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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-04-28 · 17 (28.4.1899) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
17 (28.4.1899)
Date
1899-04-28
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 336 Nr. 17 Dr. Blvch's Wochenschrift. ,-Gelobt bist Du Gott, daß Du mich nicht zum Knecht geschaffen". und dann wird es heißen: „Ich danke Dir, Du lieber Gott, daß Du mich einen starken Mann geschaffen, einen Mann, der s r e i und achtzehn Stunden zu arbeiten im Stande ist, daß ich der „erste Warschauer Schneider in ganz Loschitz und Umgebung" bin; daß Du mich nicht als Thier auf der Erde wandeln läßt". Dann erst wird er die Flasche ergreifen, einige Tropfen auf die Erde schütten, und sie seinem Munde zuführen. Er wird den Branntwein ganz langsam und bedächtig schlürfen und sich an jedem Tropfen erquicken. Er wird sich ein Brotscheibchen abschneiden, viel Salz darauf geben und eine Zwiebel zubeißen . . . aber nur eine . . . denn solche Zwiebel kriegt man nicht jeden Tag; es sind dies große, flache, rölhliche Zwiebel mit einem Silberglanz — man hätte sie für den Samstag aufbewahren können! Und er wird auch richtig eine in der tiefen Tasche seines zerriffenen Kaftans für Samstag aufbewahren. Und sobald er mit dem Frühstück fertig ist, wird er auf dem Herde ein Feuer anblasen und die beiden. Preßeisen daraufstellen, die so schwarz sind, wie sein Schicksal, und hart wie die Noth, die ihm den Kopf zur Erde drückt und sein Haar vor der Zeit ergrauen macht. Wir aber wollen, bevor der Schlachciz und sein ganzes Hausgesinde aus ihrem Schlafe erwachen und Jüdl den „Warschauer" Ueberrock fertig macht, die Biographie des e r st e n Schneiders von ganz Loschitz und Umgebung erzählen. Seine Biograpdie hat keine einzige malerische Scene, kein einziges romantisches Ereigniß aufzuweisen. Schmutz, Hunger, Noth und Arbeit, das sind die vier Säulen, auf denen sein Dasein ruhte. Und wenn er noch so weit in sein Leben zurückblicken wollte, er würde nichts als Dunkelheit, Schmutz und Trauer finden. In seiner ffühesten Jugend hatte er zwei Ideale: den silbernen Rubel und die Fähigkeit, Talmud lernen zu können. Aber beides ward ihm versagt. Was er erreicht hatte, war die ererbte Kunst seiner Vorfahren: Die Schneiderei. Schon sein Urgroßvater war im Städtchen der Leibschneider des Schlachciz. Die feinsten Kleider des Stadtherrn wurden bei ihm verfertigt. Das waren Zeiten! Jüdl's Familie weiß von diesen Zeiten ein Lied zu singen. Sie hat sie zwar nicht miterlebt, aber jene glücklichen Ereignisse werden wie eine heilige Tradition in der Familie forterzählt und von Geschlecht zu Geschlecht weitergepflanzt. Und es ist da was zu erzählen! Zwar hat der damalige Schlachciz nie mit barem Gelde gezahlt; aber er ließ es dafür an Proviant nicht fehlen. Und wie spottbillig war nicht Alles zu jener Zeit! Ein ganzer Hecht zu Ehren des Samstags war gar nichts Außerordentliches gewesen. Und oft kam es vor, daß man a u ch an einem Wochentage Fleisch gegessen hat. Von allen Höfen überschwemmte man den Urgroßvater mit Arbeit, so daß sein Reichthum von Tag zu Tag wuchs. Und als der Urgroßvater Großmutter Rojse verheiratete, war er bereits im Stande, ihr vier Ducaten als Mitgift und einen Silberthaler obendrein als Ehrengeschenk zu geben. Das waren Zeiten! Was für Zeiten! Jüdl's Großvater hat lange nicht mehr solche glückliche Tage verbracht wie sein Vorfahren. Aber dennoch hat man schön gelebt. Außerdem schmüate sein Leben ein Ereigniß, das noch heute in Jüdel's Familie eifrig besprochen wird. In der Werkstätte seines Großvaters ist nämlich ein Frack verfertigt worden.Bitte, ein Frack! Ein Frack für den Bürgermeister, der ihn auf einer hochadeligen Hochzeit trug. (Fortsetzung folgt.) Briefkasten. L. H. Pfarrer D e ck e r t meint, die Rabbinen seien auch nicht Engel. Gewiß nicht. Aber er wird wohl noch von keinem Rabbiner gehört haben, der die Kanzel durch Hetzreden gegen die Christen entweiht und die Lüge verbreitet hätte, die Christen brauchten zu ihrem Osterfeste Judenblut. M. N. Das Verdienst an der Thatsache, daß der Congreß der Aerzte — an dessen Spitze durchwegs Christen und Arier standen — in Karlsbad und nicht in Wien tagte, kommt in der That auf das Conto des antisemitischen Gemeinderaths- Präsidiums. Man kann es begreifen, wenn die Aerzte es vermeiden, mit Leuten in Berührung zu treten, von denen sie stets beschimpft werden. A. N. Horaz sagt: „Den Himmelsstrich, nicht