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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-06-16 · 24 (16.6.1899) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
24 (16.6.1899)
Date
1899-06-16
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 24 Dr. Blach^s Wochenfrlrrifk. Leite 457 stehender Arbeiter sich zu einer sehr absälligen Aeußerung gegen den fanatischen Jüngling veranlaßt sah. Der Angeklagte war vollkommen geständig und entschuldigte sein Benehmen nur dadurch, daß er aus nationaler Begeisterung so gehandelt habe und durch den Genuß von Bier hochgradig aufgeregt gewesen sei. In der Urteilsbegründung hob der Richter als besonders erschwerend die Rohheit des Angeklagten hervor. Prag. Mittwoch den 21. Juni, V,1 Uhr Nachmittags, findet in der Klaus-Synagoge in Prag die Trauung von Frl. Ella Ehrenseld, Tochter des Herrn Oberrabbiner Dr. Nathan Ehrenfeld, mit Herrn R abbin er Dr. Heinrich B r o d y aus Nachod statt. Prag. Ein Mitglied der hohen Aristokratie hat an den Oberrabbiner Dr. Ehren seid folgendes Schreiben gerichtet: „Geehrter Herr Oberrabbiner! Ich erlaube mir Ihnen anläßlich der bevorstehenden Befreiung des Capitän D r e y f u s und der dadurch dem ganzen Judenthum gegebenen Satisfaction für ein unerhörtes antisemitisches Verbrechen meine freudige Theilnahme auszudrücken." Prag. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Löbliche Redaction! Da Ihr geschätztes Blatt gewiß auch von Herrn Professor Dr. M. Lazarus gelesen wird, so gestatten Sie mir, den hochverehrten Gelehrten hier auf einen kleinen Lapsus in seinem ausgezeichneten. Werke: „Die Ethik des Judentums" aufmerksam zu machen. In der Randbemerkung auf Seite 346 wird gesagt, daß auch Maimonides (gleich dem Talmud) es noch geliebt hat, sich bei seiner Anwendung biblischer Verse der mehr witzigen als wahren Auslegung zu bedienen, da die streng grammatische Methode noch wenig verbreitet war. Letztere Behauptung wird mit den Worten begründet: Maimonides starb, als Abr. Jbn Esra erst 32 Jahre alt war. Hier ist gerade das Umgekehrte der Fall. Maimonides war 32 Jahre alt, als Abr. Jbn Esra starb. Denn Maimonides wurde 14. Nissan 30 März 1135 geboren und starb am 20. Tebet -= 13. December 1204, während Abr. Jbn. Esra 1088 oder 1089 geboren und am 1. Adar — 23 Jänner 1167 gestorben ist. Maimonides war demnach beim Tode Jbn Esras 32 Jahre alt. Prag-Weinberge. Rabbiner Stark." Prag. Am 21. d. M. findet hier in der Klaus-Synagoge die Trauung des Herrn Dr. Heinrich B r o d y, Rabbiner in Nachod, mit Fräulein Ella Ehrenfeld, Tochter des Oberrabbiners Dr. N. Ehrenfeld, statt. Schaffa (Mähren.) Vorige Woche fand hier das Leichenbegängniß des im 58. Lebensjahre verstorbenen Herrn Bernhard Kollmann s. A. unter großer Betheiligung der Ortsbewohner statt. An der Bahre hielt unser Rabbiner Sr. Ehrwürden Herr Dr. A. Diamant einen ergreifenden Nachruf, worin er seine Frömmigkeit, Wohlthätigkeit und Biedersinn Hervorhub, wobei kein Auge thränenleer geblieben ist. Um den Verblichenen, der lange Zeit Bürgermeister unseres Ortes war, trauern seine Witwe und - ein vortrefflicher Sohn. Möge ihm die Erde leicht sein. Sobieslau. Hier wurde Herr Emanuel Popper, Cultusgemeinde-Vorsteher von Miskowitz bei Sobieslau, unter außerordentlicher Theilnahme bestattet. Ortsrabbiner Moritz Z r z a w y hielt ihm einen warmen Nachruf, in dem er sein patriarchalisches Familienleben zeichnete. Rabbiner G o t t l i e b aus Sobieslau schilderte das gemeinnützige Wirken des Verstorbenen. Stanislau. (Ein seltener Fall.) In unserer Stadt hat sich jüngst ein Fall ereignet, der in der modernen Culturgeschichte Galiziens wohl einzig dastehen dürfte. Im hiesigen Gemeinderatbe erhob sich in der Sitzung vom 25. v. M., die unter dem Vorsitze des jüdischen Bürgermeisters Doctor N i m h i n stattfand, der hiesige Pfarrer Dr. E i s e l t und stellte den Antrag, es möge die Benennung „Judengasse" in „Baron Hirsch-Gasse" umgewandelt werden. Es ist selbstverständlich, daß dieser Antrag einstimmig und unter großem Beifall angenommen wurde. Rzeszow. Der Präses unserer Cultusgemeinde, der bekannte Hebräist und Bankier kaiserl. Rath S. H o l z e r, hat wieder die Führung der Cultusgemeinde Aoraden übernommen. Seit den letzten Wahlen sind bereits 10 Monate