Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 24 (16.6.1899)
- Date
- 1899-06-16
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Heile 4ö0 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 24 Briefkasten. Amalie Böhm. Sie wünschen zu erfahren, ob in Salmannsdorf oder Pötzleinsdorf die Möglichkeit ist. rituelle Kost zu erlangen? Vielleicht wissen die Leser dieses Blattes Auskunft zu geben? O. S. Der Ausdruck „Antisemit" ist durchaus nicht „nobel", wie.Sie meinen. M. R. Sie fragen, was V e r g a n i, der Geschichten aus Szegedin nach Wien verlegt und verlügt, dazu sagen würde, wenn man die Nachricht von einem in Ungarn deftaudirenden Bürgermeister fälschlich mit — Mühldorf in Zusammenhang brächte. Wir glauben, Herr V e r g a n i würde hierüber eine lebhafte, sittliche Entrüstung äußern. I. K. Der Unterschied ist der: Mit dem antisemitischen Cooperator Dietrich durfte ein Jude ruhig Geschäfte machen. Ein Antisemit, der es wagen würde, einem Wiener Rabbiner ein Compagnie- Geschäft anzutragen, würde von diesem sofort erfahren, wo der Zimmermann die Thür gemacht. I. F. Die „Reichspost" verräth eine erbärmliche Niedrigkeit der Gesinnung, wenn sie auch heute nicht wagt, in der Dreyfus-Affaire der Wahrheit die Ehre zu geben. „Dreyfus mag unschuldig verurtheilt sein — diese Frage mag dahingestellt bleiben" das ist das äußerste Zugeständniß, das das Blatt seiner antisemitischen Gehässigkeit abzuringen vermag. F. G—g. I. Das alberne Geschwätz in den antisemitischen Blättern anläßlich des Todes von Johann Strauß verdient keine ernstliche Widerlegung. II. Richard Wagner hat dankbar die Verdienste anerkannt, welche Juden um ihn und seine Musik sich erwarben. Dr. I. B. ad. I.) Der Präsident Loew ist nicht jüdischer Abstammung. Das hat er selbst öffentlich erklärt. Er stammt aus einer , allen protestanttschen Familie, ad. II.) P i c q u a r t ist kein Jude, er wahr vielmehr, wie Zola im Gerichtssaale erklärte, ftüher nicht frei von antisemitischen Allüren, ad. III.) Dr. Porzer sowohl als Dr. L ö w sind jüdischer Abstammung. Justus. Die Herrschaften haben das Wort vergessen: Jede herrschende Religion war einst - Ketzerei. Arthur H. Rochefort ist in Frankreich ebenso sehr als Mann von Geist, wie als Mann ohne Charakter anerkannt. Er war für Geld zu allen Zeiten zu Wem zn haben. R. A. Solange die Antisemiten von dem „jüdischen Verräther Dreyfus" sprechen konnten, gab es für sie keinen interessanteren Stoff. Heute erklären sie, die ganze Sache sei höchst langweilig. Jpse. Macaulay sagt in seinen Essays: „Wir halten dafür, das Schrecklichste aller Schauspiele ist: - die Stärke der Civilisation ohne ihre Barmherzigkeit." Freilich der Mangel an Civilisation allein entschädigt noch nicht für die fehlende Barmherzigkeit.?? Wie sehr der Talmud die Plutokratte verpönt, dafür deutet auch seine Erklärung (Sanh. 7), daß das Verbot der heiligen Schrift: „Ihr sollt Euch keine goldenen und silbernen Götter machen", eigentlich sage: Man soll das Gold und Silber nicht vergöttern. M. F—z. Wenn Dr. Lueger ernstlich alten Schmutz aus seiner Partei entfernen wollte, dann wird er bald ein — alleinstehender Herr sein. i. Warum soll sich der Cooperator Dietrich aus dem öffentlichen Leben zurückziehen, wenn er sieht, daß Pfarrer D e ck e r t, der doch noch ganz andere Dinge erlebte, dabei eine ganz schöne Karriere macht. Ego. Die Ungarn haben allen Grund, sich bei Dr. Lueger und seiner Pattei zu bedanken. Er hat an ihnen gehandelt, wie Bileam an den Juden. Er zog aus, ihnen zu fluchen — und sie danken ihm jetzt die reichen Segnungen des Ausgleiches. A. G —g. In seiner Geschichte der Revolution sagt Lamartine: „Das Volk hat keine polittsche Einsicht, höchstens ein dunkles politisches Gefühl." Z. Man sollte glauben, daß Bismarck von derlei Dingen etwas verstanden hat. Er aber sagte: „Eine Regierung darf nicht schwanken: hat sie ihren Weg gewählt, so muß sie, ohne nach rechts oder links zu sehen, vorwätts gehen. A—Z. V e r g a n i hat die wichttgste Aeußerung des Staatsanwaltes, wonach das Telegramm des „Deutschen Volksblattes", welches die Verhaftung des Schächters von G.