Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 42 (20.10.1899)
- Date
- 1899-10-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 42 Serie 779 Br. Bloch's Wochenschrift« 1 Bulla Martini V. d. d. Romae X. Kal. Martii anno V. (MGGGGXXil). Martinas episcopus servus servorum dei universis Christi fidelibus presentes litteras inspecturis salutem et apostolicam benedictionem. Sicut Judeis non debet esse iicentia, in synagogis suis ultra, quod permissum est eis lege, presumere, ita in hiis, que concessa sunt ipsis, nullum debent preiudicium sustinere. Licet igitur prefati Judei in sua magis velint duricia perdurare quam prophetarum verba et suarum scripturarum archana cognoscere et ad Christiane fidei et salutis noticiam pervenire, quia cum pefensionem nostram et auxilium postulant et Christiane pietatis mansuetudinem Interpellant, Nos felicis recordationis Calixti Eugenii Alexandri Innocentii Gregorii Honorii et Nicolai quarti Romanorum pontificum predecessorum nostrorum vestigiis inherentes ipsorum Judeorum petitionem admittimus eisque protectionis nostre clipeum impertimur. Sane querelam puorimdam Judeorum nuper accepimus continentern, quod nonnulli predicatores verbi Dei tarn mondicautium quam ordinum aliorum ad populum predicantes inter alia Christianis exhibent per expressum, ut fugiant et evitent consortia Judeorum nec cum eis quoquo modo participent nec coqueie aut ignem vel aliquid ad laborandum ministrare seu ab lllis recipere seu Judeorum pueros lactera et alere audeant vel presumant, quodque contra facientes sint iure ipso gravibus excommunicationis sentenciis et censuris eeclesiasticiis innodati, propter que nonnumquam inter eos et Christianos dissensiones et scandala oriuntur daturque materia ipsis Judeis, qui se forsan ad Christianam fidem converterent, si pie et humane tractarentur iu eorum perfigia perdumndi. Nonnumquam etiam pluiimi Christiani, ut dictos Judeos redimi facere et eos bonis et substanciis suis spoliare et iapidibus cedere possint, fictis occasionibus et coloribus asserunt moi talitatum et aliarum calamitatum temporibus Judeos ipsos venenum iu fontibus iniecisse et suis azymis humanum sanguinem immiscuisse; ob que scelera eis sic inuste obiecta talia asserunt ad perniciem hominum pervenire. Ex quibus occasionibus populi commoventur conto Judeos ipsos eosque cedunt, et variis persecucionibus et molestiis afficiunt et affiigunt. Nos igitur eonsiderantes quod religioni conyenit Christiane, Judeis eo libentius contra persecutores etmolestatores ipsorum opportunum prestare presicfium, quo specialius sunt in testimonium orthodoxe fidei reservati, eorum testante propheta, tandem reliquie salve fiinnt: que per predicatores contra ipsos Judeos ne -cum Christianis conversari debeant eel contradicta sunt ac excommunicationis sententiam nullius firmitatis existere decernentes, Universität! vestre ac presertim loeorum ordinariis et superioribus ordinum predicatorum distriotius inhibemus, ne de cetero taiiavei similia contra Judeos utriusque sexus ubilibet constitutos in eorum diocesibus civitatibus terris et locis per quosvis predicatores religiöses vel secularis euiuseunque status gradus ordinis religionis vel conditionis existant populis predicare permittant; notandum volentes, quod q u i 1 i b e t Bulle Martin's V. vom 20. Februar 1422. Diese Urkrnrde ist aus deu Registerbücheru im Päpstl. Geheimarchiv zu Rom veröffentlicht in den Annaleeta iuris Pontiiieii XII (1873), p. 387. Eine zweite gleichlautende Urkunde von demselben Tage, die jedoch nur den zweiten Theil enthält, beginnend Martinus etc. Gonsiderantes quod religioni convenit