Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-02-24 · 8 (24.2.1899) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
8 (24.2.1899)
Date
1899-02-24
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021277-3021286--08618-3033006
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 158 Vr. Vloch's Wochenschrift Nr. 8 Köln a. Rh. Leonh. Emanuel, von Leipzig Selmar Frank, seitens des Israelitischen Hilfsvereines Frankfurt a. M. Ch. L. Hallgarten. Die Verhandlungen des Verbandstages haben eine anerkennende Würdigung von Seiten des Deutschen Herbergsvereines des Pastors von Bodelschwingh in Bethel bei Bielefeld gefunden. Das Bureau des D. I. G. B. habe gelegentlich der Vorarbeiten für das Statistische Jahrbuch 1899 eine ergänzende Enquete über die Frage der Wanderbettelei vorgenommen, deren bemerkenswertheste Ergebnisse mitgetheilt werden. In die Verhandlung eintretend, berichtete der Vorsitzende über die im December 1898 in Nürnberg angebahnte Bildung eines süddeutschen Verbandes zur Bekämpfung der Wanderbettelei. Die Leistungen und Bestrebungen der Süddeutschen verdienten lebhafte Anerkennung, und der deutsche Süden und Westen müßten an der Verbindung mit dem Norden hervorragendes Interesse haben. Bezüglich der Organisation sei zu empfehlen, dieselbe in die Bezirksverbände zu verlegen, und wenn die kleinen, nicht leistungsfähigen Gemeinden etwas leisten sollen, müßten sie durch Unterstützung der größeren leistungsfähig gemacht werden. Das jüngst erschienene Statut des Süddeutschen Verbandes wird von Herrn Hallgarten verlesen. In der Discussion hebt Herr Frank hervor, daß die Verhältnisse des Königreichs Sachsen mit seiner kleinen Anzahl von Gemeinden, besonders aber die exceptionellen Verhältnisse der Gemeinde Leipzig, der Centralisation der sächsischen Gemeinden nicht günstig seien nnd die Abschiebung der Wanderbettler erfordern. Herr Singer- Magdeburg stimmt dem Leipziger Redner zu, ist in der vorliegenden Frage der provinziellen Organisation nicht geneigt und hält die Reducirung der Unterstützungsetats für ein wirksames Mittel, um die Belästigung durch Wanderbettler zu vermeiden. Herr Peltasohn-Bromberg unterscheidet die drei Punkte: a) Wanderbettelei, b) Armenpflege, c) Arbeitsnachweis. Zu a wünscht Redner eine Regulirung des Unterstützungswesens durch Schaffung von Bezirken, wie sie zum Theil in den Provinzial-, beziehungsweise Bezirksverbänden schon vorhanden flien; dieselben bedürfen einer Centrale. Zu b (Armenpflege) seien Organisations-Bestimmungen zu schaffen, über deren Ausführung der Bezirksverband wacht; die Mitwirkung der Centralstelle sei dabei nicht erforderlich. Den Arbeitsnachweis (c) zu schaffen und zu unterhalten, bleibe den großen Städten überlassen. Herr Rosenstiel weist auf den Zusammenhang zwischen a und c hin. Der Arbeitsnachweis verhindere, daß aus Arbeitsfähigen Wandcrbettler werden; bei den letzteren sei zwischen Inländern und Ausländern zu unterscheiden. Herr Peltasohn wünscht festgelegt zu wissen, durch welche Instanz, Gemeinde, Verband, Centrale, die Frage der Wanderbettelei behandelt werden soll. Herr Hallgarten ist für den Rosenstiel'schen Vorschlag der Bildung von Bezirksverbänden, die zu einem das ganze Reich umfassenden