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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-12-15 · 50 (15.12.1899) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
50 (15.12.1899)
Date
1899-12-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 953 Dr. Bloch's Wochenschrifi» Nr. 50 weiten arischen Bevölkerungsschichten das Geld in öffentlichen, in Wirthshäuiern stattfindenden Versammlungen vergeuden und verprassen. Da bleibt dann allerdings nichts übrig für Anschaffungen von Textilwaaren. Leider hat die häßliche Bewegung noch immer nicht den Kulminationspunkt erreicht. Muß es denn wirklich erst zum Kampf Aller gegen Alle kommen, müssen denn wirklich erst die Mannlicher-Gewehre ihre tief beklagenswerthe Thätigkeit entwickeln, bevor man an maßgebender Stelle zur Einsicht gelangen wird, daß es so weiter nicht mehr gehe, daß endlich Remedur geschaffen werden müsse. Trost und Beruhigung, daß es schließlich doch nicht zum Aeußersten kommen werde, bieten uns die Worte, welche von Allerhöchster Stelle über die antisemitische Hetze gesprochen worden sind. S e. M a j e st ä t der Kaiser hat gegenüber dem Audienzwerber Dr. Kisch den Antisemitismus stigmatisirt: Ich bin sehr empör tüber diese Rohheiten. Die Juden sind sich dessen bewußt, daß Se. Majestät alle seine Unterthanen, ohne Unterschied der Confession, mit gleicher väterlicher Liebe umfaßt und daß der weise Monarch jeden passenden Anlaß benützt, um dieser seiner landesväterlichen Huld und Gesinnung gegenüber den Juden kräftigen und nachhaltigen Ausdruck zu verleihen. An den Factoren, welche berufen sind, den Willen des Allerhöchsten Herrschers in die Tbat umzusetzen, wird es nun liegen, das nvis aux lecteur von allerhöchster Stelle zu beachten und danach zu handeln. Dann wird wieder Ruhe in die Gemüther kehren und eine Aera des Fliedens und wirthschaftlichen Aufschwunges beginnen, welche zum Schaden des Vaterlandes und des Ansehens der Monarchie schon länger als zwei Jahrzehnte schwer vermißt wird. Eduard Beer. Correspondenzen. Der Kaiser über die antisemitischen Epceffe. In den allgemeinen Audienzen wurde am 11. December unter Anderen der Rabbiner der Prager israelitischen Cultusgemeinde, Dr. Alexander Kisch, vom Kaiser empfangen. Dr. Kisch war gekommen, um dem Monarchen für die Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone den Dank Zusagen. Ueber den Verlauf, den die Audienz nahm, berichtet die „Neue Freie Presse": Als der Rabbiner, der seinen Ornat trug, ins Audienzzimmer eingetreten war, bat er den Kaiser um Erlaubniß, das Haupt bedecken und den von der mosaischen Religion vorgeschriebenen Segen sprechen zu dürfen. Der Kaiser ertheilte die Erlaubniß, und der Rabbiner sprach, zuerst in deutscher, dann in hebräischer Sprache die Worte: „Der göttlichen Majestät Abglanz und reichster Segen ruhe stets auf dem Haupte Eurer Majestät." Der Kaiser dankte, und Dr. Kisch sprach seinen Dank für die Auszeichnung aus, worauf der Monarch erwiderte: „Ich habe Sie sehr gerne ausgezeichnet, denn ich kenne Ihre Loyalität und Ihre Verdienste, namentlich um die Prager Garnison." Dr. Kisch sagte nun: „Diesen Dank empfinden meine Glaubensgenossen in meinem engeren Vaterland Böhmen in diesen schweren Tagen mit mir, da die Gnade Eurer Majestät allein ihnen Trost bietet." Der Kaiser erwiderte darauf: „Ja, Ihre Glaubensgenossenhaben jetzt fchwereTage, aber es ist schon besser geworden." „Ja, sie haben schwere Tage, Majestät" sagte Dr. Kisch, und der K a i s.e r fuhr fort: „I ch b i n, sehr empört über diese Rohheite n." Der Monarch wiederholte dann das Wort: „über d i e s e Rohe i t e n". Dr. Kisch bat um die Erlaubniß, diese gnädigen Worte seinen Glaubensgenossen mittheilen zu dürfen, und der Kaiser sagte zu ihm: „Ich bitte, thun Sie das." Damit war Die Audienz beendet. Die Schächtfrage im Wiener Thierschutzvereine. Der Stadtrath hat an den Wiener Thierschutzverein die Aufforderung gerichtet, zu der „Schächtung" Stellung zu nehmen und gegen die bei den Schächtungen angeblich vorkommenden Thierquälereien Schritte bei den Behörden einzuleiten. Hierüber fand am 9. December 1899 unter Vorsitz des Präsidenten v. Trukler eine eingehende Discussion der Vereinsleitung statt. Das Referat war dem zugleich der Vereinsleitung angehörenden — Magistrats-Bicc-Director P r e y e r übertragen. Seine Anträge gehen, abgesehen von mehr gewerbevolizeilichen