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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-06-02 · 22 (2.6.1899) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
22 (2.6.1899)
Date
1899-06-02
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 428 Dr. Bloches Wochenschrift. r stimmten Gelder, unterschlagen. — ad 2.) Zerboni S p o s e t t i, der zu den Vätern des Wiener Antisemitismus zählt, wurde wegen Defraudationen lerurtheilt. — ad 3.) Ernst V e r g a n l war, bevor er nach Wien kam. um das «Deutsche Volksblatt" zu gründen, Bürgermeister von Mühldorf. i. Gerade Graf K i e l m a n s e g g war noch vor einigen Jahren die Zielscheibe der gehässigsten Angriffe seitens der Antisemiten Heute constatirt sogar das officiöse „Fremdenblatt", daß der Gras das „Mißgeschick" hatte, sich das Lob des Mechanikers Schneider zuzuziehen. Aus dem Officiösen ins Deutsche übersetzt, würde das Wort „Mißgeschick" sicherlich ganz anders lauten. Dr. K. M. Es hat auch zu jener Zeit aufgeklärte und human denkende Fürsten gegeben. Friedrich II. schrieb damals an Carl von Wücktemberg: „D u l d s a m k e i t in der Religion wird machen, daß Sie von Ihren Unterthanen angebetet, Verfolgung, daß Sie von ihnen verabscheut werden". W. N. Solchen Infamien gegenüber können die Juden daran erinnern, daß der Staatskanzler Fürst von H a r d e n b e r g in einem Schreiben an den Gesandten Grafen von P r o t e von ihnen sagte: „Die Geschichte des letzten Krieges wider Frankreich hat bereits erwiesen, daß sie des Staates, der sie in seinen Schoß ausgenommen, durch treue Anhänglichkeit würdig geworden seien. Die jungen Männer jüdischen Glaubens sind die Waffengefährten ihrer christlichen Mitbürger gewesen, und wir haben auch unter ihnen Beispiele des wahren Heldenmuthes und der rühmlichen Verachtung der Kriegsgefahren aufzuweisen..." N—g. Heute wird sich schon mancher Franzose denken, daß man den geheimnißvollen Satz: Cette Canaille de D —« ruhig mit Drumont ergänzen könnte. Das würde in gewissem Sinne passen. L—t. Für die „Ritterlichkeit" der Anti-Dreyfnsards zeugten wohl, daß sie die greise Schwiegermutter des Capitans auf der Straße verhöhnten. Vielleicht hat Kaiser Wilhelm in seinen berühmten Briefen an den Capitän Dreyfus einmal auch dessen Schwiegermutter grüßen lassen. Z. N. Dr L u e g e r hat im Parlament den Grafen Thun wegen seines „unglücklichen Gesichtes" verhöhnt. Das ist ihm aber gewiß schon längst verziehen. L. H — th. Da Dr. F r i s ch a u e r im Gerichtssaale von den 600.000 fl. gesprochen, welche unter die „catonischen" Antisemiten hätten vertheilt werden sollen, wird wohl volles Licht in diese mysteriöse Angelegenheit gebracht werden. Todtschweigen läßt sich die Sache nicht mehr. K. SB. Diese antisemitischen Lügen sind zu albern. In dein von ihnen unbekannterweise so vielgeschmähten Talmud (Jabam. 63) heißt es einmal sogar: „Ein Mann, der keinen Ackerbau treibt, ist kein Mensch.) E L—g. Alexander Weil, der Freund Heinrich Heine's, lebte und starb als Jude. In seinen, in französischer Sprache erschienenen „Erinnerungen", finden sich auch sehr interessante Beiträge über die Juden in Köln. A. Herder, der Superintendent und Freund Goethe's hatte schon den Muth, zu sagen: „Die Besserung müsse nicht bei den Juden, sondern bei den Christen anfangen. Nicht blos die „Ehrlosigkeit" der Christen, sondern auch ihre sonstige Intoleranz, ihre Bornirtheit in der Auffassung der Religion überhaupt und der jüdischen, wie der christlichen insbesondere, muß durch bessere Erziehung und Unterricht entfernt werden." F. R. Das „Vaterland" hat, das muß anerkannt werden, von allem Anfang an eine objective Haltung gegenüber der Affaire Dreyfus eingenommen und nicht erst, wie Sie glauben, von dem Tage an, wo Oberst Henry als Fälscher entlarvt wurde. Freilich ist es traurig, daß man Selbstverständliches als eine Art Mirakel bewundert. Notizen. 