Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 26 (30.6.1899)
- Date
- 1899-06-30
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 496 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 25 c* W-a. Der Haß der Christlich-Socialen gegen den Fretberrn v D ip au-li rührt von dem Tage her, als sie er^nnten, daß zwischen seiner und ihrer Auffasiung über Industrie und Gewerbe em Abgrund gchne.^^ deutschnationalen Gemeinderäthe haben officiell erklärt, daß sie mit dem Dr. Lueger keinen privaten Verkehr pflegen wollen. , , , _. . stleino. Schon Montesquieu hat es gesagt: „Die grauiamfle Tyrannei ist die, welche man unter dem Schutze der Gesetze und unter der Fahne der Gerechtigkeit ausübt. a N—n. Solchen Erscheinungen .gegenüber crmnert man sich an Schopenhauer's Meinung: „Das Unternehmen, die Charakterfehler eines Menschen durch Reden und Moralisiren aufheben und so seinen Charakter selbst umschaffen zu wollen, ist ganz gleich dem Vorhaben, Blei durch äußere Einwirkung in Gold zu verwandeln oder eine Eiche durch sorqfältige Pflege dahin zu bringen, daß sie Aprikosen trage. i. Cardinal Schönborn scheiterte mit seiner gegen die Christlich-Socialen geplanten Mission in Rom, wo der Staats-Secretär R a m p o l l a es sogar durchsetzte, daß er abreisen mußte, ohne den Papst öfter als einmal gesprochen zu haben. Justus. Die französischen Antisemiten handeln ganz consequent. Warum sollen sie der Gattin des armen Capitäns D r e y f u s gegenüber milder Vorgehen, als gegen ihn selbst. Sie hat ja auch nicht weniger als er verschuldet« W. N. Das Märchen von von den drei Ringen, das Lessing im Nathan der Weise" so herrlich anwendet, wurde Jahrhunderte stüher von Boccaccio erzählt. Die älteste Quelle dieser Erzählung ist jedoch in dem hebräischen Geschichtswerke „Schewet Jehnda" von R. Salomo aben Berga zu finden. . D. Die Ausfuhrungen des hochomciosen „Fremdenblatt" über die Wahlreform trafen die Lueger-Sippe wie Peitschenhiebe. Die Regierung scheint denn doch nicht so heiß essen zu wollen, wie die Antisemiten kochen. 4l. W. Herr P l e b a n that, was zahllose Leute, Antisemiten und auch Nichtantisemiten, thun. Er beanspruchte aber niemals, gleich dem S p i t t e l b e r g - P u r s ch t, ein Führer der Liberalen Zu sein. S. N—nn. Was Herr von H a m m e r st e i n, der entlassene Zuchthäusler anfangen wird? Die „Kreuzzeitung" wird er wohl nicht mehr redigiren aber in Wien kann er noch immer es wagen, ein antisemitisches Blatt zu .gründen. Historicus. Wie die ethische Grundlage der Judenverfolgungen in alter'Zeit beschaffen war, das kann man aus einem kleinen Detail erkennen: Im Jahre 1620 verlangte die Regierung von den Wiener Kaufleuten 20.000 fl. und zum Danke dafür wollte man sie von den jüdischer! Concurrenten befreien, indem man — alle Juden aus Wien vertreiben wollte. Zu gleicher Zeit verhandelte man aber mit den Juden und verlangte von ihnen dieselbe Summe für die Zusage, daß sie bleiben dürfen. W. S—r. Im Jahre 1H55 war bereits em Jude, David S a l o m o n s. Lord-Mayor von London. Von diesem sagte, gelegentlich einer Debatte über die Emancipation der Juden, Lord L y n dh u r ft inr Oberhause: „In diesem Augenblicke befindet sich ein Gentlemen jüdischen Glaubens an der Spitze der Magistratur der City. Niemand kann mir in der Behauptung widersprechen, daß er in Thätigkeit, Fleiß, V erstand, Unparteilichkeit, Wohlwollen und glänzender Freigebigkeit niemals von irgend einer früheren ersten Magistratspers o n übertroffen wurde."? L. Zur Zeit, als Dr. Lueger der intime Freund von Juden war, hat auch Dr. G e ß m a n n mit demselben verkehrt, ad 2) Es war in der That der Dr. L u e g e r, der seine Freunde vor dem — Ernst Schneider warnte. Eingesendet Hochgeehrter Herr Redacteur! Auf Veranlassung und unter persönlicher Mitwirkung des Herrn Sigmund Kornfeld, Dircctor der Ungarischen Allgemeinen Creditbank in Budapest, wird demnächst vom Gefertigten eine Biographie nebst einer Auslese aus dem handschriftlich vorhandenen, literarischen Nachlaß des im Jahre 1881 in G.