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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-09-08 · 36 (8.9.1899) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
36 (8.9.1899)
Date
1899-09-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ur. 36 Dr. Bloch’s Hahrg««g XTL Centralorgan für die gesammten Interessen des Iudenthums. Wien, 8. September 1899. Erscheint jeden Freitag. -- Brief-Adresse: Wien» II.» Untere Angartenstraße 1a. Telegramm-Adresse: Dloch'Z Wochenschrift, Wien. *= :: K. ft. Postsparraffen-Amr Clearingverkehr | Nr. 810.976.! Nedaction und Administration: Wien II., Untere AuaarterrNr. ln. Telephon - Nr. 14.847 8===========* *=^=-- --« S-rugspreis für Oesterreich: Halbjährig 4 fl. — 8 Stv. Einzeleremplare 25 kr. lür's Ausland: halbjährig 5 fl. --- 10 Kr. ganzjährig 10 „ 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 12 kr. & - - — -.-X Inhalt. Leitartikel: Altes Lied und neuer Trost. — Goethe als Antisemit. — Der Zionsstaat in der Weltpolitik. — Aus Alexandrien. — Der Ministerwechsel in Preußen. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Jüdische Inserate im „Deutschen Volksblatt". — „Die Figur des Juden in der dramatischen Literatur des 18. Jahrhunderts." — Correspondenzen: Bisenz, Znaim, Brünn, Czaslau, Rzeszow, Temesvar, Berlin, Paris, London, Lüttich, New-York, Bombay. — Vermischtes: Wien, Waidhofen a. d. Thaya, Gleichenberg, Rossitz, Mähr.-Ostrau, Bielitz, Marienbad, Horazdiowitz. — Feuilleton: Jahrzeit. — Michael. — Briefkasten. — Inserate. Alkes Leid und neuer Trost. (Zum Jahreswechsel.) Höher an symbolischer und an ethischer Bedeutung als ein Wahrzeichen im Kalender steht das jüdische Neujahrsfest im Herzen Aller, die treuen Glaubens sind und erfüllt von der Liebe zum Jndenthum. Die Tage von Nosch Haschanah und Jom Kipur sind der sinnenden Betrachtung, der inneren Einkehr und Läuterung, der Erkenntniß aller sittlichen Gebrechen und menschlichen Schwächen, der Befreiung von den Schlacken des Alltagslebens geweiht. In diesen Tagen gedenken wir in liebevoller Pietät unserer Dahingeschiedenen, deren verklärte Gestalten in unserer Erinnerung emporsteigen, und wir gedenken des Guten und Edlen, das an ihnen war. Wir bereuen unsere Fehler und fassen den Vorsatz, so zu leben, daß auch wir einst ein ehrendes Andenken hinterlassen, wir erbitten von Gott Verzeihung unserer Sünden und Erleuchtung unserer Gemüther. Wir gedenken der Schicksale unseres auf der weiten Erde zerstreuten Volkes, der Leiden und der Verfolgungen, von denen wir Alle ohne Unterschied heimgesucht werden, weil wir Inden sind. Als vor Jahresfrist ein unerforschliche Rathschluß der göttlichen Vorsehung unserem iunigst verehrten Kaiser die edelste Frau entrissen ward, die jemals die Zierde eines Thrones war, da drängten sich die Völker Oesterreichs um ihren Landesfürsten, um durch die Kundgebungen ihres Mitgefühls und ihrer Liebe sein gramgebeugtes Herz zu stärken. Tief bewegt dankte Kaiser Franz Josef seiner großen Völkerfamilie, indem er sagte: „Ich bete, daß Gott meine Völker segne und erleuchte, d e n W e g d e r Liebe u n d E intracht zu finden, auf dem sie gedeihen und glücklich werden mögen." Die Völker Oesterreichs haben bis zur Stunde diesen von unserem Kaiser so innig gewünschten Weg der Liebe und der Eintracht nicht gefunden; sie haben ihn auch nicht gesucht. Die erbittertsten Gegensätze herrschen zwischen Nationalitäten, Confessionen und politischen Parteien. Was die österreichischen Juden betrifft, welche ihrem Fürsten und ihrem Lande mit gleicher Treue anhängen, wie alle anderen Bürger, so haben wir unter Verfolgungen durch Gegner zu leiden, die in allen anderen Nationalitäten und allen anderen Confessionen nur allzu zahlreich vertreten sind. Vorurtheile, deren Fortbestand in einem aufgeklärten Jahrhundert man für unmöglich gehalten hätte, vernichten die Gleichberechtigung, die uns den Gesetzen des Landes nach gebührt, und diese Vorurtheile werden auch von Vielen mißbraucht, die ihre Grundlosigkeit längst klar erkannten. Wir werden beschimpft und verhöhnt, in unserer Ehre herabgesetzt, in unseren religiösen Gefühlen verletzt, in der Liebe zum Judenthum gekränkt, in unserer wirthschaftlichen Existenz geschädigt. Es gibt zahlreiche Schichten der Bevölkerung, welche, durch gewissenlose Agitatoren irregeleitet und aufgestachelt, die Juden als Diejenigen betrachten, denen die Schuld an ökonomischen und gesellschaftlichen Uebelständen beizumessen sei, unter denen auch wir Juden zu leiden haben. Zu all den Leiden und Kümmernissen, die allen Menschen gemeinschaftlich beschieden sind, haben wir auch noch den speeiellen Judenhaß zu ertragen, der uns täglich und stündlich das Leben verbittert. In der Reichshauptstadt geht diese Verfolgung so weit, als es nur irgend möglich ist, ohne das Einschreiten der öffentlichen Gewalt zu provociren. In Wien und in Niederösterreich ist jene Partei in den Besitz der Macht gelangt, welcher der Antisemitismus das Mittel der Agitation und der alleinige Programmpunkt ihres Wirkens war. Wenn der Herzenswunsch unseres gütigen Monarchen sich erfüllen soll, daß die Völker den Weg zur Liebe und zur Eintracht finden, so müssen jene das Gemüth des Volkes vergiftenden Grundsätze, die in der Person des Dr. Lueger ihre Verkörperung finden, von der Oberfläche des öffentlichen Lebens verschwinden. Vorläufig ist der Weg zur Liebe und Eintracht, insoweit es die Reichshauptstadt betrifft, durch die christlich-sociale Partei verrammelt. Heute ist es zeitgemäß, noch an ein anderes Kaiserwort zu erinnern, welches in diesem Jahre, und zwar von dem edlen Kaiser Wilhelm II. gesprochen ward. In seiner Danksagung auf den Neujahrswunsch des Berliner Magistrats sprach der Deutsche Kaiser den Wunsch aus

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