Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 52 (29.12.1899)
- Date
- 1899-12-29
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 52 Dr. Blocht Wochenschrift. Seite 895 h e i m e r und sein Schüler, Dr. E. B i b e r s e l d betraut worden. Nachdem der letztere sein Amt niedergelegt hat, ist gestern mit großer Begeisterung der Vorschlag der Verwaltungsbehörden, den Rabbiner Dr. E. Munk in Königsberg i. Pr. zum Rabbiner unserer Adaß-Jisroel-Gemeinde zu berufen, von der Generalversammlung angenommen werden. Dr. Esra Munk hat seine rabbinisch-theologische Ausbildung am hiesigen Rabbiner-Seminar genossen und in seiner sechsjährigen rabbinischen Thätigkeit gezeigt, daß er würdig und befähigt ist, in Gemeinschaft mit Dr. Meier Hildesheimer das Werk ihres großen Lehrers und Meisters fortzuführen. Beyrouth, 18. December 1899. Es gereicht mir zur Genugthuung, ihnen von einer mit unserem Glaubensgenossen, Herrn P. Blattner, königl. englischer Jnspector der Militär- Polizei auf Cypern, jüngst gehabten Unterredung hinsichtlich der Verhältnisse der wenigen jüdischen Einwohner dieser Insel, sowie der in Aussicht genommenen Colonisation derselben berichten zu können. Dieser hohe Officier ist unser? Landsmann, ein geborener Oesterreicher. Sein Vaterland verließ er in frühester Jugend, um sein Glück in weitester Ferne zu suchen. Und so kam es, daß er auf der Suche einer, seinem hohen Bildungsgrade entsprechenden Existenz, andererseits aber auch von seinem genialen Forschergeist gedrängt, viele Länder aller Erdtheile bereiste, wobei er reichliche Lebenserfahrungen sammelte und sich eine gründliche Menschenkenutniß erwarb. Am Schlüsse seiner Wanderjahre führte ihn ein glücklicher Zufall nach England, wo es ihm bald darauf, Dank seiner vielseitigen Kenntnisse gelang, einen Posten im Staatsdienste zu erlangen, den er nun seit nahezu einem viertel Jahrhundert i n Ehren bekleidet, was die vielen Orden an seiner Brust bezeugen. Vor 21 Jahren wurde Herr Jnspector Blattner seitens der englischen Regierung nach Cypern dirigirt. wo er Anfangs dem Polizei-Commissariate zugetheilt wurde und da er sich. Dank seiner treuen Pflichterfüllung und lobenswerthen Diensteifers bald das Vertrauen der Regierung erwarb und sich stets der vollsten Zufriedenheit seiner Vorgesetzten erfreute, so brachte er es im Laufe der Jahre zu seiner heutigen hohen Stellung als Jnspector der Militär-Polizei. Auch sein Sohn bekleidet derzeit einen hohen Staatsposten bei der englischen Regierung u. z. im Sudan. Herr Jnspector Blattner erzählte uns, daß er vor einigen Jahren darüber im höchsten Grade erfreut war, als er erfuhr, daß mehrere jüdische Familien, eine neue Heimstätte suchend, auf Cypern landeten, um sich da für die Dauer niederzulassen. Er gewährte ihnen jede mögliche Bevorzugung und ließ ihnen den Schutz der englischen Regierung in jeder Richtung angedeihen. Auf seine Initiative errichteten die winzigen, aus Rußland eingewanderten jüdischen Familien eine Schule mit hebräischem, englischem und französischem Sprachunterrichte; und dem Gotteshause, daß sie bald darauf erbauten, machte er aus eigenen Mitteln ein sehr werthvolles Geschenk, nämlich — eine Thorarolle. Wegen der proj'ectirten jüdischen Colonisation auf Cypern befragt, erklärte Herr Jnspector Blattner, daß wir uns von derselben das Beste versprechen können und fügte hinzu, daß wir hinsichtlich des sicheren, denkbarst günstigen Erfolges nicht den geringsten Zweifel hegen dürfen. Die leider noch sehr kleine jüdische Colonie Margot bei Nicosi, unweit des Hafens, erfreut sich einer rühmenswerthen Prosperität. Der Anbau von Getreide, ja, sogar von Sesam und Baumwolle, lohnt die regsame Arbeit der jüdischen Ackerbauer in reichster Weise. Das Klima auf dieser Colonie, sowie auf dem für weitere Colonisation in Aussicht genommenen Gebiete ist sehr gesund. An den mustergiltigen Fleiß der aus der weitberühmten Agronomie in Mikweh-Jsrael nach Cypern entsendeten Ackerbauschüler können wir mit Recht alle Hoffnungen knüpfen. Den Vorwurf unserer blutrünstigen Wiener Antisemiten, als ob die Juden dem Ackerbau abgeneigt wären, können die blühenden jüdischen Colonien in Palästina, sowie diese kleine Colonie auf Cypern Lüge strafen. Sollen nur diese Helden der Stampiglienfälschung und der Sodawaffersyphons ... sich diese Colonien ansehen, da möchte ihnen hierüber schon schön „die Galle heraus" und die verleumderische, feuersprühende Zunge gelähmt werden! Wie mir Herr Blattner ferners mittheilte, soll Herr