-Jenikau meldet, erlogen sei, unterschlagen. Der verschlagene Vergani weiß, was er seinen Lesern unterschlagen muß. Concurs. Für den isr. Choraltempel in Braila •wird ein Obencantor gesucht Reflectanten müssen verheiratet, von tadellosem Charakter und streng religiösem Lebenswandel sein, mit guter sympatisch klingender Stimme, musrkalischer Bildung, vollständiger Kenntnis des neuen Chorgesanges wie der alten Chasonus, Kenntnis der hehr. Sprache und Gewandchert als Cantor und Kor eh. Mit d eser Stelle ist eim Gehalt von 250 Francs mona lieh verbunden. An Spenden und Gebühren kann auf weitere 3000 Francs jährlich gerechnet werden Die Stelle ist einen Monat vor den hohen Feiertagen anzutreten. Die Reisekosten zum Frohe vortrage werden nur den Acceptirten rückvergütet. Offerte mit Zeugnissen sind zu richten an Herrn Mayer Wechsler, Präsident des Choral- Tempels in Braila. (Rumänien ) Gesuche sind bis spätester 8 15. Juli n. s. a. c einzureichen. 271 CONCURS. In der israelitischen Cultusgemeinde Jaroslau ist die Stelle eines Synagogen-lforbeters zu besetzen. Derselbe muss sowohl im hebräischen als auch musikalischen Fache tüchtige Kenntnisse besitzen, und ist verpflichtet, einen entsprechenden Chor aut eigene Kosten zu erhalten. Jahresgehalt 900 fl. Ö. W. nebst üblichen Emolumenten. Bewerber wollen ihre mit den gehörigen Zeugnissen versehenen Gesuche an den gefertigten Vorstand längstens bis zum 1. August 1. J. einsenden und zu einer Probe-Andacht erscheinen. Reisespesen werden nur dem Acceptirten vergütet. JAROSLAU, den 12. Juni 1899. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde Heinrich Strisower, Präses. 281 Conrnrs. Die hiesige israelitische Cultusgemeinde benöthigt für die bevorstehenden hohen Feiertage einen tüchtigen, musikalisch gebildeten und mit guten Stimmmitteln ausgestatteten Cantor. Bewerber wollen sich unter Vorlage ihrer Zeugnisse und mit Angabe ihrer Ansprüche bis Ende Juli 1899 an den gefertigten Vorstand wenden und ihre Berufung abwarten. Bemerll. wird noch, daß hier die Absicht besteht, im nächsten Jahre den Cantorposten zu besetzen, so daß der während der Feiertage Fungirende bei beftiedigenden Leistungen Aussicht auf diese Stelle batte. T r e b i t.s ch, den 12. Juni 1699. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde Adolf Subak 279 Präses. Kundmachung. , Die Religionsprüfungen für Mittelschulen finden für das zweite Semester dieses Schuljahres Mittwoch den 21. d. M« um 5 Uhr Nachmittags in der Religionsschule der israelitischen Cultusgemeinde (L, Seitenstettengasse 4, 4. Stock) durch den Religionslehrer Herrn Dr. H. Pollak statt. Wien, im Juni 1899. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde. Geburtsscheine zu Schulrinschreibungen. Da die Anforderungen um Ausfertigung von Geburtsscheinen für schulpflichtig gewordene Kinder behufs Einschreibung in die Schulen vor Beginn des Schuljahres, insbesonders seit der Einverleibung der Vororte, derart zahlreich sind, daß das Matrikelamt der israelitischen Cultusgemeinde denselben nicht sofort Nachkommen kann, werden die Eltern rc. in ihrem eigenen Interesse erinnert, schon jetzt solche Documente zu bestellen und auch in Empfang zu nehmen. Vom 15. Juli ab können die erwähnten Dorumrnte nicht vor drei Tagen nach der Bestellung behoben werden. Die Amtsstunden für den Parteirnverkehr stnd Von 9 bis 12 Uhr Vormittags. Wien, im Juni 1899. Vom Makrikelamte der israelitischen Cultusgemeinde in Wien. Herausgeber: fc*. Zosef e. Bloch. — Verantwortlicher Redacteur: Robert Wolf. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VIIL