Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 30 (28.7.1899)
- Date
- 1899-07-28
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 564 Dr. Bloch's Wortzenschrrfl» Nr. 80 Fünftes KaPitel. Dominik Golzinger, der neue Bürgermeister von W., saß in seinem Cabinete. Er war ein mittelgroßer, aber breitschultriger Mann von etwa vierzig Jahren. Er trug eine gepuderte Allongen- Perrücke mit Zopf und Haarbeutel. Sein Gesicht machte einen unangenehmen Eindruck. Seine wassergrünen Augen waren übermäßig groß, und erschienen noch um so größer, als ihm die Natur keine Augenbrauen verliehen hatte. Seine Nase war dick, die Lippen wulstig und aufgeworfen, so daß sie nicht vollkommen schloffen und stets zwei Reihen kräftiger aber.gelber Wolfszähne durchschimmerten. Das Kinn zeigte einen Ansatz zur Verdopplung. — Er hatte ein Actenbündel vor sich auf dem Tische liegen, aber er schien sich mit diesem nicht zu beschäftigen, er schien über etwas nachzudenken und nahm von Zeit zu Zeit — vielleicht ohne es zu wissen — aus der vor ihm stehenden Tabaksdose eine Pris*. „Hm," meinte er in seinem Selbstgespräche, „diese ganze Bürgermeisterstelle ist eigentlich eine recht lumpige .... das Gehalt ist ein sehr mäßiges, ich muß trachten, mir ein anständiges Nebeneinkommen zu verschaffen. Ich habe mich schon während der kurzen Zeit meiner hiesigen Amtswirksamkeit vorsorglich umgesehen .... Es wird sich da leider nicht viel machen lassen.... mein liebwerthester Vorgänger Florian Lardamus, hat die ursprünglich fette Weide, schon bis auf's kleinste Hälmchen abgegrast. Er hat alle Grundstücke der Stadt au die angrenzenden Herrschaftsbesitzer, reiche Cavaliere, verkauft. Es muß dabei .ein sehr schönes Douceur für ihn abgesallen sein, denn er hat sie spottbillig hingegeben .... dann hat er einen Thurm auf das Rathhaus, und für jenen eine Glocke gießen lassen. Nach den Rechnungen sollte man meinen, jener wäre ein zweiter Stephansthurm und die Glocke ein Wunderwerk, aber der Thurm ist ein rechter Zwerg und die Glocke ist nicht viel größer als meine Tischglocke .... Wenn der wackere Archonte nur etwas Geld dabei verdienen konnte, hatte er ganz gleichmäßig für die braven Armen, wie für die gottlosen Hallunken gesorgt. Er hat ein kleines Häuschen für würdige herabgekommene Bürger und ein Gefängniß für Lumpen und Vagabunden gebaut. Wenn man die Baurechnung des ersteren sieht, glaubt man der fürtreffliche Herr Bürgermeister hätte einen Prachtbau geschaffen; — aber es ist dies ein dumpfiges, stinkendes Kellerloch; kein vernünftiges Wesen will von der Wohlthat unentgeltlich dort zu wohnen, Gebrauch machen, der Einzige, der dort vegetirt, ist der blödsinnige Tischlerhans .... Bei der Besichtigung dieses „der unverschuldeten Armuth gewidmeten Hauses" — so lautet die Inschrift über der Thür, ist mir die dumpfige Kellerluft auf die Brust geschlagen, daß mir fast der Athen: verging und ich in Gott froh war, aus dem herrlichen Asyl herauskriechen zu können . und das Gefängniß! . . . Wenn's eine menschliche Gerechtigkeit gäbe, so hätte mein wackerer Vorgänger der Erste sein sollen, der das Innere desselben, wegen Gemeindediebstahls und Gaunerei durch seine Anwesenheit verschönern sollte; Sackerament hinein, der gewiffenlose Mensch hat Alles, was zu bauen und zu verkaufen war, schon — für sich — bestens verkauft und gebaut! Der elende Schuft! (Fortsetzung folgt.) Arthur W. Rachel. Die berühmte Schauspielerin starb als Jüdin und wurde auf dem jüdischen Friedhofe in Paris begraben. Jgnotns. Sie haben Recht, der Historiker Ph. I a f f e, der sich namentlich durch die Herausgabe der ersten römischen Päpste einen großen Namen gemacht, war ein Jude. I. B—r. Laßen Sie gut se n. Vergani weiß schon was er in der Polnaer-Affaire thnt. Er weiß vielleicht nicht, wer Pope war, aber er handelt nach seinem Worte: „Wer eine Lüge sagt, hat damit eine große Aufgabe unternommen; um diese eine Lüge aufrecht zu erhalten, wird er gezwungen sein, zwanzig dazu zu erfinde n." Dr. W. S— n. Das „Vaterland" hat