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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-05-26 · 21 (26.5.1899) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
21 (26.5.1899)
Date
1899-05-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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?tr. 21 Dr. Bloch’s Jahrgang XVI. Centralorgan für die gefammken Interessen des Iudenthums. W- K. K. Pogsparrassen-Amt Elraringverlrehr Nr. 810.976 Redaction und Administration: Wien H., Linkere Vnnnrko:. Ir tg.. Telephon - Kr. 14.847 Wien, 26. »at 1899. (E r f ch eint j c t> c u r c i t a i\ 93ricf=?fbrclTe: Wien, II., Untere Angartenstrasie t a. Ti-!est'. amm-Adresse ' B!cd;'-- Wocbenschrift, Wien. Bezugspreis für Oesterreich- Han jährig 4 fl. — 8 Kr. Einzeleremplare 25 kr. Für'« Ausland: halbjährig 5 fl. — 10 Kr. i ganzjährig 10 „ — 20 „! Ä n z e i g e n: Die 4mal gespaltene Petitzeile 12 kr. nr - U Inhalt. Leitartikel: Airs dem französischen Parlament. — Aufruf des Vereines für die Colonisation Palästinas „Ahavas-Zion" in Tarnow für die nothleidenden jüdischen Bergarbeiter in Boryslaw. — Wiener Specialitäten. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. — Der Zionismus am Scheidewege. — Eine neue Pentateuch-Uebersetzung. — Correspondenzen: Ein Gerichtsbeamter als antisemitischer Reporter. Thierarzt und Thierschützler. Die Abrustungsconferenz. Wien, Göding, Kuttenberg, Pisek, Falkenau, Vukobar, Düsseldorf, München, Königsberg i. Pr., Brailci. Der Jude als Patriot. — Vermischtes: Wien, Krems a. D., Wall.-Meseritsch, Proßnitz, Uszieryki, Drohobycz, Jablunkau, Stuttgart, Berlin. — Feuilleton: Michael. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Nus dem französischen Parlament. Paris, den 21. Mai. Die seit Monaten angekündigte große Rede Rouanet's über die Judenfrage in Algier wurde am letzten Freitag gehalten. Oder eigentlich sie wurde erst begonnen. Durch mehrere Stunden, bis halb 7 Uhr Abends, sprach Rouanet unter der gespannten Aufmerksamkeit des ganzen Hauses und dem stürmischen Beifall einer Majorität. Dann wurde die Sitzung abgebrochen. Mittwoch wird sie fortgesetzt und Rouanet wird seine Rede zu Ende führen. Vorgestern beleuchtete er die Genesis des Antisemitismus in Algier und wies mit Entschiedenheit alle Lügen und Verleumdungen der Antisemiten zurück. Es war für sie ein schlechter Tag. Unerbittliche Thatsachen und schonungslose Ziffern, das waren die Pfeile, mit denen Rouanet die Antisemiten ins Innerste traf. Ihr ganzes Lügengewebe von jüdischem Geld- und Landwucher hat er zerstört, und es nrachte eine ungeheure Sensation, als Rouanet von den Wuchergeschäften des Präsidenten einer antisemitischen Liga erzählte. Redner bewies, daß nicht die Juden, sondern gerade die Antisemiten zumeist Bankerott machen, daß sie den Bankcredit mißbrauchen, und daß speciell Morinaud pöre, der Vater des antisemitischen Deputirten und seines unmittelbaren Vorredners, mehr Geld der Banque d’Algerie schuldig geblieben ist, als alle algierischen Juden zusammen. Großen Eindruck machte es auf die Kammer, als Rouanet gegenüber den fortwährenden Ausstreuungen der Antisemiten, daß die Juden der französischen Bevölkerung alle Staatsämter wegfischen, bewies, daß es in Algier unter 17.843 Staatsfuuctionären kaum 253 Juden gibt, während die Juden der französischen Bevölkerung bilden. Nächsten Mittwoch wird sich Rouanet speciell mit der schrecklichen Lage des jüdischen Proletariats in Algier beschäftigen. Seine Rede, die wir hier in den wichtigsten Zügen wiedergeben, begann: „Ich appellire an die Aufmerksamkeit der ganzen Kammer, um eine republikanische und socialistische Pflicht zu erfüllen, die ich durch Ueberreichung dieser Interpellation übernommen habe. Ich erfülle eine republikanische Pflicht, indem ich gegen diese Schreckensherrschaft des aloierischeu Antisemitismus auftrete, durch die eine Schichte der Bevölkerung wegen ihrer Abstammung niedergedrückt und außerhalb des allgemeinen Rechtes und der menschlichen Gesellschaft gesetzt wird. Ich erfülle eine socialistische Pflicht, denn der algierische Antisemitismus trifft besonders die ärmsten Classen der Bevölkerung, die er mit seinem Racen- und Confessionshaß verfolgt. Es gibt ein gemeinsames Gebiet für die Bourgeois und für das Proletariat, ein Gebiet, das der Antisemitismus bedroht. Ich fordere die Regierung und die Kammer auf, endlich aus ihrer bisherigen passiven und zuwartenden Stellung hervorzutreten, die der Entwicklung des Antisemitismus nur förderlich war. Diese Haltung hat es den Repräsentanten des Antisemitismus ermöglicht, dem republikanischen Gewissen Frankreichs eine solche Debatte aufzuerlegen, wie sie sich heute hier abspielt. (Beifall auf vielen Bänken.) Was ist denn eigentlich auf der Tribüne vorgebracht worden?" 2Teeret Crörrneux. „Die antisemitischen Abgeordneten haben die Aufhebung des Decret Crömieux verlangt. Sie haben ihre Forderung auf eine Sammlung von gefälschten Thatsachen und entstellten Angaben basirt. Denn es ist nicht wahr, daß die Juden keine Patrioten wären, sie sind auch nicht die Bankerotteure, als die man sie darstellt. Die eigentlichen Bankerotteure finden Sie hauptsächlich unter den Antisemiten. Ich werde Ihnen dafür ziffermäßige Beweise anführen. Allein selbst, wenn alle Beschuldigungen der Juden auch wahr wären, so hätten dennoch die Antisemiten nicht das Recht, ein Verbrechen der Civilifationsschändung zu begehen und ein Regime der Barbarei in Algier einzuführen, das Algier und das, wenn es so fortgeht, Frankreich in den Augen entehrt Europas und der Civilifirten entehren wird. (Beifall auf der Linken.) Würden denn nach Beseitigung des Decret Cremieux die Gegensätze verschwinden? Das Decret vom Jahre 1870 ist das für die Juden Algiers, was für die französischen Juden die Constituante. Die Versammlung von Versaille hat es gegeben und es darf nicht zurückgenommen werden." Herr Klotz ge brandmarkt. „Von den jüdischen Abgeordneten hat sich bisher kein einziger angerufen, obwohl man durch drei Tage hier ihre armen algierischen Glaubensgenossen auf die Bank gelegt hat." (Die ganze Kammer wendet ihre Aufmerksamkeit auf den Millionär Klotz, der bei den letzten Wahlen nur dadurch sein Mandat gerettet hat, daß er sich vor seinen Wählern g e gen die Revision des Dreyfus-Processes ausgesprochen hat. Dieser saubere

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