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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-08-04 · 31 (4.8.1899) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
31 (4.8.1899)
Date
1899-08-04
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 580 Dr. Bloch's Wochrnschrrfi» Nr. ai eine kurze Glücksidylle blühte, die nur zu schnell sein eigenes Siechthum und der Tod seines herrlichen Knaben beendete. Dieses Hiobsleben war ein üppiges Blühen von Gedichten. Aus den Leiden der Seele erwuchsen reizvolle Lieder, wie aus den Ackerfurchen gesegnete Aehren sprießen. Aber nicht Klagen und Stöhnen war das Dichten dieses Poeten, der sein Leben in Poesie auslöste, well er in der Poesie sein Leben fand, ein anderes, höheres und besseres Leben, ein Jenseits schon im Diesseits, nicht Seufzer und Vorwürfe, sondern Sonnenschimmer, Verklärung, innere Erhebung, eine Art dichterischer Himmelfahrt. Wenn sich also die vorliegenden Gedichte auch fast durchwegs als Erlebtes geben, so sind sie doch von Duft und Glanz überbreitet, ja, es fehlt sogar das Faltergetändel des Humors und das Wespengesumme des Witzes nicht in diesem erlesenen poetischen Garten. Sechs Gruppen, betitelt: „Natur und Leben", „Bilder und Gestalten", „Betrachtung", „Liebe", Vagantenlieder" und „Zeitgedichte und Sprüche", spiegeln den so jung gefällten Dichtergeist in seiner ganzen reichen Mannigfaltigkeit. Glücklich eingefangene Naturstimmungen, kraftvoll geformte Lebensbilder, plastisch verkörperte Lebenserscheinungen, fröhliche Jubelklänge, fein gemünzte Epigramme wechseln miteinander und geben jedem Geschmack erquickende Früchte. Das schöne und gute Buch eines Todt-Lebendigen, das eine Auferstehung bedeutet, verdient die wärmste Beachtung aller Freunde der Dichtung. — Wir constatiren mll Genugthuung, daß diese Gedichte auch die Achtung und Beachtung finden, die sie verdienen. Die berufensten kritischen Geister sind voll der wärmsten Anerkennung, und in der „Neuen Freien Presse" (18. Juli) hat kein Geringerer als Marie Eugenie Delle Grazie, vielleicht die genialste und machtvollste lyrische Dichterin unserer Zeit, den Gedichten von S. A. Weiß eine überaus umfangreiche Würdigung zutheil werden lassen, die sich selbst wie ein Gedicht liest, eine herrliche Hymne auf das leiden- und liederreiche Leben eines begnadeten Jch-Verkünders, einer geweihten Poetennatur. So viele Saiten voll Wohlklangs auch die Leier dieses Lyrikers erklingen läßt, so reich und mannigfaltig sich seine Individualität auch den Verständigen enthüllt, die ihm näher treten, am wohlsten und am heimischesten hat sich S. A. Weiß bei aller Universalität seines Geistes und bei aller Fülle seiner Interessen doch in der Religon seiner Väter gefühlt, die er mit dem Herzen erfaßt hatte. Das bezeugen die auf dem ewig grünen Baume des Judenthum gereiften goldenen Früchte: „Der Tod Abels", „Satan", das Geist und Gemüth verklärende, sittigende und läuternde Poöm „Hillel" und die meisterhafte Nachdichtung des wunderbaren Psalmes: „An den Wassern Babels" in so glänzender Weise, daß jeder gute Jude, der sie genießt, auf den Glaubensgenossen, der sie gesungen, stolz sein muß. — h—n. Briefkasten. I. W. (Studiosus). Im Talmud finden sich viele äsopische Fabeln. I. H. Das Pointe des aus der Feder Jbn Esras stammenden Epigramms über einen Pechvogel ist in deni arabischen Sprichworte enthalten: „Wenn ich mit Todtenkleidcrn handeln würde, dann stürbe keiner mehr." W. G—g. Sie irren, selbst Goethe, „der große Heide", hatte das vollste Verstandniß für dieses Gefühl. Er sagt: „Neben Denen dereinst zu ruhen, die man liebt, ist die angenehmste Vorstellung, welche der Mensch haben kann, wenn er einmal über das Leben hinausdenkt. Zu den Seinigen versammelt werden, ist ein so herzlicher Ausdruck." K. H. Kaiser Ferdinand verlieh dem Juden Bas-Schewi den erblichen Adel mit dem Prädicat „von Breuenberg". i. Dr. Lueger denkt wohl: Die Juden sind doch bessere Menschen. So ganz sicher, daß er gar nicht einmal an einen Polizeimann zu denken braucht, fühlt er sich nur in dem, nach Behauptung der Antisemiten, ganz und gar verjudeten Baden. So dichtet das Leben die schönsten Satiren. rn. Die