Triest sch seit einigen Wochen auf Cypern weilen, um die zur Verwirklichung der durch ihn angeregten Idee nöthigen Daten zu sammeln und wird hoffentlich in Kurzem ein ausführlicher Bericht des Herrn Triestsch an dieser Stelle erscheinen. _ Josef Türkel. Wien. (Bethausvorstand der israel- Cultusgemeinde Wien.) Freitag den 29. d. M. Abends und Samstag den 30. d. M. Vormittags wird der Obercantor vom Tempel des IX. Bezirkes Müllnergaffe Herr Philipp Kläger im Leopoldstädter Tempel Probevorträge halten. Beginn des Gottesdienstes: Freitag Abends um 4 Uhr 15 Minuten Samstag Vormittags um 8 Uhr 15 Min. Wien. (Trauung.) Sonntag den 31. December, 2 Urh Nachmittags, findet im israelitischen Tempel, I, Seitenstettengasse, die Trauung von Fräulein Regine Koppel, Tochter des Herrn Karl Koppel (Chef der Firma Koppel, Frisch u. Cie.), mit Herrn Ferdinand Mandel, Gesellschafter der Firma Mandl u. Sohn. Groß-Enzersdorf, statt. Wien. (Verlobung.) Herr Dr. Arnold Ascher, durch seine verdienstvolle philanthropische Thätigkeit in weiten Kreisen bekannt, hat fich mit Fräulein Riki Friedländer, Tochter des Herrn Dr. M. Friedländer, verlobt. Wien. (Trauung.) Am 26. d. M. fand im israelitischen Tempel der Seitenstettengaffe die Trauung des Herrn Med. Dr. Sigmund S t i a ß n y, Sohn des Baurathes Stiaßny, mit Fräulein Laura Kohnberger, Tochter des Großindustriellen Salomon Kohnberger, statt. Unter den Anwesenden sah man den Präsidenten der israelitischen Cultusgemeinde Herrn kais. Rath Heinrich Klinger, den Präsidenten des österreichischisraelitischen Bundes, Dr. Alfred Stern, den k. k. Landesschulrath Dr. Gustav Kohn, sämmtliche Mitglieder des israelitischen Cultusvorstandes und zahlreiche Gemeinderäthe, viele Vertreter der Künstler- und Schriftstellerwelt, den Präses der türkisch - israel. Gemeinde M. Russo, Regimentsarzt Dr. Alois Pick, Reichsrathsabgeordneter Noske, Landtagsabgeordneter Doctor Benedikt, Oberbaurath Stiaßny, Gemeinderath Doctor von Born, Bezirksausschuß kais. Rath Josef Haider, Banquier Sigmund R o s e n f e l d, Religionsschul-Jnspector Prof. E. Kanitz, Prof. S. Adam Politzer, Prof. Horovitz, Commercialrath Alfred Pollak Ritter v. Rudin, viele Vorsteher humanitärer und Tempelvereine, eine Deputation der Cultusgemeinde Malatzka. Von den auswärtigen Gästen fiel auf Se. Excellenz der Botschafter Nord-Amerikas und Constantinopel Monsieur Strauß, sammt Frau Gemalin und Tochter. Wien. (H o ch z e i t s f e i e r.) Am 25. d. M. fand im Tempel des IX. Bezirkes die Trauung des Fräulein Käthe G i n t l, Tochter der Frau Regierungsrath Fanny Gintl, mit dem Hof- und Gerichtsadvoeaten Herrn Berthold Reif statt. Das Gotteshaus, welches als ein Juwel unter den Synagogenbauten bezeichnet werden kann, erstrahlte in einem Lichtmeere. Ein höchst distinguirtes Publikum füllte alle Räume der heiligen Stätte. Man bemerkte unter den Anwesenden Herrn Hofrath Ritter von Hahn, Herrn kais. türkischen Consul Thalberg, Herrn kais. Baurath Stiaßny, Herrn Tempelvereins-Präsidenten Gottlieb Bettelheim, Herrn Gemeinderath Donath Z i f f e r e r, den ehemaligen Reichsrathsabgeordneten Dr. Josef Bloch, die Herren kais. Räche Neustadtl, N. Schefftel, Piesling, Wilhelm, Herrn Bezirksausschuß Dr. Moriz S ch n e p p :c. Rabbiner Dr. G e l b h a u s hielt die Trauungsrede. Wien. Am 17. d. fand die Feier der 30jährigen Wirksamkeit des Dr. James Klang im Versicherungsberufe statt. Dem Jubilar wurde von Seite der Verwaltungsräthe der beiden „Phönix"-Gesellschaften ein figuralisch schr schön ausgestattetes Schreibzeug, vom Beamtenkörper beider Anstalten eine künstlerisch ausgestattete Adresse überreicht. Die College» von den in Oesterreich-Ungarn thätigen Feuerversicherungs-Actiengesellschaften begrüßten den Jubilar in einer Adresse und widmeten demselben seine von Professor Strobl's Meisterhand modellirte Büste. Abends fand fich ein großer Theil der Gratulanten bei Dr. Klang zu einem Mahle zusammen, welches einen sehr animirten Verlauf nahm und bei welchem dem Jubilar zahlreiche Zeichen warmer Werthschätzung und Anerkennung seitens der Fachgenossen zutheil wurden. Wien. („W ienerBeth-Hamidras ch.") Am 22. December, am Jahrzeitstage des seligen Dr. Jellinek, hielt im „Wiener Beth-Hamidrasch" der Docent Dr. Gelbhaus am Schluffe seiner Vorlesung dem Verewigten einen Nachruf. Er feierte ihn als Begründer des „Beth-Hamidrasch", als Leuchte der Wiffenschaft, als großen gewaltigen Redners und als edlen Menschenfreund. Das zahlreiche Auditorium, welches alle Räume