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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-12-01 · 48 (1.12.1899) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
48 (1.12.1899)
Date
1899-12-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 48 Dr. Bloch's Wochrnfchrifi. Teile 919 jähriges Mädchen. Ich darf das große Opfer, das Du mir bringen willst, nicht annehmen .... auch," fügte er etwas leiser hinzu, „um Sara's, um Euerer Beiden Zukunft willen nicht." „Ich verstehe Dich nicht, lieber Vater," erwider'e Michael erregt, „sprich deutlicher!" „Ich habe meine Absichten in Bezug auf Dich und Sara nicht geändert, und ich glaube, daß auch Du die Deinen nicht geändert. Ich wünsche und hoffe, daß Du der Gatte meines Kindes wirst. Allein als Heimatsloser kannst Du, nach dem Staatsgesetze, Dir in Mähren keinen häuslichen Herd gründen. Aber wenn Du Arzt wirst, dann wäre es möglich, auf außerordentlichem Wege, für Dich das Heimatsrecht zu erlangen; allein wenn Du die eingeschlagene Laufbahn verläßt, dann weiß ich wahrhaftig nicht, wie daran zu denken wäre, daß Ihr je vereinigt würdet. Dein Entschluß, dem Studium der Medicin zu entsagen, würde meine schönste Hoffnung vernichten! Im Eifer des Gespräches hatten Pflegevater und Sohn nicht bemerkt, daß Sara, leichteu, leisen Trittes mit dem Frühstück für Michael eingetreten, und ohne es zu wollen, Ohrenzeugin des Gespräches geworden war, und waren überrascht und erschreckt als diese mit rührender Unschuld sprach: „Väterchen, ich habe Michael, und er. hat mich sehr lieb, und wir könnten uns nichts Befferes wünschen, als daß wir, wenn ich groß und vernünftig geworden, mit einander für immer vereint würden; aber Dein Wohl steht uns weit höher als unsere Wünsche, und wenn die" — Sara ward vor gerechtem Zorn glühend roth und ihre Augen sprühten vor Feuer, daß sich ihr reizvolles Gesichtchen zur Classicität verschönte — „unerträglich schlechten Gesetze dieses unmöglich machen, so werden sie uns doch nicht dazu verleiten, undankbar gegen Dich zu sein .... Es geht einmal nicht anders, Michael muß dem Studium der Medicin entsagen .... Der allmächtige, gütige Gott kann uns auch so glücklich werden lassen. Er hat uns schon manches Leid zugesügt, Michael hat in seiner Jugend seine Eltern, ich meine Mutter, Du die Gattin und einen hoffnungsvollen Sohn und jetzt einen Fuß verloren," — das Kind mußte sich abwenden, um die aufsteigenden Thränen zu verbergen — „und wir Alle, besonders aber Du, lieber Vater, sind doch brave, fromme Menschen . . . . Vielleicht wird jetzt der grundgütige Gott Alles für uns zum Guten wenden!" „Gewiß, gewiß!" rief Michael, „Gott ist ja ein gerechter Gott!" Auch Brack wollte sprechen, aber die Unterredung wurde in angenehmster Weise durch den Besuch des Pfarres Willibald unterbrochen. Derselbe 1 siegte zuweilen nach dem Kranken zu sehen, aber heute galt, wie der geistliche Herr ausdrücklich erklärte, sein Besuch dem langentbehrten, lieben Schüler Michael, dessen Ankunft er durch Channa, als sie Sara abrief, erfahren. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Jonathan Eibenschitz. Vortrag von Dr. M. L. Stern, Rabbiner in T r i e s ch In Ungarn gibt es wenige Talmudgelehrte, in deren Studierzimmer nicht das Bild des im vorigen Jahrhundert zur Berühmtheit gelangten Rabbi Jonathan Eibenschitz eine Wand ziert, und wie seine Gesichtszüge, so bekannt sind dort seine scharfsinnigen Auseinandersetzungen in seinem Hauptwerke „Krethi und Plethi". Denn Jonathan Eibenschitz bedeutet den Höhepunkt des Pilpuls, jener Mode des Talmudstudiums, Aehnlichkeiten zwischen den ungleichartigsten theologischen Materien auf Grund talmudischer Lehrsätze und gestützt auf Aussprüche talmudischer Antoritäten zu suchen und zu finden. Dieser scharfsinnige Rabbi Jonathan, dessen Geist von nüchterner, talmudischer Logik erfüllt ist, ist zugleich ein schwärmerischer Anhänger kabbalistischer Mystik. Er, der Heros des Beth-Hamidrasch, lechzt zugleich nach den Quellen profanen Wissens in einer Zeit, da es für die Juden nur eine Wissenschaft gab, den Talmud, die Theologie. Diese Widersprüche im Leben des berühmten Mannens fordern einen Biographen, der sich in das Seelenleben des zu Schildernden vertieft, und dieser Aufgabe unterzog sich Dr. M. L. Stern mit Wärme und Verständniß. Stern stellt Eibenschitz hoch als Gelehrten, als Prediger und als Menschen, ohne dessen Verirrung in den Mysticismus läugnen zu wollen: Eibenschitz, diese Säule des Talmudstudiums und der Frömmigkeit, wurde von anderen Säulen des Talmudstudiums und der Frömmigkeit für einen Sabbathianer, d h. für einen Erzketzer gehalten und öffentlich dieser Häresie beschuldigt, denn man fand von seiner Hand geschriebene, sehr verfängliche Amulette. Stern sucht nun das Räthsel und die Widersprüche im Leben E i b e n s ch i tz e n s zu lösen. Er war trotz der nicht wegzuläugnenden sabbathianischen Amulette kein