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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-03-17 · 11 (17.3.1899) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
11 (17.3.1899)
Date
1899-03-17
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Sette 222 Vr. Vloch's Wochenfchrifl Nr. 11 Schwarzen köpf: Sofort Herr Doctor! (Gr bringt eine Kerze. Auf Jenta's Arm gestützt, kommt Malta). I e n t a: Da ist die Patientin, Herr Doctor. (Malta steht vor dem Arzt, ohne ihn anzublicken). Der Arzt (zu Schwarzenkopf, der eine Kerze gebracht hat): Stellt hier die Kerze nieder. So. (Zu Malta.) Erzähle mir also schnell und genau, was Dir fehlt. Was schmerzt Dich? Der Kopf? Der Magen? Die Lungen? Malka (gibt keine Antwort): Schwarzenkopf: Sie entschuldigen, Herr Doctor, aber ich ... . Der Arzt: Ruhig. Die Patientin soll selbst antworten. Warum sprichst Du denn nicht, hast Du Halsweh? Schwarzenkopf: Sie wird nicht antworten. Der Arzt: Warum denn nicht, ist sie denn taub? oder ist ihre Zunge gelähmt? Schwarzenkopf: Nein, Herr Doctor. Sie hat einen großen Kummer und deshalb ist sie krank. Sie will gar nicht essen, gar nicht sprechen. Sie sitzt nur in ihrem Winkel und denkt nach .... Der Arzt: Wahrscheinlich wurde ihr von Euch ein Unrecht zugefügt? (Zu Malta.) Kannst Du mir denn doch nicht sagen, was Dir geschehen ist? (Fühlt ihr den Puls.) Hm, sehr erschöpft, sehr denervirt. Malka: Ich möchte Sie um etwas sehr bitten. Der Arzt: Also endlich. Was denn? Malka: Seit vier Tagen schlafe ich nicht. Das quält mich entsetzlich. Ich möchte einmal auch gerne einschlafen und im Schlafe ausruhen. Vielleicht könnten Sie mir irgend ein beruhigendes Arzneimittel geben. Der Arzt: Gut. Ich kann Dir Morphium verschreiben, dann wirst Du ruhig einschlafen. Und was fehlt Dir denn sonst? Malka: Nichts. Der Arzt: Dich muß etwas innerlich drücken. Bei Euch kommt das ja oft vor. Momentane Ehezwistigkeiten! Ich will Dir ein Beruhigungsmittel geben. Allein in Deinem Alter wäre es wohl bester, Dich nicht so zu grämen. Das erschüttert den Organismus und Du wirst schließlich zu einem Gespenst, vor dem Dein Mann entlaufen wird. Du mußt viel schlafen und gut essen. Bitte um Papier und Feder. Schwarzenkopf: Alles ist schon vorbereitet, Herr Doctor. Der Arzt (setzt sich nieder und schreibt). Schwarzenkopf (zu Jenta): He, man muß ihm was geben?! Jenta: Vielleicht dreißig oder fünfzig Kopeken. Schwarzenkopf: Ich werde ihm dreißig Kopeken geben und sie in ein Stückchen Papier einwickeln. Der Arzt (schreibt das Recept): Damit geht in die Apotheke. Bitte, davon sehr vorsichtig zu nehmen, denn zuviel könnte noch schaden. Der Arzt (bemerkt Jojne): Und was fehlt denn dem? Hat er Zahnschmerzen? Schwarzenkopf. Nein, Herr Doctor. Das ist ihr Mann. Er hat viel Verdruß und so sitzt er denn und denkt. Der Arzt (laut auflachend): Das ein Mann! In den Chaider sollte er noch gehen und nicht heiraten .... Lebt wohl. Und das nächste Mal bitte ich, mich mit solchen Dummheiten nicht zu belästigen. Dann werde ich nicht einmal kommen, wenn man mir mittheilen wird, daß Jemand gestorben ist. Schwarzenkopf: Warum sollten wir denn schon sterben? Der Arzt: . Also lebt! Schwarzenkopf (übergibt ihm das Geld. Der Arzt übernimmt es, ohne zu zählen): Gute Nacht Herr Doctor. (Begleitet mit dem Licht den Arzt bis zur Thür). Jojne (hebt den Kops und blickt Malka an): Malka, Malka! Malka (sie antwortet nicht, sondern schreibt fieberhaft auf dem übriggebliebenen Papierstreifen). I o j n e: An wem schreibst denn Du Malka? Du antwortest mir gar nichts. Und ich wollte Dir nur sagen, daß ... . S chwarzenkopf (kommt zurück. Malka versteckt das Manuscript): Leg' Dich ins Bett, Malka. Jenta bringt bald die Medicin. Wenn Du dann geschlafen hast, so will ich Dir morgen sagen, was der Rabbi befohlen hat .... denn deinetwegen habe ich ihn ausgesucht .... und ich mußte ihm meine Schande mittheilen. Er mag zwischen uns entscheiden. Malka (unterbricht ihn): Vergebens hast Du, Dich Vater, zum Rabbi bemüht. Zwischen uns gibt es nur einen Richter, den Allerhöchsten und Gerechtesten. Er mag unseren Streit entscheiden. Schwarzenkopf: Willst Du mich denn vor Gericht fordern? Du wirst von hier nicht fortgehen. Ich Hab' Dir das schon einmal gesagt. Malka: Mein Vater. Ich komme von hier nicht fort. Du kannst ruhig sein. Und vor dieses Gericht werde ich Dich vielleicht früher fordern, als Du es erwartest. Lebe wohl, Vater, lebe wohl armer Jojne. (Geht hinter den Paravent.) Schwarzenkopf: Vielleicht ist sie zur Besinnung gekommen. 3. Scene. Vorige, der alte Firulkes. F i r u l k e s (eintretend): Was ist wieder geschehen? Schwarzenkopf: Nichts ist geschehen. Was sollte denn geschehen? Firulkes: Wo ist die Malka? Ist sie nicht entlaufen? Schwarzenkopf: Warum sollte sie denn entlaufen? Sie ist ein wenig krank und liegt dort hinter dem Paravent. Warum machst Du soviel Spectakel, Firulkes? Firulkes: Warum sollte ich keinen Spectakel machen? Ich und mein Sohn haben durch Euere Tochter -nur Schaden und Verdruß . . . Schwarzenkopf: Ihr habt noch gar keinen Schaden, denn es weiß noch Niemand, was geschehen ist . . . Im Geschäft ist Jenta heute gesessen und hat viel gelöst. Also was willst Du, Firulkes? Firulkes: So kann es nicht weiter geh'n. Das ist kein Geschäft für mich. Dieselben Leute, die früher Geld für Euch gesammelt haben, sollen es auch jetzt thun. Schw arzenkopf: Die werden es nicht mehr thun. Firulkes (schreit): Zerbrich Dir den Kopf, wie Du willst. Ich darf keinen Schaden haben. So gesund soll ich sein. 4. Scene. Vorige, Jenta. Jenta: Hier ist die Medicin (zu Schwarzenkopf). Ich Hab' mit Euch noch zu sprechen, Schwarzenkopf. Schwarzenkopf: Gib ihr die Medicin. Jenta (geht zu Malka): Hier hast du Malta, das Fläschchen. (Zu Schwarzenkopf.) Frau Glanz ist hier. Sie hat für Euch ein gutes, ein goldenes Geschäft. Was schadet das Euch? Ihr könntet mit ihr sprechen. Das kostet nichts und könnte Euch etwas eintragen.

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