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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-06-23 · 25 (23.6.1899) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
25 (23.6.1899)
Date
1899-06-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 462 Dr. Blocht Wochenschrrfk. Nr. 25 kraft, um wahrzunehmen, wie sich die Lage für sie zu gestalterr anfängt und so lange es noch, nach ihrer Meinung, nicht zu spät, wollen sie Vorbeugen und sich und ihrer Partei die Macht und die Krippe sichern. Hieraus und hieraus allein erklärt sich die Gemeinde-Wahlordnung, deren verlogene Wahlgeometrie die Majorität unbestreitbar der christlich-socialen Partei und für lange hinaus sichern soll; hieraus und hieraus allein erklärt sich das Gemeindestatiit, das fast hundert bezahlte Aemter und Aemtchen schafft, dem persönlichen Einfluß und somit der Corruption, der uncontrolirbareu Verfolgung egoistischer Zwecke Thür und Thor öffnet, die mühsam aufgebaute Tradition zerstört und statt in einen verantwortlichen Stadtrath in ganz unverantwortliche Sectionen, Commissionen, Veiräthe u. dgl. die Entscheidung über die wichtigsten persönlichen Fragen legt. Das war ebenso frech als schlau angelegt, dürfte aber vielleicht dennoch nicht gelingen. Nun wenn sich e ne Regierung fände, die so gewissenlos wäre, Wiens Interessen mit Füßen treten zu wollen, das Recht zu beugen und Willkür an die Stelle der moralischen Pflicht zu setzen, könnte ein solches Machwerk von einem Statut der Sanction vo gelegt werden. Die Regierung müßte sich zum Mitschuldigen der christlich - socialen Partei machen wollen, wenn sie diesen Entwurf Gesetz werden ließe. Und da wir von dem Ministerium Thun diese Meinung nicht haben, glauben nir auch nicht, daß dieses Cabinet zu einem solchen Schritte sich werde verleiten lassen. Nicht blos aus moralischen, sondern auch aus praktischen Gründen können wir nicht annehmen, daß eine Regierung sich zum Werkzeug dieser Partei machen und so weit herabsinken könne, dieses Statut gut zu heißen. Die praktischen Gründe sind aber darin gelegen, daß ein solches Cabinet das Vertrauen aller Parteien cinbüßen würde und daß all' der Unwille, der sich heute blos auf die christlich - srciale Partei zu entladen beginnt, dann gegen die Regierung sich wenden müßte, die dieser Partei Handlangerdienste zu leisten sich nicht schämt. In den großen Fragen, die jetzt das Reich beschäftigen, ist die christlich-sociale Partei kein ausschlaggebender Factor mehr. Der Mohr hat seine Schuldigkeit gethan, der Mohr kann gehen. I. W i e n e r. Emile Zola als Monsieur Pascal. (Fortsetzung.) Soeben kommt von Paris eine interessante Nachricht. Das freisinnige Blatt „Siöcle" hat eine mit Tausenden von Unterschriften bedeckte Petition um Ausweisung der Jesuiten an die Kammer gerichtet. Der bekannte Pater Hyaciuth Loisou schließt sich diesem Verlangen als Franzose, Katholik und Priester an. „Die Jesuiten", schließt sein offenes Schreiben, „sind in meinen Augen die gefährlichsten Feinde des Vaterlandes". Auch hieraus geht hervor, daß Zola und seine Freunde dem Gedankenkreise Pascal's, neben Voltaire, des furchtbarsten Jesuitenfeindes, nicht ganz ferne stehen. Kein Wunder! Pascal spricht, als ob er Zola's Erfahrungen gemacht hätte. Glaubt man nicht, geradezu eine Kritik der französischen Ministerien und ihrer zweideutigen Haltung zur DreyfusSache zu lesen, wenn man auf folgende Stelle in Pascal stößt: „Wisset also, daß es nicht ihr Ziel ist, die Sitten zu verderben, das ist nicht ihre Absicht. Aber sie haben auch nicht eine Besserung der Sitten zum einzigen Zlveck. Das wäre eine schlechte Politik. Durch ihre entgegenkommende Milde reichen sie Allen die Hand. Wenn Jemand zu ihnen kommt, der fest entschloffen ist, sein Unrecht gutzumachen, so steht nicht zu befürchten, daß sie ihn davon abhalten. Wenn aber ein Anderer zu ihnen kommt, der die Absolution haben will, ohne zu restituiren, so würde ihre Sache sehr schlimm stehen, wenn sie nicht Mittel dazu hätten, für welche sie natürlich die Verantwortlichkeit übernehmen. Auf diese Weise erhalten sie sich ihre Freunde und vertheidigen sich gegen ihre Feinde." Damals war in 36 Auflagen die Moralphilosophie des spanischen Jesuiten Wcobar erschienen, in welcher unter Anderem der folgende unglaubliche Satz als allgemeine Regel aufgestellt, wird: „Die Güter, welche, man durch schimpfliche Mittel erlangt, wie durch einen Mord, ein ungerechtes Urtheil, eine unzüchtige Handlung, besitzt man zu