Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 20 (19.5.1899)
- Date
- 1899-05-19
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 396 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 20 „Ah! ich denk' es noch wie heute! .... Das hatte mir weh gethan! Aber Aron, ich bin Dir ja treu geblieben; — nicht Ueberredung nicht, Drohung, nicht Gewalt vermochten mich dazu zu bewegen, dem reichen, jungen, schönen Abraham Steinschneider, der anderen Mädchen wohl gefallen mochte, die Hand zu reichen. Abraham Steinschneider war ein edler Mensch; ich hatte ihm offen gesagt, daß ich Dich liebe, und trotzdeni ich einen sehr günstigen Eindruck auf ihn gemacht hatte, erklärte er meinen Vater doch, von der Werbung um mich zurückzutreten." . (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. A. In Deutschland ist eine große Bewegung unter den Freisinnigen, die die Logen verlassen wollen, welche, in schamloser Verleugnung ihrer Grundprincipien, nur Christen aufnehmen wollen. H. G. Dr. L u e g e r hat deutlich genug gesagt, wen er für „die Spitzbuben" hält, „die dieses Urtheil" schöpften". Freilich, Dr. Lueger ist nicht zimperlich, er citirt ja mit Behagen das Urtheil, welches die „Arbeiter-Zeitung" über ihn fällt, die ihn „den größten Gauner auf Gottes Erdboden" nennt. H. G. Herder sagte von den Juden: „Die Juden waren und sind das ausgezeichnetste Volk der Erde; in seinem Ursprünge und Fortleben bis auf den heutigen Tag, in seinem Glücke und Unglücke, in Vorzügen und Fehlern, in seiner Niedrigkeit und Hoheit so einzig, daß ich die Geschichte, die Art, die Existenz des Volkes für den ausgemachtesten Beweis der Wunder und Schriften halte, die wir von ihm wissen und haben." G. W. Prinz L i e ch t e n st e i n hat echt jesuitisch nur von zwei Mitgliedern des Verwaltungsgerichtshofes, L e m a Y r und Burckhard gesprochen. Der edle Prinz thut so, als ob er gar nicht wüßte, daß Graf S ch ö n b o r n der Präsident des Verwaltungs- Gerichtshofes ist. Ego» Kennen Sie nicht das witzige Wort Pope's: „Mein ganzes Leben über kannte ich keinen Menschen, der eines anderen Unglück nicht mit wahrhaft christlicher Fassung ertragen hätte." I. B. In einer seiner berühmtesten Parlamentsreden, die vor Jahrzehnten Heinrich Simon hielt, kommt folgende Stelle vor, die als Antwort auf Ihre Bemerkungen diene: „Als Solon gefragt wurde, welches die beste Regierung sei, da antwortete er, das sei die, in welcher die geringste Beleidigung des geringsten Bürgers als eine Schmach für die ganze Verfassung angesehen werde." H. F. Die Lchrerfeindlichkeit des Herrn Gregorig sen. hat nicht gehindert, daß sein Sohn G r e g o r i g jun. eine besonders glückliche Carriere als Lehrer macht. Arthur B. Wie Luther zu Beginn seiner reformatorischen Thätigkeit über die Juden dachte, können Sie aus seinen folgenden Bemerkungen ersehen: Er sagte unter Anderem: „Und wenn wir gleich hoch uns rühmen, so sind wir dennoch Heiden und die Juden von dem Geblüte Christi, wir sind Schwäger und Fremdlinge, sie sind Blutsfreunde, Vettern und Brüder Jesu . . . Aber nun wir sie mit Gewalt treiben und gehen mit Lügentheidungen um, geben ihnen Schuld, sie müssen Christenblut haben und weiß nicht, was des Narrenwerks mehr ist, was sollten wir Gutes an ihnen schaffen." Als die Juden sich auch gegen Luther ablehnend verhielten, änderte er allerdings vielleicht nicht seine Meinung, wohl aber seine Sprache gegen sie. H. R—n. Es klingt curios, was das Blatt schrieb, aber es ist buchstäblich wahr: ein betrunkener Strolch, der die jüngste Hetzrede des hochwürdigen Monsignore S ch e i ch e r in einer Branntwein- Boutique gehalten hätte, wäre für diese Leistung ins Zuchthaus spaziert. Ein Glück für Monsignore Sch sicher, daß er im Landtage und nicht in Branntweinschänken spricht. I. B—r. Sie werden den Uebereifer des Dr. P o r z e r sich leicht erklären können, wenn Sie daran denken, daß