200.000 Kronen beträgt der Haupttreffer der im Aufträge Sr. Majestät veranstalteten XX. Staatslotterie für gemeinsame Militär-Wohlthätigkeitszwecke. Wir machen unsere geehrten Leser darauf aufmerksam, daß sämmtliche 12.728 Treffer dieser Lotterie in baarem Gelde in allen Abstufungen von Tausenden und Hunderten ausbezahlt werden, und die Ziehung unwiderruflich am 15. Juni l. I. stattfindet. Baares Geld als Gewinnste anzusetzen ist nur die Staatslotterie berechtigt, deren Ziehung schon am 15. Juni l. I. stattfindet. Wie uns ein Blick in den Spielplan zeigt, ist diese Geldlotterie, welche im Aufträge des Kaisers veranstaltet wird, ganz außerordentlich reich ausgestattet, indem nicht weniger als 12 728 namhafte Geldtreffer, darunter der Haupttreffer im Betrage Vov 200.000 Kronen zu gewinnen sind. Die Nachfrage nach den Staatslotterie-Losen ist in den Tabaktrafiken, Wechselstuben, Collecturen schon jetzt eine so lebhafte, daß Jeder gut thun wird, sich rechtzeitig mit einem Lose zu versorgen. Kundmachung. Vom Vorstande der israel. Cultusgemeinde Wien wird hicmit zur Kenntniß gebracht, daß zur Einrichtung temporärer Betlocatitätcn für die hohen Feiertage durch Vereine und Privatpersonen im Srnne des § 86 des Statutes der Wiener israel. Cultusgemeinde die Bewilligung des Cultusvorstäudes einznholen ist und sind hiefür folgende Normen festgesetzt: 1. Die mit einem Kronen Stempel versehenen Gesuche zur Erlangung der Erlaubnis; sind bis längstens jU«i d J. im Einreichungs-Protokolle der israel Cultusgemeinde (I.» Seitenstettengasse 4, I. Stock) zu überreichen. Auf später einlangende oder nicht gehörig belegte Gesuche wird keine Rücksicht genommen. 2. Die Gesuchsteller haben für sich und die zu verwendenden Vorbeter (die Namen derselben sind in dem Gesuche anzugeben) genaue Ausweise über Charakter, Moralität und Befähigung zu erbringen. 3. An weibliche Personen wird weder direct noch indirect eine Bewilligung ertheilt. 4. Die als Betlocale einzurichtenden Räume müssen sich für diesen Zweck vollkommen eignen und ist die Zusicherung des Vermiethers, sowie des Hauseigenthümers wegen der diessälligen Verwendung schriftlich beizubringen. 6. In der Nähe von ständigen Bethäusern wird die Einrichtung eines temporären Betlocales nicht bewilligt. 6. Der Vorstand beabsichtigt, den gegenwärtigen Bedarf an temporären Privathäusern durch eigene Maßnahmen allmälig zu verringern und wird daher schon im heurigen Jahre nur im Falle thatsächlichen Bedürfnisses die Genehmigung für ein temporäres Bethaus ertheilen. 7. Die Bewilligung wird den Betlocal-Jnhabern nur gegen dem ertheilt, daß dieselben der Cultusgemeinde für unbemittelte Personen (Männer und Frauen) zusammen den zehnten Theil der von der Behörde genehmigten Sitzplätze unentgeltlich zur Verfügung stellen. 8. Der Text einer etwa beabsichtigten Annoncirung oder Plakatirung ist dem Gesuche zur Genehmigung anzuschließen. 9. Es ist Pflicht einer jeden Partei, für eine entsprechende Polizei-Aussicht aus eigene Kosten zu sorgen. Wien, im Mai 1899. Der Uorftand der israel. Caltasgemriiidr. Kundmachung- Für das israelitische Spital in Wien» XVIII., Währiuger- Gürtel 97, wird eine Wirthschafterin 30—40 Jahre alt, ledig oder kinderlose Witwe, israelitischer Eonfessiou gesucht; Erfahrungen in der Wirthschaft und in der Küche, sowie Vertrautheit im Lesen, Schreiben und Rechnen sind erforderlich. Bewerberinnen, welche bisher ähnliche Stellungen bekleideten, werden bevorzugt. Angemessener Gehalt und freie Station im Anstaltsgebäude werden geboten. Schriftliche Offerte, mit Zeugnißabschriften und Referenzen versehen, sind bis längstens 6. Juni 1899 in der Verwaltungskanzlei des Spitales XVIII., Währinger-Gürtel 97, Parterre zu überreichen. Wien, 30. Mai 1899. „Der jüdische Arbeiters Herausgeber Dr. S. R. Landau. Nedaclion und Administration IX. Gtasergaste 7. Das soeben erscheinende Juniheft eröffnet eine Artikelserie vom Herausgeber: „Meine Beziehungen zu Dr. Herzl". _Probe-Exemplare gratis und franco._g. Conrurs. muv uvu vim veil ---------------- **»uM9i)ciiicuu?cn Vukovar, Semlni, Dmkovce, Djakovo, Slatina, D. Mikoljae anläßlich des Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers und Königs errichteten Stipendien gelangen mit Beginn des Schuljahres 1899/1900 zwei im Betrage von je 200 sl. pro Jahr an solche israelitische Jünglinge zur Verleihung, welche sich dem Dolksfchullehrersache widmen oder sich zu Religionsweisern heranbilden wollen. Gesuche sind bis 31. Juli a. c. an den gefertigten Vorstand, wo auch die näheren Bedingungen eingesehen werden können, zu richten. 265 Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde zu Effegg-Oberstadt, am 2S. Mai 1899. Der Secretär: Der Vorstand: N. Schwarz m. p. Dr. H. Spitzer m. p. Herausgeber: Dr. Josef S. Bloch. — Verantwortlicher Redacteur: Robert Wolf. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VIII.

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