Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 43 (27.10.1899)
- Date
- 1899-10-27
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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Seite 828 Dr. Blvch's Wochenschrift. Nr. 43 Butschowitz das Frühstück eingenommen werden. Der dankbare Jischuwmann, froh, bei dieser Gelegenheit einen kleinen Theil seiner großen Schuld an Brack abzuzahlen, bereitete seinen freudig erwarteten Gästen eine eigenthüniliche, angenehme Ueberraschung. Ec wußte, daß Brack stets Werth darauf gelegt, das Gebet im Gotteshause mit Minjan zu verrichten und er hatte aus. der Umgebung drei Juden eingeladen, so daß sich mit seinen Hausleuten die zum öffentlichen Gebete nöthige Zehnzahl zusammenfand. — Dann wurde ein somptueses Frühstück aufgetragen, an dem alle Anwesenden theilnahmen, und der Hausherr sorderte Michael Klein auf, das Tischgebet am Schluffe des Mahles zu verrichten. Dann begleiteten Alle den Scheidenden zu dem Wagen, der auf der Straße vor dem Hause wartete. Brack und Sara sollten den Rückweg in dem Wagen des reichen Reb Feiwel Butschowitz zurücklegen. — Michael küßte Brack die Hand und versprach ihm, sich zu bemühen, sich seiner Erziehung und väterlichen Liebe würdig zn beweisen, Brack segnete und küßte ihn; dann aber warf sich die kleine Sara in Michael's Arme, küßte ihn heftig und sprach schluchzend: , Vergiß mich nicht, Du lieber, lieber Michael, — ich werde auch Dein nicht vergessen und an meiner und an Deiner Mutter Grabe allwöchentlich zu Gott um Dein Wohlergehen sichen!' Alle Anwesenden waren von dem stürmischen, fast leidenschaftlichen Ausbruche des kindischen und doch nichtkindlichen Mädchens bewegt, kein Auge blieb thränenleer. — Der Kutscher, der einen weiten Weg zurückzulegen hatte, knallte zum hörbaren Zeichen seiner Ungeduld mehrmals mit der Peitsche, so daß Reb Feiwel's Haushühner, welche im weiten Kreise den Wagen umstehend, das seltene Schauspiel eines rührenden Abschiedes mit großer Theilnahme betrachtend, von panischem Schrecken ergriffen, gackernd auseinanderstoben, die Flucht ergriffen und erst, in einer anständigen Entfernung sich sicher fühlend unter Anführung des großen Haushahnes wieder Stellung nahmen. Nun drängte Brack, daß Michael in den Wagen steige, der Kutscher schwang sich auf dem Bock und schnitt jeden weiteren Versuch Sara's, die Abschiedsscene zu verlängern, erfolgvoll dadurch ab, daß er die Stränge anzog, mit der Peitsche leicht den Rücken der Pferde berührte, wodurch sich das Gefährte sofort in rasche Bewegung setzte. — Sara winkte dem Abfahrenden, so lange als der Wagen noch sichtbar, mit ihrem thränenfeuchten Taschentuche Abschiedsgrüße zu, Brack sandte dem Scheidenden Segenswünsche nach. Als der Wagen endlich ihren Augen entschwunden, kehrten, sie in Butschowitz's Haus zurück, und Brack bat diesen, seinen Wagen anspannen zu lassen, damit sie nach Hause fahren könnten. (Fortsetzung folgt). Briefkasten. Ernst. Brieflich kann Schreibeunterricht nicht ertheilt werden. R. Abonnementsbetrag erhalteu. I. K.» Prag. Herzlichen Dank und Gruß. Kroatisch Kreutz. Die Einsendung ist geschäftlicher Natur und kostet 4 fl I. B. Es ist ganz in Ordnung, daß gerade liberale Blätter solche Tactlosigkeiten streng rügen. I. H - n«. Auf diese Leute paßt das Wort L i ch te n b e r g 's: „Der Mensch ist ein solches Wunder von Seltsamkeit, daß ich überzeugt bin, es gibt Leute, die oft meinen, sie glaubten etwas u n d g l a u b e u s doch n i ch t, die sich selbst belügen, ohne es zu wissen und Dinge einem Andern nachzumeinen und nachzufühlen glauben, die sie ihm blos nachsprechen." E. R. in T. Der zweite Schewat 1886 war am 8. Jänner. Historicus. Das erste Adelsdiplom, welches einem Juden in Oesterreich verliehen wurde, war das von Ferdinand II. dem Juden Jacob Baffewi am 29. August 1622 ertheilte mit dem Prädicate von Treuenburg. Interessant ist, daß diese Erhöhung in den Adelsstand auf Empfehlung eines Fürsten — Liechtenstein erfolgte. i. Der Satz: „Wer dem andern sagt: Ziehe den Balken aus deinem Auge, dem wird erwiedert: Ziehe den Splitter aus deinem Auge, ist im Tractate Eruwin 16, 2, zu finden. W. L. Reden sind schön. Aber Demosthenes selbst, der wohl auch etwas von Reden