Verbände vereinigt werden müßten, und hebt die großen Verschiedenheiten in den einschlägigen Verhältnissen innerhalb der einzelnen Gemeinden hervor. Der Westen habe ein Interesse daran, den Osten, der zuerst von den Einwanderern in Anspruch genommen werde, zu unterstützen, und sei geneigt, einschlägigen Bestrebungen Mithilfe angedeihen zu lassen. Redner ist dafür, die ausreichende Unterstützung der Wanderbettler möglichst an die Grenze zu verlegen, und schreibt besonderen Werth auch der Milderung des Elends an seiner Entstehungsstelle zu, selbst wenn diese im Auslande liegt. Herr Professor Philippson hebt hervor, daß durch die Durchführung der Organisations-Bestimmungen, die nur auf einheitliche Maßnahmen gegen die Wanderbettelei Hinzielen, den Gemeinden keine neuen Lasten zugemuthet werden. Redner ist nicht für Verpflanzung der Thätigkeit ins Ausland, wohl aber für strenge Grenz-Controlle. Für die dazu nöthigen Maßregeln solle ein Theil des bisher zu Reiseunterstützungen der Wanderbettler gespendeten Geldes von den Gemeinden verwendet werden. Gleich der Mehrzahl der Vorredner empfehle er die Organisation und Centtalisation in der Frage der Wanderbettelei. In Fällen wie dem Leipziger sei eben eine Großgemeinde als Bezirksverband aufzufaffeu. Herr Hallgarten schlägt, mit Hinweis auf die vom deutschen Westen den östlichen Verbänden zur Verfügung zu stellenden Geldmittel vor, die östlichen Provinzialverbände durch das Bureau besonders aufzufordern, an der Beschickung der Commission in Berlin sich zu betheiligen und deren Arbeiten durch Aufstellnng eines Arbettsplanes und Etats zu fördern. Herr Rosenstiel ist nicht für Einrichtung von Bureaus, sondern von Arbeitsstätten an der Grenze. Alle Arrwesenden einigen sich über folgende Punkte, die als Resolution angenommen werden: „1. Die innerhalb der einzelnen Gemeinden bestehenden Wohlfahrtseinrichtungen sind zum Zwecke gemeinsamer Arbett zu centralisiren. 2. Bezirksverbände sind, wo noch nicht vorhanden, zu schaffen. 3. Die Bezirksverbände sind zu vereinigen. Der D. I. G. B. gilt in der vorliegenden Frage nicht als Centralverband, sondern nur als Centralstelle. 4. Es ist an dem Princip, die Einwanderer an der Grenze aufzuhalten und die unwürdigen Elemente zurückzuschicken, festzuhalten. Die Ausführung ist in einer Subcommission zu berathen, die sich zunächst mit den, den Einwanderungsstellen benachbarten Verbänden schriftlich in Verbindung zu setzen hat." Vermischtes. Wien. (S ch ö n l a t e r n b e t h a u s). In dem seit dem Jahre 1852 im Hause Schönlaterngasse 6 bestandenen Bethause wurde Dank der Munificenz seiner ständigen Besucher die elektrische Beleuchtung eingeführt, wodurch den vielfach geäußerten Wünschen wegen Abstellung der durch die Gasbeleuchtung verursachten Uebelstände Rechnung getragen wurde. Da der Gottesdienst nach wie vor von dem bewährten Cantor W e i n st e i n in würdiger Weise versehen wird, so ist zu erwarten, daß die Frequenz des Bethauses wie in früheren Jahren eine Zunahme erfahren werde. Wien-Mariahilf. Sonntag den 19. d. M., halb 6 Uhr Abends, fand im Gotteshause des israel. Tempel- und Schul- Vereines, VI., Stumpergasse 42, eine Gedenkfeier für den am 19. Jänner verstorbenen Herrn Leopold