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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-10-20 · 42 (20.10.1899) · page 27

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
42 (20.10.1899)
Date
1899-10-20
Page
– (sequence 27)
Language
German
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Nr. 42 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 799 imitmt Frau Gemalin, Jacob Nt o o r, S. H eit, W a s s e r v o ge l Frau Dr. Regine Kur au da, Frau Eecilia Adler, Frau kaiscrl. Rath Dr. K o h u, kaiserl. Rath Dr. Lieben, Dr. Adle r, Anitsvorständ Wiener, Doctor Bloch, Direktor .Helle r, Jnspector Kauitz, Rabbiner Löwy, Lector Fried mann, eine Deputation des Cautorenbereines u. b. A. Im Familienhause erschienen bis zum spaten Abend Gratulanten, sowie Hunderte von Telegrammen, Briefen und Karten kamen an, um Herrn Obercantor Singer und dessen Frau, wie nicht minder dem Brautpaare herzlichste Segenswünsche entgegenzubringen; mögen all die Wünsche im Leben des geschätzten Brautpaares Verwirklichung finden. Schw .... Wien. (Prämiirt.) Die Internationale Jury der unter dem hohen Protectorate Ihrer kais. und königl. Hoheit der durchlauchtigsten Frau Erzherzogin Maria Josepha in Wien stattgehabten Ausstellung der „Gesellschaft vom Blauen Kreuze" für bürgerliche Kochkunst hat der Verlagsbuchhandlung Jacob B. Brand eis in Prag für das von ihr heransgegebene „Vollständiges Israelitisches Kochbuch" von Witwe Marie Kauders, das Diplom der großen Medaille mit der Silberpal m e zuerkannt. Salzburg. (B e r l o b u n g.) Fcäülein Gisela Stein, Tochter des Herrn Wilhelm Stein in Salzburg verlobte sich mit Herrn Ludwig Renner, Chef der gleichnamigen Firma in Prag. Pifek. Bei der im hiesigen Rathhause stattgefundenen Wahl der Stadtvertretung wurde der allgemein geachtete Fabrikant Herr M. Spitz, der seit einer langen Reihe von Jahren dieser Corporation angehört, aufs Neue mit großer Majorität gewählt. Herr Spitz ist ein Manu von Geist, Herz und Gemüth, der sehr oft unerschrocken für sein Judenthum einsteht, antisemitische Pläne vereitelt und Kidusch haschem verursacht. Pahau. Bei dem am 8. d. M. stattgefundenen Leichenbegängnisse des langjährigen Cultusvorstehers Herrn Bernard A scher, hatte die Hauptfunction Herr Cantor Heinrich Kühner, welcher die Trauerpsalmen sowohl im Trauerhause als auch ans dem Friedhofe in ergreifender Weise vortrug. Lemberg. Der Minister für Cultus und Unterricht hat den Gymnasialprofessoren Gerson Blatt und Dr. Levpold Herzl in Brody. sowie Aron Kohn in Stanislau die VIII. Rangsclasse der Staatsbeamten verliehen. Das sind die ersten Juden, die es als Mittelschullehrer zu „Goldkräglern" gebracht haben. _ Michael. Erzählung von S. Kohn, Verfasser von Gabriel. (Fortsetzung.) Als sich Michael zur Ruhe begeben wollte, sprach Brock zu ihm: „Ich habe bevor Du das Nachtgebet verrichtest noch mit Dir zu spreche". Morgen wird der Wagen, den ich gedungen, Dich nach Nickolsburg zu führen, zeitig vor dem Hanse stehen und es wird hierzu nicht mehr Zeit sein. Sara und ich werden Dich wohl eine Strecke Weges in dem Reisewagen begleiten, aber ich will nicht, daß das Kind höre, was ich Dir zu sagen habe. Komm' in mein Schlafzimmer." — Die Beiden gingen in dieses, Brack, setzte sich in einen Lehnstuhl, deutete Michael durch eine Handbewegung an, sich neben ihn zu setzen und begann: „Du bist an Verständigkeit Deinem Alter weit vorangeschritten, und ich kann mit Dir sprechen wie wenn Du schon ein erwachsener Mensch wärst. — Wir trennen uns jetzt für längere Zeit. Wenn ich auch hoffe, daß wir uns Wiedersehen werden, — ich stehe in dem rüstigsten Mannesalter, Du bist ein kräftiger, gesunder Knabe — so wäre es ja immerhin doch möglich, daß Gott es in seinem unerforschlichen Rathschluffe anders bestimmt hätte, und mich vor der Zeit abberiefe, und darum will ich mit Dir über die Zukunft meines Kindes, meiner Sara, sprechen." Michael's Augen feuchteten sich, einen Augenblick zuckten seine Lippen, sein warmes Gefühl legte ihm den Gedanken nah, seinem geliebten Pflegevater darin zu widersprechen, daß es möglich wäre, daß der grundgütige Gott, ihn so bald abberufen, ihn seinem Kinde, seinem Pflegesohne entreißen würde, aber sein Heller Verstand gewann rasch die Oberhand über sein Herz, — das was Brack sprach, war ja vollkommen richtig; er schwieg. „Du weißt, Michael", fuhr Brack fort, „ich habe Dich von dem Momente an, wo du vor die Schwelle meines Hauses tratest, lieb gewonnen, ich habe Deinen