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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1899-02-24 · 8 (24.2.1899) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
16 (1899)
Issue
8 (24.2.1899)
Date
1899-02-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ur. 8 Or. Bloch’s Hahrs««g XVI. Centralorgan für die gefammten Interessen des Iudenthums. — - m V. ft. Pofisparragen-Amk Clearingverkehr j Ar. 810.976. . ArdacUon und Administration.- l Wien | XX,, Untere Augartrnfir. la. | Telephon-Nr. 6535. x * Wien. 24. Februar 1899. Erscheint jeden Freitag. - -H. —-- Brief-Adresse: Wien, II.» Untere Augartenstraße la. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. »rrugsprrt» für Oesterreich: Halbjährig 4 fl. --- 8 Kr. Einzelexemplare 25 kr. Me'» Ausland: halbjährig 5 fl. 10 Kr. ganzjährig 10 „ 20 „ Anzeigen: Die4malgespaltene Petitzeile 12 kr. X- Jnhalt. Leitartikel: Thierschutz und Sabbathruhe bei Juden und Nichtjuden. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgelchichte. „Verjudung". Aus einem Mädchenpensionat. Katechet Graf Wisniowski im — Irrenhaus. Baron und Baronin Rothschild iu Palästina. Vorn Schächten. Die Juden in Finnland. Verurtheilung französischer Antisemiten. — Berthold Auerbach über Juden und Judeuthum. — Die Wahrheitsliebe des Herrn Dr. Herzl. — Berliner Briefe. — Bibelunterricht im Urtexte in der Volks- und Bürgerschule. — Rücksichtnahme. — Correspondenzen: Aus der Sitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde. Politischer Volksverein. Wien, Nikolsburg, Lemberg, Berlin. — Vermischtes: Wien, Wien-Mariahilf, Wien- Ottakring, Korneuburg, Floridsdorf, Graz, Bisenz, Karlsbad, Lobositz, Trebitsch, Krakau. — Esther. — Feuilleton: Malka Schwarzenkopf. — Literatur. — Briefkasten. Thier schuh und Sabbathruhe bei Juden und Nichtjudrn. Zu den vielen unerfreulichen Erscheinungen der Gegenwart und den häßlichsten Seiten des Antisemitismus gehört unterAnderem auch, daß man in der Bibel enthaltene und von den Inden am treuesten befolgte Gesetze in christlicher Umdeutung gegen die Inden anwendet oder humane Gesetze der mosaischen Religion, welche die Inden seit Jahrtausenden befolgten, während die barbarischen Germanen und civilisirten Römer nichts von ihnen wußten, jetzt für Erzeugnisse des Christenthums oder der vorgeschrittenen arischen Cultur ausgibt. Dies zeigt sich besonders bei der Sabbathruhe und beim Thierschutz. Es vergeht fast keine Session eines Parlaments oder Landtages, in der nicht irgend ein Antrag auf Ausdehnung oder strengere Beobachtung der Sonntagsruhe, auf schonendere Schlachtung der Thiere eingebracht wird. Jetzt heißt es, sollen auch im Wiener Stadtrathe Maßregeln „zur Verhütung unnöthiger Quälerei beim Schlachten der Thiere" beschlossen werden. Es wird nur im Allgemeinen von Thierquälerei gesprochen, aber wir verstehen, was dahinter steckt. Wird auch bald Arbeiterfreundlichkeit, bald Religion, bald Humanität vorgeschützt, in den meisten Fällen steckt Judenhaß dahinter, sei es muthwilliger, sei es interessirter, auf Schädigung der Juden in ihrem Erwerb zielender, wie ja auch die Agitation der Kleinhändler gegen die Hausirer theils auf Brodneid, theils auf Judenhaß beruht. Aber während die sogenannten seßhaften Kleinhändler und Handwerker wenigstens nicht selbst hausiren gehen, sehen wir oft die eifrigsten