Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 34 (25.8.1899)
- Date
- 1899-08-25
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 636 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 34 seiner Wiege lag. Der tief erschütterte Mann küßte, es heftig, dann legte er segnend seine Hände auf sein Haupt und sprach lautlos ein heißes Gebet. — Darauf wischte er sich die Thronen aus seinen Augen und sprach zu Michael, als wenn dieser ein erwachsener Mensch gewesen wäre: „Ich muß Dir danken für die schönen Worte, die Du am Grabe meiner edlen Gattin, Deiner würdigen Pflegemutter, gesprochen. Du hast eine große Mizwe ') ansgeübt. Ich bin boruch haschem -) eilt kräftiger, rüstiger Mann, ich zähle erst fünfunddreißig Jahre und kann, wenn's Gott beliebt, noch manches Jahr leben; aber seit den drei Tagen, seitdem meine Sarah von mir gegangen, hat mich neben meinem tiefen Schmerze noch der Gedanke gequält: ich könnte durch Gottes unerforschlichen Rathschluß meinem Kinde entrissen werden, bevor es versorgt, bevor es erwachsen ist. Ich habe, wie meine selige Frau keinen Bruder, keine Schwester, keinen Verwandten. Wenn ich vor der Zeit stürbe, stände meine Tochter ganz verlassen, ganz schutzlos im Leben! Aber als Du an meiner Gattin Grabe so schön gesprochen, nicht als wenn Du ein siebenjähriger Knabe, sondern als wenn Du ein erwachsener Mensch wärst, als ich erkannte, wie frühzeitig Dein Geist und Dein Gemüth entwickelt ist, da überkam mich inmitten meines heißen Schmerzes, ein Gefühl des Glückes, tiefer, alle Beängstigung verdrängender Beruhigung, unwillkürlich traten die Worte aus dem Nachtgebete: „Mimini Michael!"3) auf meine Lippen . . . Du wirst ja mit Gottes Hilfe wachsen und gedeihen, und wenn ich vor der Zeit sterben sollte, wird mein Kmd nicht verlassen sein .... nicht wahr, Du wirst über sie wachen, sie beschützen, sie lieben . . . Brak hielt einen Moment betroffen inne, eine starke Purpuröthe stieg in seinem Gesichte auf, „nicht wahr, Du wirst sie nie verlassen? ... . Versprich mir's Michael! . . . . Sieh' mein Sohn, ich spreche nicht zu Dir, als wenn Du ein kleiner Knabe, sondern als wenn Du ein gereifter Mann wärst. . . Wenn Du mir's versprichst, dann bin ich überzeugt. Du wirst Wort halten, dann kann ich ruhig leben, — wenn Gott über mich befiehlt, auch ruhig sterben." Michael blickte mit seinen großen, schwarzen Augen aufmerksam rn Brack's Gesicht. „Vater," sprach er, nachdem dieser geendet, „ich habe ja Niemanden auf der ganzen Welt als Dich und unser kleines Mädchen. Euch Beide lieb' ich, Vater, ich kann Dir's gar nicht sagen wie, ich hoffe der liebe Gott wird Dich noch recht lange leben lassen; aber . . . Michael's Kinderstimme begann zu schwanken, „solltest Du, was Gott verhüten möge .... wie unsere Mutter früher von uns scheiden, als wir es wünschen, will ich Deine Tochter beschützen, so weit ich vermag ... Ich bin selbst ein schwaches Kind, das ohne Deine väterliche Barmherzigkeit, die Du dem Fremden erweist, verhungern und verderben müßte; aber ich werde, so's Gott beliebt, größer und stärker werden und — ich will mein LVort einlösen!" und dabei schlug er, wie dies Erwachsene zu thun Pflegen, in seines Pflegevaters Hand, die er ehrerbietig an seine Lippen führte. (Fortsetzung folgt.) Notst. Bekanntmachung. Der Verein für Colonisation Palästinas „Ahawath Zion" in Tarnow (Galizien) hat, um die Verbreitung und den Absatz der Producte aus den jüdischen Colonien Palästinas auf das thatkräftigste zu fördern, mehrere tausend Stück „Ethrogim" von dort bezogen und setzt dieselben ohne jede Preiserhöhung, nur der heiligen Sache wegen, an andere Vereine und Privatpersonen ab. Jeder Jude, »der sich auf Sukoth einen Ethrog anschaffen will, hat die moralische Pflicht, mit Umgehung der Korfuer Ethrogim, die von unseren gehässigsten Feinden gezüchtet werden, nur solche sich anzuschaffen, die unsere Brüder mit eigenen Händen auf dem Boden unserer Väter erzeugen, und dies umsomehr, als die Qualität und äußere Schönheit der palästinensischen Ethrogim diesmal die der anderen weit überragen. — Die Ethrogim besitzen Pithumim. Die Preise sind: 1. allerbeste Qualität (Muwehor) per Stück . . fl. 4 2. erste Classe I.„3 ') Gutthat. 2) Gott Lob. s) Zu meiner Rechten Michael! 3. zweite Classe II.fl. 2 4. dritte Classe 1U.„1 Luluw und Hadasim.