Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 36 (8.9.1899)
- Date
- 1899-09-08
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 668 Dr. Bloches Wochenschrift. Nr. 36 Briefkasten. Historicus. Im Jahre 1761 wurde in Toulouse der katholische Sohn der protestantischen Familie Calas erhängt gefunden. Die fanatische Bevölkerung bezichtigte den Vater und einen der Brüder, den jungen Mann ans religiösem Fanatismus ermordet zu haben. Der Vater Calas wurde hingerichtct, der Bruder verbannt. Drei Jahre kämpfte Voltaire für die Revision dieses Processes, die bekanntlich mit der Schuldlossprechung der Verurtheilten endete. Dem Hingerichteten Calas nützte freilich die Revision nicht viel. W. S. Bei dieser Fackelbeleuchtung zeigt sich der jüdische Antisemit in der That als ein von moral insanity behaftetes Individuum. L. W. Picquart ist ebensowenig Jude als F r e y st ä t t e r. Aber den antisemitischen Blätternpaßt es, die beiden zu Juden zu stempeln. A. B. Das „Vaterland" will durch seine vom Zaune gerissene Polemik gegen die „Köln. Zeitung" offenbar vergessen machen, daß cs so unglücklich war, all die Zeit über von der Schuldlosigkeit des Capitäns Dreyfus überzeugt gewesen zu sein. R. Nur ein antisemitisches Hetzblatt von der Niedrigkeit der „Reichspost" kann sich erdreisten, für die französischen Schurken gegen den österreichischen Obersten Schneider Partei zu ergreifen. H. B. I. Stuart Will sagte einmal: „Wenn die Christen die Ungläubigen lehren wollen, gerecht gegen das Christenthum zu sein, so sollten sie vorerst gerecht gegen die Ungläubigen sein". Mit wie viel mehr Recht könnten das die Juden gewissen christlichen Fanatikern zurufen. Nestor. Es ist notorisch, daß Dr. Lueger gelegentlich des Tißa- Eßlarer Processes in der verächtlichsten Weise von den Ritualmordfabrikanten sprach. Nemo. Es ist eine längst bekannte Thatsache, daß die infamen Ritualmordbeschuldigungen zuerst gegen die ersten Christen erhoben wurden. R. B. Berthold Auerbach hat den Spinoza aus dem Lateinischen übersetzt und dann auch einen Roman geschrieben, dessen Held der jüdische Philosoph war. R. W. Warum soll V e r g a n i es dem Major Esterhazy verübeln, daß er bei Rothschild „schnorrte." Im Gegentheil, das m u ß ihm gefallen. 4l. B. Der jüdische Spruch: „Habet Achtung vor den Kindern der Armen, denn sie sind es, die die Wissenschaft fördern", verdient cs wohl eben so sehr citirt zu werden, wie der Satz des Evangeliums: „Selig sind die Armen rc." Aber die Juden kennen besser das Evangelium als das jüdische Schrifthum. H.G. Donnerstag, am 10. December 1885 war der 2. Tebeth5646. Mehrere Mitglieder, Preßburg. Auf anonyme Mittheilungen können wir keine Rücksicht nehmen. Conservativ. Wir haben Ihre Anregung benützt. Z. 8i60 Kundmachung. Die Nachprüfungen aus der mosaischen Religion für Schüler und Schülerinnen der Volks- und Bürgerschulen aus den Bezirken III—X und XIX werden Sonntag den 10. und Dienstag den 12. d. M. von 9—10 Uhr Vornuttags I., Seitenstettengasse 4, IV. Stock vorgenommen. Der Vorstand der israelitischen Cnltusgemeinde. W i e n im September 1899. Kundmachung. An dem von der hohen k. k. Statthalterei concessionirten commcrciellen Lehrinstitute des S. Weinberg durch 8 Jahre gewesenen Leiters der O. Gotthelf'schen Handelsschule beginnen die Einschreibungen für die beiden Jahrgänge und für den Mädchencurs am 18. August a. c. Der Unterricht beginnt am 1. September a. c. Nähere Auskünfte ertheilt der gefertigte Inhaber im Schulgebäude, eventuell auch brieflich. 