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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-12-01 · 48 (1.12.1899) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
48 (1.12.1899)
Date
1899-12-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Kr. 48 Dl*■ BIOCH’S Zahrz«»- XTL Centralorgan für die gefmnmken Intereffm des Iudrnkhums. Wien, 1. Derember 1899. Erscheint jeden Freitag. -->»—»-1—4- Brics-Adresse: Wien, II.. Untere Augartenstraße la* Telegramm-Adresse: Vlock'4 Wochenschrift, Wien. - -■ X »rrugsprri« für Srstrrrrich- Halbjährig 4 fl. --> 8 Sti. Sinzeleremplare A ftw Für'» Ausland: halbjährig 5 fl. --- lg Stt. ganzjährig 10 „ =20 „ Anzeigen: Die4malgespaltene Pelitzeile 12 kr. M ------ --— m =■- r- - ' A. ft. Postlparrsften-Amr Clearingverkehr Nr. 610.976.! Dedaclion und Adminillration: W i;n II., Untere Uuaartrrritr. in. Telephon - Nr. 14.847 Kt . . - -X Inhalt. Leitartikel: Talmud-Uebersetzungen. — Die Studenten in Frankreich und bei uns. — Großindustrie des „Ritualmordes". - Die Blutbeschuldigung von Corfu. — Moriz Lazarus. — Vom Jahrmarkts es Lebens: Es dämmert. Der Polnaer Proceß und Professor Masaryk. Eine Berichtigung Shakespeare's. Christlicher Religionsunterricht. Die Ethik der hebräischen Sprache. — Die jüdisch-galizische Frage. — Moderne Vereinsmeierei. — Eorrespondenzen: Wien, Wall.-Meseritsch„ Preßburg, Strelitz, Berlin, Paris, London, Jassy, Capstadt. — Vermischtes: Wien, Simmering, Mißlitz, Schüttenhofen, Neutitschein, Bielitz, Budweis, Klattau, Groß-Becskerek, Rokitzan, Malmö. — Feuilleton: Michael. — Literatur. — Brieflasten. — Aufruf. — Inserate. Talmud-Nebersetzungen. Zur Rede Dr. Pattai's im österreichischen Abgeordnetenhause. In seiner Rede vom 16. November im österreichischen Abgeordnetenhause hat Herr Dr. Robert Pattai die Behauptung aufgestellt, daß die Juden jeden Versuch, den Talmud zu übersetzen, verhindern und hintertreiben. Als Ahron Briman — „jedenfalls ein ausgezeichneter, studirter Kenner des Talmud, welcher aus dem Judenthum ausgetreten ist, aus dem Grunde, weil es seinen Ueberzeugungen widerstand" — „in Innsbruck von Universitätsprofessoren dazu veranlaßt worden, eine Uebersetzung des Talmud zu dictiren, entstand in Folge dessen allgemeines Geheul: Das mußte verhindert werden." Herr Dr. Pattai meinte deswegen, es sei nothwendig, eine Talmudübersetzung herzustellen „von staatswegen von wirklich unparteiischen Leuten." Zunächst gestatten wir uns zu constatiren, daß Ahron Briman — „ich habe ihn selbst gekannt", sagte Dr. Pattai, — nacheinander Jude, Protestant, Katholik war und schließlich in Rom beim Oberrabbiner die Wiederaufnahme in das Judenthum verlangte, der ihn aber abgewiesen hat. Von Ahron Briman hat Herr Dr. Pattai auch vermutlich die Information, daß die Juden einer Uebersetzung des Talmuds widerstreben. Wie wenig dies aber der 2Lahrheit entspricht, ergibt sich aus der Thatsache, die Herrn Dr. Pattai und seinen Talmudfachmännern unbekannt ist, daß gerade von jüdischer Seite eine Uebersetzung des Talmuds so oft unternommen worden, daß bereits eine „Kritische Geschichte der Talmud-Uebersetzungen" geschrieben werden konnte. Dieses Buch hat einen Christen, Dr. Erich Bischofs, zum Autor und ist in Frankfurt a. M. im Verlage von I. Kaufmann, 1899 erschienen. Thatsächlich ist die Behauptung, daß eine Uebersetzung des Talmud nicht existire, bereits eine Unwahrheit. Der Talmud wurde von den Juden sehr früh in die Sprachen der Länder ihrer Wohnorte übersetzt. Im >0. Jahrhundert war es R Joseph ben Isaak Stanos, der mehrere Tractate des Talmuds arabisch übersetzte. Im 12. Jahrhundert schrieb Moses Maimonides seinen Commentar zur Mischna in arabischer Sprache. In lateinischer Sprache existiren Uebersetzungen des Talmuds von Paul Riccitus (1619); von Samuel Clarke (1667); Johann Ullmann (1693); Surenhusius (1698); Scheringham (1649); D. Lund (1694); Constantin l'Empereur (1637); H. S. Hirschfeld (1840) u. A. m. Ebenso gibt es Uebersetzungen einzelner Tractate des Talmuds in spanischer, englischer, französischer und deutscher Sprache. Es ist hier nicht der Ort, diese einzeln anzugeben, wir verweisen darüber auf die Arbeiten von Strack, „Einleitung in den Talmud", und Hamburger, „Real-Encyklopädie für Bibel und Talmud". Uns interessiren hier besonders die deutschen Uebersetzungen des Talmuds, Mischna und Gemara. Wir besitzen davon die erste Mischna- Uebersetzung von Rabe (1760); I. Heinemann (1831); Jost (1833); Samter (1886); (fortgesetzt von Baneth) H. L. Strack (Pirke Aboth 1882). Uebersetzung einzelner Tractate der Gemara haben geliefert: Pinner (1843); Samter (1876); Ravicz (1883); Ferdinand Christian Ewald (1856); Straschun (1883) u. A. m. Nebn diesen gibt es eine große Anzahl von Monographien über verschiedene Themen aus dem Talmud. Aber auch hier verdienen die Arbeiten von Professor Dr. Aug. Wünsche erwähnt zu werden, der nahezu den ganzen Talmud neu übersetzt hat. Den palästinensischen Talmud hat Moses Schwab (Unterbibliothekar an der „kibliotdö^ne nationale“ zu Paris, geb. 18./1X. 1839) vollständig übersetzt, während Dr. August Wünsche „den jerusalemischen Talmud in seinen haggadischen Bestandtheilen" zum ersten Male ins Deutsche übertragen hat. (Zürich, 1880). Vorher hat Blasius Ugolinus zwanzig Tractate des palästinensischen Talmuds ins Lateinische übertragen. Es ist bemerkenswerth, sagt Erich Bischofs, daß gerade das Zeitalter der lutherischen Orthodoxie (besonders das 17. Jahrhundert) die meisten christlichen Talmuoisten und das intensivste Talmudstudium aufweist. Trotz des Odiums, das dem Verkehre mit Juden damals anhaftete, sehen wir die Studenten

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