Recht und man ist nicht verpflichtet, sie zurückzugeben/ Man donnert und wettert gegen die Moral des Talmud. Aber wo gelangt derselbe selbst nach dem Zeugnisse seiner Feinde zu solchen ungeheuerlichen Schlußfolgerungen, wie jene von Pascal bekämpfte Moraltheologie an dieser und den folgenden Stellen? Jene verabscheuungswürdige „Moral", die erst Pascal aus dem Dunkel der lateinischen Sprache hervorzog, geht nämlich von dem scheinbar harmlosen Satze aus, „daß eine Handlung nicht als Sünde angerechnet werden kann, wenn Gott uns nicht vor ihrer Begehung die Kenntuiß des Nebels gibt, welche darin ist, und eine Inspiration, welche uns zur Vermeidung derselben anregt." Escobar und andere Lehrer dieser „bequemen Frömmigkeit" („Devotion aisee“, Titel eines damals verbreiteten Lehrbuches) folgerten daraus, daß, wenn man irgend etwas Schlechtes zu einem anderen Zwecke als zu dem, eine bewußte Schlechtigkeit zu begehen, vollbringe, dies im Grunde nicht die verbotene Sünde selbst sei. Daraus folgten zunächst außerordentlich gefällige Recepte zur Umgehung der lästigeren religiösen Pflichten. Wenn es beispielsweise geboten ist, an einem bestimmten Tage zu fasten, und Jemand eine Mahlzeit einnimmt, nicht um den Fasttag zu brechen, sondern weil er sonst nicht schlafen könne, so sei dies keine Verletzung des Fastengebotes. Man ist ferner verpflichtet, zu fasten, aber nicht im Zustande besonderer Schwäche. „Wenn sich nun Jemand bei irgend etwas ermüdet hat (z. B., „um einer Freundin zu folgen" „ad persequendam amicam!“), ist er dann verpflichtet, zu fasten? Keineswegs, entscheidet der Lehrer der „bequemen Frömmigkeit" (Lettres V). All' dies ist in Escobar's approbirter Moralphilosophie zu lesen, welche damals n 36. Auslage in einem Octavband von 934 Seiten in Brüssel erschienen war und durch Pascal in weiteren Kreisen mit dem Erfolge bekannt gemacht wurde, daß ein besonderes französisches Wort „esaobardec" entstand, mit der Bedeutung, eine doppelzüngige Sprache in betrügerischer Absicht führen. Aber die Umgehung religiöser Pflichten war noch verhältnißmäßig das geringste Uebel dieser Lehren; sie enthielten auch tödtliches Gift. „Wenn unsere Feinde daran denken, uns zu schaden", sagt der biedere Escobar (lettres VII), „so dürfen wir ihnen den Tod nicht aus Haß wünschen, aber wohl, um uns vor Schaden zu bewahren". Ein anderer stellt das gemüthvolle Princip auf: „Ein Sohn kann den Tod seines Vaters herbeiwünschen und sich freuen, wenn er eintritt, wofern das mit Rücksicht auf den Vortheil, der daraus entsteht, geschieht, und nicht aus persönlichem Haß" (Hurtado nach dem siebenten Brief). „Derjenige welcher eine Ohrfeige erhalten hat, darf nicht die Absicht haben, sich zu rächen, aber wohl die Absicht, der Schande zu entgehen und daher ans der Stelle die Beleidigung vergelten, selbst mit dem Schwerte", sagt Lessius, ein Schriftsteller derselben Art. (7. Brief.) „Eine Frau darf ihrem Manne Geld nehmen, wenn sie es nimmt, nicht um ihn zu bestehlen, sondern um damit zu spielen" (9. Brief). „Ein Mönch oder Priester darf Denjenigen erschlagen, welcher audroht, des Ordens geheime und anstößige Missethaten zu veröffentlichen" (7. Brief). „Gewiß ist es verboten, sich zu duelliren, aber ein Duell liegt nur vor, wenn man die ausdrückliche Absicht hat, sich zu schlagen. Wenn aber Jemand sich blos deshalb schlägt, damit man nicht sage, er sei eine Henne und kein Mann, und an dem vereinbarten Orte erscheint, nicht mit der Absicht, sich zu schlagen, sondern sich zu vertheidigen, falls der Andere ihn angreifen sollte, so ist das kein verbotenes Duell". Der berühmte Sanchez erlaubte sogar, zum Duell herauszufordern, vorausgesetzt, daß man seine Absicht nicht auf das Duell, sondern aus die Rettung seines Lebens, seiner Ehre oder seiner Güter richtet, und Sanchez fährt (nach dem 7. Briefe) fort: „Und in diesen Fällen braucht man sogar nicht ein Duell anzuwenden, wenn man seinen Mann insgeheim tobten kann und dadurch ans der ganzen Angelegenheit herauskommt, denn durch dieses Mittel kann man '?!lles zugleich vermeiden, sowohl die eigene Lebensgefahr im Kampfe, als auch die Theilnahme an der Sünde, welche unser Feind durch ein Duell begehen würde." Es ist überhaupt kein Verrath, wenn man seinen Feind hinterrücks tödtet, denn Escobar sagt: „Man nennt verrätherisch tödten, wenn man denjenigen tödtet, der sich in keiner Weise dessen versieht, deshalb ist es keinverräthe risch er

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