Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 16 (1899)
- Issue
- 5 (3.2.1899)
- Date
- 1899-02-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ur. 5 Dl*a Bloch 8 Jahrgang XVI. Centralorgan für die gesammten Interessen des Iudenthums. .- Tt. ft. Postlparcagen-Anik Tlrnringvrrkehr | Nr. 810.976. . Nedsction und Administration: i Wien I 11., Ankere NugarkenNr. la. j Telephon-Nr. 6535. X- ■ =- ■ =X ■ ■ ' Wien, 8. Februar 1899. -fr- Erscheint jeden Freitag. - »)■* ‘H1 ««fr - Brief-Adresse: Wien, II.» Untere Augartenstraße 1 r». Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. X- --- T-- ~ | Bezugspreis für Oesterreich: j Halbjährig 4 st. — 8 Kr. i Einzelexemplare 25 kr. j liir's Ausland: j halbjährig 5 st. — 10 Kr.! ganzjährig 10 „ — 20 „ i Anzeigen: Die 4mal gespaltene! Petitzeile 12 kr.! Inhalt. Leitartikel: Der Fall Färber. — Fremdenrechte. — Dr. Max Nordau in Berlin. — B o in I ah rmarkt des L e b ens: Glossen zur Tagesgeschichte. Die Geschichte eines Reisestipendiums. Jüdische Arbeiter. Schlagworte. Tr. Adolf Srlberstein als Jude. — Jüdische Literaturproben. — Dreyfns in der Caricatur. — Friedrich der Große und die Juden. — „Anti-Alien- Bill". — Goethe und die Juden. — Vom Duell. Alte jüdische Drucker. — C o r r e s p o n d e n z e n: Auszeichnung des Herrn Präsidenten Kliuger, Wien, Baden, Brody, Gewitsch, Prag, Ung.-Brod, Frankfurt, Rom, London, Belfast, Jaffa. — Vermischtes: Wien, Bräun, Zlabings, Godek, Korneuburg, Neuhäusel, Berlin. — Feuilleton: Malta Schwarzenkopf. — Literatur. - Briefkasten. — Inserate. Der Fall Färber. Von Dr. S. N. Landau. Die zwei Biedermänner Stojalowskffs, Dr. Dari i e l a k, der die polnische Volkspartei im letzten Augenblicke schnöde verließ, um sich mit Hilfe jüdischer Stimmen in's Parlament wählen zu lassen, und Pater Szponder, der nach der Wahl zur Symbolisirung seiner christlichen Nächstenliebe den Rabbiner von Myslenice umarmte, haben sich jetzt von ihrem Meister losgesagt. Nicht etwa wegen der antisemitischen Hetze dieses zur komischen Figur herabgesunkenen confusen Kopfes, sondern rein wegen persönlicher Eifersüchteleien. Sie sind ihrem „Programm" treu geblieben und trachten vielmehr, im Wege politischer Licitation ihrem Lehrer den Vorrang abzulaufen. Und dazu haben sie . ein originelles Mittel gefunden. Die Obstruction gibt ihnen gar keine Gelegenheit, ihre ohnedies sehr mangelhaften deutschen Sprachkenntnisse in Reden zu verwenden, sie geben sie daher in Schriftstücken zum Besten, in schriftlichen Denunciationen. Das Duumvirat Daniela k-S z p o n d e r hat sich als Denunciantenclub etablirt. Mit diesem parlamentarischen Revolver verfolgen sie Jedermann, der nicht nach ihrem Geschmacke ist: nicht blos Juden, sondern auch Beamte, Richter, Staatsanwälte, die das Verbrechen begehen, nicht parteiisch zu sein und weder Gesetz noch Wahrheit zu verletzen. Ein solches Opfer ihrer Verfolgungen und Denunciationen ist der Staatsanwalt Cieslinski in Neu-Sandec, ein alter, erfahrener, bereits mit dem Titel eines Oberlandesgerichtsrathes ausgezeichneter Beamter. Er hatte den Muth, gegen die Färbers trotz des ungünstigen Fakultäts-Gutachtens die Einstellung der Untersuchung zu beantragen und er hat sich damit die ganze Denunciantenmeute und ihre Presse auf den Hals gehetzt. Erst vorige Woche, in der Sitzung vom 19. v. M., haben diese Herren in Verbindung mit den Anhängern der „Volksparckei" Minkowski, Krempa, Stapinski und mit den Lueger-Trabanten dem Justizminister die angebliche Ermordung des Soldaten Stepkowicz durch den Juden Pecak in Neu-Sandec angezeigt und den Minister aufgesordert, den dortigen Staatsanwalt zu pensioniren, weil er keine Anklage erhoben habe. Natürlich war selbst das Organ der „Volkspartei", der „Kurjer Lwowski", schon zwei Tage später in der Lage, mitzutheilen, daß die Untersuchung eingeleitet worden war und lediglich zur Feststellung des natürlichen Todes führte. Auch über dem Gerichtssecretär B r o z e k schwebt das Damoklesschwert der Disciplinar-Untersuchung, da er im Processe Färber nicht zu Ungunsten der Färbers aussagen wollte und darum gleichfalls beim Justizminister denuncirt wurde. Daß der Justizminister dieser Schreckensherrschaft nicht zu widerstehen vermag, ist eine sehr bedenkliche Erscheinung und es ist für die galizische Judicatur sehr bezeichnend, wenn erst jüngst ein hervorragender Advocat beim Krakauer Landesgericht die Belehrung erhielt: „Wenn Sie,obew etwas beschleunigen wollen, so müssen Sie durch Danielak interpelliren lassen." Das sind die äußeren Umrisse, aus denen sich der Fall Färber plastisch hervorhebt. Der competente Staatsanwalt, der öffentliche und rächende Ankläger findet, daß die eingeleitete Untersuchung wegen Mangel an einem verbrecherischen Thatbestand einzustellen sei. Aber hinter den Coulissen arbeitet eine andere Macht, die über den Kopf des Staatsanwalts hinweg, außerhalb der Sphäre des öffentlichen Interesses, das zu vertreten der Staatsanwalt allein berechtigt ist, ihr persönliches und Partei-Interesse vertritt und keine Mittel und Wege scheut, um sie durchzusetzen. Im Falle Pecak, der am 19. v. M. dem Justizminister denuncirt wurde, dürfte es bei der Einstellung der Untersuchung bleiben, da handelt es sich lediglich um einen armen Teufel, um einen Menschen, in dem nur e i n Jude verfolgt wird. Da ist weder ein persönliches noch ein Partei-Interesse stärker engagirt. Anders bei den F ä r b e r s. Chaim Färber war der Jude, der wohlhabende Jude, der Realitäten- und Brauereibesitzer von Szaflary, der einzige Jude in der Umgebung von Neumarkt, dem Gras Z a m o j s k i nichts anhaben konnte. Wie eine blutrünstige Hyäne war dieser Magnat von der Fremde her in diese Gegend gedrungen und hat mit echt herostratischer Ruhmbegierde Dutzende jüdischer Familien