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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-09-01 · 35 (1.9.1899) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
35 (1.9.1899)
Date
1899-09-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 652 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 35 der Romanlcctüre sind ihrer noch Zu wenig, und wir begrüßen mit Freuden jeden Adepten auf diesem Literaturgebiete. Eiuen solchen finden wir in Dr. M. L e h m a n u. Die Erzählungen, die er uns in den vorliegenden vier Bänden liefert, sind auf historischer Unterlage aufgebaut, die Charaktere brillant gezeichnet und die Handlung spannend, so daß unsere Frauen und Mädchen sie mit Interesse lesen müssen. Und es wäre zu wünschen, daß sie in jedem jüdischen Hause angeschafst und zu einer jüdischen Bücherei gesammelt würden. * * * Der Pessimismus im Judenthum von I. Günzig, Krakau. Selbstverlag. Ein nur kleines., aber von profunder Gelehrsamkeit des Verfassers zeugendes Buch, das sich zur Aufgabe stellt, nachzuweisen, daß die pessimistische Weltanschauung, von Hiob und Koheleth nicht zu reden, zwar auch in der jüdischen Literatur einen breiten Raum einnimmt, der jüdische Pessimismus jedoch nicht beabsichtigt, den Sinn für Tugend und Religion oder Weltordnung abzuschwächen, im Gegentheil alle Betrachtungen jüdischer Pessimisten mit versöhnenden Worten und mit der Hinweisung auf eine bessere sittliche Lebensweise schließen. Wenn den Weg vom Büchertisch in die Bibliothek nicht der schöne Einband und nicht das Volumen, sondern der innere Werth eines Buches leitet, so verdient dieser Essay in das Regal neben die besten culturhistorischen Werke gestellt zu werden, denn er ist eine werthvolle Arbeit. Briefkasten. I. M. Der persönliche Charakter jenes Herrn interessirt uns nicht im Geringsten. Wir beschäftigen uns nur mit seiner öffentlichen Wirksamkeit, welche den schärfsten Tadel herausfordert. Franzensbad« Auf Verlangen theilen wir mit, daß die Notiz über die Antisemiten von Franzensbad uns von einem dortigen Curgaste eingesendet wurde. Der in Franzensbad etablirte Herr M. K o h orn steht der Notiz vollständig ferne. Jwri. Es wäre gut, wenn Sie Ihre Wahrnehmungen unter genauer Angabe der Details dem Eultusvorstande mittheilen würden. I. Eine hebräische Uebersetzung des Koran mit Erläuterungen besitzen wir von Reckendorf. Justus. Das ist eine von Elericalen und Antisemiten genährte Lüge. Es gab auch Päpste, die anders hierüber dachten. So hat Jnnocenz IV. ein den Juden verliehenes Schutzprivilegium mit den Worten eingeleitet: „Der apostolische Stuhl, eine fromme Mutter erwartet, daß die Juden ünker den Kindern ihres Schooße§'mrtt e l st der ihnen eigen thümlichen Religionsgebräuche zum Heil gelangen werden und so glauben wir der Ehrbarkeit der Kirche nicht entgegenzutreten, wenn wir erbarmungsvoll dulden u. s. w., u. s. w." I. B. Der Name „Maranos" hat vielfache Erklärungen gefunden. Die von Ihnen aus Florente's Geschichte der spanischen Inquisition citirte ist jedenfalls falsch. Die treugebliebenen Juden drohten den „Maranen" nicht mit den chaldäischen Wörtern Llaran atha (der Herr kommt), da doch bekannt ist, daß sie für die durch die Noth zur Taufe Gezwungenen nur ein Gefühl des Mitleides empfanden. W. N—g. Das ist kein Scherz. Schönerer hat wirklich einmal dem Vergant, der ihn um Geld bat, geantwortet, er könne ihm nur einen Rath schenken, nämlich den, sich einen Strick zu kaufen. a. Der Verfasser der lasciven „Luzinde" Schlegel war erst Protestant und später frömmelnder Katholik. W. H. Berthold Auerbach hat ein treffendes Wort zur Bezeichnung solcher Charaktere gesagt: „Die widerwärtigste Menschengattung ist der reservirte Philister, er lächelt zu allem, was gesagt wird und was geschieht, er weiß alles besser, was zu sagen ist und was zu geschehen hat, er compromittirt aber feine Stellung und seinen Verstand nie". Ernst. Dreyfus stammt aus einer reichen, angesehenen und gelehrten jüdischen Familie im Elsaß. Jsacher R. Wir bitten um Ihren Besuch. M. Kohorn, Franzensbad. Der Franzensbader Bericht ist uns von einem zur Cur weilenden Wiener, welcher die dortigen Verhältnisse sehr gut kennt, zugekonnnen. 91. B. Vorläufig hoffen diese Schandlügner, daß sie für Rennes in — Polna Genugthuung finden werden. M. W—g. Diese Ignoranten wissen eben nichts. Sonst würden sie wenigstens beherzigen, was Gutzkow von ihnen sagte: „Nicht Dein Nichtwissen gibt Dir den Schein der Ignoranz, sondern nur die Art, wie Du Dein Nichtwissen zu verdecken suchest. Schweige! Mancher wird doch vielleicht glauben, Du verständest die Sache, wovon gesprochen wird."