Renegaten zumeist der Meinung sind, dadurch ihre Vergangenheit vergessen machen zu kömlen. Herrn Josef R. in F. Die Discussion eines solchen Thema kann nicht von einem Anonymus eingeleitet werden. An unsere geehrten Abonnenten. Wir ersuchen diejenigen unserer geehrten Abonnentenwelche zu Beginn der Sommersaison aufs Land gehen, um rechtzeitige Mittheilung ihrer Adresse, und zwar unter Beifügung ihrer bisherigen Adresse, damit in der pünktlichen Zusendung des Blattes keine Unterbrechung eintrete. Hochachtungsvoll Die Administration der „Oesterreichischen Wochenschrift". Zur gefälligen Beachtung. Wir ersuchen diejenigen unserer Abonnenten, welche noch mit der Abvnnernsntsgrbühr im Rückstände stnd, die;ur Einhebung derselben von uns versendeten Postaufträge gefälligst honoriren;rr wollen. Die Administration. Eingesendet. Sehr geehrter Herr Redacteur! Anläßlich der gestrigen Einweihung unseres Bethauses hat unser Herr Obmann-Stellvertreter das Amt übernommen, nur die Ankunft derjenigen Gäste namhaft zu machen, die wir speciell zu begrüßen für selbstverständlich erachteten. Dadurch jedoch, daß unser Herr Obmann-Stellvertreter bei Verlesung des Wochenabschnittes Functionen auszuüben hatte, blieb ich von der Anwesenheit des sehr geehrten Herrn Dr. Spitzer als Vertreter der löblichen Cultusgemeinde in Unkenntniß, wodurch der uns ungemein unliebsame, bedauerliche Vorfall eintrat, daß eine specielle Begrüßung. des sehr geehrten Herrn Vertreters der löblichen Cultusgemeinde, dem wir bei diesem Anlasse unseren Dank an die löbliche Cultusgemeinde dafür auszusprechen beabsichtigten, weil die löbliche Cultusgemeinde unser humanitäres Unternehmen damit förderte, indem sie uns die Einwilligung zu unserem Bethause ertheilte, unterblieb. Wir bitten den hochgeehrten Vorstand der löblichen Cultusgemeinde, sowie dessen Vertreter, den sehr geehrten Herrn Dr. Spitzer, dies zur gefälligen Kenntniß zu nehmen, und unseren Dank auf diesen, Wege freundlichst entgegennehmen zu wollen. Wir danken auch Ihnen sehr geehrter Herr Redacteur für die Aufnahme dieser Zeilen im Vorhinein und zeichnen Hochachtend ergebenst für Humanitärer Verein „Marpe Lanefesch" rcsi1? kbiö ho»n rra Wien, II., Taborstraße Nr. 38. Jacob Stern Obmann. Aufruf! Ein erblindetes Mädchen, Sarah Seif, aus Skola in Galizien, ist zu dem Zwecke in Wien, ein Handwerk zu erlernen, um sich, da sie eine mittellose Waise ist, keine Verwandten besitzt, auf deren Unterstützung sie rechnen könnte, durch ihrer eigenen Hände Werk ernähren zu können. Da dieses blinde Mädchen im hiesigen Blindeninstitut wegen Raummangel eine Unterkunft nicht gefunden hat, so ergeht an alle Glaubensgenossen der warme Appell, zur Beschaffung der Mittel, welche zu deren Versorgung erforderlich sind, nach - Kräften beizutragen. Milde Spenden übernimmt die Administration dieses Blattes. Coneurs. An der Klaus-Synagoge in Prag gelangt mit 1, August 1. ]. die Stelle eines Obercantors zur Besetzung. Bewerber um dieselbe, welche vorzügliche stimmliche Begabung besitzen, musikalisch gebildet, event, zur Leitung des Chores befähigt, sowie in den traditionellen liturgischen Gesängen versirt und auch erforderlichen Falles mit der Thoravorlesung vartraut sind, wollen ihre Gesuche, unter Angabe ihrer bisherigen Stellung, ihres Alters, der Zahl ihrer Familienmitglieder und ihres Lebenslaufes, unter Beischliessung ihrer Zeugnisse an den Vorstand richten und an den gefertigten Obmann spätestens bis 31. Mai d. J. einsenden. Mit dieser Stelle ist ein, nach Uebereinkunft festzustellendei Gehalt nebst Quartiergeld sammt den üblichen Emolumenten verbunden. Nur dem Acceptirten werden die Reisespesen vergütet. Prag, 12. Mai 1899. Vom Vorstande der Klaus-Synagoge. 249 Der Obmann Ignatz Robitschek Tischlergasse Nr. 7. Herausgeber: Dr. Josef S. Bloch. — Verantwortlicher Redacteur: Robert Wolf. — Druck von L. Beck & Sohn, Wien, VIII.