verstrichen und der seinerzeitige per Acclamation gewählte Präses wollte unter gar, keiner Bedingung weder an den Sitzungen des Cultusrathes noch an dem ganzen Gebühren theilnehmen. Budapest. Der Nagy-Karolyer Arzt Dr. A. Aldor in Nagy-Karoly hat den ungarischen Adel erhalten. Budapest. Unter Theilnahme eines vornehmen und zahlreichen leidtragenden Publicums wurden die irdischen Reste des verblichenen Großgrundbesitzers Htiiirich Schosberger de Tornya zur ewigen Ruhe bestattet. Vor dem mit Trauerfahnen und schwarzen Stoffen decorirten Trauerhause hatte sich ein zahlreiches Publicum eingefunden, und die Polizei konnte nur mit Mühe die Straße für den Verkehr frei halten. Hier hatttn auch zahlreiche Deputationen und Abordnungen von Wohlthätigkeitsvereinen mit ihren Fahnen Aufstellung genommen. In dem ebenfalls schwarz decorirten Hofraum, wo die Trauerceremonie stattfand, sah man außer den Angehörigen der Familien Schosberger, Kohner, Brüll, Oifermann, die Reichstags-Abgeordneten Johann R a d o c z a, Dr. Max Falk, Leo L a n c z y, Hofrath Dr. Armin N e u m a n n, Samuel L a z a r, ferner Oberstadthauptmann Bela R u d n a y, Generalconsul H a r is, die Consuln Dr. Paul U l l m a n n, Altschul, Halbauer, Professor Berthold Stiller, den Präsidenten der israelitischen Landeskanzlei Martin Schweiger, den Präsidenten des HeiligenVereines Moses Ehrlich, königlichen Rath Philipp W e i n m a n n, Emil A b r a n y i, Peter Herzog de Csete, Paul T e n c e r, Louis B i s i c z de Heves, Dr. Sigmund Adler u. v. A. Die Ordnung hielt unter Führung der Polizei-Jnspectoren Bornemisßa und Palagyi eine Polizeiabtheilung aufrecht. Die Trauerfeierlichkeit vollzog Rabbiner Dr. Samuel K o h n, der am Sarge die Verdienste des Verblichenen auf dem Gebiete der Industrie und seine unermüdliche Thätigkeit für das Wohl seiner Familie in einer ergreifenden Trauerrede würdigte. Profeffor Lazarus und der Tempelchor stimmten einen Trauergesang an, woraus der Sarg, geleitet von einer endlosen Wagenreihe, in den israelitischen Friedhof auf der Kerepeserstraße überführt und dort beigesetzt wurde. Temesvar. Die 1000 fl. - Spende, welche Herr Michael Schatleles anläßlich seiner silbernen Hochzeit bei der Josefstädter isr. Gemeinde erlegt hat, ist der Stabilisirung einer Rabbinats- Stelle bei dieser Gemeinde gewidmet und soll den zu diesem Zwecke bereits vorhandenen Fond bereichern. Dresden. Aufsehen erregt im Königreich Sachsen die Nachricht, daß der Schatzmeister des unter Protection der Königin Carola stehenden „Albert-Bereines", Commercienrath H o p f f e in Dresden, 200.000 Mark Vereinsgelder unterschlagen habe. Bereits seit mehreren Wochen sind Gerüchte im Umlauf, nach denen bei der Caffenverwaltung des Albert-Bereines namhafte Fehlbeträge sestgestellt worden sind. Der Mann war eine antisemitische Säule. Berlin. Die königliche Akademie der Wiffenschaften hat dem Herrn Privatdoeenten Dr. Bernhard Ramitz in Berlin zu einer Reise nach Norwegen zum Zweck von Forschungen über das Gehörorgan und das Centralnervensystem der Cetaeeen 2000 Mark und dem Privatdoeenten Dr. Leon Ascher in Bern zu Untersuchungen über die Eigenschaften und die Entstehung der Lymphe 400 Mark bewilligt. — Dr. Georg Salomon, Privatdoceut für medicinische Chemie an der hiesigen Universität, ist zum Profeffor ernannt worden. Paris. (Mazeau's Amtsvorgänger). Beda r r i d e s, der Amtsvorgänger M a z e a u's und Ehrenpräses des Caffationshofes, wurde Mittags mit großem Pomp auf dem israelitischen Friedhose zu Mont-Martre beerdigt. M a z e a u und M a n a u, sowie sechs Caffationshofmitglieder hielten die Enden des Bahrtuches. Alle französischen Rabbinate entsandten Deputationen. Die Leichenrede hielt der Pariser Rabbiner D r e y s u s. Warschau. Der Bankier Josef Landau in Warschau hat zum Andenken an seine jüngst verstorbenen Eltern 300.000 Rubel, die Familie des kürzlich in Lodz verstorbenen Fabrikanten M. Silberstein 166.000 Rubel für wohlthätige Zwecke gespendet. New-Pork. Im Krieg auf den Philippinen hat bekanntlich Colonel F e i n st o n e, der Commandant des Cansas-Regimentes, sich am meisten ausgezeichnet. Amerikanische Blätter berichten jetzt, daß derselbe ein geborener russischer Jude, Namens Teinstein, sei.

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