Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 10 (10.3.1899)
- Date
- 1899-03-10
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. JO Vr. Vloch's Wochrnschrist Bette 1S7 Lichtenstadt bei Karlsbad. (D e c o r i r u n g.) Am letzten Freitag fand in feierlicher Weise die Uebergabe, des ans Anlaß des Regierungsjubiläums des Kaisers dem hiesigen, jetzt in Pension lebenden Herrn Cantor und Religionslehrer Joachim Rindskopf verliehene Medaille für 40jährige treue Dienstzeit statt. Herr Joachim Rindskopf bekleidete dieses Amt durch 12 Jahre in Königsberg, dann durch nahezu 44 Jahre in der israelitischen Cultusgemeinde Lichtenstadt. Herr Rindskopf, der sich allgemeiner Beliebtheit in unserer Stadt erfreut, wurde von den anwesenden Mitgliedern auf das Herzlichste beglückwünscht. Holleschau. Am 2. d. M. feierten hier Herr Karl Beer und Frau unter Theilnahme der weitesten Kreise das Fest der silbernen Hochzeit, Herr und Frau Beer, welche sich ihres Wohlthätigkeitssinnes halber der größten Achtung erfreuen, bethätigten auch an ihrem Ehrentage ihre Güte und Frömmigkeit durch zahlreiche Widmungen. Herr Karl Beer hat u. A. der Synagoge in Holleschau ein wunderschön geschriebenes Sefer-Thora und zwei mit reicher Goldstickerei verzierte prachtvolle Mäntelchen für das Sefer-Thora gespendet. Diese Gegenstände sind von der Firma Jos. Schlesinger, Wien l., Seitenstettengasse 5, geliefert worden. Jägerndorf. (I u b i l ä u m.) Am 1. März feierte der hiesige Cantor und Religionslehrer Herr S. G r ü n b l a t t sein 30jähriges Amtsjubiläum in der hiesigen Gemeinde. Der Jubilar, der als selten pflichttreuer und tüchtiger Beamter wie als Reformator des Synagogengesanges sich auszeichnet, erfreut sich bei allen seinen Mitbürgern der vollsten Sympathieen. Die israelitische Cultusgemeinde beging in Anbetracht der Verdienste des Jubilars diesen Tag mit Herrn G r ü n b l a t t in feierlicher Weise. Pretzburg. Bekanntlich steht die hiesige „Jeschiwa", (Rabbinatsschule) welche das Oeffentlichkeitsrecht besitzt, unter Leitung des Herrn Oberrabbiners Beruh. Schreiber. Wegen Ueberbürdung in Berufs-Agenden, insbesondere aber in Berücksichtigung dessen, daß sein Gesundheitszustand ihm nicht gestattet, das Amt eines Directors allein zu bekleiden, sah sich Se. Ehrwürden gezwungen, einen Stellvertreter zu ernennen. Mit Genehmigung des hohen königl. Cultus- und Unterrichts-Ministeriums ernannte er seinen talentirten, wohl noch im jugendlichen Alter stehenden einzigen Sohn, den dipl. Rabbiner Herrn Akiba Schreiber zum Director-Stellvertreter. Genannter ist infolge seines ausgebreiteten talmudischen Wissens, seinerweltlichen Bildung und der Achtung, welcher er sich erfreut, vollkommen würdig, seinem hochgeschätzten Vater zur Seite zu stehen. Gr.-Meseritsch. Am Samstag den 11. Februar l. I. verschied hier die Oberlehrersgattin Frau Marie Steiner nach längerem Leiden im 45. Lebensjahre. Die Frühverblichene war ihrem Gatten, mit welchem sie in 25jähriger glücklicher Ehe gelebt, eine bewährte Stütze, ihren Kindern ' eine zärtliche, hingebungsvolle Mutter. Die Sympathie und Hochachtung, welche die Verblichene wegen ihrer Herzensgüte und trefflichen Charaktereigenschaften in allen Kreisen genoß und die allseitige, tiefe und aufrichtige Theilnahme manifestirten sich in der außerordentlich großen und zahlreichen Betheiligung an dem Leichenbegängnisse, bei welchem die Spitzen sämmtlicher Behörden, die Vorstände der Stadt- und Cultusgemeinde, die Lehrer sämmtlicher hiesigen Schulen nebst der Schuljugend, Deputationen hiesiger und auswärtiger Vereine und die Gesammtbevölkerung dieser Stadt vertreten waren. Im Trauerhause und auf dem Friedhofe executirte Obercantor Steiner die Trauergesänge und die üblichen Trauerceremonien in ergreifender Weise; ebenso ergreifend war auch ein Grabgesang, welchen Lehrer und Freunde als letzten Abschiedsgrnß der Verblichenen nachsandten. Der leider so früh Dahingeschiedenen bleibt ein ehrendes Andenken in allen Kreisen stets gesichert. I. St. Mährisch-Ostrau. Der Ball des israelitischen Frauenwohlthätigkeitsvereines von Mährisch-Ostrau und Umgebung, welcher am 2. d. M. in dem Festsaale des Deutschen Hauses stattfand, erfreute sich nicht nur eines überaus zahlreichen Besuches und glänzenden Verlaufes, sondern erzielte auch einen — mit Rücksicht auf feinen wohlthätigen Zweck — überaus erfreulichen Erfolg, indem die Brutto-Einnahmen ungefähr 1100 fl. betragen. Das Hauptverdienst an dem Gelingen gebührt wohl in erster Linie dem rührigen, umsichtigen Comitö, das sich in eifriger Weise dem vorbereitenden und gelungenen Arrangement widmete. Außer der vollzähligen Corporation der hierortigen israelitischen Cultusgemeinde hatten sich zu dem Balle die Vorstände und zahlreiche Mitglieder der Cultusgemeinden Teschen, Wagstadt, Oderberg, Freistadt, Troppau und Karwin eingefunden. Auch der Vorstand des Deutschen Vereinshauses Herr Dr. Carl Richter und kaiserlicher Rath Dr. Munk aus Wittkowitz waren erschienen. Besonderen Anklang fanden allgemein die aus der Kunstanstalt des Herrn Julius K i t t l in Mähr.