ihr Inneres wechseln, die das Meer überschiffen." I. H. Warum stannen Sie über Nachod? Die Staatsgr-undgesetze haben ja auch ihre Giltigkeit für Galizien und man hatte auch da behaglich^zugesehcn, wie die Inden geplündert wurden. I. B. Der Bertheidiger des christlich-socialen Dennncianteu hat vermuthlich nicht bedacht, was er mit den Worten sagte: Es sei die Christenpflicht seines Clienten gewesen, zu denunciren. F. R. Wann der chrlstlich-sociale Lehrer Kopetzky die salvatonnedaille, auch Pfistermedaille genannt, erhalten wird, wissen wir nicht, jedenfalls eher als die armen jüdischen Waisenkinder eine Subvention von dem antisemitischen Gemeinderath. M. N. Man muß kein fanatischer Verehrer Nietz'sches sein, aber man wird nicht leugnen dürfen, daß er an vielen Stellen um Sympathie und Verehrung vom Judenthume und den Juden spricht. Dr. I. G. Ihre Ansicht ist richtig und Sie könnten sich dabei ans das berühmte politische Wort des Engländers Fox berufe»: „Es ist der Charakter despotischer Regierungen, daß sie geheim, und der Charakter volksthüml.cher Regierungen, daß sie öffentlich sind. H. F. (II. Bez.) Der denuncirte Lehrer war ebensowenig ein ßube, E tber arme Zehrer P e y e r l, der ein so tragisches Ende fand. Wahrhaftig, freisinnig sein, gilt in den Augen der Antisemiten beinahe so viel, als Jude zu sein. ... Dr. L. G. Cardinal Rampolla scheint genaue Kenntniß von dem jämmerlichen Fiasco zu haben, das Lueger mit seinem wirthschaftlichen Programm erlitten, sonst hätte er ihn beim Abschied nicht zugernfen: „Nur Muth, nur Muth!" *♦ P f i st e r, der Freund L u e g e r's, hatte eine private Aeutzerung, die ein Friseur in seiner Gegenwart fallen ließ, zur . Anzeige gebracht. Er, P f i st e r kam später zu hohen Ehren in seiner Partei, so daß vielleicht Mancher es angezeigt findet, sein Beispiel als - Anzeiger zu befolgen. I. F. Schon M a c a u l a y sagte: Das Gesetz hat keine Augen, das Gesetz hat keine Hände, das Gesetz ist nichts, nichts als ein Stuck Papier, bis die öffentliche Meinung dem todten Buchstaben den Lebensathem einhaucht. „Beobachter'». In der That war es in einem Leitartikel des „Deutschen Volksblattes" klipp und klar zu lesen, daß die Stellungnahme gegen den Racenantisemitismus leicht zu einer Bewegung, ähnlich jener „Los von Rom" führen würde. I. 3. V e r g a n i soll geringschätzig von Dr. Wahner gesagt haben: „Deutsch schreiben kann er, aber schnorren muß er von nur lernen". B. I. in Tischnowitz. Wohnt in Paris. Autor. Jawohl. Wenden Sie sich an den Pedell der Universität. M. K., Rio de Janeiro. Herzlichen Dank für die freundliche Zuschnft und besten Gruß. Dr. I. A. Derlei Zuschriften können blos mit voller Ramensfertigung zum Abdruck gelangen. Literatur^. Eine seltene Auszeichnung. Sr. Majestät der Kaiser hat dem Wiener Schriftsteller K. Nolston für das von ihm herausgegebene Werk: „Ein Andenken an weiland Kaiserin und Königin Elisabeth" die goldene Medaille mit dem a. h. Bildnisse und Wahlspruche allergnädigst verliehen und anbefohlen, daß dieses Werk der k. u. k. Familien-Fideicommiß-Bibliothek einzuverleiben ist. Es ist besonders hervorzuheben, daß der genannte Schriftsteller mit der Ausgabe dieser Publication keine egoistischen Zwecke verfolgte, sondern das Reinerträgniß der Oesterreichischen Gesellschaft vom Rothen Kreuze und dem Elisabeth-Denkmalfond in Budapest zugedacht hat. Das uns vorgelegte Werk enthält Episoden aus dem Leben und nach dem Tode der Kaiserin, die besonders vortheilhaft gruppirt erscheinen. Ein wohlgelungenes Porträt der Monarchin, nach einem Gemälde von Hanfstängel in München, ziert die Publication. Der Autor hat sich die Aufgabe gestellt, dem großen Publicum die Anschaffung dieses Werkes zu erleichtern und hat den Preis per Exemplar auf 1 fl. 50 kr. festgesetzt. Bisher waren die Bestellungen aus allen Gesellschaftskreisen sehr zahlreich. Fremde Monarchen, Minister, Botschafter, Gesandte und Consule des In- und Auslandes haben den Herausgeber mit Aufträgen und mit Dankschreiben beehrt. Rührend gehalten war das Dankschreiben seitens der Bundesregierung in Bern. Um das Andenken an unsere gütige Kaiserin stets wach zu erhalten, möge jede Familie sich dieses patriotische Werk anschaffen, welches bei dem Herausgeber L. K. N o l st o n in Wien, I., Helferstorferstraße Nr. 1, zu haben ist. Herausgeber: Dr. Josef S. Bloch. — Verantwortlicher Nedacteur: Robert Wolf. — Druck von L« Beck & Sohn, Wien, VIII,

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