Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 18 (5.5.1899)
- Date
- 1899-05-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Uv.!8 Dl*a Bloch’s Zahrgasg XVI. Centralorgan für die gesammten Interessen des Iudenthums. -- Wien. 5. Mai 1899. -- Erscheint jeden r c i t a i\ - «>— ♦<-- Brief-Adresse: Wien» II.» Untere 'Augartenstrafie I a« Telegramm-Adresse: Bloch's Wochensrdrist, Wien. X-- - -. - ---=» K. ft. Poflsparcassen-Rmt Clearingverkehr j Nr. 810.976.! NrLsclion und Adminillrstivii: Wien II., Untere AugnrtenNr la. Telephon - Wr. 6535. k —- - -—A Bezugspreis für Oesterreich- Halbjährig 4 fl. — 8 Ar. Einzeleremplare 25 kr. lür's Ausland: halbjährig 5 fl. --- 10 Ar. ganzjährig 10 „ — 20 * Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 12 kr. U — -- ---« Inhalt. Leitartikel: Emigrations-Politik. — Die Generalversammlung des „Ahavas Zion".^ — Politischer Volksverein. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. Reminiscenzen an Tißa-Eßlar. „Nabbi" Bloch und Pater Scheicher. Strobach am Gardasee. — Ferienheim. — Besitzen wir originale Synagogenmelodien. — Ein evangelischer Prediger gegen den Antisemitismus. — Die Inden in der Armee der Vereinigten Staaten von Nordamerika. — Correspondenzen: Aus der Plenar-Sitznng des Vorstandes der israel. Cultusgemeinde Wien. Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis. Temesvar, Prag. Aus der Berliner jüdischen Gemeinde. Berlin, Korfu, Petersburg. — Vermischtes: Wien, Ein antisemitischer Agitator. Krakau, Kolomea, Goltsch-Jenikau, Lischau, Prag, Preßburg, Stampfen, Morva Szt. Janos. — Feuilleton. Der Flickschneider. — Literatur. — Briefkasten. — Giselaverein zur Ausstattung heiratsfähiger Mädchen. Emigrations-Politik. In einigen Wochen fährt sich der düster-traurige Beginn der galizischen Judenexcesse. Keinem Kenner Galiziens ist es heute unbekannt, daß die Reichsrathswahl in der V. Curie von Sanok-Jaslo nur den äußeren Anlaß der in diesem Lande zum ersten Male so mächtig ausgebrochenen Thätlichkeiten gegen die Juden bildete. Die eigentlichen Ursachen dieser Vorgänge lagen in dem niedrigen culturellen Niveau und in der schrecklichen niateriellen Lage des Bauernstandes. Es war Frühling. Die Kleinhäusler, Zwergbauern und allerhand Lohngesinde hatten ihre Wintervorräthe bereits verzehrt, und sie fanden keine Arbeitsgelegenheit, um sich ihren Lebensunterhalt erwerben zu können. Sie hungerten. Als mar; ihnen jüdisches Hab und Gut für vogelfrei erklärte, plünderten sie. So waren diese Vorgänge kein bloßer Zufall, sondern eine wirthschaftliche Erscheinung und ein Symptom des ökonomischen Bankerotts in Galizien. Seitdem wird bald ein Jahr verstrichen sein. Wir stehen vor der, für die bäuerliche Bevölkerung kritischen Jahreswende. Und da drängt sich die Frage gebieterisch auf: Was hat die herrschende Partei dieses Landes gethan, um die Noth zu lindern, um solche Ausschreitungen, die ihrer Heimat den Stempel der culturellen Minderwertigkeit aufdrücken, einfür allemal unmöglich zu machen? . . . Nichts! Die zwei Häupter des Landes, der Statthalter und der Landmarschall, haben ihr „Bedauern" ausgesprochen und sonst Alles beim Alten gelassen. Die Landtagssession ist zu Ende, und während der Scandal der „Sparcasse" und der Zusammenbruch der „Lemberger Creditbank" den Credit des Landes aufs Tiefste erschütterten, war die Majorität lediglich darauf bedacht, durch die Lex Urbanski einfür allemal die Minorität der Redefreiheit zu berauben. Die Noth wird immer größer, der Flecktyphus erstreckt sich immer weiter, und der Polenclub hat keine größeren Sorgen als die Frage der — Sprachenverordnungen. Und da sehen wir, wie plötzlich die Bauern zur Selbsthilfe greifen. Sie wandern aus. Das Ventil für die das Volk erdrückende Noth waren vorigen Jahres die Judenexcesse, jetzt ist es die Emigration. Wie eine Lawine bewegt sich die Bauernbevölkerung und drängt sich fieberhaft nach Auswärts. Die ganze Auswanderungsbewegung erfolgt spontan. Noch vor zwei Jahren, als das „brasilianische Fieber" — so nannte man die Massenwanderung nach Brasilien — in Galizien herrschte, da witterte der jetzige Statthalter die Einflüsse jüdischer Agenten dahinter, und eine vom Parlamente beschlossene Lex Pininski stellte die Ueberredung zur Auswanderung und den Ankauf der Habseligkeiten von Emigranten mnter schwere Strafe. Jetzt zeigt es sich, wie kurzsichtig diese Politik war. Die Auswanderung erfolgt trotz des Gesetzes. Aber sie hat einen ganz eigenartigen Charakter. Von den Zehntausenden, die seit März Galizien verlassen haben, geht nur ein kleiner Bruchtheil nach Amerika, wo Canada ein beliebtes Reiseziel ist. Die meisten Bauern gehen als Sachsengänger nach Deutschland, ja sogar nach Dänemark, wo sie zur Erntezeit gute Löhne erhaltm. Dann kommen sie in ihre Heimat zurück mit dem Bestreben, für die erworbenen Mittel ein Grundstück anzukaufen. Selbst die nach Amerika vorgedrungen sind, stellen sich schließlich wieder ein, denn hier ist ja doch ihre Heimat. So gibt es auch Dörfer, in denen wegen der großen Nachfrage seitens der heimkehrenden Bauern der Bodenpreis geradezu unerschwinglich wurde. Der Abgeordnete Stapinski führte mir als Beispiel sein Geburtsdorf an. Ein großer Fehler besteht darin, daß die Emigration ohne jede Organisation und Schutzvorrichtung vor sich geht. Der Auswanderungs-Schutzverein „St. Rafael" mußte sich vor zwei Jahren auflösen, weil man in ihm einen Ansporn zur Emigration sah. Das sagte die Weisheit des Polenclubs. Nun hat die Auswanderung einen viel größeren Umfang angenommen — trotzdem. Aber es ist die Noth allein nicht, die den Bauernstand zwingt, die heimatliche Scholle zu verlassen. Zu jenem wichtigsten Motiv gesellen sich noch: Steuerdruck und die unglaubliche, der Humanität hohnsprechende Behandlung, die ihnen von Factoren zu Theil ward, die für ihre Wohlfahrt zu sorgen berufen wären. Analog lagen auch die Verhältnisse bei den Jude n. Nur ist hier die Entwicklung der Dinge keine blos uatür^