Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 35 (1.9.1899)
- Date
- 1899-09-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 35 Br« Bloar's Mochenschrrfi. Seite 6»3 Wer die Tabelle genau durchsieht, wird erkennen, daß die Zahl der Arbeiter jüdischer Confession, die besonders in Handel und Industrie, zahlreicher sind als bisher angenommen. Da die Statistik drei sociale Classen unterscheidet: Selbständige, Angestellte und Arbeiter, so entspricht diese Trennung ziemlich genau der socialen Gliederung. Freilich wird man von der Classe der Selbstständigen viele dem Mittelstände, und selbst nicht unerhebliche Brnchtheile, besonders aus dem Handwerk, dem Kleinhandel und Hausirgewerbe, den unteren Stünden zuzuzählen haben. Dagegen wird man die Classe der Angestellten im Allgemeinen dem Mittelstände, die Classe der Arbeiter dem unteren Stande zurechnen dürfen. Es ergibt sich so eine Ziffer für diese letzte Gruppe, die beträchtlich ist, und die, obwohl der Procentsatz immer noch etwas günstiger ist als bei den Bekennern anderer Religionen, doch deutliche beweist, daß das Gerede von dem Reichthum der Juden übertrieben ist. Die folgende Tabelle zeigt diese drei Classen in der erwerbsthätigen Bevölkerung von ganz Deutschland zusammengefaßt. A. L a n d w i rt h sch a ft B, Industrie C. H andel Z nsam m e n Selbstständige Angestellte j Arbeiter Selbstständige! Angestellte j Arbeiter Selbstständige i lAngestellte Arbeiter dS jäf"8eflclI*e Arbeiter Bevölke- | i | Nlllg.. 9,568.725 96.173 5 6 i7.794 2,061.764 263.745 5,955.711 843.557 | 261.907 1,233.047 5,474.046 621.825 12,816.552 Inden... 3.616 76 1.679 23.598 5.566 1 16.829 80.105 14.997 38.349 115.3191 20.639 56.857 Wir sehen hierbei in der Bevölkerung im Allgemeinen ständigen. Sehr interessant ist auch der Vergleich dieser die Arbeiter um mehr als das Doppelte die Zahl der Zahlen, wenn die männlichen von den weiblichen Erwerbs- Selbstständigen überwiegen, dagegen erreicht bei den Juden thätigen getrennt werden, wie in den folgenden beiden die Ziffer der Arbeiter nur die Hälfte der Ziffer der Selbst- Tabellen: Bevölkerung . Juden.. Bevölkerung . Juden.. M ä n u l i ch e s Geschlecht: 2.221.826 78.066 3.239.646 1,542.272 254.421! 4,963.409 640.942 249.920 868 042 4,405.039 582.407 9,071.097 1.197 73 893 18.802 5.029 1 11.799 72.269 14.314 27.745 92.268 19.460 40.437 W eiblich e s G e schlecht: 346.899 18.107 2,388.148 519.492 9,324 | 992.302 202.616 11.987 365.005 1,069.007 39.418 3,745.450 419 3 786 4.796 537! 5.030 7.836 683 10.604 12.051 1.223 16.425 Bei den weiblichen Erwerbsthätigeu ist die Differenz zwischen Inden und Nichtjuden nicht ganz so groß im Verhältniß der Selbstständigen zu den Arbeitern als bei dem männlichen Geschlecht, doch immerhin noch sehr bedeutend. Am besten zeigt dies übrigens die folgende Tabelle, die die Verhältnißzahlen enthält. — Von 100 Erwerbsthätigeu jedes Religionsbekenntnisses der Berufsabtheilungen A bis C entfallen auf die einzelnen Berufsgattnngen: A. Landwirth schuft B. I nd n st r i e C. Handel Z u s a m m e n Selbstständige Angestellte Arbeiter Selbstständige Angestellte Arbeiter Selbstständige Angestellte Arbeiter Selbstständige i | Angestellte | Arbeiter Evangelische 1237 0-64 27-58 11-73 1-62 32-78 4 60 1-63 7-05 28-70 3-89! 