294 Direction der concessionirten privat. Handelsschule S. Weinberg, Sambor. Erklärung. In der Nummer 24 der „Wiener jüdischen Presse" dto. 18. Juni 1899 erschien in der Rubrik „Correspondenzen" unter der Spitzmarke „Bisenz den 6. Juni" ein den Bisenzer Rabbiner Herrn Dr. Josef Hoff betreffender Artikel. Das Manuscript zu diesem Artikel wurde mir von einem Herrn Max Weinberger unterfertigt eingesendet. Da ich mich überzeugt habe, daß sich hinter diesem Namen ein anonymer Einsender verbarg, daß alle in dem bezeichneten Artikel enthaltenen Herrn Dr. Josef Hoff betreffenden injuriösen Bemerkungen ganz und gar unbegründet, und alle Angriffe wider denselben vollständig aus der^ Luft gegriffen sind, da ich weiters in Erfahrung gebracht habe, daß Herr Dr. Josef Hoff sowohl durch sein Verhalten in und außerhalb seines Amtes, insbesondere durch seine Bildung und Gelehrsamkeit sich bei allen jenen Personen, welche ihn kennen zu lernen Gelegenheit haben, der allergrößten Hochachtung erfreut, so gebe ich meinen lebhaften Bedauern darüber Ausdrnch, daß ich das Opfer einer Mystification geworden bin und bitte Herrn Dr. Josef Hoff wegen der in dem erwähnten Artikel enthaltenen, ihn betreffenden vollständig unbegründeten injuriösen Bemerkungen um Verzeihung. Schließlich bemerke ich noch, daß die Veröffentlichung dieser" Erklärung in der „Oesterreichischen Wochenschrift" darum erfolgt, weil die „Wiener jüdische Presse" vorläufig zu erscheinen aufgehört hat. Wien, am 4. September 1899. Wilhelm Morgenstern. Zu tief herabgesetztem Preise sind nachstehende Bücher von dem Unterzeichneten zu beziehen: Friede der Judenfrage mit einem Anhänge zur Geschichte des Antisemitismus, von Dr. Joh. Menzinger, 245 Seiten, statt 1 fl 20 kr. nur 60 kr. Die Juden und der Antisemitismus von Leroy Beaulien, deutsch von G. v. V i n c e n t i. 350 Seiten (1894), statt (Ladenpreis) 1 fl. 50 kr. für nur 60 kr. Dieses Buch hat ein Christ und Franzose geschrieben!, (aus der Vorrede.) Es ist eines der besten Bücher, di2 ia dieser Frage geschrieben wurden; durchaus unparteiisch, muss dasselbe jedermann interessiren. — Mysticismus—Pietismus—Antisemitismus am Ende des 19. Jahrhunderts. Culturphilosoph. Studie v. V. Z e n k e r. 1894. 88 Seit., hocheleg. brosch., s t a 1t (Ladenpreis) 1 fl. nur 30 kr. Dieses Werk erschliesst in leicht verständlicher und doch wissenschaftlicher Weise das Verständniss des Antisemitismus tls einer Neuen Form des religiösen Wahnsinns und bildet sohin, eine nothwendige Ergänzung der bisherigen I iteratur über Antisemitismus. Heinrich Heine une der Rabbi von Bacharach v. Gust. Karpeles. 64 Seit. (1895), statt (Ladenpreis) 1 fl nur 30 kr. Eine glänzende Studie des berühmten Heinelorschers übediese nnabgeschlossene Erzählung, die sich zu einer Würdigung des Dichters ausweitet. Die letzten 3 Bücher zusammen statt 3 fl. 50 kr. nur 1 fl. Jssus Christus u. Be.ied. Spinoza, ein Zwiegespräch von Dr. Relav, 50 Seiten, statt 60 kr. nur 30 kr. Dreyfu&’ Briefe aus dar Gefangenschaft. 264 Seiten mit 26 Autogrammen, unaufgeschnitt. Exempl. st ät t 2 fl. 40 kr. für nur 1 fl. Die Affaire Dreyfus in Bildern. 300 Portraits und Text 65 kr. hochinteressant. Innerhalb Oesterreich und Deutschland franco gegen Voreinsendung des-Betrages von 34g R. Löwit, Buchhändler, Wien, Rotheuthurmstrasse 22. Heiratsantrag für ein 24jähriges, sehr schönes, feinst häuslich erzogenes, musikalisch, sprachlich gebildetes Fräulein aus allerbester Israel Familie in Wien. Ausstattung und ein paar 1000 fl. jetzt, (.0000 fl. später, deren Zinsen die Mama geniesst). Bewerber, wenn auch Witwer, aber nur in gesicherten Verhältnissen, werden Anträge erbeten unter Chiffre »k. u. k. Hoflieferant« Postamt I., Habsburgergasse, Wien 346 11 bis 2 Knaben oder Mädehen || finden in feiner Familie Wohnung und beste K Verpflegung. | Französisch, Englisch, Clavisr. II Adresse in der Administration dieses Blattes. Herausgeber: Dr. Josef S. Bloch. — Verantwortlicher Redacteur: Rodert Svolf. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien. VHI.