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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-10-27 · 43 (27.10.1899) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
43 (27.10.1899)
Date
1899-10-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ihr. 43 DP■ BlOCfl’S Jahrgang X1L Centralorgan für die gesammken Interessen des Iudenkhmns. A. K. caflen-Bnu TlraringverKetzr An 810.976. Redaction und Administration: W i c n II., Untere DuaarkerrNr la. Telephon-Kr. 14.847 Wien. 27. Ortober 1899. Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien» II.» Untere Augartenstraße la. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. S-rngsprri» für Sester reich: Halt jährig 4 fl. 8 Xt. Einzeleremplare 25 kr. Wr's Ausland: halbjährig 5 fl. — 10 Xe. ganzjährig 10 „ — 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 12 kr. U " —. ltk Inhalt. Leitartikel: Die Opfer von Holleschau und Wsetin. — „Proceßaeten" aus dem Zeitalter nach dem Knaben Simon von Trient. — Stimmen zeitgenössischer christlicher Theologen, Orientalisten und Historiker über die Blutlüge. — Antike jüdische Grabschristen. — Wir armen Zionisten. — Correspondenzen: Die schamlose Lüge unter dem Schutze der Immunität. „Wiener Mode". Die Aera des Denunciantenthums. Der Polnaer Mordproceß und der Blutbefund. Aenderung von Vornamen. Zum Jugendgottesdienst. Auspitz, Kuttenberg, Brünn, Kremfier, Berlin. — Vermischtes: Wien, Hannover. — Feuilleton: Michael. — Brieftasten. — Notiz. — Inserate. Die Opfer von Holleschau und Wsetin. In dem mährischen Flecken Holleschau sind drei christliche Plünderer von Gendarmen erschossen, mehr als zwanzig christliche Plünderer erheblich verwundet worden. Daß sie sich am Eigenthum vergriffen, daß sie ihren jüdischen Mitbürgern Hab und Gut zerstört haben, darf uns nicht hindern, unser Mitleid über diese unseligen Opfer kundzugeben und den Wunsch auszudrücken, daß die Herstellung von Ruhe und Ordnung ohne Menschenopfer erfolge. Wessen Opfer waren die Unglücklichen in Holleschau? Der Gendarmen? Der unerbittlichen Staatsgewalt? Nein! Sie sind die Opfer der antisemitischen Verhetzung; sie haben ihre bürgerliche Ehre preisgegeben für den antisemitischen Wahnwitz, der das Gut der Juden vogelfrei erklären möchte. Sie haben ihr Blut verspritzt für die antisemitische Recht- und Zuchtlosigkeit, die sich über alle Staatsgesetze hinwegsetzt, wenn es gegen Juden gilt und wenn man überhaupt gegen das Staatswesen einen Vorwurf erheben dürste, das jetzt mit Energie einzugreifen scheint, um dieser Recht- und Zuchtlosigkeit zu wehren, so könnte es nur der sein, daß man sich so spät dessen besinnt, und so lange duldsam war, daß man Mord und Brand predigen, die Leidenschaften aufstacheln, die niederträchtigsten Lügen verbreiten, allem staatlichen und menschlichen Rechte Hohn sprechen ließ, ehe man sich endlich besann, daß die Grundlage jedes Staatswesens erschüttert werden müsse, wenn man der freien Entfaltung der niedrigsten Leidenschaften nicht Halt gebiete. Der Vorwurf trifft die gegenwärtige Regierung nicht. Wer aber ehrlichen Sinnes prüft, was vorausgegangen ist, ehe sich die aufgestachelte Menge zu Brand und Plünderung hinreißen ließ, der wird die begangenen Unterlassungssünden schwer in die Schale des Urtheils fallen lassen müssen. Will man etwa leugnen, daß die Antisemitenhetze die Ursache der Ereignisse von Holleschau ist? Will man vielleicht eine „nationale" Bewegung dahinter wittern? Will man die Aufhebung der Sprachenverordnungen als das Leitmotiv hinstellen? Was haben die Juden von Holleschau mit den Sprachenverordnungen zu schaffen? Ihnen kommt es nicht zu statten, daß sie aufgehoben wurden. Sie waren durch den Fortbestand nicht bedrängt. Die Juden haben überall noch gezeigt, daß sie sich als Juden der nationalen Bewegung niemals entgegenstellen; sie sind Deutsche in Deutschland, Franzosen in Frankreich, Engländer in England, Magyaren in Ungarn, Türken in der Türkei, Rumänen in Rumänien. Sie bringen Opfer an Gut und Blut fürs Vaterland, dessen treue Söhne sie sind. Sie sind die ersten, die sich die Sprache des Landes aneignen, in welchem sie wohnen, und speciell in Böhmen und in Mähren hat sich ein großer Theil der Juden der nationalen Bewegung so sehr angeschlossen, daß sie sogar ihre Gebete in czechischer Sprache verrichten. Sie haben vergessen, daß der Czeche niemals freiheitsliebend war, daß er den Begriff Frecheit nicht als eines Rechtes Aller, sondern nur als einen Ausdruck seines Machtbewußtseins auffaßt, daß er, was ihm recht ist, nicht billig findet für den Anderen; daß die czechische Geschichte angefüllt ist mit Darstellung von Judenaustreibungen; daß die erste Regung nach Verleihung der Constitution im Jahre 1848 die war „pozd’me na zidi‘, laßt uns gegen die Juden ziehen; daß die Zeit des wieder erwachten Verfasiungslebens zugleich die Namen Horovic und Hostomic verzeichnet; daß jede Regung „nationalen" Bewußtseins in Böhmen und speciell in Prag mit Steinwürfen gegen Judenfenster und mit Aufläufen in der Josefstadt verbunden war. All das haben die Juden vergessen und sind dennoch der nationalen Bewegung nicht feindlich gegenübergestanden, ja sie haben sich ihr sogar zum Theile angeschlossen, und zwar aus keinem anderen Grunde, als weil sie nationales Recht achten, wie sie überhaupt rechtliebend und rechtachtend sind und als Unterdrückte namentlich für Jene sich lebhaft interessireu, die unterdrückt sind oder

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