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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-10-13 · 41 (13.10.1899) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
41 (13.10.1899)
Date
1899-10-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ur. 41 Dr» Bloch’s zahrg«»- XYI. Centralorgan für die gesammten Interessen des Iudenthums. «—----*=* K. ft. Pofisparcassen-Amr Clrarrngverkehr > Nr. 610.976. > Nedaction und Administralion: w itn XX., Untere BnaarleriTkr. la. Telephon - Nr. 14.847 » ' * Wien, 13. Ortober 1899. -—. .»> - Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, II.. Untere AugartenstrnsZe 1s. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. - Srzugsprri» für Srstsrrrich- Halbjährig 4 fl. — 8 Kr. Einzeleremplare 25 kr. lür's Ausland: halbjährig 5 fl. — 13 Kr. ganzjährig 10 „ — 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 12 kr. 3K -.. ■ U Inhalt. Leitartikel: Eine Protest-Versammlung im Musikvereinssaale. — Zur Versammlung im Musikvereinssaale. — Vom Iahrmarkt des Lebens: Der Meineid-Eanonicus in Prag und seine neuen Lugen. Der Proceß in Straubing vor hundert Jahren. Zum Fall Moosauer. Strafanzeige gegen Oberrabbiner Dr. Güdemann. Die ezechische Journalistik und die Juden. Die „Wiener Mode" — auch antisemitisch. — Eine alte Prophezeiung über die Weltherrschaft des Christenthums. — Correspondenzen: Wien. Czernowitz, Amstetten, Stockerau, Groß-Meseritsch, Prag, Bistritz, Mahrisch-Ostrau, München, Berlin, Breslau, Mailand, Hamburg, London. Die Juden in Rußland, New-York. — Vermischtes: Wien, Patzau, Prag, Proßnitz, Lemberg. Fulda. Mühlhausen i. E., Charlottenburg, Rom. - Feuilleton: Michael. - Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Eine Protest-Versammlung im Mustkvereinssaal. LI. Eine erhebende Manifestation des gesammten Wiener Judenthums, ein energischer und würdiger Protest der jüdischen Gesammtheit gegen das schmachvolle Treiben der Bluthetzer und Blutlügner war die vom Cultusvorstand in Wien einberufene Versammlung der Gemeinde am 7. October d. I. In demselben Prachtsaale, in welchem die antisemitischen Lügenbolde, im Beisein des derzeitig regierenden Bürgermeisters die böswilligsten Verleumdungen gegen die Juden vernehmen ließen, in demselben Saale versammelten sich die Wiener Juden, um gegen dieses unerhörte, infame Treiben Protest einzulegen. Die flammenden Worte, mit welchem der Wortführer dieser Versammlung, der Oberrabbiner von Wien, die lügnerischen Anschuldigungen geißelte, werden noch lange den Hassern in die Ohren gellen. Die andächtig lauschende Versammlung begleitete die Ausführungen der Rediier mit enthusiastischem Beifall und der Verlauf dieses Meeting, welches würdig geleitet, feierlich vom Anfang bis zum Ende verlief, wird vor aller Welt Zeugniß oblegen, daß wir den Mordpolitikern von Wien nicht ohne Gegenwehr ihr blutiges Handwerk treiben lassen wollen. In einem Schmähartikel über die Protestversammlung am 7. d. M. sagt das Organ des Mühldorfer Ex-Ehrenbürgers: „Vor einigen Jahren fanden in Wien die Verhandlungen gegen die Mädchenmörder Schenk und Schneider statt. Die beiden Mordgesellen waren keine Juden, sie waren Christen. Keinem einzigen der zahlreichen christlichen Vereine fiel es ein, für diese Mordbuben Partei zu ergreifen, ihnen im Wege der Sammlung unter den hervorragendsten Glaubensgenossen gut bezahlte Vertheidiger zu verschaffen. Der Erzbischof von Wien rief keine Protestversammlnng im Musikvereinssaale ein, um gegen die Berichte der Judenblätter zu protestiren, die in ausführlicher Weise über die Schandthaten der beiden Mordbuben berichteten." Die Mädchenmörder Schenk und Schneider waren nicht angeschuldigt, den Mord aus religiösen Motiven, „zu rituellen Zwecken" verübt zu haben, für ihre Verbrechen hat niemand das gesammte Christenthum verantwortlich gemacht. Der Proceß gegen Hugo Schenk war auch nicht eine parteipolitische Agitation, während der gesammte Proceß Hülsner lediglich ein Werk antisemitischen Terrorismus bildet. Vor einigen Jahren wurde im Domhof am Stefansplatze in Wien ein alter Diener der jungen Geistlichen ermordet, ohne daß es bis jetzt gelungen wäre, die Spuren des Mörders zu finden. Es war kein Raubmord, denn es wurde nichts vermißt, Geld und Geldeswerth wurden nicht berührt. Die That geschah am Hellen Tage und konnte blos von einem mit den Einrichtungen und Verhältnissen des Hauses vollkommen Vertrauten vollbracht werden. Und doch ist Niemandem beigefallen, an einen „Ritualmord" zu denken und irgend einen der jungen Theologen zu beschuldigen oder zu verhaften. Hätte sich das Ereigniß abgespielt in einem Jnstitutshause, in welchem junge Rabbi nen erzogen werden, was wäre geschehen? Als die jüdische Familie Löwy durch die christlichen Mörder Brüder Divecky bei Königgrätz hingeschlachtet worden war, da sprach man nicht von einem Ritualmord. Das „Deutsche Volksblatt" vom 9. October sagte über die jüdische Versammlung vom Musikvereinssaal wörtlich: „Es wird hier der Versuch gemacht, das Ergebniß der Schwurgerichtsverhandlung in Kuttenberg, das mit der einstimmigen Verurtheilung Hilsner's endete, als revisionsdedürftig darzustellen. Wir machen unsere Leser darauf aufmerksam, sich durch derartige Machinationen nicht beirren zu lassen. Hülsner hat ein Geständniß abgelegt, aus dem hervorgeht, daß er am Morde betheiligt war." „Die C r i m i n a l g e s ch i ch t e kennt keinen Fall, daß ein „U n s ch u l d i g e r" s i ch selbst des schwersten Verbrechens, daß dasStrafgesetz allerStaaten kenntund auf das die Todes strafe gesetzt ist, b e s ch u l d i g t h ä t t e." Zunächst sei constatirt, daß über die Schuld oder Unschuld des Hülsner in der Versammlung kein Wort gesprochen worden. Die Frage, ob der Angeklagte schuldig sei, oder nicht, war nicht Gegenstand der Discussion, das ist Sache der competenten Gerichte. Die Behauptung aber, daß „die Criminalgeschichte keinen Fall kennt", daß ein „Unschuldiger" sich zu einem Verbrechen bekannt hätte, ist ein Beweis von der geradezu — frivolsten Unwissenheit. Die blutbefleckten Blätter der Geschichte erzählen von den grausamsten Unthaten, verübt gegen unschuldige Menschen, welche auf die Folterbank gespannt, jedes beliebige von ihnen verlangte Verbrechen selber einbekannt haben. Oft hatte der Folterknecht selber Mitleid mit dem armen Opfer, er redete ihm zu: „Bekenne doch, obgleich Du es auch

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