Werth bei Deinem ersten Anblick erkannt. Ich habe Deiner Mutter in ihrer letzten Stunde gelobt, für Dich, so weit dies ein Mensch für einen andern thun kann, 511 sorgen; und Michael, Du kennst mich ja, auch wenn ich Dirs nicht sage, wirst Du es glauben, ich hätte so auch gethan, wenn ich es nicht versprochen hätte. Auch als mir mein Kind, meine Sara, geboren wurde, hatte sich meine Liebe für Dich, meine Sorgfalt für Dein Wohl nicht vermindert, ich habe Dich ihr völlig gleichgehalten an fürsorglicher Liebe. Ich sag es fürwahr, nicht um mich zu rühmen, oder Deine Neigung zu gewinnen, deren bin ich ohnehin sicher, ich sag es blos, weil es wahr ist, und die Wahrheit jederzeit gesagt werden darf, weil Du es ja ohnehin weißt und es zum Zusammenhänge gehört." Statt einer unterbrechenden Einschaltung, führte Michael Bcack's Hand ehrerbietig an seine Lippen. „Ich habe mich, so viel es eben ein M nsch vermag, um Deine Zukunft gekümmert, ich habe Dich in den Gymnasial- Gegenständen unterrichten lassen. Der Unterricht hat allerdings nichts gekostet, der würdige Pfarrer hat ihn unentgeltlich ertheill, aber ich habe Dir mitunter kostspielige Bücher und Lehrmittel angeschafft, Dich gekleidet, genährt; während Du bei Deiner Anstelligkeit und Klugheit schon drei Jahre in meinem Geschäfte hättest behilflich sein, oder Dir als Handelsgehilfe bei einem Fremden so viel erwerben hättest können, als Du eben bedurftest. So geschah es, daß ich für Sara nur eine so mäßige Summe auf die Seite legen konnte, daß diese, wenn ich inmitten meiner Lebensbahn abgerufen würde, schon nach wenigen Jahren hartem Mangel preisgegeben wäre. Sara hat, wie Du weißt, außer mir keine Blutsverwandten, und es würde mir den letzten Moment verbittern. wenn ich mit dem Gedanken sterben müßte, daß mein elternloses Kind von der Gnade und Barmherzigkeit Fremder abhängig sein sollte, und obwohl ich hoffe, daß Du Dich, auch wenn ich Dich hierzu nicht auffordere, im gegebenen Falle, ihrer brüderlich annehmen würdest, so wird es mich doch beruhigen, wenn Du mir versprichst, Sara nicht zu verlassen, sie zu beschützen." Brack war ein starker Mann, der in der Regel seine Fassung zu bewahren, seine Gefühle zu beherrschen vermochte; aber in dem Momente des Schadens von dem geliebten Pflegesohn war er ungewöhnlich weich gestimmt, er mußte abbrechen und sein Gesicht abweuden, um seine aufsteigenden Thränen zu verbergen. „Vater, was sprichst Du da? ries der fünfzehniährig- Knabe, sich jäh von seinem Sitze erhebend, und Helle Purpur» röthe überlohte sein Gesicht. „Ich hoffe. Du wirst durch Gottes Gnade uns noch recht lange erhalten bleiben und mich und Sara unter die Chuppe*) führen; . . . . aber, hast Du denn, ohne es mir zu sagen, Deine Absichten geändert? .... Ich will ja unsere Sara, so lange ein Athemzug meine Brust hebt, nicht verlassen, ich liebe das Kind, das kleine Mädchen endlos . . . . und Du siehst es ja, Deine Sara hängt an mir wie an keinem zweiten Menschen. Sie liebt, sie verehrt Dich, sie erfüllt jeden Deiner Wünsche, den sie Dir nur von den Lippen ablesen kann; und trotz alledem, wage ich es nicht zu entscheiden, ob sie mich nicht noch mehr als Dich liebt . . . Und, Du hast mir ja einst, als ich noch ein Knabe von sieben Jahren wäre, gesagt, meine zweite Mutter, Deine edle Gattin habe es gewünscht, und auch Du wünschest es, daß ich und Sara einst Mann ulld Frau würden, und ich habe mich mit dem Gedanken so vertraut gemacht, daß ich die Trennnng von Sara nur ertrage, weil ich hoffe, einst für immer mit ihn vereint zu werden .... Ich weiß es nicht, fuhr Michael fort, „ob Alles, das was ich jetzt gesprochen und nicht für eine Welt unausgesprochen gelassen hätte, nicht unpassend ist. Ich habe, ich erinnere mich dessen, schon Aehnliches gesprochen, als wir von dem Grabe meiner zweiten Mutter heimkehrten, und meine Worte schienen Dir nicht zu mißfallen: allein damals war ich ein siebenjähriges Kind, und jetzt bin ich verständig genug es einzusehen, daß es sich in meinem Alter und meiner Stellung nicht schickt, so vorlaut zu sprechen und. ..." je länger Michael sprach, desto verwirrter wurde er. sein Blick suchte verlegen den Boden, der sonst redegewandte Jüngling mußte stocken, seine Rede verlangsamen, -- „vielleicht hast Du damals, innerlich lächelnd, mit meinem kindischen Geschwätz Nachsicht geübt, diesem keinen Werth beigelegt . . . ." Michael mußte abbrechen. (Fortsetzung folgt). *) Ten Tranhumnel.

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