Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 50 (15.12.1899)
- Date
- 1899-12-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 95* Dr. Blocht Wochenschrrfl. Nr. 50 kennung für die neuen Ehrenmitglieder enthaltendes Schreiben übersendet. Namens der Ehrenmitglieder ergriff Herr Ignaz Brieß das Wort zu nachstehender Rede: Geehrter Herr Commandant! Geehrter Feuerwehrverein! Mein Schwager, Herr Wilhem Brieß und ich fühlen uns sehr geehrt, daß Sie uns zu Ehrenmitgliedern Ihres Vereines ernannt haben und danken Ihnen herzlichst für diese Ehrung Das uns soeben überreichte Ehrendiplom betrachten wir nicht nur als Zeichen der Anerkennung unserer bescheidenen Verdienste um Ihren Verein, sondern wir erblicken darin den Ausdruck der toleranten Gesinnung, welche sowohl Ihren Verein, als auch die Gemeindevertretung, den Lehrkörper und die gesammte Einwohnerschaft von Paulowitz in so rühmlicher Weise auszeichnet, daß sie wahrlich manchem anderen Gemeindewesen, welches durch nationalen und confessionellen Hader, zerklüftet ist, als leuchtendes Vorbild dienen könnte Als Zeichen unseres Dankes für die uns so ehrende Mitgliedschaft, erlaube ich nur Ihnen, Herr Commandant, in meinem und im Namen des Herrn Wilhelm B r i e ß eine österr. 200-Kronen reute zu überreichen Die 4%. Interessen derselben sollen alljährlich durch den Commandanten der Feuerwehr — über Vorschlag des Ausschusses — am 2. December, zur Erinnerung an den an diesem Tage im Jahre 1848 erfolgten Regierungsantritte Sr. Majestät des Kaisers Franz Josef an 2 hilfsbedürftige Personen ihres Vereines — ohne Unterschied der Confession — vertheilt werden. Geehrte Versammlung! Es ist Ihnen allen bekannt, daß mit dem gestrigen Tage 51 Jahre abgelanfen sind, seit welchem Se. Majestät unser erhabener Kaiser in Gerechtigkeit Weisheit und Milde die Geschicke seines großen Reiches lenkt. Jeder Einzelne von Ihnen hegt gewiß, gleich mir, den heißen Wunsch, daß der allgütige Gott unseren gütigen Monarchen noch durch eine unzählige Reihe von Jahren in rüstiger Gesundheit zum Wohle und zum Glücke seiner Völker und des Vaterlandes erhalten möge. Ich bitte Sie mit mir in den Ruf einzustimmen! Se. Majestät Kaiser Franz Josef der Erste lebe hoch, hoch und hoch! (Stürmische Hochrufe) Herr B r i e ß schloß seine Ansprache mit folgenden Worten : Geehrte Versammlung! Da Sie dieser patriotischen Herzenspflicht einstimmig und so freudig bewegt nachgekommen sind, so schließe ich mit dem Wunsche: Der Paulowitzer Feuerwehrverein blühe, wachse und gedeihe und lebe hoch! Die tiefempfundenen Worte fanden die leb-, Hasteste Zustimmung und Anerkennung der Versammelten, und Feuerwehrhauptmann Herr Krausgab dem in beredten Worten Ausdruck. Nun folgte der Vortrag: „Geschichte und Bedeutung des Feuerlöschwesens." Referent Herr F. Kraus hatte mit Umsicht und Mühe einen umfangreichen Stoff in populärer und gemeinfaßlicher Weise gesichtet, zahlreiche statistische Daten gebracht und fanden die klar gegebenen Ausführungen lebhaften Beifall. Herr Handelskammerath Wilhelm V r i e ß ergriff nun das Wort, fand beste Dankcsworte für den Vortragenden und den Feuerwehrverein und äußerte seine lebhafte Freude, daß er und sein Schwager Ehrenmitglieder eines so wacker und gemeinnützig wirkenden Vereines geworden seien. Der Festabend nahm einen schönen, würdigen Verlauf uud ist zu hoffen, daß auch fernerhin reger Corpsgeist in der Paulowitzer Feuerwehr walte und ein inniges Zusammenhalten Pflege finde. Krakau. Auf Veranlasiung der hiesigen Cultusrepräsentanz fand am Samstag für den verstorbenen Dr. Smolka eine Andacht im israelitischen Tempel und in der alten Synagoge statt, dem ein zahlreiches Publikum beiwohnte. — Sonntag, den 20. d. M. fanden unter Vorsitz des Vicepräsidenten Herrn Hirsch Landau die Wahlen in den Cultusvorstand statt, die wiederum Zeugniß ablegten, daß unsere Gemeinde, die sich stark entwickelt, mit der bisherigen Leitung vollkommen einverstanden ist. Fast sämmtliche bisherigen Mitglieder der Repräsentanz wurden einstimmig wiedergewählt. Nach der Constituirung findet die Wahl des Präsidiums statt und ist es zweifellos, daß der eifrige Präsident, Gemeinderath Dr. Leon Horowitz und der Bicepräsident, Gemeinderath und Handelskammerrath Hirsch Landau wiedergewählt werden. Triest. (Trauung.) Am 25. d. M. findet im hiesigen Tempel der Piazza S. Caternia die Trauung des Fräulein Gisella Wolf, Tochter unseres angesehenen Mitbürgers Herrn Adolf Wolf, mit Herrn Adolf Schaffer statt. Budapest. (Verlobung.) Fräulein Olga Spitzer, Tochter des Herrn D. H. Spitzer, hat sich mit Herrn Nicolaus Beer, Procurist der Firma Adam Adler's Sohn, verlobt. Die Braut stammt aus