6741 Katholische 15'87 0-31 34-13 9-46 0-98 29-94 3-21 0-80 5'30 26-54 2-09 j 6973 Andere Christ. 15-88 0-39 20-50 15-12 2-31 33-99 5*67 1-93 4-30 36'67 4*63 l 58-70 Israelitische Andere 0-88 0-04 0-92 12-91 3-05 9-20 43-82 8-20 20-98 57-61 11-29 j 31-10 6'05 0-47 6-58 17-13 4-11 40'66 10-81 3-71 10-48 33-99 8-29 | 57-72 Zusammen 13-58 0-51 29-76 10-90 1-39 31-49 4-46 1-39 6-52 28-94 3*29 i 67-77 Dieselbe Tabelle nach Geschlechtern getheilt, gibt die beiden folgenden Tabellen: männliches Geschlecht Evangelische 14-37 0-66 21-75 11 59 2-07 36-03 4-61 2-06 6-86 30-57 4-79 64-64 Katholische 18-70 0-38 26-— 9-83 1-32 34-88 3*18 1-06 4 65 31-71 2-76 6553 Andere Christ. 17-48 0-39 16*59 14-94 2-74 36-01 5-68 2-30 3-87 38-10 5*43 56-47 Israeliten 0-79 0-05 0*59 12-36 8-30 7-75 47*51 9-41 18-24 60-66 12-76 26-58 Andere 6-29 0-47 4-95 16*75 4-42 41-51 11-26 4-03 10-32 34-30 8-92 56*78 Zusammen 15-80 0'55 2305 10-97 1-81 11-26 45 6 1-78 6-17 31-33 4-14 61*53 weibliches Geschlecht Evangelische 6-22 0.55 45*59 12-15 0-24 22-76 4*56 0-30 7-63 22-93 1-09 75*98 Katholische 8.55 0-13 55*16 8*53 0-10 17-17 3 28 0-14 6-94 20-36 0-37 79-27 Andere Christ. 8-93 0-40 37 55 15-90 0-38 24*72 5-62 0-34 6-16 30-45 1-12 68-43 Israeliten 1-36 0-01 2*56 15-63 1-75 16*39 25*53 2-22 35*55 42-52 3-98 53*50 Andere 4-10 0-46 19-82 20-27 1-59 33-71 7*06 1-14 11-85 31-43 3-19 65*38 Zusammen 7-15 0-37 49*20 10-70 0-19 20-45 4-17 0-25 7-52 22-02 0-81 77-17 Jüdischer Religionsunterricht. Der geprüfte Abraham, der mit der Fackel des Herrn Kraus die Umstände, unter denen jüdischer Religionsunterricht an den Mittelschulen ertheilt wird, so grell beleuchtete, veranlaßt mich, auch einige Bemerkungen über diesen Gegenstand fallen zu lassen. Es kommt mir dabei gar nicht in den Sinn, mit ihm darüber zu streiten, ob das Hebräische mit der Religion nichts zu thun habe, ich will ihm sogar zugeben, daß es „für den Mittelschüler nicht von Werth sei". Aber für den jüdischen Mittelschüler ist das Hebräische von Werth und allenfalls mehr werth als z. B. das Griechische. Der Unerfahrene, der geneigt wäre, den Auslassungen des Fackelmannes und seines Gewährsmannes unbedingten Glauben zu schenken, würde sich im Vorhinein einen falschen Begriff von den Anforderungen machen, die bezüglich der hebräischen Sprache thatsächlich gestellt werden. Sie sind fürwahr keine grammatischen Fallen. Und vollends scheint mir die Behauptung, daß das Verständniß für die Schönheit der hebräischen Poesie an Mittelschulen gefordert werde, aus der Luft gegriffen. Wie sollte das