-Jenikau verstorbenen Gaon Rabbi Aron Kornfeld, unter dem Titel Perach-Mate Aharon erscheinen. Alle, welche im Besitze charakteristi.'cher Merkmale bezüglich der Lehrmethode, der Lebensführung des als talmudische Autorität hervorragenden — vielleicht richtiger — hervorragendsten Erscheinung seines Zeitalters sich befinden, werden hierdurch höflichst gebeten, solche dem Gefertigten gütigst zu übermitteln und ihn dadurch in seinem Unternehmen zu fördern. In der festen Ueberzeugung. daß alle Freunde rabbinischer Literatur dem Erscheinen dieses Werkes mit Spannung und mit Freude entgegensehen, zeichnet, Ihnen für die Veröffentlichung vorstehende Anzeige bestens dankend Dr. K. T h i e b e r g e r, Rabbiner G. Jenikau, am 23. Juni 1899. Ich fühle mich verpflichtet, den Herrn Moritz W o d a k, gewesenen Obercantor in Göding, derzeit Herausgeber des hebräisch-musikalischen Gesangswerkes „Hamuazeach" dafür bestens zu danken, daß derselbe meinen Sohn Oscar zur Confirmation in besonders eifriger und lobenswerther Weise vorbereitet hat, öffentlichen Dank abzustatten. Michael Reiter, H., Mathildenplatz 5. Ettel Spfdschmidfsche Stiftung für Techniker u-Lehramtscandidaten. Der Vorstand der hies. Israel. Cultusgemeinde bringt hiemit zur Kenntnisse dass die Zinsen aus der Ettel Goldschmidt’sohen Stiftung »n Betrage von je hundert Gulden an einen Techniker und an einen Lehra'nts-Candidaten israelitischer Confesäon für das Jahr 1899 zur Verleihung kommen. Die Bewerber haben die mit einem Keburts-, einem Mora- Irtäts-, einem Armuhzeugnisse und mit Studienzeugnissen (Techniker des I. Jahrganges auch Zeugnisse der Ober-Realschule oder des Gymna.iums) belegten Gesuche, im Einr.-Prot. der Israel. Cultus* gemeinde (I, Seitenstettf ngasse Nr. 4, I. Stock) einzureichen und zwar bis 31. Juli 1899 woselbst Gesuchsblanquete während der Amtsstunden (von 9—12 Uyr Vorm.) zu beheben sind Den Vorzug haben : a) Verwandte des Stifters Herrn Moriz Ritter * on Goldschmidt, oder seiner Gattin Frau Nanette, geborene Landauer; b) Techniker aus den ersten 3 Jahrgängen. In dem Gesuche ist anzugeben, ob der Bewerber in dtm Genüsse eines Stipendiums steht, eventuell in welchem Betarage. WIEN, am 15. Juli 1899. Danksagung Anläßlich des Hinscheidens unseres heißgeliebten Gatten und Vaters Ol,er-Cankors Josef Goldstern sind uns von Nah und Fern so viele Beweise liebevoller Theilnahme zugekommen, daß wir außer Stande sind, jedem Einzelnen zu danken. An dieser Stelle sei dem verehrlichem Cultusvorstande, Bethausvorstande und Beamtenkörper der Wiener israelitischen Gemeinde, den Tempelvorstehungen, Ober-Rabbinern, Rabbinern und Cantoren, dem Rectorate des israelitischen theologischen Institutes, den Vereinen, wie allen Jenen, die uns in unserem unermeßlichen Schmerze zur Seite gestanden, inniger Dank gesagt. Der Wiener Freiwilligen Rettungs-Gesellschaft, die dem Verklärten in letzter Stunde ihre aufopfernde Pflege und unvergleichliche Hilfe angedeihen ließ, unser tiefgefühlter unauslöschlicher Dank. Wien, im Juni 1899. Die tieftrauernden Hinterbliebenen. Ettel Goldschniidfsclies Stipendium für einen Techniker des Baufaches. Der Vorstand der Israel. Cultusgemeinde gibt bekannt dass der Zinsenbetrag obiger Stiftung per ö. W. fl. 400.—, Vierhundert Gulden ö W, für das Jahr 1899 an einen, der israelitischen Confejsion angehörigen Techniker des Baufaches, der seine Studien am k. k. Wiener polytechnischen Institute mi Auszeichnung absolvirt hat, zum Behufe seiner höheren technischen Ausbildung am einer vorzüglichen auswärtigen Fachanstalt oder zu einem Rdisestip Indium zur Verleihung kommt. Dieser Betrag wird im Auslande an jenem Orte ausbezahlt werden, wohin sich der Betheilte zu dem angedeuteten Zwecke begibt. Die gehörig belegten Gesuche sind bis 31. Juli 1899 im Ei lreiehungs-Protokolle der Israel. Cultusgemeinde, woselbst auch Ges’chsblanquete während der Amtsstunden von 9 bis 12 Uhr Vormittags unentgeltlich zu beheben sind, einzureichen. Nach dem Termine einlaufende oder nicht gehörig belegte Gesuche werden niiht berücksichtigt. WIEN, am 15 Juni 1899. Herausgeber: Dr. Josef S. Bloch. — Verantwortlicher Redacteur: Robert Wolf. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, vm.