Christiane etc. wird von Ravnaldus, Annales eeelesiastici zum Jahre 1422 nr. 36 mitgetheilt. Die ganze Urkunde befindet sich ferner als ein im Jahre 1464 angefertigtes Transsumpt im lateinischen und gleichzeitigen deutschen Text im Kgl. Bayrischen Allgemeinen Reichsarchiv zu München, Rubrik „Juden in Bayern 1464". Martin, Bischof, Knecht der Knechte Gottes, entbietet allen treuen Christen, die diesen gegenwärtigen Brief zu Gesicht bekommen werden, Heil und apostolischen Segen! Wie es den Juden nicht erlaubt sein soll, in ihren Synagogen mehr zu unternehmen, als ihnen durch Gesetz gestattet ist, so sollen sie in dem, was ihnen eingeräumt wurde, keine Beeinträchtigung erfahren. Obgleich nun die genannten Juden es vorziehen, in ihrer Hartnäckigkeit zu verharren, als die Worte der Propheten sowie die Geheimnisse ihrer eigenen Schriften zu erkennen und zur Kenntniß des christlichen Glaubens und Heils zu gelangen, wollen Wir dennoch, da sie Unsere Bertheidigung und Hilfe fordern und die Sanflmuth christlicher Milde anrnfen, d n Spuren Unserer Vorgänger seligen Angedenkens, der römischen Bischöfe C a l i x t, Engen, Alexander, I n n o c e n z, Gregor, Hon u r i n s und N i c o l a u s IV., folgend, dem Gesuche dieser Inden willfahren und ihnen den Schild Unseres Schutzes gewähren. Nun haben Wir kürzlich die Klage einiger Juden erhalten, welche besagte, daß mehrere Prediger des Wortes Gottes sowohl von den Bettlerals von anderen Orden, in ihren Predigten zum Volke unter Anderem den Christen ausdrücklich gebieten, daß sie jeglichen Umgang mit den Juden fliehen und meiden, mit ihnen in keiner Weise eine Gemeinschaft haben und und nicht wagen, noch sich unterfangen sollten, für sie zu kochen, Feuer oder irgend etwas zur Arbeit ihnen zu reichen oder von ihnen zu nehmen, die Kinder der Juden zu säugen oder zu nähren; und die Zuwiderhandelnden seien allen Rechtens den schweren Urtheilen der Excommunication und anderen Kirchenstrafen verfallen. Deshalb entstehen bisweilen unter ihnen und den Christen Streitigkeiten und Scandale, und es wird den Juden, welche, wenn sie milde und menschlich behandelt würden, vielleicht zum Christenglauben sich bekehrten, Anlaß gegeben, in ihrem Unglauben zu verharren. Um zu bewirken, baß die genannten Juden sich loskaufen, um sie ihrer Güter und Habe berauben und steinigen zu können, erdichten bisweilen zahlreiche Christen Anläße und Borwände und streuen in den Zeiten großen Strebens und anderer Calamitäten aus, daß die Juden Gift in die Brunnen geworden und in ihre ungesäuerten Brode Menschenblut gemischt haben. Diese Verbrechen, welche ihnen so mit Unrecht vorgeworfen werden, streut man aus, um Menschen zu verderben. Aus diesen Anlässen werden die Völker gegen diese Juden aufgereizt, tobten dieselben, suchen sie heim und quälen sie mit den verschiedenartigsten Verfolgungen und Bedrückungen. In der Erwägung, daß es der christlichen Religion zukommt, den Juden um so williger gegen ihre Verfolger und Bedrücker sichersten Schutz zu gewähren, je ausdrücklicher sie als Zeugniß für den wahren Glauben erhalten wurden, da ihr Prophet bezeugt, daß ihre Ueberreste dereinst werden selig werden, verfügen Wir, daß das Verbot der Prediger, wonach die Juden nicht mit Christen verkehren dürfen, und das Urtheil der Excommunication keinerlei Gewicht habe, und verbieten Eurer Körperschaft und zumal den Ortsbehörden und den Oberen der genannten Orden auss«Strengste, zuzulasien, daß fernerhin Derartiges oder Aehnliches gegen die Juden beiderlei Geschlechts, wo immer dieselben in ihren Dioecesen, Staaten, Ländern und Orten wohnen, von irgendwelchen geistlichen und welt-