gehässigen Mittheilungen des Vergani-Blattes über die kürzlich in Paris verstorbene Baronin Rothschild tragen fingerdick den Stempel der Lüge aufgedrückt. Das Blatt gönnt sich da das Vergnügen der tollsten Verlogenheit, weil es denkt, Niemand werde eine Berichtigung fordern. I: W—g. Ein deutscher Humorist sagte einmal: „Es gibt auch eine komische Reue, die sich wohl peitschen möchte, wenn es nicht weh thäte." Justus. Ja wohl, wenn man sieht, daß derlei nicht nur geschrieben, sondern auch geglaubt wird, dann begreift man, daß Voltaire sagen konnte: „Ich fürchte sehr, daß unsere kleine Erdkugel für das Narrenhaus der Welt gehalten werde." Herausgeber: Dr. Josef S. Bloch. — Verantwortlicher Redae Nemo. Vergäni, der sich auf eigene Faust als Untersuchungsrichter in der P o l n a e r Affaire aufspielt, hat sich wohl an dem verblödeten Quesnay de B e a u r e p a i r e ein Beispiel genommen, der in der Dreyfus-Affaire eine Separat-Untersuchung führt. I. M. Der kürzlich verstorbene Waizner Bischof S ch u st e r hat wiederholt Beweise seines humanen, vorurtheillosen Denkens gegenüber den Juden gegeben. a. Wenn ein Bauer die Pferde des Fürsterzbischofs Kohn nicht in seinem Stalle duldet, weil es die Pferde eines Juden sind, so darf er auch nicht Christus anbeten. Arthur W. Ueber die Henriette Herz haben viele ihrer berühmten christlichen Zeitgenossen enthusiastische Ansichten geäußert. Jean Paul sagt in einem Briefe, in welchem er über seinen Verkehr in'Berlin sich äußert: „Der berühmte Herz und dessen große gelehrte Frau". Gegründet 1826 r-s- “UPD Selchwaren und Salami-Fabrik "itPD von Mathias Grosz vormals Wolf Bohm Sohn Fabrik: Rurlnnpct Hauptniederlage: VI., Revaygasse 12. Duuapesi VL, KSnigsgasse 6. Empfiehlt Ungarische Salami, Krakauer, Veroneser, Selchfleisch, Zungen, leineDebrecziner-, Zipser-, Raaber-, Klobasz- Wurste, von bestem ungarischen Mästfleisch zubereitet. Preiscourante gratis und franco. 316 Eine Erzieherin 320 zu 4 Kindern im Alter von 7—11 Jahren (3 Knaben u. 1 Mädchen), welche alle die Schule besuchen, wird ausgenommen. Verlangt wird körperliche und geistige Pflege der Kinder. Gehalt 15—20 fl. monatlich, nebst vollständiger Pension. Gefällige Offerte beliebe man zu richten an Herrn Jacob Hornung, Poln.-Ostrau, Schlesien. Fe au Rosalie Weinstein, II., Herminengasse 18, nimmt einen Studenten aus achtbarem Hause in ganze Verpflegung. Auskunft bei Herrn 8. Weinstein, Leopoldsgasse 6—8 G. von 4—5 Uhr Nachmittag. Ein guter Schacharis-Baal-Tefile mit zeitgemässer Vortragsweise w’rd beim Minjanvereine in Gross-Enzersdorf für die kommenden hohen Feiertage acceptirt. Probevortrag bedingt, zu welchem nur die Berutenen zugelassen werden. Offerte sind an den gefertigten Vereinsobmann zu senden. Gross-Enzerdorf, am 1. August 1899. 321 Josef Winkler, Obmann. Wir acceptiren für unsere beiden Bethäuser 4 tüchtige nfrsn 'Sys wid »nd rrtwb Gutempfohlene Bewerber wollen sich behufs Probevortrag melden. Der Vorstand des Leopoldstädter Kranken-Unterstützungs-Vereines „Nächstenliebe“ sis II. Bezirk, Fugbachgasse 7. Conrurs. Behufs Besetzung des Postens eines Leiters der israelitischen Volksschule für Knaben in Lemberg wird hiemit der Concurs ausgeschrieben. Mit diesem Posten ist ein Gehalt von 900 fl., ein Wohnungsrelutum im Betrage von 300 fl. und eine Directionszulage im Betrage von 100 fl., sowie auch das Recht zu 5 Quinquennalzulagen ä 45 fl. ö. W. jährlich verbunden. Die Kompetenten haben sich mit der gesetzlich vorgeschriebenen Qualification eines Dolksfchullehrers auszuweisen. Candidaten, welche eine höhere Qualification besitzen, haben binnen Jahresfrist die bezügliche Dispens des hohen k. k. Unterrichts-Ministeriums vorzulegen oder aber die erlangte Qualification zum Volksschullehrer nachzuweisen. Die entsprechend belegten Gesuche sind in der -Kanzlei des israelitischen Cultusgemeindevorstandes in Lemberg (Fleischhackergasse '5) spätestens bis zum 15. September 1899 zu überreichen. Lemberg, den 18. Juli 1899. 317 Vorstand der israel. Cultusgemeinde. ur r Robert Wolf. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VID.

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