„ 40 fr. Bestellungen und Geldsendungen sind zu richten an den B.'rein „Ahawath Zion" in Tarnow (Galizien). G. 193: Der 27, Juli 1887 war Mittwoch am 6. Ab 5647. Der 27. Juli 1888 war Freitag 19. Ab 5648. Der 27. Juli 1889 war am Samstag 28. Tamus 5649. I. L. Der Verein zur „Untcrstiitzuug der Handwerke" Wien, I., Wipplingerstraße 26 wird Ihnen Verzeichnisse der jüdischen Handwerker gerne übersenden. M. G. Wir erinnern Sie an die herrlichen Worte, die Leopold Z u n z hierüber geschrieben: „Wenn es eine Stufenleiter von Leiden gibt, so hat Israel die höchste Staffel erstiegen; wemndie Dauer der Schmerzen und die Geduld, mit welcher sie ertragen werden, adeln, so nehmen es die Juden mit den Hochgeborenen aller Länder auf; wenn eine Literatur reich genannt wird, die wenige classische Trauerspiele besitzt, welcher Platz gebührt daun einer Tragödie, die anderthalb Jahrtausende währt, gedichtet und dargestellt von den Helden selber? " I. L—g. Auch in unseren Tagen gibt cs Leute vom Schlage Pfefferkorns, die um ihre Vergangenheit vergessen zu machen, mit Gehässigkeit und Verlogenheit über die Juden sprechen und schreiben. W. G. Die geniale deutsche Dichterin Droste v. Hülshoff hat eine ergreifende Novelle geschrieben, die im jüdischen Leben wurzelt. i. Wir haben schon wiederholt bemerkt, daß eigentlich der Bestand des Paragraph 302 jenen des „Deutschen Volksblattes" ausschließt. Das Blatt lebt nur von der Verhöhnung dieses Gesetzes. S. W.—g. Die Antisemiten versuchen allerdings immer wieder mit verlogener Dreistigkeit Goethe als Judenfeind hinzustellen. Aber es genügt daran zu erinnern, mit welcher Begeisterung Goethe von Spinoza spricht, um dies zu widerlegen. A. W. Schon Helvetius sagte: „Der Grad der Geistesgröße, den Jemand haben muß, wenn er uns gefallen soll, ist ein genauer Maßstab unserer eigenen Geistesgröße." Dr. D. H. Wir glauben, die „Neichspost" geriethe in arge Verlegenheit, wenn einer ihrer frommen, christlichen Leser sie fragen würde, wie sie es mit ihrer angeblich christlichen Gesinnung vereinbar findet über „Neu-Jerusalem" höhnische Witze zu machen. n. n. Ihre Bemerkungen sind ganz richtg, aber schon lange vor Ihnen sagte es Schopenhauer: Ein Haupthinderniß der Fortschritte des Menschengeschlechtes ist, daß die Leute nicht auf die hören, die am gescheidtesten, sondern auf die, welche am lautesten reden." i. Ihre Vermuthung, daß V e r g a n i die Telegramme und Nachrichten liberaler Blätter nicht minder als — O b l i g a t i o n e n schätzt, dürfte in gewissem Sinne richtig sein. a. b. Warum sollen die Christlich-Socialen dem Spötter Heine die jüdische Abstammung verzeihen, wenn sie diese Nachsicht selbst einem Fürsterzbischof gegenüber nicht üben? A. H. Die alten Juden hatten keine besonderen Thierschutzvereine, da die Vorschriften ihrer Religion die Schonung der Thiere zur Pflicht machte. Der Talmud befiehlt z. B. ausdrücklich, daß der Mensch die Nahrung seines Viehes früher bestelle als die eigene. Dr. I. H. Im Jahre 1862 stellte die Akademie in St. Petersburg die Preisfrage; „Welchen Einfluß hat die arabische Philosophie auf die Theosophie und Theologie des Maimonides?" Den Preis erhielt ein polnischer Jude Namens S u r l a n d.?? Da gilt das Wort De la Rochefoucauld's: „Man wird nie leichter betrogen, als wenn man darauf sinnt, Andere zu betrügen." B ... k. Zum israelitischen Neujahrsfeste dominiren Ansichts- (Post-)Karten als Wunschkarten (a u ch m i t jüdischem Text e). Große Auswahl dürften Sie bei der Papier- und Postkarten-Versandtfirma Marcus S i l b e r st e i n, Wien, I., Etzlinggasse 8, finden. Ein Cabinet für 2 Kinder aus gutem Hause, eventuell mit Verpflegung, in der N£he von Volks-, Bürger- und Realschule, zu vermiethen. Wien, II., Circusgasse Nr. 32, Thür 7. 337 Bei der israelitischen Cultusgemeinde Mährisch-Aussee gelangt die Stelle eines Cantors und Religionslehrers mit dem Sitze in Mährisch-Schönberg zur ehesten Besetzung. Mit dieser Stelle ist ein Jahresgehalt von 750 fl. und dem üblichen Nebeneinkommen verbunden. Offerten mit Kopien der Studien- und Verwendungszeugnisse nebst Curriculum vitae sind an den gefertigten Vorsteher nach Mährisch-Schönberg zu richten. 335 Jacob Stern. Herausgeber: Dr. Josef S. Bloch. — Verantwottlicher Redact eur: Robert Wolf. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VIII.