-Ostrau hervorgegangeneu reizenden Damenspendeu in Form eines Bisitiers, tu dessen mit weißer Seide gefüttertem Täschchen die beiden Tanzkärtchen steckten. Das Bewußtsein einer edlen, wohlthätigen Sache in uneigennütziger, und wie allgemein anerkannt wurde, zugleich sinniger, unterhaltender Weise gedient zu haben, möge die Veranstalter des Festes für ihre anerkennenswerthen und erfolgreichen Bemühungen entschädigen! Mährisch-Ostrau, 6. März. Unter zahlreicher Betheiligung fand heute die Beerdigung der am 3. d. M. in Wien verstorbenen und hieher überführten Frau Henriette Strauß, geb. Winter, statt. Frau Strauß, welche im Alter von 35 Jahren ihrer Familie entrissen worden, war die Gattin des Herrn k. u. k. Majors im 56. Infanterie-Regiment S. S t r a u ß, und Enkelin des berühmten Gelehrten Aron Winter. Rabbiner Dr. Herzog widmete der Dahingeschiedenen einen ehrenden Nachruf. Stanislau. Am 27. Februar l. I. fand hier das Leicheubegängmß der im 49. Lebensjahre verstorbenen Frau Jeanette B l u m e n f e 1 d, Gattin des Gemeinde- und Cnltusratbes .Herrn Os. B l u rli e n f e I d, unter Betheiligung eines sehr zahlreichen, allen Ständen angehörigen Publicums statt. Die Verstorbene war allgemein als eine sehr wohlthätige und fronune Frau bekannt. Durch ihr ganzes Leben hat sie mit vollen Händen die Armen und Nothbediirftigen unterstützt und war die wohlwollendste Gönnerin aller Wohlthätigkeitsvereine. Arad. Hier feierte der verdienstvolle Obernotär der Gemeinde, Leopold Rosenberg, unter imposanter Theilnahme der Araber Bürgerschaft sein fünfzigjähriges Jubiläum. Bei der Feier waren die Notäre zahlreicher israelitischer Gemeinden des Landes zugegen. Das Jubiläum begann mit einem Festgottesdienste in der Synagoge und wurde am nächsten Tage mit einervoll der israelitischen Gemeinde arrangirten Festivität fortgesetzt. An den Jubilar siild zahlreiche Begrüßungsschreiben, Telegramme und werthvolle Geschenke eingetroffen. Berlin. Zum Andenken an seine im Jänner dieses Jahres verstorbene Gemalin hat Herr Philipp Frendenberg, Senior-Chef der Firma Hermann G e r s o n, eine Stiftung ins Leben gerufen, deren Zinsen zur Pensiouirung von bei obengenannter Firma langjährig Angestellten sowie zur Unterstützung von Witwen und Waisen derselben verwendet werden sollen. Herr Freudenberg hat dieser Stiftung zunächst ein Capital von 50.000 Mark überwiesen. Auch eine Carrierr. Von Leo Herzberg-Frankel. In der schönen Zeit, als unter Czar Nikolaus in Rußland noch kleine Judenknaben gewaltsam ausgehoben wurden, um in entlegenen Gegenden des Reiches zum Militärdienste erzogen und russificirt zu werden, blühte der Kinderschmuggel über alle Landesgrenzen. Die ärmsten Eltern gaben ihr Letztes hin, um ihre Jungen dem traurigen Lose zu entziehen, das für sie gleichbedeutend mit dem Tode war, da es eine Trennung und Entfremdung für das ganze Leben bedeutete. Mit einem Trupp anderer Schicksalsgenossen kanl auch der etwa zehnjährige Schmul nach dem gastlichen, von Juden durchaus nicht entblößten Galizietl, dürftig gekleidet, mit einem kleinen Leinwandsäckchen in der Hand, das einige Kopeken, ein Stück Brot und ein Gebetbuch enthielt. Seine armen Eltern konnten ihm eben nichts mitgeben als ihren Segen und ihre Thränen. Das Absteigquartier dieser hilflosen Flüchtlinge, waren die offenen, gewölbten Lauben alter Häuser, wo tagsüber Obst und Gebäck, Butter und Käse, Kienholz und Wagenschmiere verkauft wurden. Oben nisteten in den Gesimsen die Spatzen, unten schliefen auf Kehrichthaufen die fremden Jungen, die kein Geld hatten, um ein geschütztes Lager zu bezahlen. In lauen Sommernächten ging's hier laut und fröhlich zu, hörte man diese Kinder des Mangels und Elends singen und lachen, als lägen sie im weichen Bette unter der Obhut mütterlicher Zärtlichkeit, als brächte ihnen der nahe Morgen heitere Grüße und sorgsame Pflege und nicht die harte, an den Schwellen erbettelte Brotrinde. Erst der Herbst brachte den wahren Jammer. Die langen Nächte waren feucht und kalt, daß die ausgesperrten Hunde winselten und die Buben in ihren armseligen Fetzen unter den dem Winde offenen Lauben zum Erbarmen jammerten, daß die