Sabbathianer, da unter den unzähligen Schülern, die in Eibenschitz d-m großen Lehrer und Meister verehren, kein Sabbathianer zu nenmn ist. Er war ebensowenig ein Hochverräther, als der er von seinen Feinden bei den Behörden verläumdet wurde. Darum blieb er bis auf die heutige Zeit der tadellose Held des Beth-Hamidrasch. Die Arbeit Sterns stellt auch kurz die Verhältnisse der Zeit dar, denen Eibenschitz entstammt, eine Zeit, die wohl noch tief in der Kabbalah und im Obskurantismus steckt, aber doch einen Moses Mendelssohn hervorbrachte Man kann sagen, daß die Widersprüche der Zeit Jonathan Eibenschitz in ihren Wirbel gezogen haben. Talmud und Kabbalah hielten ihn fest, er suchte aber doch in Bunzlau, seinem ersten Rabbinatssitz, katholische Geistliche auf, um sich von ihnen über profanes Wissen Belehrung zu holen und von ihnen mathematische, astronomische, physikalische, anatomische, juridische und philosophische Werke zu entlehnen. Nach Möglichkeit trachtet er dieses verschiedenartige Wissen in seinem Geiste zu verarbeiten und in seinen talmudischen Auseinandersetzungen anzuwenden u. z. auch auf populistische Weise, in dem er die Aehnlichkeit der ungleichartigen Materien suchte und fand. — seb — Briefkasten. W. B—r. Die Beschlüsse der von Napoleon l. im Jahre 1806 einberufenen, zum Theil aus Rabbinern bestehenden Versammlung sind in deutscher Uebersetzung abgedruckt in den „Gesammelten Actenstiicken und öffentlichen Verhandlungen über die Verbesserung der Lage der Juden in Frankreich", herausgegeben von Alexander B r a u, Hamburg, bei A. Brau, 1807. H. D. Sie fragen, was sich die Antisemiten denken mögen, wenn sie in den katholischen Kirchen die Psalmen des Königs David und die steten Hinweise auf „Dein Volk Israel" hören müssen. — Wir können uns das wirklich schwer vorstellen und müssen Ihnen die Antwort schuldig bleiben. Dr. B. N—g. Hören Sie, was Gabriel Rieffer über diese Sorte von „Bescheidenheit" im Jahre 1831 schrieb: „Es geziemt den Schwachen nicht — so meinen Viele — auf die Güte seiner Sache zu trotzen: ihm geziemen Demuth und Bescheidenheit. Der Verfasser denkt darüber anders. Bescheidenheit dünkt ihm erhaben, wenn sie dem Auge des Schwachen die Ueberlegenheit des Starken verhüllt; schön, wenn sie im geselligen Leben über alle inneren und äußeren Unterschiede einen freundlichen Schleier wirft; aber häßlich bis z u m Ekel, wenn sie der Ueber macht den feigen Tribut der Unterthänigkeit zollt..! i. P u r s ch t ist jetzt vollkommen rehabilitirt. Dr. Lueger wird schließlich sich auch fügen müssen, wenn dem Ritter von Spittelberg der Einfall käme, eine Stelle im Präsidiunl zu fordern. Historicns. Die Gefahr der Selbstüberhebung ist da keine geringe'. Aber begründet ist sie darum noch lange nicht. Ein tiefer Denker, Buckle, sagte nicht mit Unrecht: „Es geschieht in der That häufig, daß Staatsmänner und Gesetzgeber, die ihr ganzes Leben den öffentlichen Angelegenheiten widmen, nichts von ihrem eigenen Zeitalter wissen, als was auf der Oberfläche liegt, und daher außer Stande sind, auch nur annähernd entfernte und allgemeine Folgen zu berechnen. Was vor ihnen liegt, sehen sie, was über ihnen ist, übersehen sie". I. L—g. Ihre Bemerkungen enthalten ja manches Richtige. Aber Börne hat schon gesagt: „Das Volk hat nur da die Freiheit mißbraucht, wo es sie sich genommen, nicht da, wo man sie ihm g e g r b e n." Justus. Es scheint in der That, daß den geistlichen Behörden, den Vorgesetzten des Pfarrers D e ck e r t die scandalöse S: altung des Weinhauser Pfarrers endlich denn doch zu arg wurde und daß man ihm Schweigen anferlegte. Es ist nur bedauerlich, daß der Scandal gar so lange geduldet wurde. H. G. Wie jüdische Frauen über Nächstenliebe denken sollen, dafür gab, nach dem Talmud, Beruria ein Beispiel. Sie ermahnte ihren Gatten, der über böse Menschen ein hartes Urtheil fällte, er möge an die heilige Schrift sich halten, welche die Ausrottung nicht des Sünders, sondern der Sünde befiehlt. nn. Was wollen Sie von dem Pater Stojalowsky? Er benimmt sich genau so, wie es sich für einen antisemitischen Hetzpriester geziemt. Daß er Geld von Inden genommen, ist vom antisemitischen Standpunkte aus nur löblich. Der Vernichtungskampf gegen das jüdische Capital muß auf jede Weise geführt werden. I. H. Wenn die Vergani-Leute wirklich der Meinung sind, daß der Antisemitismus unsterblich ist, so denken sie wohl au das Dichterwort: „Gegen die Dummheit kämpfen selbst die Götter vergebens." I. B. Man weiß ganz genau, wie und wann Schönerer sein antisemitisches Herz entdeckte. Das geschah, als die „jüdischen" Blätter aufhörten, seine Reden in ihrer ganzen Ausdehnung abzudrucken. Hätten sie weniger Rücksicht auf ihre Leser genommen, wäre Schönerer heute ein waschechter „Judenliberaler". Märchen in W. Ich hätte nichts weiteres hinzuzufügen, da Sie bereits Alles genannt haben.

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