Vorkehrungen, dahin, die nachträgliche Beibringung des Betäubungshiebes an geschächteten Thieren anzuordnen. Sie bezwecken ferner die Einschränkung der- Schächtungen auf den wirklichen Bedarf der israelitischen Bevölkerung. Eine Minorität der Vereinsleitung erachtete diese Modalitäten erst einer vorausgehenden näheren Untersuchung bedürftig und beantragte die Vertagung behufs Einholung fachlicher Gutachten. Trotzdem wurde das Referat des Magistrats-Vice-Directors mit Stimmenmehrheit angenommen. Dasselbe wird demnächst veröffentlicht unk den Behörden behufs entsprechender weiterer Verfügung mitgetheilt werden. Neber Spinoza. Samstag Abends eröffnete Dr. I. Freudenthal, Professor an der Universität Breslau, den dritten Cyclus der vom „Jüdischen Museum" veranstalteten Vortragsabende. Der rühmlichst bekannte Forscher sprach in fesselnder und allgemein verständlicher Form über „Spinoza und die modernen Denker Deutschlands". Der Gelehrte entwarf zunächst einen Grundriß des spinozistischeu Gedankensystems und führte sodann aus, in welch' bedeutender Weise der schlichte Brillenschleifer aus Amsterdam noch im gegenwärtigen Zeitpunkte die deutsche Philosophie beeinflußt. Unter den zahlreichen, den besten Gesellschaftskreisen angehörenden Gästen, welche der Präsident des Curatoriums der Gesellschaft, Baurath Stiaßny, namens derselben begrüßte, bemerkte man unter anderen die Professoren Jodl, Laurenz Müllner und D. H. Müller, ferner Baron Albert Rothschild, Oberrabbiner Dr. Güdemann, Adolph v. Sounenthal, Hofrath Kareis, Maler Horowitz, die Gemeinderäthe Dr. Stern, Ritter v. Goldschmidt, Helbig, I. C. Mayer, Oberbaurath Taussig, Reverend Hechler, engl. Botschaftscaplan, Gemeinderath C. I. Müller, Bergrath Silberstein und die Ober- Cantoren Singer, Schorr und Blatt, Direktor Heller u. s. w. Nach Schluß des mit lebhaftem Beifalle aufgenommenen Vortrages fand zu Ehren Professor Freudenthal's ein Bankett statt. Wien. (Israelit. Humanitäts-Verein für die westl. Bezirke Wiens „Nachlat-Jes ch u r n n".) Ani 5. d. M. fand im Restaurant Löbl, VI., Schmalzhofgasse 10 die 32. ordentliche Generalversammlung des Humanitäts-Vereines für die westl. Bezirke Wiens „Nachlat Jeschurun" statt. Der Präses Herr Dr. Carl L ö w y begrüßt die erschienenen Bereinsmitglieder, sowie die Deputation des Frauen- Wohlthätigkeitsvereines Frau Therese König und Frau Dr. T a g l i ch t, den Delegirten des Tempelvereines für Mariahilf und Neubau Herrn Kammerrath Albert Janowitzer, ferner den ehrwürdigen Rabbiner Herrn Dr. I. Ta glicht und Herrn Landesgerichtsrath Dr. Gustav Feßler, den Sohn des verewigten Herrn Präsidenten. Mit lebhaftem Bedauern bringt der Präses die Entschuldigung des Herrn Architekten Max Fleischer zur Kenntniß, welcher durch seinen leidenden Zustand verhindert ist, als Vertreter der israelitischen Cultusgemeinde der Versammlung beizuwohnen. Nachdem der Schriftführer Herr Richard Schüller das Protokoll der 31. ordentlichen Generalversammlung verlesen hat und dasselbe verificirt wurde, erstattet der Präsident Herr Dr. L ö w y den Jahresbericht, welcher unter allgemeinen Beifalle zur Kenntniß genommen wird. Der Verein hat gegen das Vorjahr, sowohl durch erhöhte Mitgliederbeiträge, als auch durch namhafte Spenden und insbesondere durch das große Erträgniß eines Ballabends die Einnahmen wesentlich erhöht und dementsprechend auch mehr Unterstützungen gewährt. Gegenüber den Einnahmen von 5972 fl. 64 kr. stehen Ausgaben für Unterstützungen und Kohlen für Arme 1243 fl. 88 kr., für Bekleidung armer Schulkinder 603 fl. 74 kr., für Freitisch und Diverse 1254 fl. 24 kr. Um das Gelingen des Akademie-Abends hat sich Herr Herrman König besondere Verdienste erworben. Das Reinerträgniß ergab 1000 fl. Der diesjährige Akademie-Abend wird am 24. Jänner 1900 stattfinden. Der Vorstand spricht seinen besonderen Dank aus für ihre erfolgreiche Controlthätigkeit den Aufsichtsdamen des Freitisches, Frau Dr. Josefine Engel, Frl. Elsa Fischet, den Frauen .Jenny Fischel, Fanny Fröhlich, Marie Fuchs, Hermine Haas, Therese König, Dr. Emma Landau, Marie Landau, Dr. Anna Löwy, Charlotte Löwy, Sidonie Löwy, Elsa Neuhut, Josefine Reschovsky, Hermine Schüller, Katharina Schwarz, Caroline Steiner, Rosa Schwarzschild, Friederike Szücs. Dr. Rosa Taglicht, Julie Tiller, Sofie Weiß und Marie Winkler.

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