Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 14 (7.4.1899)
- Date
- 1899-04-07
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3020846-3021277-3021292--08740-3033134- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 274 Vr. Vloch'r Wochenschrift Str. 14 Richtig ist es, daß das Centralcomite für die galizische Colonie „Machnajim" 40.000 Francs votirt und daß es seine Organisation erneuert hat. Unrichtig aber ist es, wenn man der letzten Sitzung des Centralcomitäs eine ganz besondere Bedeutung beilegt und etwa die Aufnahme der Colonisation-Action in großem Maßstabe als Ergebniß derselben erwartet. Das Centralcomite verfügt bekanntlich nur über geringe Mittel. Was aber sein Berhältniß zur „Jewish Colonisation Association" anbelangt, so entsprechen die wohlgemeinten Angaben Ihres Correspondenten — leider nicht den Thatsachen. Das Centralcomits steht in keiner directen Verbindung mit der „Jewish Colonisation Association" und kann sich des indirecten Einflusses, den Ihr Correspondent ihm zuschreibt, keineswegs rühmen. Weit davon entfernt, die „Jewish Colonisation Association" vollständig für die Palästina-Colonisation gewonnen zu haben, finden jene Mitglieder des Centralcomitßs, welche zugleich in der Leitung der „Jewish Colonisation Association" Sitz und Stimme haben, im Gegentheil die größten Schwierigkeiten, so oft es sich um die Förderung der Palästina-Colonisation, wenn auch nur mit unbedeutenden Mitteln handelt. Die Feststellung dieser Thatsache halte ich für umso nöthiger, weil die Nachricht von einer angeblichen Eroberung der „Jewish Colonisation Association" für die Tendenzen der „Choveve Zion" bei den Freunden der Palästina-Colonisation Hoffnungen erwecken könnten, die sich als trügerisch erweisen würden. Genehmigen Sie, geehrter Herr Redacteur, den Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung. Dr. Alfred Nossig." London. Von hier wird über den Prospect der Jüdischen Colonialbank an Ludwig Schönberger's Börsen- und Handelsblatt in Wien geschrieben, daß vor Allem als auffällig erscheint, daß auf dem Pcosp.'ct nicht ein einziger Name zu lesen ist, der auch nur im entferntesten daran gemahnen könnte, daß auch die in England ansäßigen Juden in diesem Council repräsentirt seien, fällt natürlich auf, umsomehr, da in England von den 2,000.000 Pfund Sterling Actiencapital 1,999.900 Pfund Sterling gefunden werden sollten. In der That ist dieser schwache Punkt des Prospektes, der übrigens mit Ungercimtheiten religiöser, philantropischer und finanzieller Natur wimmelt, allerseits hervorgehoben worden, um nicht blos die jüdischen, sondern auch die nichtjüdischen Jnvestirungsclaffen Englands von jedweder Teilnahme an dieser Jüdischen Colonialbank abzuhalten. Man fragt vergebens nach den Namen von Rothschild, Seligman, Raphael, Bischoffsheim. Erlanger, Stern, Mocatto, Montague, Sassoon, Cohen, Goldsmid und Montefiore, die alle in der City und in englischen Finanzkceisen eines hohen Ansehens sich erfreuen und einzeln im Stande wären, das Capital einer jüdischen Bank, und wäre dasselbe noch so hoch bemessen, mit Leichtigkeit aufzubringen. Auch ist die jüdische Finanzwelt Frankreichs nicht viel besser vertreten. Welches ist der Grund dafür, daß gerade die Namen jener reichen Judenfamilien, deren Wohlthätigkeit zu Gunsten ihrer ärmeren Glaubensgenoffen keine Grenzen kennt, mit dieser Jüdischen Colonialb ank nichts zu thun haben wollen? Die Antwort ist, daß dieselben der zionistischen Bewegung gar keinen Glauben und Bedeutung beimeffen, in ihren Augen ist „Zionismus" ein Traumgebllde, welches seine Gläubigen hauptsächlich findet in Rußland, Rumänien, Galizien und in gewissen anderen Theilen Oesterreichs und Deutschlands, gerade dort, wo die sociale Lage der Juden keineswegs beneidenswerth ist. In England genießen jedoch die Juden, gleichviel ob arm oder reich, dieselben Vortheile, wie die Gentiles (Nichtjuden), und es gibt kaum einen einzigen darunter, der sein Los in England mit jenem im palästinischen Zionsstaate vertauschen möchte. Anstatt mit ihrer Emission an den Londoner Markt zu kommen, hätten die Faiseure der Jüdischen Colonialbank weiser gehandelt, in Wien, Kiew, Lodz, Warschau, Lemberg, Kischinew, Galatz, Braila, Moskau, Sofia, Odessa, Ekaterinoslaw zu Subscriptionen aufzufordern! Jedenfalls wären ihre Aussichten dort bessere gewesen, als in England, zumindestens auf einen partiellen Erfolg. Hier in England wird in den vier Wochen (28. März bis 28. April), während denen