? Die „Reichspost" hat sich bis auf die Knochen blamirt, als sie Heine den von den Frommen so verlästerten und gefürchteten Dichter als Nothhelfer gegen die schlechten Katholiken citirt. Das hat Heine um diese Leute denn doch nicht verdient. 9l. L. In der That ist diese Eigenschaft sehr selten bei Gelehrten zu finden. Aber das gilt nicht erst von heute. L e f s i n g meinte bereits: „Die Gabe, sich widersprechen zu lassen, ist wohl überhaupt eine Gabe, die unter den Gelehrten nur die Todten haben." M. B. Dr. Adolf I e l l i n c k veröffentlichte vor etwa vier Decennien eine kleine Abhandlung: „lieber die'Behandlung nichtjüdischer Dienstboten", in welcher er die von Milde erfüllten Lehren der alten jüdischen Rabbinen über diese Frage mittheilte. F. W. Das „Deutsche Volksblatt" hat zwar vor einiger Zeit gelogen, indem es behauptete, daß es den Major P i c qu art niemals einen Juden genant habe, aber jetzt nennt es ihn doch regelmäßig den „Juden Picquart." 9l. H. Sie sind da falsch berichtet. Als Baron Lionel von Rothschild am 4. August 1858 seinen — ihm lange streitig gemachten - Parlamentssitz einnahm, wurde er zum Tische des Hauses geleitet, sprach die gewöhnliche Eidesformel mit Ausnahme der Schlußworte und k ü ß t e s o d a n n die h e b r ä i s ch e B i b e l m i t b ed eckte m Haupte. Später erst wurde eine Commission ernannt, die eine stehende Regel für den Eid jüdischer .Parlamentsglieder festsetzte ssistorieus. Vor vierzig Jahren gab es schon in der französischen Armee über 150 jüdische Officiere, von denen etwa 40 das Kreuz der Ehrenlegion besaßen. Firma Adolf und B. Hofbauer. Wie uns diese seit 33 Jahren am Wiener Platze bestehende Band-, Spitzen-, Sammt- und Seidenwaaren-Jmportficma mittheilt, hat dieselbe in Wien weder ein Commissionslager noch eine Filiale, und sind daher alle Ablieferungen und Aufträge nur I., Tuch- _lauben 24—26 zu richten.__ Zum Neujahrsteste2 Der Gefertigte entbietet allen Freunden und Bekannten hiermit seine herzlichsten Wünsche und bittet, ihn von einer direckter Glückwünschung geneigtest zu dispensiren. Rabbiner Dr, Schmiedl Eia geprüfter Religionslehrer °- ertheilt unter bescheidenen Ansprüchen hebräischen Privatunterricht. Gefällige Anträge unter ,,Tüchtigen Pädagog“ an d, Administration d Blattes. Kaiser Franz Josef-JubÜänms-Stiftung zur Unterstützung israelitischer Waisen errichtet von einem ungenannt sein wollenden Wohlthäter. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde Wien ver" lautbart hiemit, dass aus den Zinsen der obgenannten Stiftung am 2. Deccmber 1899 14 Stiftplätze ä fl, 150 zur Verleihung gelangen werden. Ba werbungsberechtigt erscheinen arme Kinder (Knaben und Mädchen) israelitischer Confession, welche am 20. Angnst 1899 das 14. Lebensjahr noch nicht erreicht haben nnd nachzuweisen vermögen, dass ihr Vater in Wien verstorben ist, oder dass derselbe bis vor seinem Tode in Wien sein ordentliches Domizil hatte. Die Gesuche müssen mit folgenden Belegen versehen sein: 1. dem Geburtsscheine des Bewerbers, 2. dem Armuthszeugnisse, 3. dem Todtenscheine des Vaters (im Falle der Vater nicht in Wien verstorben ist, erscheint ein legaler Nachweis erforderlich, dass derselbe bis vor seinem Tode sein ordentliches Domicil in Wien hatte) und 4. den Schulausweisen, bezw. Zeugnissen. Bewerber, welche bereits am 2 Dosember 1898 dieses Stipendium erhielten, werden bei Fortdauer ihrer Würdigkeit und Competenzfählgkeit besonders berücksichtigt. Die gehörig belegten Gesuche sind bis zum 30. September 1899 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Cultusgemeinde Wien (I., Seitenstettengasse 4, I. Stock) zu überreichen, woselbst auch Gesncbsblanqnete unentgeltlich aasgefolgt werden. Auszüge aus den Geburts-, Trauungs- und Todtenmatriken der Wiener Cultusgemeinde sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich und genügt die genaue Angabe der betreffenden Daten, Gesuche, welche mit den angeführten Belegen nicht versehen sind, oder nach Ablauf des Einreichungst« rmines überreicht werden .finden keinerlei Berücksichtigung. Wien, den 20. August 1899. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde Wien. Herausgeber: Dr. Zosef S. Bloch. — Verantwortlicher Redacteur: Robert Wolf. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VUJ.

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