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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-08-18 · 33 (18.8.1899) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
33 (18.8.1899)
Date
1899-08-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 33 Dr. Bloch’s Jahrgang ITC. Centralorgan für die gefammten Interessen des Iudenthums. »■■=. - - K. ft. Postsxsrcsffen-Amr Clearingverkehr j Nr. 810.976. | Nedaclion und Ndministrstion: IBittt II., Ankrrr Virnarkerr^r. la. Telephon-Nr. 14.847 Wien, 16. August 1899., - ■ ■■ ■ -«£*» ‘M' - § r s ch e i n t jeden Freitag. -«£»• «V »gj» - Brief-Adresse; Wien» II., Untere Angartenstraße 1 a. Telegramm-Adresse; Bloch's Wochenschrift, Wien. - ~ -■ « Bejugspreia für Srstrrrrich- Halvjährig 4 fl. — 8 Kr. Einzelexemplare 25 kr. Tür'« Ausland: halbjährig 5 fl. 10 Kr. ganzjährig 10 „ 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 12 kr. %-^ Inhalt. Leitartikel: Das Mordattentat ans Labori und seine Vorläufer. — Zur Lage. — Deutschland und Dreyfns. - Jndentaufen bei ,.Fackel"beleuchtnng. — VomJahrmarktdesLebens: Glossen zur Tages geschieht-. Antisemitismus und Anarchismus. - Ludwig Anzengruber. Deutschnationale Schriftleiter in Oesterreich. — Correspondenzen: Wien, Vöslau, Budapest, Franzensbad, Breslau, Berlin, Paris, Bukarest, Amsterdam, Manchester, London, New-Iork. — Vermischtes: Wien, Mödling, Bösing, Znaim, Rothkosteletz, Drohobycz, Stanislau, Csakathurn, Temesvar, Serajewo. — Feuilleton: Michael. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Das Mordatkentat auf Labori und feine Vorläufer. Ein späterer Volkspsychologe wird das Räthsel zu lösen haben, wie es kam, daß die deutschen Antisemiten mit glühender Begeisterung Partei ergreifen für die französische Patriotenliga und für die Rocheforts, die nur Ein Ziel ihrer Politik haben oder wenigstens verkünden: den blutigen Rachekrieg gegen das deutsche Volk, die Zertrümmerung und Zerstückelung Deutschlands. Wie auf ein Evangelium schwören die deutsche Antisemitenorgane auf die Aussagen Mercier's, sind entrüstet über Jeden, der ein abfälliges Wort über den albernen Lügner zu sagen wagt. Aber das einzige Neue, das Mercier in seiner entsetzlich breit-n Wiederholung alten Gewäsches vorbrachte, war die tolle Beschuldigung gegen den Deutschen Kaiser, daß er mit „jüdischen Spionen" in vertrautem, persönlichem Verkehre stehe! So wird sogar versucht, das Mordattentat auf Labori als ein „anarchistisches Geschehniß" zu entschuldigen, über „welches die Juden sich umso weniger beschweren dürfen, als sie seit je die Helfershelfer der Anarchisten aller Länder sind." Nun.ist das eine dreiste Lüge, die der Abgeordnete Dr. Bloch in seinen Parlamentsreden drastisch zeichnete. Gerade jetzt zeigt sich, daß die Mordwaffe im Dienste der Politik etwas Charakteristisches ist für die antisemitische Partei, welche überall mit Anarchisten intime Brüderlichkeit pflegte. Der Marquis de Mores, ein Führer der französischen Antisemiten, wurde im Jahre 1891 mit 3 Monaten Gefängniß wegen anarchistischer Wühlereien, und im Jahre 1894 wegen anarchistischer Umtriebe mit 9 Monaten Gefängniß bestraft. Als man bei einem anarchistischen Blatte Haussuchung hielt, fand man dort 100 eisenbeschlagene Knüppel. Wie die Untersuchung ergab, hatte der Herr Marquis die Knüppel, sowie die Druckkosten der Zeitung bezahlt. Rochefort, der wüthende Antisemit, nennt die Petroleuse Louise Michel ehrfurchtsvoll notre citoyenne. Als der Anarchist August Vaillant eine Höllenmaschine in die französische Kammer warf, schrieb Ed. D r um o n t („Libre Parole", 10. Dec. 1893): „Wäre die anarchistische Bombe auf die Ministerbank gefallen, so würde sie blos Verbrecher getroffen haben, die zu beklagen Niemanden eingefallen wäre." Als im Jahre 1895 ein neues Attentat auf Rothschild stattfand, ergab die Verhandlung merkwürdige Einzelheiten. Leon Bauteil he hatte am 5. September 1895 im Gebäude des Bankhauses Rothschild ein Attentat versucht. Bouteilhe verantwortete sich dahin, daß er weder Jemanden tödten, noch verletzen wollte; er habe blos gegen die staute stanque und die Organisation des Capitals protestiren wollen. Ein Fräulein Ayrault, bei welchem Läon Bouteilhe in Asnieres gewohnt hatte, sagte, als Zeugin vorgerufen, von dem Attentäter aus: „Er haßte die Reichen und ganz besonders d i e I u d e n, er trug eine große Bewunderung für Eduard Drum o n t zur Schau und empfahl mir die Lectüre der Schrift „La France juive.“ Wir discutirten oft über diesen Gegenstand." Er erhielt drei Jahre Gefängniß. Ein paar Wochen vorher war auch ein Attentat auf Baron Alphons Rothschild verübt worden, dem sein Secretär zum Opfer gefallen war. Damals schrieb das Pariser Antisemitcnblatt „Libre Parole" : „Es wäre der Gipfel der üblen Chance, wenn er sein einziges Ange durch knallsaures Quecksilber verloren hätte. Wenn man so viel Minen dieses wunderbaren Metalls besitzt, so hat man das Recht, ein ganz anderes Los zu erwarten." Cynischer konnte ein ausgesprochenes Anarchistenblatt auch nicht schreiben! Der antisemitische Abgeordnete Schneider hat mit Anarchisten politisch gearbeitet. Nach der Broschüre seines antisemitischen Gesinnungsgenossen Hallomay stand er mit dem Anarchisten Peukert und anderen Anarchisten in enger Fühlung. Im October 1891 verlas im Abgeordnetenhause der Abgeordnete Bloch folgende Stellen aus Briefen Schneider's: „Ich habe ein Hoch auf die radicale Arbeiterpartei ansgebracht, in welches die Anwesenden begeistert einstimmten. „Bitte, bringen Sie nur recht viele r o t h e Freunde mit, die Wahrheitler sind für die Katz'!" „Ich sage Ihnen, es ist unmöglich, etwas zu machen, wenn die Inden nicht mitthun. Dazu gehört eine enorme Action der Betheiligten. Zum Socialismns sind Ihre Leute und speciell Ihre Leser heute noch nicht reif; Verfälschungen suche ich." „Eine Action ist nur möglich, wenn man eine große Agitation gegen Rothschild und seine Helfershelfer einleitet. Den Pack schlägt man und den Esel meint man." Noch interessanter sind die Beziehungen O b e r w i n d e r's und der christlich-socialen Feudalclericalen Oesterreichs zum Anarchismus. Schon von der Zeit der Gracchen

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