verstanden hat, meinte: „Jede Rede erscheint eitel und nichtig, sobalo die That ihr nicht Nachdruck verleiht," I. M—r. Die Abhandlung ist von Dr. L. P h i l i p p s o n, erschien im Jahre 1865 und führt den Titel: „Haben wirklich die Juden Jesum gekreuzigt?" W. B—r. Wer die jämmerlichere Rolle in dem Processe spielte, D e ck e r t oder Paulus Mayer? Das ist schwer zu sagen. Sie erschienen einander werth und man wußte nicht, wer mehr Betrüger und wer mehr Betrogener von den Beiden war. A. H. Im Talmud finden sich von Alexander dem Großen viele sagenhafte Erzählungen, die seine Weisheit rühmen. Unter Anderem wird der Rath mitgetheilt, den er zwei streitenden Parteien gab: „Dem Rechte nach", sagte er, „kann nur Einer gewinnen. Vergleicht Euch gütlich, so werdet Ihr beide gewinnen." M. W—g. Den Gipfel der Albernheit erklomm wie immer die „Deutsche Zeitung". Die stigmatisirte es als „jüdische Feigheit" daß H ü l s n e r alles versuche, um seine Hinrichtung zu verzögern. Ob Dr. Wahner sich in einer ähnlichen Situation — die wir ihm gewiß nicht wünschen — anders verhielte, bezweifeln wir. Marcus B—r. Das waren anderen Zeiten. Aber es stimmt auch heute, wenn Sie an das Wort Cicero's erinnern: „Wenn man zu jeder Stunde irgend ein entsetzliches Ereigniß sieht oder hört, dann schwindet auch den sanftesten Naturen durch die Unablässigkeit der Drangsale jedes Gefühl der Menschlichkeit in der Brust. I. B. Dr. Lueger hat sich in früheren Zeiten in der abfälligsten Weise über das Ritualmord-Märchen geäußert. Warum er heute — schweigt? Da müssen Sie doch nur die Leute ansehen, mit denen er verkehrt und Sie werden wissen, was aus ihm geworden ist. a. b. Früher war in Wien nichts Verächter als der „Naderer". Die Zeiten haben sich geändert. I. B. Es wirkt geradezu komisch, wenn ein Dr. Weiskirchner im Namen der Humanität Reden hält und noch dazu anläßlich einer Wohlthätigkeits-Feier, bei der die Wohlthäter hauptsächlich — Juden waren. T. in M. Wir werden ersucht, mit den Publicationen noch eine Nummer zu warten. I. G. Wien. Der 7. December 1894 war Freitag. den 9. Kislev 5655. Notiz. Die Tochter des Eultusbeamten Herrn Ignatz Schwarz, Fräulein Cäcilie Schwarz vom Wiener Conservatorium sowohl als Pianistin wie auch als Sängerin ausgezeichnet, außerdem von der k. k. Musikstaatsprüfungs-Commission approbirte Elavier und Gesangsmeisterin, welche bereits in mehreren selbstständigen Concerten in Wien mit ausgezeichnetem Erfolge vor die Oeffentlichkeit trat, eröffnete II., Odeongasse 7 eine k. k. behördlich concessionirte Elavier- und Gesangsschule. In Folge der großen Beliebtheit, deren sich die Inhaberin sowohl als Künstlerin wie auch als Pädagogin erfreut, dürfte die Schule als Anstalt ersten Ranges bezeichnet werden Jjfiir mein Sonnabend geschlossenes Posamenten en gros-Geschäft suche per sofort Volonfair oder Cehrling. PCalberstadf. *A. €. JSlum. 363 Albert Haas in Bahnhof Oderberg1 (österr ) empfiehlt sich zdt Uebernalime von Grenzspeditionen aller Art, wie Verzollung, Vertbeilung, Umspedition, Incasso, Einlagerung eto. Alles zu massigen Preisen uuter Zusicherung 372 prompter und discreter Bedienung. nähme von Grenzspedi- A I* ■ Kundmachung. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde Wien hat Sr. Ehrwürden, Herrn Siegmund Fürst in seiner Eigenschaft als Rabbiner des israelitischen Belhausvereines „Adaß Jisroel" (Schifffynagoge) im Sinne des § 50 des Gemeindestatutes zum Gemeinde-Rabbiner bestellt. Nachdem gegen diese Bestellung zu Folge Erlasses der k. k. n. ö. Statthalterei vom 18 October 1899, Z. 92.313 Seitens der Staatsbehörde eine Einwendung nicht erhoben wurde, erfolgt hiemit die allgemeine Verlautbarung. Wien, den 22. October 1899. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde. Dringende Bitte!! Junger israelitischer Kaufmann hittet edle Menschenfreunde, um nicht in Concurs zu kommen, zur Rettung seines ehrlichen Namen um gütige Unterstützung, oder leihweise den Betrag per 300 fl. auf Ratenrückzahlung mit tausendfachen Vergelts Gott zu leihen. Geneigte Anträge erbeten unter Ehrlich postl. Bodenbach gegen Schein. 373 Herausgeber Md verantwortlicher Redacteur: Dr. Zosef S. Bloch. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VM. — 553