulicher Weise zu verbessern. (Fortsetzung folgt.)

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