eben eine merkwürdige Zweiseelen-Theorie. * Wenn das Blatt sechs Tage in der Woche vom Antisemitismus nichts wissen wollte, macht es am siebenten Tage eine Reverenz vor ihm. W. w. Die Antisemiten verschweigen mit Bedacht die viele n christlichen Arbeiterführer und nennen stets nur die paar Juden unter ihnen. Das Manöver ist ebenso plump als durchsichtig. I. L. Die Juden müßen sich eben die läppischesten Vorwürfe gefallen lassen, mitunter auch von geistreichen Leuten. Hat doch ein berühmter englischer Schriftsteller ihren Glauben an einen Gott mit Mangel — an Phantasie erklärt. W. L—g. Was wollen Sie. Jnnius sagte es schon; »Ehrlichkeit und Dummheit haben so lange für gleichbedeutend gegolten, daß der Gegensatz in Mißcredit gekommen ist und jeder Schurke sich e i n b i l d e t, ein Mann von G e i st zu s e r n." t. Alexander Weil, der kürzlich verstorbene Freund Heinrich H e i n e's, hat das Wort einer fran;ösischen Gräfin mitgetheilt, die einst zu ihm sagte: „Wenn ich das Glück hätte die Tochter Meyerbeer's zu sein, nicht für ein Königreich würde ich eine andere Religion als die meines Vaters haben und kein Adel würde, in meinen Augen, dem meinen gleich sein." Wahrlich, so manche Jüdin sollte sich das gesagt sein lassen. I. N—g. Es ist wirklich rührend, daß das „Deutsche Volksblatt" so sehr von seiner eigenen Verlogenheit durchdrungen ist, daß es jüngst in einer Polemik ausrief: „Gerade in diesem Falle könnte man uns keinen Mangel an Objektivität vorwerfen." Dieses „gerade" war geradezu köstlich. A. Wir wissen wie vielen Parteien Lueger bereits angehörte, wir wissen aber nicht, welchen er noch angehören w i r d. Zur gefälligen Beachtung. Wir ersuchen diejenigen unserer Abonnenten, welche nortz mit der Abonnemenksgebühr im Rückstände find, die zur Einhebung derselben von uns versendeten VostanfteLge gefälligst honorirrn ru wollen. Die Administration. An Verehrte ijr. Cultusvorständr! Ein jüdischer Lehrer, der auch Dorbeter und Koreh ist, sucht bei einer isr. Gemeinde irgend welchen Posten gegen mäßiges Gehalt. Derselbe ist auch bereit, den Posten eines Tempeldieners, ja selbst Friedhofdieners anzunehmen. G Gest. Offerte an S. S. 33, poste restante Andrychau (Galizien). Briefkasten. Nud. P. Wien. Die gewünschten Bücher erhalten Sie alle in der Buchhandlung Nud. Löwit I., Rothenthurmstraße 22. Isr. Bibliothek in Liptö-St.-Miklös. Ein. R. Hillel war niemals Rabbiner in Sadagora. B. G. Mit Vergnügen bringen wir Ihr Eitat, wonach Cato einst sagte: „Wer einen Bürger bestiehlt, beschließt sein Leben in Ketten und Banden; in Gold und Purpur aber, wer die Gemeinde b e st i e h l t." Ihre Nutzanwendung jedoch auszudrücken, die gewisse lebende Personen trifft, müffen wir uns leider versagen. N. Wenn Pater Abel in rührender Bescheidenheit sagt, Gott brauche ihn nicht, denn er habe ja einst selbst durch den Mund des Esels Bileams gesprochen, so können wir dem nur beistimmen. Nemo. Sehr viele der von Vergani vermißten Mädchen sind später gefunden worden, aber die in Mühldorf verschwundenen Obligationen sind verschwunden geblieben. L. W—g. Die Brüder Humboldt hörten in Gemeinschaft mit den Söhnen Moses Mendelssohn's, die Vorträge des jüdischen Philosophen, „Morgenstunden" die er in seinem Hause hielt. R. u. C. Altschul 299 Pensionat für junge Mädchen, Teplitz-Schönau. Fortbildungs- und Haushaltungsunterricht. Sprachen, Musik. Aufnahme auch von schulpflichtigen Kindern und von jungen Mädchen, die die Teplitzer Cur gebrauchen. (Garten, Turnplatz.) Gegründet 1826 Selchwaren und Salami-Fabrik von Mathias Grosz _ vormals Wolf Böhm Sohn Fabrik: RnHanne* Hauptniederlage: VI., Revaygasse 12. öuuapesi VI> Königsgasse 6. Empfielt -uyj Ungarischen Salami, Krakauer, Veroneser, Selchfleisch, Zungen, feine Debrecziner, Zipser Raaber, Kolbasz Würste, von besten ungarischen Mastfleisch zubereitet. Preiscourante gratis und franco. 316 Herausgeber: Dr. Josef S. «loch. — Verantwortlicher Redacteur: Robert Wolf. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VDI.