einer weit verzweigten und angesehenen Familie Ungarns. Raab. Wie jedes Jahr, so wurden^auch diesmal am letzten Chanuka-Tage und zwar 132 Schulkinder beiderlei Geschlechts ohne Unterschied der Confession von Seite des hiesigen israelitischen Frauenvereines mit completen Winteranzügen versehen. Diese Bekleidung wurde mit einer solennen Feier verbunden, welche die Vereinspräsidentin Frau Johanna Herzl-Keppich veranstaltete, um die Wöhlthätigkeit bei den zahlreichen Anwesenden noch mehr anzufachen. Herzerhebend war der Anblick der vielen Kleidungsstücke, welche im prachtvoll beleuchteten Festsaale die langen Tische in größter Ordnung bedeckten. Und wie beglückt leuchteten die Augen der ariuen Kinder, indem sie den kaum geahnten Schatz nebst der opulenten Jause vor sich erblickten. Hatte doch die liebreiche Frau Präsidentin in ihrer edlen Hochherzigkeit, mit den Ausschußdamen gemeinschaftlich dafür Sorge getragen, daß sich die Schuljugend noch lange dieses schönen Abends erinnere. Anwesend war die Schulobrigkeit, das Präsidium der Chewra-Kadischa, sämmtliche Ausschußdamen und der Lehrkörper. Seine Ehrwürdeu Herr Oberrabbiner Dr. Moritz Schwarz hielt eine solenne Festrede, in welcher er den aufopferungsvollen Edelmuth der Frau Präsidentin und das segensreiche Wirken des Frauenvereines in hehren Worten apostrophirte, und die Schuljugend zur Dankbarkeit. Fleiß und Ausdauer aneiferte. Hierauf sprachen im Namen der Beschenkten ein Knabe und ein Mädchen, welche mit ihren Dankesworten das Publikum zu Thränen rührten. Feuilleton. Mn Augenblick. Novelle von Elise Orzeszko, einzig berechtigte Uebersetzung aus dem Polnischen von M a l w i n e B l u m b e r g. (Fortsetzung). „Und es verkündete der Engel des Herrn ..." Die Glocke verstummte. In demselben Augenblick jedoch vernahm man ein anderes Geläute. Es kam von den weiten Feldern und fiel anfänglich so undeutlich in den, Lärm des Marktplatzes hinein, daß es eher einem leisen Aechzen glich. Dann jedoch kam es immer näher, klang immer deutlicher, man horchte auf. Die Post! Es kommt Jemand mit der Post! In der That erschien bald auf dem Marktplatze ei» leichter, mit vier Pferden bespannter Wagen. Auf dem Kutscherbock saß neben dem Postillon ein Diener in Livree. Dieser Anblick rief allgemeine Aurregu.rg hervor. Wer sind die Fremden? Wozu kommen sie her? Werden sie sich hier aufhalten? Und wo werden sie sich aufhalten? Mendel Schapir und Chaim Cygler, Eigenthümer der beiden Einkehrhäuser des Städtchens, verfolgten den Wagen mit unruhigen Blicken. Endlich gleitet ein Lächeln über Schapir's Züge. Der Postillon ist sein Bekannter. Wahrscheinlich wird ec ihm den Gast zuführen. Schapir hat sich nicht getäuscht. Der Wagen hält vor seinem Hause. Der Diener springt vom Bocke und öffnet die Wagenthür, in deren Rahmen eine vornehme Frauengestalt erscheint. Sie sieht so müde und leidend,aus, daß man nicht einmal unterscheiden kann, ob sie schön ist. Aus dem bleichen, zarten Gesicht blicken rothgeränderte, traurige, erloschene Augen. Sehr langsam schreitet sie die wenigen Stufen zum Balcon hinauf; mit leisem Rascheln zieht ihr Kleid dürre Strohhalme und zerknitterte Papiecfetzen nach sich. Mit einer mechanischen Bewegung hebt sie den Rock ein wenig in die Höhe und wendet den Kopf nach rückwärts, wobei die großen Brillanten in ihren Ohrringen in allen Regenbogenfarben zu funkeln begannen. „Wer ist das?" fragt der magere, bewegliche Mendel mit leiser Stimme den Postillon. „Ich weiß nicht," klingt's vom Bocke hinunter, „Sie kommt von weit her." „Warum seid Ihr nicht vorgefahren vor dem Postgebäude?" „Weil sie die Nacht über dableiben will." Bei diesen Worten wendet sich der Besitzer des Einkehrhauses zu seiner auf dem Balcon stehenden Gattin. „Ruchel! Sie wird über Nacht hierbleiben." Und Ruchel ihrerseits ruft in den Flur hinein: „Gitel! kehre das Gastzimmer aus!" Der Befehl wurde sofort ausgeführt. Als die Fremde den Flur betrat, erblickte sie ein noch nicht erwachsenes, mageres, dunkles, sehr ärmlich gekleidetes Mädchen, das vermittelst eines energisch gehandhabten Besens große Staubwolken aufwirbelte. Der Staub wurde immer dichter, stickender, so, daß die Menschen in demselben zuletzt nur noch wie undeutliche Schatten aussahen. Eine dieser schattenhaften Gestalten sagte mit süß klingender Stimme: „Gnädige Frau werden wohl die Güte haben auf dem Balcon zu bleiben, bis das Zimmer ausgefegt ist! Das Wetter ist so schön!" „Bitte, lassen Sie mich hinein," antwortet der zweite Schatten, „das Zimmer kann bleiben, wie es bis nun war. Mir ist's einerlei." An dem Klang der Stimme konnte man erkennen, daß die Angekommene die Wahrheit sprach. Es war ihr wirklich