Jokl, der seit Jahren eines der eifrigsten Vorstandsmitglieder war, statt. Von der Beliebtheit des Dahingeschiedenen zeugte das sehr zahlreich erschienene Publicum, welches das Gotteshaus dicht füllte. Als Delegirter der Cultusgemeinde erschien Herr Architekt Fleischer. U.tter den Anwesenden waren unter Anderem die Vertreter des Bethaus-Vorstandes und der Chewra-Kadischa des XVI. und XVll. Bezirkes, der Tempelvereine des IX. und X. Bezirkes erschienen. Der gesangliche Theil des Programmes wurde von Herrn Obercantor Dünmann in gewohnter künstlerischer Weise ausgeführt. Die Gedenkrede, die auf alle Erschienenen sichtlich tief wirkte, hielt Herr Rabbiner Dr. Bach. Mit der ergreifenden Absingung von Psalm 16 und des Maariw-Gebetes schloß die würdige und erhebende Feier. Wien. (Verlobung.) Fräulein Sidonie Grü nwald, Tochter des Herrn Leopold Grünwald in Floridsdorf, hat sich mit Herrn M. Lichtblau in Wien verlobt. Wien. (F rauen- Wohlthätigkeits-Kränzch e n f ü r d e n IV. und V. Bezirk.) Das Ballcomite des Frauen-Wohlthätigkeits-Vereines für den IV. und V. Bezirk hat seine Thätigkeit bereits begonnen und beschlossen, wie seit einer Reihe von Jahren, das beliebte und elegante Tanzkränzchen Sonntag den 5. März d. I. im Ballsaale Ronacher abzuhalten. Wenn wir noch hinzufügen, das der königl. rumänische Hof- Capellmeister C. M. Z i e h r e r für die Tanzmusik und Professor Ed. R a b e n st e i n e r für das Tanzarrangement gewonnen sind, so glauben wir sicher annehmen zu können, daß das Kränzchen auch Heuer einen in jeder Hinsicht ausgezeichneten Erfolg anfzuweisen haben wird. Das ComitS-Locale befindet sich V/1, Wienstraße 12, bei Frau Charlotte Lichtblau. Wien. (B e t h a u s - B e r e in „B e t h H a ch n e t e t h".) Bei der am 2. Februar l. I. stattgefundenen Generalversammlung des Bethaus-Vereines „Beth Hachneteth", III., Untere Biaductgasse 15, bei welcher als Delegirter der Israelitischen Cultusgemeinde Herr Arthur Edler v. M i s e s anwesend war, wurde der vom Vorstande vorgelegte Rechenschaftsbericht einstimmig genehmigt. Bei der am 8. d. M. stattgefundenen Constituirung des Vorstandes wurden gewählt die Herren: Dr. Ludwig S t r a ß e r, Obmann. Marcus S l a t k y, Obmann- Stellvertreter, Max Wolfs, Schriftführer, Ph. S ch ö n, Cassier, PH. Löwy, Sam. Spitzer, Controlore; Sal. Elias, Mor. Köpper, Sal. Neufeld, Bethaus-Verwalter; Sal. Grünhut, Sig. Ochs, Jul. Weiß, als Beisitzer. Wien. (Spende.) Für die arme blinde Witwe sind uns von M. H. in Welka 2 fl. zugekommen. ' Wien. Wegen Unpäßlichkeit findet der für Freitag den 24. d. M. bestimmt gewesene Vortrag des Dr. Münz im Verein zur Abwehr des Antisemitismus „Ueber den Universalismus des Judenthums mit Berücksichtigung des Talmud" erst Freitag den 3. März l. I., Abends 8 Uhr, im Hotel de France statt. Wien. (Spendenausweis für den Brigitte nauer Tempelbau.) Jakob Goldner 10 fl.; Wilh. Schreier 5 fl.; Heinrich Weiner 5 fl.; N. Borg 2 fl.; David Ritter von Guttmann 1000 fl.; Gesammelt '/, Sessel in: Klosterneuburg, Mauer, Mödling und Baden 27 fl.; Heinrich Goldschmidt 25 fl.; Klarmat '/, Wünsch 3 fl.; zusammen 1077 fl.; bereits ausgewiesen 21.991 fl.; Summe 23.068 fl.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.