Snbscriptionen werden entgegengenommen werden, kaum genügend gezeichnet werden, um die Jnsertionskosten für „The Jewish Colonial Trust" zu bestreiten. Die wenigen Fachblätter, die dieser Emission einen Commentar widmen, betrachten die Sache als einen Spaß, ein Osterei, welches die armen russischen und polnischen Juden ihren englischen Glaubensgenossen für 2 Millionen Pfund Sterling zum Passah aufbürden wollen; oder sie nennen die Jüdische Colonialbank eine zionistische Phantasie, die sowohl vom religiösen wie vom finanziellen Standpunkte verurtheilt werden muß. Bukarest. Wir haben abermals eine Judendebatte in der Kammer gehabt und wenigstens moralisch ist dieselbe zum Nachtheile des Ministeriums ausgeschlagen, wenngleich dasselbe noch seine Majorität zu sehr in der Hand hat, als daß es, und noch dazu gerade in der Judenfrage, zu Falle kommen sollte. Aber es verdient, bemerkt zu werden, daß außer dem verdienstvollen Cogainiceanu, der jederzeit warm für die Rechte der Juden eintritt, diesmal auch der Deputirte Flßva und mehrere andere bedeutende Abgeordnete warm für die Juden und gegen das Ministerium aufgetreten sind. Es handelte sich um den Fall der armen jüdischen Arbeiter von Bukarest, die unter dem Vorwände, daß sie Anarchisten seien, ausgewiesen wurden. Die beiden genannten Deputirten gingen dem Ministerium sehr scharf zu Leibe, während der Abgeordnete Scortzescu den Nachweis erbringen konnte, daß die Ausgewiesenen weder Anarchisten noch Socialisten sind, sondern arme Arbeiter, die sechzehn Stunden des Tages gearbeitet haben, um sich und ihre Familien zu ernähren. Zudem sind es lauter ehemalige Soldaten, die ihre drei Jahre in der rumänischen Armee abgedient haben. Dabei ist der Minister mit so empörender Grausamkeit verfahren, daß die armen Teufel Per Schub über die ungarische Grenze gebracht worden sind, ohne die geringste Nachsicht auf die Familien derselben zu nehmen, die jetzt ohne Existenzmittel dem größten Elende preisgegeben sind. So stark war der Eindruck dieser Reden aus die Kammer, daß der Ministerpräsident Sturdza sich verpflichtet glaubte, zu entgegnen und zu diesem Zweck die unerhörte Dreistigkeit hatte, die officielle Bevölkerungsstatistik einfach zu fälschen. Er gab folgende Zahlen zum Besten: In den Jahrzehnten 1876—96 haben sich die christlichen Rumänen vermehrt von 5,155.360 Seelen auf 6,641.201, also um 11'3 pro Mille und Jahr, von Juden dagegen von 191.016 Seelen ans 543.711, also um 3 pro Mille und Jahr. Aus diesen Ziffern folgerte dann Sturdza, daß, da die Juden sich auf natürlichem Wege unmöglich so schnell vermehren könnten, eine jährliche Zuwanderung von 14.000 Israeliten stattfinden müsse, und da man nicht in der Lage sei, diese zu verhüten, müsse man sie durch solche Ausweisungen paralysiren. Die Schlüffe sind aber hinfällig, denn die Ziffern sind gefälscht und in Wirklichkeit leben in Rumänien nicht 543.711 Juden, sondern nur höchstens 300 000 Seelen, so daß nicht von Zuwanderung, sondern von Auswanderung die Rede sein kann. Solcher gefälschter Daten bedient sich aber unser Ministerium ebenso scrupellos, wie es die Juden, die durch viele Generationen hindurch im Lande wohnen, Fremde schilt, während seine drei leitenden Mitglieder selber Fremde sind, nämlich Sturdza Russe, Pherides Grieche und Haret Armenier. Am schlimmsten ist der Grieche Pherides, wie übrigens auch der ärgste Judenfresser in der rumänischen Kammer, Politismos von Dambowitza, Grieche ist. Vermischtes. Wien. (Politischer Volksverei n.) Donnerstag den 13. d. M., 8 Uhr Abends, veranstaltet der „Politische Volksverein" unter Vorsitz seines Präsidenten, des Herrn Dr. F i a l l a, im großen Saale des Kaufmännischen Vereines, I., Johannes-- gaffe 4, eine Plenarversammlung, deren Tagesordnung durch einen Vortrag des rühmlichst bekannten Seminarprofessors Herrn Dr. Hirsch Hildesheimer aus Berlin über das Thema: „Iüd is ch e Colo nisation in P alästina" ausgezeichnet ist. Man darf den Erörterungen dieses hervorragenden Fachgelehrten und Fachschriftstellers über dieses actuelle, alle jüdischen Kreise bewegende Thema mit desto größerem Interesse entgegensetzen, da Dr. Hildesheimer, ein glänzender Redner, zugleich als leitender Kopf und treibende Kraft der großen Abwehrthätigkeit im Deutschen Reiche eine maßgebende Stellung in der zeitgenössischen Judenheit einnimmt. Behufs Erlangung der zum Eintritte erforderlichen Karten wolle man sich an das V e r e i n s b u r e a u I., S ch o t t e n r i n g 23, wenden.