Sonntagsheiliger und Thierfreunde in der Theorie, in der Praxis den Sonntag entheiligen und sich an den ärgsten Grausamkeiten gegen die Thiere betheiligen oder wenigstens ihnen gleichgiltig oder wohlgefällig zusehen, wenn sie von Christen begangen werden. Rur wenn ein Jude am Sonntag seinen Laden eme Viertelstunde länger, als gestattet ist, offen hält oder einen Ochsen schlachtet, geräth ihr Christenthum oder ihre Humanität rn Aufruhr. , „Der Gerechte erbarmt sich auch seines Viehes", heißt es m den Sprüchen Salomons; als großes Unglück wurde es bei den Juden betrachtet, wenn das Vieh kein Wasser hatte (IV. Buch u?°l c XX, 4; Prophet Joel I, 18) und Gott, heißt es beim Propheten Jonas, erbarmt sich Ninives nicht blos wegen der Menschen, sondern auch wegen der Thiere. Der Psalmist lobte Gott, der den Menschen und Thieren hilft (Ps. XXXVI, 7), der Thieren Wohnung und Nahrung gibt (Ps. 68, 11.104, 14), und der Prophet Jesaias verkündet (cap. n), daß zur Zeit des Messias vollkommene Freundschaft herrschen wird zwischen den wilden und zahmen Thieren, zwischen allen Thieren und den Menschen. Der vor einigen Jahren verstorbene Literaturhistoriker Edmund Dorer, der ein eifriger Thierfreund war, hebt in seinem Aufsatz „Die Tauben und der Taubensport"*) hervor, daß im Neuen Testament nicht ein einziges Begebniß erzählt wird, wo Jesus sich kräftig und entschieden gegen die Thierquälerei ausgesprochen hat, „welche ihm doch so häufig vor die Augen treten mußte". Er sucht dies damit zu erklären, daß „die junge Kirche, vor Allem auf ihre Ausbreitung bedacht, es nicht für zweckmäßig hielt, nach dieser Richtung hin zu hohe Anforderungen an die zu Bekehrenden in einer Zeit zu stellen, wo die Verbote der Gladiatorenkämpfe nicht immer beobachtet, Thierkämpfe aber an der Tagesordnung waren". Dorer vermengt hier eine viel spätere Zeit mit der Zeit Christi, zu der von einem Verbot der Gladiatorenkämpfe im römischen Reich noch gar nicht die Rede war, während die glaubenstreuen Juden gegen die Einführung solch' unmenschlicher Schauspiele in Palästina lebhaft opponirten. Die Ursache des Stillschweigens wird eben d i e gewesen sein, daß bei den Juden zur Zeit Christi keine Thierquälerei vorkam, wie ja auch die Gesetze über das Schlachten und die verbotenen Thiere die Jagd fast ganz unmöglich machten und damit eine der reichsten Quellen der Thierquälerei verstopften. Daß das junge Christenthum mit seinen „Anforderungen an die zu Bekehrenden" der jüdischen Propaganda gegenüber sehr herunterging, wie z. B. in Bezug auf den Sabbath und die Speisegesetze, ist bekannt. Aber auch in Bezug auf die Schonung der Thiere scheint dies der Fall gewesen zu sein. Ja, noch mehr, ein thierfreundliches Gesetz des Alten Testaments: „Du sollst dem Ochsen, der da drischet, nicht das Maul verbinden", ward zu Gunsten der christlichen Geistlichen in t h i e r f e i n dl i ch e m Geiste ausgelegt: „Sorget Gott für die Ochsen?* heißt es in der ersten Epistel Paulus an die Korinther (IX, 9—14), oder sagt er es nicht vielmehr für uns? Denn es ist ja um unsertwillen geschrieben. Denn, der pflüget, soll auf Hoffnung pflügen, und der da drischet, soll auf Hoffnung dreschen. Wenn *) Vermischte Aussätze von Edmund Dorer, herausgegeben von Adolf Friedrich Graf v. Schack, II. Band, Dresden 1893.

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